Donnerstag, 3. April 2025

Heilige Rehe

 Nach dem Tag voller Lärm und Action wollten wir es mal wieder ruhiger angehen lassen. Ursprünglich hatten wir geplant nach Kyoto zu fahren, aber wir bekommen von so vielen Seiten die Info, dass es da total überlaufen ist, sodass wir spontan umdisponiert haben. Nara ist in der Nähe und wurde uns schon mehrmals empfohlen. Wer sich in Japan weniger gut auskennt: Nara ist ca 1,5 Stunden Bahnfahrt östlich von Osaka. Und es ist berühmt für seine Rehe. In Nara werden Rehe als göttliche Tiere verehrt. Daher gibt es hier sehr viele und sie sind extrem an Menschen gewöhnt. So ein Streichelzoo in Deutschland ist fast nichts dagegen so zutraulich sind sie. 

Wir sind nach dem Ausschlafen bequem nach Nara gefahren und haben uns zu Fuß vom Bahnhof aus zum Park gemacht. Außer den Rehen hatten wir keinen großen Plan und sind mal wieder nur der Nase gefolgt. Die hat uns an zahlreichen Mitbringselläden vorbei in den Park geführt. Dort haben wir die ersten paar Rehe gesehen. Die kamen auf einen zu, bzw. standen oder lagen einfach so rum und haben sich überhaupt nicht stören lassen. Wir haben auch einen Stand gefunden, wo wir Reh-Cracker kaufen konnten um damit die Rehe zu füttern. Man merkt eindeutig, dass sie Menschen gewöhnt sind, weil wenn sie die Cracker riechen, kennen sie keine Zurückhaltung. Mich haben sie in die Hosentaschen gebissen und Marcel am Shirt gezogen. Später haben sie auch in die Hose gebissen und einer Russin haben sie die Starbuckstüte geklaut und zerfetzt. Es wurde auch vor den männlichen Rehen gewarnt, die sind aggressiver. Ich würde sie eher als aufdringlicher beschreiben. Es kann aber kaum was passieren, da die Geweihe entfernt wurden. Bei den Tausenden von Tieren ist das auch für die Tiere besser. Zum Füttern gibt es aber noch Regeln: man verbeugt sich vor dem heiligen Tier, bevor man Futter anbietet. Mit einer Verbeugung nimmt das Reh das dann an. Ich würde sagen, dass der Pawlowsche Effekt hier mehr wirkt als die Göttlichkeit. Die Rehe haben durch Verbeugen angezeigt, dass sie Essen wollen bevor man überhaupt wahrgenommen hat, dass sie vor einem stehen. 

Wir sind den Hauptweg durch den Park immer weiter gefolgt und sind dabei auf dem Weg zum Weltkulturerbe Kasuga Taisha gewandelt ohne es zu wissen. Links und rechts war alles von alten Lampen gesäumt und dazwischen all die Rehe. Wir haben uns wegen der ganzen Touristengruppen den Haupttempel nicht angesehen, aber es lag sehr idyllisch im Wald. Wir haben den Wanderweg noch ein wenig verfolgt um die 15 Nebenschreine zu sehen und die Stille genossen. Da das Wetter aber heute ein wenig unentschlossen war und einen Regenschauer schickte, sind wir um gekehrt zu den Rehen. 

Dabei sind wir den Weg zu dem anderen großen Tempel in Nara eingeschlagen. Dieser buddhistischer Tempel steht seit rund 1500 Jahren und sieht auch sehr robust für sein Alter aus. Gerade das Tor das Zugang zu dem heiligen Ort gibt ist riesig. Und überall die Rehe zwischen den zahlreichen Touristen. 

Was sich so schnell liest war in Wirklichkeit ein Spaziergang von fünf Stunden. Wir haben die Zeit nicht bemerkt und wir haben nur gemerkt, dass die Beine von gestern noch sehr müde sind. Daher haben wir uns langsam gen Bahnhof gemacht und versucht was zu Essen zu finden. Aber wir konnten uns nicht einigen. Das lag aber eher an der Erschöpfung. Also ab nach Hause ins Hotel, das Essen haben wir hier im Bahnhof dann zu uns genommen. Da wussten wir, was wir haben. Wir sind uns auf jeden Fall einig, dass Nara ein Highlight der Reise war. 

Mittwoch, 2. April 2025

Universal Studio Japan

Wie ich schon in meinem ersten Eintrag zu dieser Reise geschrieben habe, war der Plan, dass wir in die Universal Studios Japan fahren. Nach den wochenlangen Vorbereitungen und dem Warten auf die Tickets, sind die Erwartungen ziemlich hoch. Der Preis tut dazu sein Übriges. Wir haben tatsächlich umgerechnet zu zweit für den Eintritt mit Extraticket für das Nintendoland 470€ bezahlt. Wir haben uns gesagt, dass wir wahrscheinlich nie mehr hinfahren werden und als Achterbahnfans und Potter-Nerd muss man halt hin.

Gut vorbereitet ging es schon so früh los, dass wir um 8 Uhr angekommen sind. Und gut vorbereitet heißt: Marcel hat sein tattooverdeckendes Outfit mit Handschuhen, Schal und Pulli an. Das Make-Up ist im Rucksack. Obwohl unsere Bahn relativ leer war, standen schon Unmengen Menschen vor dem Eingang und die ersten Achterbahnen waren schon aktiv. Der Einlass ging aber relativ schnell mit Sicherheitskontrolle und da zeigt sich: Marcel kann aufatmen und muss sich nicht vermummen. Die Tattoos sind okay.

Unser Zeitplan war einfach. Wir haben einen Zeitraum von 11:50 an für das Nintendoland und in folgenden 1,5 Stunden können wir dort drei Bahnen fahren ohne in der normalen Schlange zu stehen. Um 18:10 Uhr geht es dann mit zwei weiteren Bahnen in der Wizarding World weiter, wo wir einen festen Zeitraum haben. In der restlichen Zeit können wir machen was wir wollen und haben sogar noch zwei weitere Bahnen unserer Wahl, wo wir die Warteschlange überspringen können. Daher sind wir am Anfang erstmal relativ planlos drauflos gelaufen und haben uns die amerikanisch angehauchten Welten am Anfang angeschaut. Die waren aber noch langweilig, da die Geschäfte uns Essenslokale die dort alle sind erst später aufmachen. Es war aber schon eindeutig zu sehen, dass USJ als Hauptziel hat, Unmengen an Merchandise an Leute loszuwerden. Es gab bestimmt 50 verschiedene Haarreifen zu den Themenwelten, lustige Hüte, Schlüsselanhänger etc. Man kann dort definitiv sehr viel Geld lassen. 

Die erste Welt in die wir gestolpert sind war die Minion-Welt. Die war relativ klein, aber sehr liebevoll gemacht. Man hat viele Shops und Themen aus der Welt erkannt. Und natürlich haben die Minions überall Blödsinn gemacht. Theoretisch hatten wir die Möglichkeit die dortige Attraktion zu besuchen, aber wir wollten lieber dafür den "Flying Dinosaur" nehmen. Das war eine der beiden Fahrattraktionen in der Nachbarwelt Jurassic Park. Die Achterbahn hat uns schon von weitem angelockt und wir wussten auf was wir uns einlassen. Man liegt bei dieser Achterbahn unter der Schiene und mit dem Gesicht zum Boden. Man ist sozusagen der Flugsaurier. Mit unserem Expresspass sind wir an der Schlange vorbeigehuscht und haben viel Zeit gespart, man kommt sich ein bisschen wie ein VIP vor. Klar, ein bisschen muss man warten, aber es sind vielleicht insgesamt mit Rucksack verstauen und Boarding 20 Minuten. Und dann hängt man da schon in der Luft und wird hochgezogen. Erst schräg, aber oben liegt man parallel zum Boden und stürzt dann kopfvoran hinab. Das ist total irre. In der Achterbahn gibt es mehrere Loopings und Schrauben. Dadurch, dass man unter der Bahn hängt sieht man nicht wirklich was kommt und das Gefühl beim Looping außen zu sein ist verrückt. Das hat absolut Spaß gemacht. 

Und weil uns Jurassic Park gefällt nutzen wir unseren Pass auch gleich für die zweite Aktion. "The Ride" ist eine Bootsfahrt durch den Jurassic Park. Man schippert am Anfang gemächlich durch den Park und erfreut sich an den Stegosauriern und Brachiosauriern.  Und dann kommt man in die gefährliche Zone der Raptoren. Dummerweise, wer hätte es geahnt, ist der Zaun kaputt und anscheinend sind Saurier ausgebrochen. Die Story des Films ist ja bekannt. Und die Wasserfahrt wird ein wenig wilder als wir durch Lagerräume schippern und dann auf einmal ein Riesen T-Rex von vorne auf uns zustürmt. Tja, erwischt hat er uns nicht weil wir dann bergab gesaust sind. Es hat uns komplett durchnässt. Marcels Shirt war komplett durch und ich hab auch einiges abbekommen. Zum Glück hatten wir noch Pullis mit, sodass wir wechseln konnten. Das Wetter war zum Glück angenehm. 


Die Wartezeit für das Nintendoland haben wir mit ein bisschen Essenssuche und Rumlaufen überbrückt. Wir sind auch schon nach Hogsmeade, in die Wizarding World, gelaufen und haben uns dort schon mal umgeschaut. Es spricht bestimmt mein Potter-Herz aus mir, aber wenn man um die Ecke kommt, Hogsmeade sieht und im Hintergrund ragt Hogwarts raus, dann fühlt sich das schon schön an. Aber noch sind wir nicht soweit, dass wir da die Fahrattraktionen nutzen dürfen. Shoppen ist aber allemal drin.

Das Nintendoland ist der Aushänger der USJ. Und das auch zurecht. Man bestritt die Zone und man fühlt sich so, als wäre man direkt in den Mario-Spielen. Das Land hat mehrere Ebenen wo die fleischfressenden Pflanzen aus Röhren kommen oder Geldblöcke sind. Man sieht die Pilze umherwandern oder die Stachelpflanzen. Natürlich ist ein Bowserschloss vorhanden und Yoshies fahren auch umher. Wir haben zeitbedingt unsere Fahrten abgearbeitet. Zuerst gab es "Koopas Challenge". Man kann eigentlich sagen, dass wir in echt Mario Kart gefahren sind. Dazu saßen wir in Viererautos und hatten eine Brille auf, die uns durch Augmented Reality die Gegner gezeigt hat. Also wie im Sci-Fi Film hat man das Spiel auf der Brille vor Augen gehabt. Man musste Lenken (klar, das Auto fuhr eigentlich allein) und auf die Gegner schießen. Dabei hat man Münzen gesammelt. Für das Nintentoland konnte man sich ein Armband kaufen um Münzen zu sammeln und am Ende gegen Bowser zu spielen, das haben wir aber nicht gemacht. Koopas Challenge war cool gemacht und hat Spaß gemacht, weil man aktiv dabei war.

Direkt danach sind wir zu "Yoshi's Adventure" gehuscht. Das war superentspannt. Man saß in einem Yoshi und ist durch das Nintendoland gefahren. Nichts Aufregendes, aber man hat die Liebe gesehen die in den Aufbau gesteckt wurde. Es war wirklich jedes Detail irgendwie mit Mario und Co verwandt. Nach dieser kurzen Fahrt ging es dann in das neue Donkey Kong Land. Auch hier ist alles wie im Spiel, man kann Minispiele spielen um bekannte Charaktere zu sehen. Überall sind die Ruinen und Bananen. Wer Donkey Kong gespielt hat, kennt natürlich auch die Level wo man in der Lore gefahren ist und Bananen sammeln musste, dabei musste man springen um über Löcher zu kommen. "Mine Cart Madness" ist genau das. Man sitzt in der Lore und fährt über holprige Schienen und diese gehen mal zur Seite weg, oder hören auf oder man wird durch Tonnen neu gepusht und nimmt Speed auf. In dem Moment wo die Scheinen aufhören wird einem schon mulmig und das "Springen", wenn die Schienen aufhören ist sehr ruckartig. Aber insgesamt wieder verdammt cool gemacht.

Nun hatten wir unsere drei Fahrten und konnten nun die Nintendowelten in Ruhe genießen. Parallel fing es leider an zu regnen, aber natürlich hatten wir Schirme mit, daher hat es kaum gestört. Die Hälfte der Welten sind Shops voller Mitbringsel. Und was man an Blödsinn kaufen kann, darauf kommt man noch nicht einmal. Für Japan ist es sehr typisch, dass man Süßigkeiten als Mitbringsel mitbringt, daher gab es von jeder Thematik zahlreiche Keks- und Schokoladenvarianten in hübschen Geschenkdosen.


Wir hatten unsere zwei Sonderexpresstickets schon für Jurassic Park eingesetzt, aber da wir viel Zeit hatten, sind wir in "Shaws" gegangen. Bei uns bekannt als der Weiße Hai. Allerdings haben wir uns gesagt, wir müssen ja nicht zwingend zusammen fahren, also haben wir die Singleline genutzt. Dadurch haben wir die Wartezeit von 80 Minuten auf 30 verkürzt. Die Fahrattraktion war eine Bootsfahrt und am Ende mussten wir dem Schiffsmann versprechen nicht zu erzählen was passiert ist. Wir sind während der Fahrt vom Weißen Hai angegriffen worden. Hierbei war die Bootsfahrt vom Schauspieltalent des Schiffmanns abhängig, da dieser Angst zeigte und den Hai beschoss. Es war total süß gemacht wie uns der Weiße Hei "angegriffen" hat.

Nun mussten wir eine ordentliche Spanne Zeit rumbekommen. Wir waren relativ überrascht, dass das USJ nicht so groß ist wie wir dachten. Man war schnell von einem Land zum anderen gewandert. Das haben wir auch gemacht um uns den Park-Stempel zu holen. Wir haben so ziemlich jeden Merchandise-Shop angesehen, gegessen und sogar eine kleine Show in Hogsmeade angesehen. 


Und dann durften wir in Hogwarts "Forbidden Journey" fahren. Und das war der Oberhammer. Unser Highlight, auch wenn Marcel danach einige Probleme mit dem Magen bekam. Es ist schwer zu beschreiben. Man sitzt in einer kleinen Kabine und schwebt durch die Geschichte. Hierbei werden mit Bewegungen an der Kabine Bewegungen erzeugt und durch, ich schätze runde Bildschirme und Projektionen um einen herum, wird einem vorgegaukelt, dass man Harry Potter auf dem Besen hinterher fliegt. Dabei flieht man vor dem Drachen oder den Dementoren. Der Bildschirm wechselt sich ab mit echten Figuren die sich bewegen und bei denen man denkt, dass sie einen fressen oder schlagen. Es war, als wäre man dabei. Es war der Hammer. Wer aber zu Motion Sickness neigt, für den ist das nichts. Wir waren auf jeden Fall begeistert.

Direkt danach ging es noch zum "Flight with the Hippogreif", eine normale Achterbahn, allerdings durften wir nicht mitfahren. Ich würde ja sagen wir waren zu dick für den Sicherheitsbügel, aber das stimmt nicht ganz. Unsere Beine waren zu lange und man konnte den Bügel nicht weit genug runterdrücken. Okay, wir sind lachend ausgestiegen, darauf haben wir doch nur gewartet. Wie Japan ist, hat man sich entschuldigt und man hat uns neue Expresskarten angeboten. Das fanden wir super. Man stelle sich vor, man wartet da seine 120 Minuten und dann darf man nicht mitfahren. Ich wäre so sackig. Da ist das ein tolles Angebot. Allerdings, was machen wir? Nochmal Harry Potter? Marcel hätte gekotzt, auch wenn es cool war. Den fliegenden Dinosaurier? Wir haben uns entschieden in die Minionwelt zu gehen und da die Attraktion zu machen.

Es gab noch eine Achterbahn die uns fehlt, aber aufgrund des flauen Magens haben wir sie nicht genommen. Lange Story short: "Minion Mayhem" war auch wie Harry Potter mit Video und sich bewegenden Kabinen. Wir hatten zwar vorher nachgefragt, aber man sagte uns es sei nur ein bisschen so. Es war aber ganz schön dolle so. Marcel hat das Ganze mit geschlossenen Augen durchgestanden und ich bin das "Miniontraining" durch und habe es ganz erlebt. Es war süß gemacht und ich hatte Spaß. Ich kann aber auch jeden verstehen, der damit Probleme hat.

Und nun war Schluss. Der Magen war durch und wir hatten alles erlebt was wir erleben wollten. Ich habe zwischendurch mal durchgerechnet was wir mit dem Expresspass an Wartezeit gespart haben: ich bin auf 640 Minuten gekommen. So ziemlich jede Bahn hatte zwischen 100 und 120 Minuten Wartezeit. Ohne Pass hätten wir nicht ansatzweise alles schaffen können. Abgesehen davon, dass wir nicht soviel Lust hatten zu warten. Aber wir können behaupten: jede Bahn war es wert (außer Yoshi, das war zum Entspannen). Ob sich die Geldinvestition gelohnt hat muss jeder für sich selbst entschieden. Wir hatten einen schönen Tag mit einmaligen Achterbahnerlebnissen.


Dienstag, 1. April 2025

Daruma, Daruma und Daruma

 Nach dem übermäßigem Touriplan gestern haben wir beschlossen heute ein wenig außerhalb von Osaka was zu unternehmen. Wir wollen zum Kazuo-ji fahren. Das ist eine Tempelanlage die dem Daruma gewidmet wurde. Ein Daruma ist eine kleine (manchmal auch große) rote Figur die ein Gesicht darstellt. Es hat am Anfang keine Augen. Man wünscht sich etwas und malt ein Auge aus. Wenn der Wunsch in Erfüllung gegangen ist, dann wird das zweite Auge ausgemalt. Kauft man sich den Daruma im Tempel so soll er dann am besten auch wieder zurückgebracht werden um Respekt zu zahlen und den Göttern Bericht zu erstatten.

Für alle Stempelfanatiker wie mich gibt es dort im Tempel eine Stempelrallye für ein mehrfarbiges Stempelbild. Der Gedanke war aber, dass wir dort etwas sehen, was nicht jeder sieht und wir vom Gewühle weg kommen. Nun ja, dieser Gedanke verflog, als wir merkten, dass bereits am Busbahnhof extra der Tempel für Touristen gekennzeichnet wurde und auch Mitarbeiter die ganzen Ausländer auf


den Bus hinwiesen. Der Bus war so gerammelt voll, dass auch einige den nächsten nehmen mussten. Die Fahrt selbst ging 20 Minuten in die Berge. Der Bus fuhr in sehr engen Serpentinen an ziemlich tiefen Schluchten entlang. Wer den Linksverkehr nicht gewohnt ist, kann sich da ordentlich Sorgen machen. Angekommen sehen wir auch, dass der Temple sich komplett auf den Touristenstrom angepasst hat. Es gibt sehr moderne Kassensysteme für den Eintritt und eine ordentliche Merchandisesammlung war zu finden. Die Anlage selber war aber recht ursprünglich gehalten. Man sieht nur an den sehr neuen Farben, dass die Anlage sehr gepflegt wird. 

Das Schlangestehen wird auch zu unserem Hobby, denn an jedem der sechs Stempelorte warten schon einige Leute um ihren Druck zu machen. Auf dem freien Gelände verläuft es sich aber schnell. Die Anlage ist sehr groß und dadurch das es im Gebirge liegt auch auf unterschiedlichen Höhen aufgeteilt. Wohin man sieht, sieht man kleine Darumas stehen. An der Mauer, in den Zäunen, im Baum, am Wasser, einfach überall. Wir dachten, dass es von den Mönchen und Angestellten postiert wurde, aber am Haupttempel stellt sich heraus, dann man Darumamikuji kaufen kann. Das sind diese kleinen Püppchen und wenn man sie kauft denkt man bei der Auswahl der Puppe an eine Frage. Im Boden der Puppe steckt dann das omikuji Zettel mit dem Horoskop. Die Puppe kann man dann irgendwo hinstellen oder mit nach Hause nehmen. Hier sind die Augen allerdings schon ausgemalt, es geht ja um das Horoskop. Spoileralarm: wir haben uns jeder einen richtigen Daruman und jeder ein Darumamikuji gekauft. Unsere Püppchen treten die Reise nach Deutschland an.

Wir haben einige Stunden auf der Anlage verbracht bevor wir dann wieder zurück gefahren sind. Wir wollten noch ein bisschen den Amazing Osaka Pass nutzen und vom Umeda Sky Buidling schauen. Leider haben wir übersehen, dass das nur bis 15 Uhr kostenlos ist. Aber die Kasse ist eine Etage unter dem Aussichtspunkt, daher haben wir nicht viel verloren. Danach sind wir eher ziellos durch den Stadtteil Umeda gesteuert. Vom Amazing Pass hatte uns nichts mehr angesprochen und das einzige Große was wir eventuell planen macht erst um 19 Uhr auf. Da wir aber morgen ins Universal Studio fahren stehen wir seeeehr früh auf und deshalb lassen wir den Plan auch fallen. Aber wir wissen ja, dass das ziellose Herumsteuern zu netten Sachen führen kann. Wir sind durch schöne und mit Kunst versehen Gartenanlagen gelaufen und haben vor dem Osaka Bahnhof eine Ausstellung großer Gundam Figuren gefunden. Gundam ist das japanische Transformer und sehr beliebt. Sieht sind vielleicht 2 Meter hoch gewesen diese Figuren, aber der "lebensgroße" Gundam mit 18 Meter steht noch auf unserer To-Do Liste in Tokyo.


Der heutige Tag hört sich sehr erlebnisarm an, aber eigentlich wollten wir da auch mit dem Tempelbesuch erreichen. Morgen wird es mit den Achterbahnen, Nintendoland und der Wizarding World aufregend genug.

Montag, 31. März 2025

One day in Osaka

 Der Touristentrip geht wieder voll weiter. Nachdem wir uns über das Wochenende mit wenigen Schritten und sehr bedächtigen aber historisch schweren Sehenswürdigkeiten beschäftigt haben, sind wir wieder in einer Großstadt voller verrückter Dinge.


Wir haben uns entschieden für zwei Tage den Amazing Osaka Pass zu kaufen. Der beinhaltet 40 Sehenswürdigkeiten die kostenlos sind, sämtliche Busse und Bahnen und ein paar Vergünstigungen. Als ich damals einen Tag hier war, hatte ich den auch. Lohnt sich komplett. Und weil man vieles umsonst nutzen kann, will man auch mehr sehen. Wir haben uns gedacht, dass wir klassisch mit der Burg von Osaka starten. Das dachten sich allerdings auch sehr viele andere Personen. Der Spaziergang durch den Burggarten war sehr schön und ruhig. Die Kirschblüte ist in Osaka noch nicht ganz da, aber fast. Aber kaum kommt man in den näheren Burgbereich, sind da unglaublich viele Menschen. Mit dem Amazing Pass hat man aber die Chance schneller rein zu kommen, weil man den Kaufprozess überspringt. Also sind wir fix rein, konnten aber den Menschen natürlich nicht entfliehen. So schön die Burg von außen ist, so langweilig ist sie von innen. Innen drinnen ist es ein Museum. Es werden allerdings größtenteils Schriftstücke ausgehängt und. Uns hätte es viel mehr interessiert, wie die Burg damals von innen aussah. Wenn man kein Japanisch kann, ist es ziemlich monoton sich alles anzuschauen. Trotzdem war der Blick von oben sehr schön.

Spot 1 war abgearbeitet. Weiter sollte es zum Tsutenkaku gehen. Einem sehr alten Fernsehturm der zur Sehenswürdigkeit umgearbeitet wurde. Er ist alt, aber passt in die Gegend Shinsekai. Mittlerweile haben sie auch noch eine Riesenrutsche und "Dive&Walk" hinzugefügt. Dazu später. Auf dem Weg dorthin sind wir erstmal fast in zwei Deutsche gerannt, die neben uns im Flugzeug saßen. Wir hatten sie auch schon auf dem SkyTree getroffen. Japan ist wirklich klein. Auf dem Rückflug werden wir sie allerdings nicht sehen, da sie Mitte der Woche zurückfliegen.

Auf dem Weg zum Tsutenkaku wollten wir den Touristenströmen noch entfliehen und sind am Shitenno-ji gelandet. Das ist ein buddhistischer Tempel mit einem großen Friedhof. Neben einer Pagode hat es noch zwei Schildkrötenteiche und weitere zahlreiche Bethäuser wo Trauernde für ihre Verstorben beten können. Leider war der Haupttempel in Restauration. Generell kann man sagen, das die shintoistischen Schreine für die Lebenden sind und die buddhistischen Tempel für die Toten. So auch der nächste Schrein, der uns auf dem Weg durch seine sehr moderne und beeindruckenden Oni am Eingangstor aufgefallen ist. Dieser Isshin-ji hat eine Buddha-Statue der zu den Knochenbuddhas gehört. Wikipedia erklärt, dass damals Ton und Knochen von Verstorbenen vermischt wurden und daraus die Statuen gefertigt wurden. Nun gut, dass hab ich jetzt erst bei der Recherche zu dem Tempel erfahren. 


Am Ende führte es zum Tsutenkaku. Wir haben erstmal wieder die Aussichtsplattform genossen. Allerdings hat es uns nach all den bisherigen Türmen nicht geflasht. Mich hat nur Chance der zahlreichen Stempel erfreut. Heute war generell ein hervorragender Stempeltag. Ich habe 12 sammeln können. Mit Glück waren es sonst vielleicht vier am Tag (das Tolle daran versteht man wahrscheinlich erst, wenn man in Japan ist). Mit dem Pass wollten wir aber noch die neuen Features am Turm ausprobieren. Die Powerslide ist eine Riesenrutsche. Allerdings war die Warteschlange da schon bei 50 Minuten und die Rutschpartie hat rund 10 Sekunden gedauert. Das haben wir lieber gelassen. Dafür haben wir "Dive&Walk" gemacht. Dazu bekommen man einen Kletteranzug und Helm, wird an ein Seil gehängt und dann darf man auf der unteren Plattform oben auf dem Dach einmal herum laufen. An drei Stellen gibt es kleine Hindernisse über die man klettern kann und Fotos von sich schießt, aber nichts Anstrengendes. Es geht eher um den Nervenkitzel, weil es nebenan rund 26m tief runter geht. Ganz ehrlich, hat uns nicht so gefetzt. 


Der nächste Teil jedoch war schon ne Herausforderung. Aus einer Höhe von 40 Meter springt man auf die 26 Meter runter. Natürlich hängt man an dem Seil, aber ein Großteil ist freier Fall, bis man vom Seil aufgefangen wird. Marcel hatte dazu zu großen Respekt. Ich habe mich getraut. Und zum Glück ist der Anweiser recht rigoros gewesen. Denn auf einer winzigen Metallbrücke durch die man durchschauen kann zu stehen ist ziemlich unangenehm. Wenn man dann noch nachdenkt, dann ist es vorbei. Also bis zum Rand laufen, auf den angezählten Countdown hören und einen Schritt nach vorne machen.... Oh man, das hat ordentlich Puls gegeben. Danach war es sehr schwer die Treppen hinunter zu steigen, weil die Knie so weich waren.

Um dem Touristentag ein würdiges Ende zu geben, sind wir nach Dotonbori. Das Highlight dort ist die belebte Stadt um den Fluss herum und der Glico-Mann ist so ziemlich das Wahrzeichen von Osaka. Glico ist eine der ältesten Schokoladenfirmen hier und der Glico-Mann ist wie der Tsutenkaku aus einer anderen alten Zeit und hat mit einigen Modernisierungen überlebt. Unser Plan war mit dem Amazing Pass eine Bootstour zu machen und die Lichter der Läden zu betrachten. Aber es hat uns dort eigentlich nicht gefallen. Natürlich viele Touristen, aber es war auch relativ ranzig da und tatsächlich gab es dort einige Jugendgruppen die uns stark an Halle Neustadt oder Silberhöhe erinnert haben, nur japanisch. Daher haben wir uns spontan entschieden das Ebisu Turm Riesenrad von Don Quijote zu nutzen. Das ist besonders, weil man gefühlt in so einer Hamsterkugel sitzt und sich seitlich außen am Rad bewegt. Es ist wirklich ein komisches Gefühl, da vor einem nur eine abgerundete Glasscheibe ist und man nach vorne weg schauen kann, nicht wie im normalen Riesenrad über die Band seitlich hinweg. Dummerweise fällt einem auf dem Weg nach oben immer ein, dass man Riesenräder doch eigentlich nicht mag. Tja, wieder ein bisschen den Puls gefordert. Aber natürlich haben wir die Umrundung ohne Probleme geschafft, sodass wir dann den heutigen Touristentrip beenden konnten.


Nach Tokyo, Yokohama und Shizuoka sind wir bisher nicht übermäßig von Osaka begeistert. Ich habe eine ganz andere Erinnerung daran. Es ist hier vergleichsweise schmutzig und es wirkt alles irgendwie alt und heruntergekommen. Die Menschen sind hier auch ganz anders drauf. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass wir erst von unserer liebevollen japanischen Familie gekommen sind.

Sonntag, 30. März 2025

Zuhause bei der (japanischen) Familie

 Freitag

Wie angekündigt sind wir über das Wochenende nach Shizuoka zu der Familie meiner Freundin gefahren. Ich kenne Mariko mittlerweile seit rund 17 Jahren. Ich hatte sie damals über eine Sprachlernseite angeschrieben und gefragt, ob wir schreiben wollen. Sie auf Englisch und ich auf Japanisch. Während des Studiums hat das auch so geklappt, danach bin ich auch ins Englische gefallen. 

In meinem Kurzzeitstipendium ist sie damals zu mir nach Tokyo zu Besuch gekommen und im Langzeitstipendium bin ich für eine Übernachtung zu ihr gefahren. Ich durfte bei ihr, bzw. im Haus der Eltern schlafen und hatte eine schöne Sightseeingtour mit Familienfeeling. Ich durfte noch die Schwester mit der frisch geborenen Nichte und die Cousine kennenlernen. Auch danach hat meine Mutter mit dem japanischen Dad über Facebook Kontakt aufgenommen. Sie schreiben sich jetzt auch schon seit Jahren mehr oder weniger regelmäßig, obwohl sie sich nie in echt kennengelernt haben. Mein Kontakt mit Mariko ist auch mal häufiger oder seltener, je nach dem was passiert oder wie man Lust hat zu schreiben. Als wir wussten, dass wir nach Japan fliegen, hat Mariko es als erste erfahren und wir haben um den Besuch herum die ganzen Sachen geplant.

Die Reise haben wir auf jeden Fall mit dem Shinkansen angefangen. Die Fahrt dauert eineinhalb Stunden und am Anfang der Reise ist dummerweise mein Handy runtergefallen. Diesmal muss es aber so ungünstig aufgekommen sein, dass es das Display zerstört hat. Es ist keine Spider-App, sondern nur ein Miniriss, aber es wird nichts mehr angezeigt, nur ein kleines Flackern. Grandios. Da hab ich ja voll Bock drauf. Nicht nur das einige Leute meine Bilder sehen möchten, ich habe auch das Handy zur Orientierung und Planung genommen. Marcel ist da ein wenig ausgeklammert gewesen. Aber nun ja, was soll man machen. Shou ga nai, wie der Japaner sagt. Immerhin habe ich den Laptop noch mit. Jetzt überlegen wir noch, ob wir hier ein neues Handy kaufen oder in Deutschland.

Unabhängig von diesem Missgeschick kommen wir natürlich superpünktlich in Shizuoka an und Mariko und ihr Vater Toshihide erwarten uns winkend am Bahnsteig. Das macht einen schon echt glücklich so herzlich begrüßt zu werden. Selbst Marcel haben sie herzlich wie einen alten Freund begrüßt, obwohl sie ihn ja gar nicht kannten. 

Zuerst haben wir das Gepäck nach Hause gebracht und danach sind sie mit uns nach außerhalb gefahren um den Shiraito-Taki, einen Wasserfall, zu besuchen. Wir kannten die Planung überhaupt nicht, daher saßen wir nur im Auto und haben uns über die Gegend gefreut. Shizuoka ist zwar Präfektur Hauptstadt, aber im Gegensatz zu Tokyo sehr flach und ländlich. Man hat von hier aus aber einen besonders guten Blick auf den Fuji, wenn er denn will. Vor 14 Jahren hat er sich geweigert sich zu zeigen, aber vom Shinkansen konnten wir ihn schon sehen. Der Wasserfall ist jetzt nicht so riesig wie die Niagara-Fälle, aber er war wunderschön in der Natur und mit den knospenden Kirschblüten war das Setting grandios. Das komplette Kontrastprogramm zu der digitalen modernen Welt in Tokyo. Und nach den Bahn- und Autofahrten war es schön sich wieder zu bewegen. 

Nach nem Happen zu essen ging es zu einem See, dem Tanuki See, von dem man eigentlich DEN Blick auf den Fuji hat, mit Wasser und im Idealfall noch mit Kirschblüten. Aber jetzt war Fuji ein bisschen schüchtern und hat sich hinter den Wolken versteckt. Der See war dennoch sehr idyllisch und ruhig.
 

Es ging zurück nach Hause. Mittlerweile ist auch die Mutti nach Hause gekommen, die konnten wir vorhin noch gar nicht begrüßen. Auch sie hat sich nicht wirklich verändert in den 14 Jahren. Die Eltern sind mittlerweile um die 70/75 Jahre alt. Aber das merkt man ihnen überhaupt nicht an. Und nun ging es erst einmal an den omiyage Austausch. Wir hatten aus Deutschland Haribo und Halloren mitgebracht und meine Mutter hat für alle Frauen der Familie (sieben insgesamt) kleine Kosmetiktaschen genäht, die ich dann noch mit Pröbchen von DM und kleinen Naschsachen befüllt habe. Für Toshi gab es stattdessen ein Bier. Da haben sie sich drüber gefreut. Vor allem weil es selbst genäht war. Ich war froh nun die Koffer leer bekommen zu haben aber nein, die omiyage für uns war enorm. Es lag bereits ein Haufen Naschereien bereit und in einer Tüte waren zahlreiche Pokemonsachen, kleine Tüten, Naschi, Sticker etc. vorbereitet. Dann gab es Socken und kleine Handtücher mit klassischen Japanmotiven .... Ich wusste schon länger, dass Mariko den Shizuoka Pokemon Store leer kauft. Sogar für meine Mutter ist ein kleines Geschenk dabei.

Nachdem wir uns gegenseitig beschenkt haben sind wir in ein Tonkatsu-Restaurant gefahren. Marcel hatte sich das gewünscht und ein alter Klassenkamerad von Marikos Schwester führt dieses Restaurant. Es war wieder unglaublich lecker. Das Gespräch war noch ein wenig holprig. Wir mussten und noch von meinem Sprachlevel finden und Marcel wollte auch immer mitreden, aber irgendwie hat keiner Deutsch verstanden. Das habe ich bestmöglich übersetzt und es ging ziemlich gut.


Samstag

Da Familie Kameyama viel geplant hat, sind wir früh aufgestanden. Viel früher als was man im Urlaub will. Aber die Mutti hatte für uns ein schönes Frühstück gezaubert. Ein kleiner Mix aus europäischem Frühstück mit Spiegelei und Bacon und japanischem Stil, nämlich kleine Schälchen mit beigelegten Gemüse oder Salat.

Auf dem Plan stehen heute traditionelle und historische Dinge. Zuerst ging es zur Okabe Station in Kashibaya. Das ist ein 600 Jahre altes Ryokan. Ein Ryokan ist eine Gaststätte im alten japanischem Stil mit Schiebewänden und Tatamimatten (klar, so war es damals halt). Dieses Ryokan hat man restauriert und in ein Museum umgebaut. Altes Reiseequipment wurde ausgestellt und ganz viele traditionelle Puppen. Die sind noch vom Hanamatsuri, dem Puppenfest, da gewesen. Es ist schon spannend wie klein die Menschen früher waren, aber wie weit die Kunstfertigkeiten schon waren. Generell wirkt das ganze Dorf sehr alt und es wirkt wie früher dort. So ist es auch, als wir zu einem berühmten Soba Restaurant gefahren sind. Wir mussten ein Stück laufen und die Häuser waren wirklich wunderschön alt. Es sah fast wie in Kyoto aus. Soba sind Buchweizennudeln die man gerne auch kalt isst. Sie gelten als erstes Fastfood in Japan und stammen aus der Edo-Zeit.

Gestärkt ging es dann ins Takumishuku, das Traditional Hand Craft Arts Center. Dieses Zentrum ist das was ich an Japan liebe: die Liebe zum Handwerk und der Kunst. Es ist eine sehr schöne und ästhetisch moderne Einrichtung, wo man sich in traditionellen Künsten wie Töpfern, Lackarbeiten, Färben oder Bambusarbeiten ausprobieren kann. Marcel war sehr vom Töpfern fasziniert, aber das hätten wir zeitlich und sprachlich nicht hinbekommen. Also haben wir, Marcel und ich, uns bei den Lackarbeiten ausgetobt und Stäbchen poliert. Dazu haben wir lackierte Stäbchen bekommen und mussten diese so schleifen, dass sie glatt werden. Dabei treten dann untere Lackschichten hervor und geben dann ein individuelles Muster frei, je nachdem für welche Farbe man sich entschieden hat und wie sehr man poliert. Wir saßen da ca. 40 Minuten und haben artig unsere Stäbchen poliert. Und wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Da schätzt man sämtliche Lackarbeiten mehr wert.

Die Zeit drängte langsam, denn für den Abend war noch eine Willkommens-Dinnerparty mit der gesamten Familie geplant. Ein kurzer Stopp noch bei einem Süßigkeitenverkäufer mit traditionellen Naschi wie Mochi, Daifuku oder Taiyaki ging es nach Hause. Dort wurden uns ALLE Süßigkeiten präsentiert. Wir haben uns durchaus zurückgehalten, aber der Berg war schon überwältigend.

Nun kam der Moment wo alle die ich bisher kennen gelernt habe zusammen kommen. Ich war ein bisschen aufgeregt, da auch die Nichten dabei sind, die ich noch gar nicht oder nur als Baby kenne. Marcel wusste auch noch nicht was ihn erwartet. Das Gefühl, dass die nur für uns kommen ist komisch. Es wurde Sushi für alle bestellt und Mutti hat noch Oden, Eintopf, gekocht. Zuerst kam Akiko, die Cousine. Ich mochte Akiko damals schon sehr, da sie eine sehr offene und extrovertierte Person ist. Sie wurde damals eingeladen, da sie mal in Deutschland war und Englisch kann. Wobei sie kein Wort Englisch gesprochen hatte. Es war direkt wie früher, man war sich wieder vertraut und sie ist immer noch so eine tolle Person. Auch mit Marcel hat sie sich auf Anhieb verstanden, soweit es sprachlich ging. Sie hatte ihm die alten Fotos von 1995 gezeigt und von ihren Erfahrungen berichtet. Dann kamen auch die große Schwester mit Mann und die zwei Nichten. Der Empfang war eher kühl, wie waren für die Kids weniger von Interesse und mit der Schwester hatte ich damals kaum Kontakt. Den Schwager hatte ich nicht kennen gelernt. Aber es gab eh erst einmal Essen. Da das Haus relativ klein ist, haben wir nicht alle an einem Tisch essen können. Und Essen gab es wirklich reichlich. Schon vorgesättigt von den Süßigkeiten hat das Sushi kaum Platz gefunden (jaja, wie dummer Kinder im Schlaraffenland).  Wie immer waren alle von Marcels Talent mit Stäbchen zu essen begeistert und dass er so ein netter Mann ist. Da er sprachlich ein wenig raus war, hatte er beim Tischdecken mit angefasst.

Dick und vollgefressen musste sich Akiko schon verabschieden. Da wir noch omiyage vorbereitet haben und ich dazu per Handy meine Mutter zuschalten wollte, habe ich sie per Videocall angerufen und Akiko ihr Geschenk überreicht. Danach ist alles, zumindest in meinem Kopf, laut und wild geworden. Ich habe meiner Mutter mit dem Handy alles gezeigt und allen meine Mutter gezeigt, dabei habe ich versucht bilingual alles gleichzeitig zu erzählen. Meine Mutter und Toshi haben sich so zum ersten Mal "in echt" gesehen. Und als ich der Familie, also den Teil der Schwester, erzählt habe, dass die Täschchen selbst genäht wurden, waren sie superglücklich und haben alle in die Kamera gerufen und gewunken. Wir haben dann damit Gruppenfotos gemacht und das Eis war gebrochen. Man kann aber leider nicht allen gerecht werden: der Mutter am Telefon und der Familie vor Ort die jetzt viele Fragen hat. Daher haben wir das Telefonat nach einem allgemeinem Tschüsssagen beendet. Mit den Nichten und dem Schwager haben wir uns dann noch ein bisschen unterhalten und die Nichten sind sehr neidisch, dass wir ins USJ (Universal Studio Japan) gehen. Es war ein schöner Abend und die Mädels haben uns noch Dankebilder gemalt und geschrieben. Da geht einem doch das Herz auf. Und ein bisschen stolz bin ich auch auf meine Leistung nach ca. 10 Jahren ohne Japanisch diesen Abend souverän überstanden zu haben. 

Sonntag

Der Tag ist ein bisschen später gestartet, da aufgrund unserer Abreise gen Osaka heute nicht mehr so viel auf den Plan stand. Erstmal mussten wir noch alle Katzen kennenlernen. Zwei kamen regelmäßig zum Futtern vorbei. Das waren aber Gemeindekatzen und die hat man an dem Sakura Cut am Ohr erkannt. Das sind so gesehen Streuner die aber kastriert wurden und zur Erkennung wurde das Ohr "beschnitten". Sie waren zutraulich, aber nicht kuschelig. Die Familie hat aber noch zwei Hauskatzen, wobei die nicht im Haus wohnen sondern ihr eigenen Katzenzimmer haben. Eine davon war scheu und ist gleich abgehauen, die andere ältere Katzendame war zutraulich und schmusig. Ich kann mich nicht mehr aktiv erinnern, aber ich habe sie tatsächlich schon vor 14 Jahren kennen gelernt. Ein bisschen traurig wurden wir schon, da wir schon so lange ohne unsere Babies sind. So lange waren wir noch nie getrennt. 

Zum Schluss sind wir in die Stadt. Erst ohne Gepäck, dass wollte Toshi später holen. In der Nähe des Bahnhofs ist zum einen das Präfekturgebäude, da gibt es eine kostenlose Aussichtsplattform. Und die Aussicht in Shizuoka ist eine ganz andere als in Tokyo. In Tokyo sieht man nur Häuser, Häuser und Stadt. In Shizuoka sieht man kleine Häuser, Berge, das Meer und mit Glück den Fuji. Es war nun ein wenig schüchtern hinter Nebel, aber klar zu erkennen. Zu dieser Aussicht haben wir Yasuko mitgenommen, die Freundin von Mariko. Sie war damals mit in Tokyo als Mariko mich besucht hat und war natürlich dabei, als ich in Shizuoka war. Zusammen haben wir diesmal noch die Kirschblüten bewundert. Sie ist am Sonntag in Shizuoka in voller Blüte und der Burggraben der Burgruine ist wunderschön mit den Blüten am Ufer. Ich hatte das als romantisches Märchen abgetan, aber es ist wirklich was besonderes. 

Als finalen Sightseeingspot haben wir das Museum in der restaurierten Burganlage besucht. Die Anlage selbst ist seit dem 12. Jahrhundert vorhanden und wurde damals unter Tobunaga Ieyasu richtig groß ausgebaut. In Shizuoka ist man europäische Ausländer kaum gewohnt und Toshi ist mehrmals gefragt worden wo wir her seien und ob wir Japanisch könnten. Aber man hat uns auch extra herzlich aufgenommen..

Aber alles hat ein Ende. Toshi ist nach Hause unsere Koffer holen während wir mit Mariko und Yasuko noch durch die Innenstadt geschlendert sind. Mutti kam dann auch noch mit zum Bahnhof und hat und noch für meine Mutter ein Extrageschenk mitgebracht und Getränke für die Fahrt. Zum Glück gab es für uns keine weiteren Geschenke. Wir wussten schon gar nicht wie wir die Koffer zu bekommen, obwohl wir unsere Mitbringsel losgeworden sind und erst Halbzeit haben.  Als der Shinkansen kam ging es auch schnell, sowohl die Verabschiedung als auch die Tränen die bei mir flossen. Wie letztes Mal. So schnell und so stark kann man diese Familie ins Herz schließen.

Schnell bringt uns aber der Shinkansen in nur zwei Stunden nach Shin-Osaka (Stadtteil von Osaka) um einen weiteren Teil des Abenteuers zu beginnen. Tatsächlich ist aber mein Gefühl hier anders. Osaka ist nicht mein Viertel. Ich war zwar schon (einen Tag) hier, aber die Leute sind anders. Das Hotel haben wir superschnell gefunden, da es tatsächlich eigentlich auf dem Bahnhof ist. War so nicht geplant, macht es aber auch einfacher. Da Shin-Osaka aber irgendwie nur ein Umschlagpunkt für die Zugreisenden ist und sonst irgendwie abgeschnitten ist, haben wir ausführlich bei der Essenssuche den Bahnhof erkundet und Pläne für die hiesigen Tage geschmiedet. Mal gespannt, wie es sich hier verändert hat

Freitag, 28. März 2025

Digitale Welt

 Der vorerst letzte Tag in Tokyo bricht an. Da wir über das Wochenende nach Shizuoka fahren und bewusst wenig Klamotten eingepackt haben damit wir mehr Mitbringsel, in den Koffer stopfen können, müssen wir mal Wäsche waschen. Ich hatte bei der Hotelrecherche darauf geachtet, dass Wäsche waschen möglich ist. Anscheinend habe ich aber missachtet, dass es in unserem Hotel keinen Münzautomat gibt, sondern einen Wäscheservice. Hört sich super an, aber wir haben dann mal zusammengerechnet und die dreckige Wäsche sortiert um zu schauen, was der Spaß kostet. Ein Schlüppi oder ein paar Socken sind 495 Yen, also 3€. Das mal zwei Leute auf neun Tage plus Shirts und so...macht 108€. Ich weiß ja nicht ob die persönlich mit der Zahnbürste alles rausschrubben, aber das erschient mir als ein sehr teures Vergnügen. 

Googlemaps zeigt uns aber an, dass es einen Wäschesalon in der Nähe gibt, also laufen wir da morgens hin und schmeißen unsere Wäsche rein. 1200 Yen (7,36€) und eine Stunde Zeitinvestition. Und weil Warten doof ist sind wir ein wenig umher gewandert und haben geschaut, ob es vielleicht ein schönes Café gibt. Tatsächlich haben wir das Café Roar gefunden bei der es Rainbow Latte Art gibt. Wie viele kleine Cafés röstet man dort selbst. Es war sehr eng und muckelig, aber der Kaffee sah wirklich richtig gut aus und hat geschmeckt. Wäre ohne Wäsche waschen sonst nicht passiert.

Nachdem wir dann die saubere Wäsche ins Hotel gebracht haben sind wir los um im Bahnhof unsere Sitze für den Shinkansen zu reservieren. Das habe ich schon am Vorabend versucht, bin am Gerät aber gescheitert und die Dame vom Schalter meinte, man könne das nur am Tag der Reise selbst machen. Hab ich nicht geglaubt, aber der Kopf war dicht. Nach einem Youtube Video bin ich nun schlauer und wusste was zu tun ist, dennoch ist das System voller Tücke und ich brauchte drei Anläufe um es zu schaffen. Der ursprünglich geplante Zug war schon ausgebucht, daher nehmen wir einen anderen der 1,5 statt 1 Stunde Fahrzeit hat. Aber das ist egal, dann haben wir 30 Minuten mehr in denen wir den Fuji bewundern können.

Wir konnten den glorreichen Sieg über den Shinkansenautomaten kaum feiern, da wir gleich weiter sind, da wir mit Katja eine Verabredung hatten. Sie wohnt nun so ziemlich genau zehn Jahre in Japan und wenn sie in Deutschland ist, trifft man sich immer. Nun läuft es mal anders herum. Wir holten sie von der Arbeit ab und nach einem kleinen Brunch im FamilyRestaurant sind wir nach Azabudai Hills gefahren. Das ist eigentlich direkt neben dem Tokyo Tower. Aber diesmal machen wir kein Sightseeing sondern gehen ins TeamLabs Borderless. TeamLabs sind immersive, interaktive oder auch digitale Ausstellungen und sind furchtbar beliebt. Wir mussten die Tickets mindestens einen Monat im Voraus buchen. 

Und es hat sich gelohnt. Alles was man über die soziale Medien sehen konnte ist wahr. Und noch viel besser, weil man die optischen Eindrücke kaum einfangen kann. Man läuft durch verschiedene Räume die überall mit Bildern beleuchtet werden. Diese Bilder bewegen sich und wandern von Raum zu Raum. Man kann theoretisch später zurückkommen, aber der Raum ist anders. Manchmal kann man die Wand anfassen und das Bild reagiert oder wenn man im Hauptraum an der Wand lehnt, dann wird man mit eingebaut. Zum Beispiel läuft der "Regen" an einem herunter und vorbei oder digitale Vögel berühren einen und eine Blume wächst hinter einem heraus. 

Das Konzept sieht keine feste Tour vor uns man entdeckt für sich selbst die Reihenfolge der einzelnen Räume. Und es lassen sich einige kleinere Räume finden, wo man vom Hauptkonzept getrennt ist und dann zwischen glitzernden LED Stangen herumläuft und sich wie im Feenwald fühlt oder schwerelos, weil glitzernde Kugeln auf durchsichtigen Scheinen rollen. Neben den Licht- und Spiegeleffekten wird auch mit Düfte gearbeitet. Wenn eine neue Blume blüht, dann gibt es auch einen leicht anderen Duft, oder wenn es zu "regnen" anfängt, kühlt der Raum merklich ab. Wer auch immer die Chance dazu hat: mach es!

In Tokyo gibt es zwei verschiedenen Einrichtungen und wir wollen versuchen noch in die zweite zu gehen.

Nach dem Spaß haben wir uns nach Azabudai Hills angeschaut, aber im Endeffekt ist das nur ein fancy Gebäude mit sehr noblen Geschäften. Wir haben ein CoffeeLab entdeckt und ich habe mich mit Terence über das Rösten unterhalten. Sie rösten dort auf Kundenwunsch kleine Mengen und ich konnte so richtig schön klugscheißern. 


Aber Azabudai Hills war nicht für uns. Daher sind wir zu Katja gefahren um auch Tac wieder zu sehen, bzw Marcel hat ihn erst kennen gelernt. Auch die Hunde Nana und Suzu konnten wir endlich in echt kennen lernen. Nana ist wie unsere Oy, aber Suzu hat sich fern gehalten, sie ist aber generell sehr ängstlich. Damit wir sie nicht weiter stören und um den Tag abzuschließen sind wir zu viert noch Yakiniku essen gegangen. Dabei hat man einen kleinen Rostgrill im Tisch und ein Tabehodai. dass heißt, man kann so viel bestellen wie man will. Das Fleisch grillt man sich direkt so viel man will am Tisch. Es ist vom Essen und dem Zeitaufwand ein wenig wie Fondue oder Raclette. 

Dick und kugelrund ging es dann für uns zurück. Da wir am Freitagmorgen zeitig nach Shizuoka fahren wollen, müssen wir noch Koffer packen. Spoileralarm: wir sitzen gerade im Shinkansen. Und ich habe mein Handy geschrottet. Bin temporär nicht erreichbar. Da wir bei meiner Freundin sind, weiß ich auch nicht genau, ob ich den Blog täglich schreiben kann. 

Donnerstag, 27. März 2025

Butter bei die Fische

Mittwoch ist bisher mit 25 Grad der wärmste Tag. Und wie man es aus Japan kennt, ist die Luftfeuchtigkeit nicht gerade die angenehmste, aber noch auszuhalten. Wir haben um 11 Uhr eine Tour über den Tsukijimarkt gebucht. Tsukiji ist der größte Fischmarkt der Welt. Hier werden die großen Thunfischauktionen durchgeführt. Nun ja, korrekterweise war es Tsukiji, der Fischmarkt wurde nach Toyosu umgesiedelt, aber der sogenannte "Outer Market", also da wo gekocht und offiziell verkauft wurde, blieb noch an alter Stelle.


Ich hatte eine nette kleine Tour über den Markt mit Verkostung gefunden die wir mitmachen wollten. Dazu sind wir überpünktlichen Deutschen schon frühzeitig aufgebrochen. Da der Treffpunkt relativ nah bei uns war, sind wir gemütlich hin spaziert. Und man merkt, dass der Frühling da ist. Auf den Straßen blühen einige Bäume, die Kirschblüte aber noch nicht ganz, und die Sonne britzelt auf uns nieder. Der Treffpunkt war einfach zu finden, da es der Haupteingang zum Tempel Tsukuji Hangwanji ist. Obwohl wir sehr zeitig da waren, standen schon einige Touristenführer herum und warteten auf uns. Keiko-san war unsere Tourguide. Sie ist eine ältere Dame und hatte einige Jahre in Amerika gelebt. Mit uns startet ein amerikanisches älteres Pärchen aus Atlanta und später stößt noch ein Paar dazu, aber die haben sich nicht richtig vorgestellt und haben die ganze Zeit auch komische Sonderbefinden gehabt. Ich nehmen von Dialekt Franzosen oder Russen an. 

Zuerst stellte Keiko-san uns den Tempel Tsukiji Hingwanji vor. Er ist von seiner Architektur äußerst ungewöhnlich. Ursprünglich stand er in dem Bereich Asakusa, aber nach einem großen Feuer wurde er dann am Tsukiji neu erbaut. In Japan ist Neuerbauen nicht zwingend damit verbunden das es 1:1 identisch ist. Hier geht es um die verehrte Personen oder Götter.  Da es hier um einen buddhistischen Tempel handelt hat sich der Architekt von indischen Bauten inspirieren lassen. 

Und dann ging es direkt nach nebenan auf den Fischmarkt. Rückblickend ist der Bereich wesentlich kleiner als erwartet, aber mittwochs hatten viele Läden zu. Leider auch die alten Auktionshallen. Nichtsdestotrotz hat Keiko-san ihr Bestes getan um das zu kompensieren. Zuerst gab es eine Leckerei aus Fischkuchen. Das war ein Spieß mit drei verschiedenen Variationen: Mais, Tintenfisch und Nori (Seetang). Fischkuchen ist eine recht feste, gummiartige, aber nicht zähe weiße Masse die dann in den Variationen gewälzt wurde. Sehr lecker! Wer Ramen isst: dass ist das weiß-rosa gekringelte Zeug. In einer weiteren Station gab es einen Spieß mit Level 4 Wagyu. Wagyu bedeutet lediglich japanisches Rindfleisch. Kobe-Beef ist auch Wagyu, aber nicht jedes Wagyu ist aus Kobe. Das Level ist dennoch sehr hoch an dem Stand gewesen und das Fleisch war nur kurz gegrillt. Unglaublich samtig und weich. Es zerfloss regelrecht auf der Zunge. Diese Beschreibung habe ich schon häufiger dafür gehört, aber konnte es nie greifen. Jetzt erst verstehe ich es. Marcel war auch absolut begeistert. Und ihn haben all die Eindrücke der essbaren Dinge abgelenkt. Ganze Krabben, Muscheln, Wagyu, Nori.....  

All die interessanten Infos von Keiko-san weiterzugeben würde den Rahmen hier sprengen. Sie hat uns Pärchen allen eine Tüte mit Konbini-Produkten zusammengestellt. Als Entschuldigung, dass viele Läden geschlossen haben und Dinge reingepackt die sie selber sehr gerne mag. Einige Produkte bestehen seit ihrer Kindheit und sie ist definitiv eine Rentnerin. Nach einem kurzen Schreinbesuch wo sie uns noch erklärte wie man betet und omikuji zieht -die Amerikaner waren unglaublich wissbegierig was tägliche Rituale und Manieren angeht- sind wir dann zum Schlusspunkt gegangen: ein kleines Sushi-Menü. Deutsches Sushi ist kein Vergleich zu der Fische und der Beschaffenheit des japanischen Originals. Und schon war die Tour rum. 

Marcel war angefüttert, also mussten wir noch mal zu zweit durch die Reihen stöbern. Und nach einem gegrillten Tintenfisch (Ika) haben wir uns an der Bahnstation noch ein traditionelles Taiyaki gegönnt um uns dann zum Tokyo Tower zu machen. Zwar hat der SkyTree mittlerweile den höchsten Aussichtspunkt, aber dennoch ist der Tokyo Tower eines der Wahrzeichen von Tokyo. Und er hat sich gemacht. Er war damals schon ein wenig altbacken, aber er ist restauriert und der Besuch des Oberdecks, was tatsächlich teurer ist als beim SkyTree, hat eine wunderschöne Aussicht mit vielen Infos seit Bau des Turmes. Es ist alles aufpoliert und dem neuen Influencergeschmack angepasst worden. Marcel fand es trotzdem nicht so prickelnd. Ich mag jedoch den alten Charme.

Zum Schluss ging es abends dann nochmal nach Shinjuku. Nach dem Minibesuch ein paar Tage vorher um die Lichtshow am Metropolitan Building zu bewundern, sind wir nun ins komplette Gewusel gegangen. Und ich merke wieder: ich hasse Shinjuku. Es ist mir zu groß, laut und viel zu viele Menschen. Die Tatsache, dass diese Trilliarden Menschen in dem größten Bahnhof der Welt sind und dieser durch die Größe auch nicht gerade übersichtlich ist, kann einen nur fertig machen. Aber Instagram hat uns Dinge gezeigt, die Marcel sehen wollte. Zum einen die 3D Katze. Es gibt einen riesigen Werbebildschirm, wo man eine Katze sieht, die dort liegt, spielt, schläft. Die ist viral gegangen. An dem Platz standen auch Tausende Touristen und haben auf das Filmchen gewartet. Aber die Katze ist nur immer kurz in Form von Werbung aufgetaucht. Sehr enttäuschend. Da ist der Hachiko auf dem Bildschirm in Shibuya besser gewesen. Zum anderen: Godzilla. Im tiefsten Gewusel über einem Kino schaut ein Godzilla über das Gebäude. Und nicht dieser Winzdino wie in Ginza, sondern er schaut aus einer Höhe von 60m oder so herab. Das ist schon cool, aber dann ging das Licht des Kinos aus, und Musik wurde eingespielt. Godzillas Augen begannen zu glühen und er "spie" blaues Feuer. Das kam für uns unerwartet und hat Spaß gemacht. 

Dennoch war es komplett überlaufen und voll, also sind wir nach dem langen Tag nach Hause. Wir laufen momentan durchschnittlich 20.000 Schritte durch Tokyo. Zwar tun die Füße mittlerweile nicht mehr weh, aber man merkt, dass der Körper das auf Dauer nicht gewohnt ist und abends den Tribut fordert. Also sind wir ins Bett und statt den pünktlichen Blogeintrag zu schreiben, haben wir einfach nur Netflix geschaut.