Posts mit dem Label Fuji-san werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Fuji-san werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 30. März 2025

Zuhause bei der (japanischen) Familie

 Freitag

Wie angekündigt sind wir über das Wochenende nach Shizuoka zu der Familie meiner Freundin gefahren. Ich kenne Mariko mittlerweile seit rund 17 Jahren. Ich hatte sie damals über eine Sprachlernseite angeschrieben und gefragt, ob wir schreiben wollen. Sie auf Englisch und ich auf Japanisch. Während des Studiums hat das auch so geklappt, danach bin ich auch ins Englische gefallen. 

In meinem Kurzzeitstipendium ist sie damals zu mir nach Tokyo zu Besuch gekommen und im Langzeitstipendium bin ich für eine Übernachtung zu ihr gefahren. Ich durfte bei ihr, bzw. im Haus der Eltern schlafen und hatte eine schöne Sightseeingtour mit Familienfeeling. Ich durfte noch die Schwester mit der frisch geborenen Nichte und die Cousine kennenlernen. Auch danach hat meine Mutter mit dem japanischen Dad über Facebook Kontakt aufgenommen. Sie schreiben sich jetzt auch schon seit Jahren mehr oder weniger regelmäßig, obwohl sie sich nie in echt kennengelernt haben. Mein Kontakt mit Mariko ist auch mal häufiger oder seltener, je nach dem was passiert oder wie man Lust hat zu schreiben. Als wir wussten, dass wir nach Japan fliegen, hat Mariko es als erste erfahren und wir haben um den Besuch herum die ganzen Sachen geplant.

Die Reise haben wir auf jeden Fall mit dem Shinkansen angefangen. Die Fahrt dauert eineinhalb Stunden und am Anfang der Reise ist dummerweise mein Handy runtergefallen. Diesmal muss es aber so ungünstig aufgekommen sein, dass es das Display zerstört hat. Es ist keine Spider-App, sondern nur ein Miniriss, aber es wird nichts mehr angezeigt, nur ein kleines Flackern. Grandios. Da hab ich ja voll Bock drauf. Nicht nur das einige Leute meine Bilder sehen möchten, ich habe auch das Handy zur Orientierung und Planung genommen. Marcel ist da ein wenig ausgeklammert gewesen. Aber nun ja, was soll man machen. Shou ga nai, wie der Japaner sagt. Immerhin habe ich den Laptop noch mit. Jetzt überlegen wir noch, ob wir hier ein neues Handy kaufen oder in Deutschland.

Unabhängig von diesem Missgeschick kommen wir natürlich superpünktlich in Shizuoka an und Mariko und ihr Vater Toshihide erwarten uns winkend am Bahnsteig. Das macht einen schon echt glücklich so herzlich begrüßt zu werden. Selbst Marcel haben sie herzlich wie einen alten Freund begrüßt, obwohl sie ihn ja gar nicht kannten. 

Zuerst haben wir das Gepäck nach Hause gebracht und danach sind sie mit uns nach außerhalb gefahren um den Shiraito-Taki, einen Wasserfall, zu besuchen. Wir kannten die Planung überhaupt nicht, daher saßen wir nur im Auto und haben uns über die Gegend gefreut. Shizuoka ist zwar Präfektur Hauptstadt, aber im Gegensatz zu Tokyo sehr flach und ländlich. Man hat von hier aus aber einen besonders guten Blick auf den Fuji, wenn er denn will. Vor 14 Jahren hat er sich geweigert sich zu zeigen, aber vom Shinkansen konnten wir ihn schon sehen. Der Wasserfall ist jetzt nicht so riesig wie die Niagara-Fälle, aber er war wunderschön in der Natur und mit den knospenden Kirschblüten war das Setting grandios. Das komplette Kontrastprogramm zu der digitalen modernen Welt in Tokyo. Und nach den Bahn- und Autofahrten war es schön sich wieder zu bewegen. 

Nach nem Happen zu essen ging es zu einem See, dem Tanuki See, von dem man eigentlich DEN Blick auf den Fuji hat, mit Wasser und im Idealfall noch mit Kirschblüten. Aber jetzt war Fuji ein bisschen schüchtern und hat sich hinter den Wolken versteckt. Der See war dennoch sehr idyllisch und ruhig.
 

Es ging zurück nach Hause. Mittlerweile ist auch die Mutti nach Hause gekommen, die konnten wir vorhin noch gar nicht begrüßen. Auch sie hat sich nicht wirklich verändert in den 14 Jahren. Die Eltern sind mittlerweile um die 70/75 Jahre alt. Aber das merkt man ihnen überhaupt nicht an. Und nun ging es erst einmal an den omiyage Austausch. Wir hatten aus Deutschland Haribo und Halloren mitgebracht und meine Mutter hat für alle Frauen der Familie (sieben insgesamt) kleine Kosmetiktaschen genäht, die ich dann noch mit Pröbchen von DM und kleinen Naschsachen befüllt habe. Für Toshi gab es stattdessen ein Bier. Da haben sie sich drüber gefreut. Vor allem weil es selbst genäht war. Ich war froh nun die Koffer leer bekommen zu haben aber nein, die omiyage für uns war enorm. Es lag bereits ein Haufen Naschereien bereit und in einer Tüte waren zahlreiche Pokemonsachen, kleine Tüten, Naschi, Sticker etc. vorbereitet. Dann gab es Socken und kleine Handtücher mit klassischen Japanmotiven .... Ich wusste schon länger, dass Mariko den Shizuoka Pokemon Store leer kauft. Sogar für meine Mutter ist ein kleines Geschenk dabei.

Nachdem wir uns gegenseitig beschenkt haben sind wir in ein Tonkatsu-Restaurant gefahren. Marcel hatte sich das gewünscht und ein alter Klassenkamerad von Marikos Schwester führt dieses Restaurant. Es war wieder unglaublich lecker. Das Gespräch war noch ein wenig holprig. Wir mussten und noch von meinem Sprachlevel finden und Marcel wollte auch immer mitreden, aber irgendwie hat keiner Deutsch verstanden. Das habe ich bestmöglich übersetzt und es ging ziemlich gut.


Samstag

Da Familie Kameyama viel geplant hat, sind wir früh aufgestanden. Viel früher als was man im Urlaub will. Aber die Mutti hatte für uns ein schönes Frühstück gezaubert. Ein kleiner Mix aus europäischem Frühstück mit Spiegelei und Bacon und japanischem Stil, nämlich kleine Schälchen mit beigelegten Gemüse oder Salat.

Auf dem Plan stehen heute traditionelle und historische Dinge. Zuerst ging es zur Okabe Station in Kashibaya. Das ist ein 600 Jahre altes Ryokan. Ein Ryokan ist eine Gaststätte im alten japanischem Stil mit Schiebewänden und Tatamimatten (klar, so war es damals halt). Dieses Ryokan hat man restauriert und in ein Museum umgebaut. Altes Reiseequipment wurde ausgestellt und ganz viele traditionelle Puppen. Die sind noch vom Hanamatsuri, dem Puppenfest, da gewesen. Es ist schon spannend wie klein die Menschen früher waren, aber wie weit die Kunstfertigkeiten schon waren. Generell wirkt das ganze Dorf sehr alt und es wirkt wie früher dort. So ist es auch, als wir zu einem berühmten Soba Restaurant gefahren sind. Wir mussten ein Stück laufen und die Häuser waren wirklich wunderschön alt. Es sah fast wie in Kyoto aus. Soba sind Buchweizennudeln die man gerne auch kalt isst. Sie gelten als erstes Fastfood in Japan und stammen aus der Edo-Zeit.

Gestärkt ging es dann ins Takumishuku, das Traditional Hand Craft Arts Center. Dieses Zentrum ist das was ich an Japan liebe: die Liebe zum Handwerk und der Kunst. Es ist eine sehr schöne und ästhetisch moderne Einrichtung, wo man sich in traditionellen Künsten wie Töpfern, Lackarbeiten, Färben oder Bambusarbeiten ausprobieren kann. Marcel war sehr vom Töpfern fasziniert, aber das hätten wir zeitlich und sprachlich nicht hinbekommen. Also haben wir, Marcel und ich, uns bei den Lackarbeiten ausgetobt und Stäbchen poliert. Dazu haben wir lackierte Stäbchen bekommen und mussten diese so schleifen, dass sie glatt werden. Dabei treten dann untere Lackschichten hervor und geben dann ein individuelles Muster frei, je nachdem für welche Farbe man sich entschieden hat und wie sehr man poliert. Wir saßen da ca. 40 Minuten und haben artig unsere Stäbchen poliert. Und wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Da schätzt man sämtliche Lackarbeiten mehr wert.

Die Zeit drängte langsam, denn für den Abend war noch eine Willkommens-Dinnerparty mit der gesamten Familie geplant. Ein kurzer Stopp noch bei einem Süßigkeitenverkäufer mit traditionellen Naschi wie Mochi, Daifuku oder Taiyaki ging es nach Hause. Dort wurden uns ALLE Süßigkeiten präsentiert. Wir haben uns durchaus zurückgehalten, aber der Berg war schon überwältigend.

Nun kam der Moment wo alle die ich bisher kennen gelernt habe zusammen kommen. Ich war ein bisschen aufgeregt, da auch die Nichten dabei sind, die ich noch gar nicht oder nur als Baby kenne. Marcel wusste auch noch nicht was ihn erwartet. Das Gefühl, dass die nur für uns kommen ist komisch. Es wurde Sushi für alle bestellt und Mutti hat noch Oden, Eintopf, gekocht. Zuerst kam Akiko, die Cousine. Ich mochte Akiko damals schon sehr, da sie eine sehr offene und extrovertierte Person ist. Sie wurde damals eingeladen, da sie mal in Deutschland war und Englisch kann. Wobei sie kein Wort Englisch gesprochen hatte. Es war direkt wie früher, man war sich wieder vertraut und sie ist immer noch so eine tolle Person. Auch mit Marcel hat sie sich auf Anhieb verstanden, soweit es sprachlich ging. Sie hatte ihm die alten Fotos von 1995 gezeigt und von ihren Erfahrungen berichtet. Dann kamen auch die große Schwester mit Mann und die zwei Nichten. Der Empfang war eher kühl, wie waren für die Kids weniger von Interesse und mit der Schwester hatte ich damals kaum Kontakt. Den Schwager hatte ich nicht kennen gelernt. Aber es gab eh erst einmal Essen. Da das Haus relativ klein ist, haben wir nicht alle an einem Tisch essen können. Und Essen gab es wirklich reichlich. Schon vorgesättigt von den Süßigkeiten hat das Sushi kaum Platz gefunden (jaja, wie dummer Kinder im Schlaraffenland).  Wie immer waren alle von Marcels Talent mit Stäbchen zu essen begeistert und dass er so ein netter Mann ist. Da er sprachlich ein wenig raus war, hatte er beim Tischdecken mit angefasst.

Dick und vollgefressen musste sich Akiko schon verabschieden. Da wir noch omiyage vorbereitet haben und ich dazu per Handy meine Mutter zuschalten wollte, habe ich sie per Videocall angerufen und Akiko ihr Geschenk überreicht. Danach ist alles, zumindest in meinem Kopf, laut und wild geworden. Ich habe meiner Mutter mit dem Handy alles gezeigt und allen meine Mutter gezeigt, dabei habe ich versucht bilingual alles gleichzeitig zu erzählen. Meine Mutter und Toshi haben sich so zum ersten Mal "in echt" gesehen. Und als ich der Familie, also den Teil der Schwester, erzählt habe, dass die Täschchen selbst genäht wurden, waren sie superglücklich und haben alle in die Kamera gerufen und gewunken. Wir haben dann damit Gruppenfotos gemacht und das Eis war gebrochen. Man kann aber leider nicht allen gerecht werden: der Mutter am Telefon und der Familie vor Ort die jetzt viele Fragen hat. Daher haben wir das Telefonat nach einem allgemeinem Tschüsssagen beendet. Mit den Nichten und dem Schwager haben wir uns dann noch ein bisschen unterhalten und die Nichten sind sehr neidisch, dass wir ins USJ (Universal Studio Japan) gehen. Es war ein schöner Abend und die Mädels haben uns noch Dankebilder gemalt und geschrieben. Da geht einem doch das Herz auf. Und ein bisschen stolz bin ich auch auf meine Leistung nach ca. 10 Jahren ohne Japanisch diesen Abend souverän überstanden zu haben. 

Sonntag

Der Tag ist ein bisschen später gestartet, da aufgrund unserer Abreise gen Osaka heute nicht mehr so viel auf den Plan stand. Erstmal mussten wir noch alle Katzen kennenlernen. Zwei kamen regelmäßig zum Futtern vorbei. Das waren aber Gemeindekatzen und die hat man an dem Sakura Cut am Ohr erkannt. Das sind so gesehen Streuner die aber kastriert wurden und zur Erkennung wurde das Ohr "beschnitten". Sie waren zutraulich, aber nicht kuschelig. Die Familie hat aber noch zwei Hauskatzen, wobei die nicht im Haus wohnen sondern ihr eigenen Katzenzimmer haben. Eine davon war scheu und ist gleich abgehauen, die andere ältere Katzendame war zutraulich und schmusig. Ich kann mich nicht mehr aktiv erinnern, aber ich habe sie tatsächlich schon vor 14 Jahren kennen gelernt. Ein bisschen traurig wurden wir schon, da wir schon so lange ohne unsere Babies sind. So lange waren wir noch nie getrennt. 

Zum Schluss sind wir in die Stadt. Erst ohne Gepäck, dass wollte Toshi später holen. In der Nähe des Bahnhofs ist zum einen das Präfekturgebäude, da gibt es eine kostenlose Aussichtsplattform. Und die Aussicht in Shizuoka ist eine ganz andere als in Tokyo. In Tokyo sieht man nur Häuser, Häuser und Stadt. In Shizuoka sieht man kleine Häuser, Berge, das Meer und mit Glück den Fuji. Es war nun ein wenig schüchtern hinter Nebel, aber klar zu erkennen. Zu dieser Aussicht haben wir Yasuko mitgenommen, die Freundin von Mariko. Sie war damals mit in Tokyo als Mariko mich besucht hat und war natürlich dabei, als ich in Shizuoka war. Zusammen haben wir diesmal noch die Kirschblüten bewundert. Sie ist am Sonntag in Shizuoka in voller Blüte und der Burggraben der Burgruine ist wunderschön mit den Blüten am Ufer. Ich hatte das als romantisches Märchen abgetan, aber es ist wirklich was besonderes. 

Als finalen Sightseeingspot haben wir das Museum in der restaurierten Burganlage besucht. Die Anlage selbst ist seit dem 12. Jahrhundert vorhanden und wurde damals unter Tobunaga Ieyasu richtig groß ausgebaut. In Shizuoka ist man europäische Ausländer kaum gewohnt und Toshi ist mehrmals gefragt worden wo wir her seien und ob wir Japanisch könnten. Aber man hat uns auch extra herzlich aufgenommen..

Aber alles hat ein Ende. Toshi ist nach Hause unsere Koffer holen während wir mit Mariko und Yasuko noch durch die Innenstadt geschlendert sind. Mutti kam dann auch noch mit zum Bahnhof und hat und noch für meine Mutter ein Extrageschenk mitgebracht und Getränke für die Fahrt. Zum Glück gab es für uns keine weiteren Geschenke. Wir wussten schon gar nicht wie wir die Koffer zu bekommen, obwohl wir unsere Mitbringsel losgeworden sind und erst Halbzeit haben.  Als der Shinkansen kam ging es auch schnell, sowohl die Verabschiedung als auch die Tränen die bei mir flossen. Wie letztes Mal. So schnell und so stark kann man diese Familie ins Herz schließen.

Schnell bringt uns aber der Shinkansen in nur zwei Stunden nach Shin-Osaka (Stadtteil von Osaka) um einen weiteren Teil des Abenteuers zu beginnen. Tatsächlich ist aber mein Gefühl hier anders. Osaka ist nicht mein Viertel. Ich war zwar schon (einen Tag) hier, aber die Leute sind anders. Das Hotel haben wir superschnell gefunden, da es tatsächlich eigentlich auf dem Bahnhof ist. War so nicht geplant, macht es aber auch einfacher. Da Shin-Osaka aber irgendwie nur ein Umschlagpunkt für die Zugreisenden ist und sonst irgendwie abgeschnitten ist, haben wir ausführlich bei der Essenssuche den Bahnhof erkundet und Pläne für die hiesigen Tage geschmiedet. Mal gespannt, wie es sich hier verändert hat

Samstag, 6. August 2011

Eine Busfahrt die ist lustig...

Auf Anfrage von Bruno, bin ich heute mit auf eine vielversprechende Fuji-Busfahrt gegangen.
Es hieß mit dem Bus Richtung Fuji, zum 5ten Base, danach All-you-can-eat mit Fuji Blick, Eishöhle und dann noch ein Pfirsich-All-you-can-eat. Super Beschreibung und die Bilder im Prospekt, na klar, bildhübsch.
Los ging es dann um halb 7 vom Wohnheim und der Bus startete um halb 8. Ein Glück, dass man mittlerweile es so drauf hat wie die Japaner und kaum in der Bahn oder Bus sitzt und wegpennt, denn die Hinfahrt hat aufgrund der überfüllten Verkehrslage mal eben 4,5 Stunden gedauert. Damit hat keiner gerechnet. Und dann wurden wir auf dem Berg, bei Nieselregen ausgesetzt. Irgendwie war ich zu verpennt und hab nicht mitbekommen was wir da sollen, weil es dort neben vielen Bergsteigern nur Mitbringsel gab. Es handelt sich hier um die 5te Stufe für's Bergsteigen am Fuji, deswegen die Bergsteiger und auch viele Radsportfahrer. Und die Mitbringsel...tja, kommen wir zur japanischen Touristenkultur: Japaner machen Reisen und kaufen nur Mitbringsel. Und dabei handelt es sich in der Regel um Essen. In Japan hat jede Region oder Stadt eine Spezialität die sich ausgezeichnet zum verschenken eignet. Wer mal etwas mitgebracht bekommt ist damit auch fast verpflichtet zurückzuschenken. Also sind all die Japaner die mit ins mitgefahren sind, Mitbringsel kaufen gegangen, während wie Südamerikaner, Amerikaner und Europäer drüber lustig gemacht haben, was es nicht alles mit dem Fuji drauf gibt. Mein Favorit: lange Unterhosen zum Wandern.
Kurz den dortigen Schrein angesehenund wir sind zurück in den Bus um nach ner Stunde durch strömenden Regen bei dem Hotel "Fuji View" anzukommen. Dort gab es ein All-you-can-eat-Büffet mit angeblichen Fuji-Blick. Allerdings ist mir der Fuji wohlgesonnen und hat sich hinter massiven Regenwolken versteckt. Nix mit Aussicht. Und das Essen, naja, ehrlich gesagt hat es mich nicht so umgehauen zumal wir auch "nur" ne Stunde Zeit hatten. Die Schokofontänenaschereien hab ich nur geschlungen...
Weiter ging es durch ein Gewitter. das war ziemlich cool. Erstens mag ich Gewitter und zweitens waren wir irgendwie in der Wolke. Dadurch das wir auf 3000m Höhe waren war alles Wolke und ich hab nen Blitz, vielleicht 500m neben uns gesehen, der aber auch neben uns entstanden ist. Fetzt!
Zum Glück war es aber wieder trocken als wir bei der Eishöhle angekommen sind. Man hat uns prächtige 45 Minuten Zeit gegeben, die wir allerdings brauchten um überhaupt zum Eingang der Höhle zu kommen, so lang war die Schlange. Da aber alle aus dem Bus in der Schlange waren, war uns das herrlich egal. Es wird die Eishöhle genannt, weil es dort Eis gibt, früher hat man es hier geschlagen und zum Palast gebracht. Allerdings liegt die Höhle nur 21m unter dem Erdboden. Es war spaßig von der schwül-warmen Sommerhitze zu kühlen 3 Grad zu gehen, sich durch Steinspalten zu quetschen, denn zwischendurch war die Höhe nur 91 cm und Eisblöcke zu bewundern. Hätten wir nicht so asig lange gewartet, wäre es richtig toll gewesen. So hatten wir leider einen Zeitdruck und haben es nicht richtig geniessen können.
Letzte Station mit dem Bus: Pfirsich essen. Hört sich für uns Europäer komisch an, aber wenn man die Preise hier in Japan sieht, dann weiß man, dass es sich lohnt: im Angebot 3 Stück für 500 Yen, oder meistens ein einzelner für 200 Yen+. Die Idee war, das wir sie auch selber pflücken, aber das Wetter und der Verkehr hat uns mal wieder zur Eile getrieben. Also haben wir nur gegessen. Ich hab es auf ganze 3 geschafft, während zwei auf wundersame Weise den Weg in meine Tasche gefunden haben. Upps! Obwohl sie recht hart waren, worüber sich alle lautstark beschwert haben, waren sie superlecker und getärkt sind wir den Rückweg angetreten.

Mit eineinhalb Stunden Verspätung sind wir wieder in Shinjuku angekommen. allgemeines Resümee: wir haben gespart mit der Tour, aber durch den Verkehr haben wir zuviel Zeit im Bus verbracht und zuwenig Zeit vor Ort gehabt. Für das Wetter kann keiner was. Muss man mal mitgemacht haben.

Montag, 10. Januar 2011

Hakone

An sich war ich ja schon in Hakone. Nämlich als wir diesen Bustrip hatten. Aber da haben wir nur die Landschaft aus dem Bus heraus bewundert. Und weil sie so hübsch war, hab ich gleich zugesagt als Jumpi mich fragte, ein japanischer Kumpel den ich aus Halle kenne, ob ich ihn und ein paar Deutsche nicht begleiten möchte. Naja, gut, er muste schon mit dem Onsen, den heißen Quellen, locken, damit ich ohne zu Überlegen zugestimmt habe.
Also bin ich am Samstag um unmögliche 6:30 Uhr aufgestanden und nach Shinjuku gefahren. Dort sollte ich mir nämlich ein "Hakone Free Pass" für 5000 Yen kaufen. Hört sich nach einer Masse Geld an, aber damit kommt man von Shinjuku hin und zurück (aber nicht mit dem Romance Train -> kostet nochmal extra, hab's leidlich erfahren) und kann in Hakone und dem nahegelegen Odawara so ziemlich jedes öffentliche Verkehrmittel nutzen. Außerdem gibt es allgemein noch ein paar Vergünstigungen.
Also in den Zug gestiegen und eineinhalb Stunden später in Odawara ausgestiegen. Hier wollten wir uns alle treffen und ich war locker ne Stunde zu früh. Jaja, dämliche Überpünktlichkeit und nerviges Organisiseren was imme massig Pufferzeit einberechnet.
Aber um 10 waren wir dann zu sechst: 3 Japanern mit Deutschkenntnissen und 3 Deutsche mit keinen bis leidlichen Japanischkenntnisses. Die Deutschen waren Debora, eine Studentin der Sprechwissenschaft in Halle, und Robert, Physikstudent aus München der aber eine bessere Japanischausbildung hat als ich. Wozu studier ich Japanologie wenn jeder Hans und Franz besser ist als ein Japanologe?
Jumpei war der Knotenpunkt der Bekanntschaften, weil er mit seinem verdammt guten Deutsch einfach mal jeden kennt. Es war in Halle immer lustig wenn man mit ihm zusammen zu Bahn gegangen ist. Er hat mehr Leute gegrüßt als ich, und ich dachte ich kenne schon viele Hallenser^^.
Zuerst ging es dann 45 Minuten mit dem Bus, nach einem Blick auf den alten Kaiserpalast, nach Hakone Machi. Aufgrund seines Jobbes am Odawarabahnhof kennt Jumpei die Touristenpunkte und hat uns entgegengesetzt der normalen Route durch Hakone geführt um uns Wartezeiten zu ersparen.
In Hakone Machi haben wir dann erstmal ohne Ende Fotos vom Fuji-san geschossen. Mit dem See zu seinen Füßen und dem strahlend blauen Himmel war es ideal. Man konnte garnicht die Kamera aus der Hand legen. Aber erstmal haben wir den "Checkpoint Hakone" besucht. Hier hat man in alter Zeit sich melden müssen, wenn man gereist ist. Man konnte garnicht an Hakone vorbei kommen und man hat hier auch Steuern gezahlt. Dieses Gebäude ist komplett restauriert worden. Danach sind wir auf den nächsten Hügel gekraxelt um in ein hässliches Haus zu gehen, was nur den Kaisern bestimmt war, aber nun der Öffentlichkeit zugänglich ist. Hässlich ist es weil es dem viktorianischem Stil ähnelt und einfach überhaupt nicht dahin passt. Aber die Aussicht von dort auf den See (mit dem Fuji) war klasse. Und danach....



Sind wir zu Piraten geworden. Stellt euch vor: Ihr seid in Japan. Im Gebirge. An einem See. Habt Ausblick auf den Fuji. Und dann kommt ein Piratenschiff angesegelt. Jaaaaaa, Realität, wo bist du geblieben? Aber egal. Ich wollte schon immer mal einen auf Capt'n Jack Sparrow machen. Also rauf aufs Schiff (kostenfrei, weil es ein öffentliches Verkehrsmittel ist!?) und ab auf die andere Seite des Sees. Hatte schon was, das muss man sagen.



Angekommen in Togendai sind wir dann in die Hakone Railrope, sprich Seilbahn, gestiegen. Und es ging aufwärts. Mit dem vollen Blick auf den Fuji stiegen wir hinauf. Bis nach Owakudani. Dieser Zwischenstopp mit der Seilbanh ist berühmt für seine sehr heißen Quellen. Wenn ich mich recht entsinne waren es so um die 80 Grad. Außerdem sind sie sehr schwefelhaltig, weswegen das Wasser milchig trüb ist. Und von dem Geruch wollen wir garnicht erst reden. Das der Fuji von diesem Nachbarberg 1A zu sehen war, muss ich glaube ich nicht erwähnen, oder?
Weil uns kalt war (*hust* eher den Japanern) sind wir bergauf marschiert um uns die Quellen richtig anzusehen und allein schon der Anblick von Schnee war super. Es ist unglaublich wie schnell man aus der Puste kommt, wenn die Luft so dünn ist. Der Schwefelgestank liess uns aber auch wieder schnell zur Seilbanh zurückkehren. Und wir sind ohne typisches "schwarzes Ei" weiter gegondelt. Diese schwarzen Eier sind normale Eier, die in den schwefelhaltigen Quellen gekocht werden und dann angeblich bei dem Verzehr das Leben um rund 7 Jahre verlängern. Dreisterweise hab ich schon zwei gegessen bevor ich selber an den Quellen war. Ich denke, mein Leben ist lang genug.





Weiter nach der Seilbahn mit zwei weiteren Bahnen sind wir dann wieder am Anfang "Hakone" angekommen, um dort ein Bus zu den Hotelanlagen zu nehmen, um dort ins heißbegehrte Onsen zu gehen.
Die abenteuerliche Fahrt des Busses durch die Serpentinen hat schon Spaß gemacht und lustigerweise kannte ich die Straße noch von dem Bustrip, wo man uns gesagt hat, dass in dem auf der rechten Seite gelegenen Hotels, die berühmtesten Onsen hat. Ratet mal wo wir waren?
Jupp. Für, ich finde läppische, 1100 Yen sind wir dann "plantschen" gegangen. Zusammen mit Debora ging es für mich in den Mädchentrackt. Und wo ich wegen meiner Erfahrungen echt dachte, dass Japaner verklemmt sind, war ich recht erstaunt wie extrem natürlich sich alle nackt bewegt haben. Es ist nicht erlaubt bekleidet ins Onsen zu steigen. Und zuerst muss man sich waschen. Das ist bei allen öffentlichen Bädern Brauch, dass man sich zuerst auf einem Höckerchen abschrubbt und dann sauber badet.
Und das Wasser, woaaahh. Man gleitet nach einem langen Tag hinein und denkt nur "Das will ich für immer haben". Aber nach bestimmt 10 Minuten musss man schon den Oberkörper an die Luft bringen. Da denkt man, halb an der extrem kalten Luft und der Rest im heißen Wasser, das ist doch nicht gut. Aber man hat die Kälte nicht gespürt so aufgeheizt war man. Der Kreislauf hat es auch nicht unbedingt mitgmacht. Nach einer Paue komplett an der Luft, sind wir noch in ein anderes Becken gesiegen und haben da die letzten Minuten genossen, bevor wir wieder rausmussten, um den letzten Bus zu bekommen.
Das hat sich gelohnt. Definitiv! Gegen 19 Uhr sind wir dann mit der Bahn nach Hause. Nach und nach haben mich alle in der Banh allein gelassen (wir wohnen einfach alle ganz woanders) und um 22 Uhr war ich dann zu Hause. Kaputt, mit Kopfschmerzen (ich denke ich hab zuwenig getrunken), aber wohlig warm.
Danke Jumpei!!!! Das war ein schöner Tag!!

Freitag, 12. März 2010

Sehnsüchte

Tadaima!!!
Ich bin wieder im Lande. Und ich dachte eigentlich, dass ich das auch wollte, aber jetz will ich doch wieder in Japan sein.
Am Mittwoch Abend sind Stefan und Katha schon gefogen und ich habe sie zusammen mit ein paar Japanern zum Bus gebracht. Es flossen Tränen und letzte Geschenke wurden verteilt. Wir haben von unseren Gastgebern Fotoalben bekommen, wo die ganzen Gruppenfotos drin sind und von unseren Freunden kleine Briefe. Das hat uns allen gefallen.

Der Mittwoch ist sonst nicht weiter eewähnenswert. Ich habe nur meinen Kofer gepackt. Oh, doch. Morgens um 9, ich konnte an dem Tag ausschlafen, ging auf einmal meine Tür auf und jemand wollte in mein Zimmer. Die Tür ging wieder zu und wieder auf. Ein zaghaftes "Ohayo" (Morgen!) wurde gesagt und die Tür wieder geschlossen. Und dann klopfte es. Ich habe mich dann aufgerappelt und bin verschlafen an die Tür getorkelt. Das war Herr Ikeda, unser House Manager. Er dachte, dass niemand in dem Zimmer ist, da kein Name an der Tür klebte. Tja, den hat man mir am dritten Tag schon geklaut. Er hat sich tausendmal entschuldigt und ich habe gesagt, dass es okay ist. Abends bei der Zimmerabnahme hat er sich nochmal entschuldigt.
Am Donnerstag ging es dann um halb 7 aus den Federn. Ich habe mein Zimmer leer geräumt und bin nach Hiyoshi. Ich hatte schon Befürchtungen, dass ich mit dem Koffer in die Rushhour komme, aber das ging gut. In Yokohama habe ich dann meine Fahrkarte für den Bus gekauft und auf Rio gewartet, da ich es so verstanden hatte, dass sie mich noch verabschiedet. Wenn nicht, wäre das nicht so schlimm gewesen, ich bin schon ein großes Mädchen, dass alleine Bus fahren kann. Da sie 10 Minuten vor Abfahrt noch nicht da war, bin ich dann zum Bus. Da kam sie angerannt. Wir haben noch zwei, drei Worte gewechselt. Unter anderem hat sie erzählt, dass der 1.000 jährige heilige Baum in Kamakura gestürzt ist. Kein gutes Omen, habe ich gedacht. Und dann bin ich in den Bus gestiegen. Und da kamen sie, diese kleinen Mistviecher die ich hasse: Tränen.
Ich habe bestimmt die erste Viertelstunde geweint. Ich wollte Japan nicht verlassen, obwohl ich wusste, dass ich in einem halben Jahr wieder da bin.
Es war schönstes Wetter und der Bus fuhr über die Rainbow-Bridge von wo aus man einen Superblick auf mein geliebtes Minato Mirai hatte. Ich hätte fast übersehen, dass der Himmel so klar war, dass man hinter den Hochhäusern den Fuji-san gesehen hat. Er hat sich die ganzen 3 Wochen nicht geziegt, aber jetzt zum Abschied: ein gutes Omen.

Am Fughafen lief auch alles, noch nicht mal Sprengstoffalarm.
Im Flugzeug hatte ich eine 19jährige Japanerin neben mir. Wir sind aber erst am Ende warm miteinander geworden und haben und die letzten Stundne unterhalten. Sie flog nach München. Also konnte sie auch tatsächlich zwei, drei Wort deutsch, aber wir haben uns auf Japanisch unterhalten.
Das Fernsehprogramm war eher mau. Es sollte "New Moon" laufen oder "Hachiko". Toll, dachte ich, leckere Vampire und eine klassische Hundestory aus Japan, von der ich immer geredet habe und jetz kann ich es endlich sehen. Ne, lief nicht in unserem Flugzeug. Dafür habe ich den Kinderfilm "Where the wild things are" gesehen. (dt: "Wo die wilden Kerle wohnen"). Den wollte ich sowieso sehen, der sah knuffig aus. Dafür das das eine Kinderbuchverfilmung ist, finde ich die Story ziemlich heftig. Aber er war gut.
Essen war auch super, es gab diesmal mehr japanische Sachen wie O-Nigiri und O-Soba. Lecker!
In Kopenhagen lief auch alles (auch kein Sprengstoffalarm) und der kurze Flug nach Deutschland rüber war dunkel und ruhig. Es ist erschreckend zu sehen wie immer mehr Schnee auftaucht. Warum ist das in Deutschland noch so? Obwhol es wärmer ist als ich erwaret habe.
Tja, und meine Mutter war auch schon da um mich abzuholen. Zusammen mit meinem Koffer, der tatsächlich ein Kilo leichter geworden ist in Japan (bei mir weiß ich es noch nicht, ich gehe gleich zum Training und wiege mich dort) sind wir dann nach Lübeck.
Ich war langsam echt fertig. Insgesamt war ich 25 Stunden wach und unterwegs. Aber trotzdem habe ich nicht lange geschlafen. Naja, was soll`s.
Mit der Mitfahrgelegenhet ging es auch gleich schon mittags zurück nach Halle und jetzt sitze ich hier und schreibe meinen letzten offiziellen Japaneintrag. Alles ist ausgepackt, die ersten Mitbringsel verteilt und ich überlege, wie ich meine Stimmung beschreiben soll:
Ich bin schon froh in Halle zu sein, ich habe mich gefreut meine Jungs zu sehen und den Geruch meiner Wohnung zu riechen, aber ich möchte auch gerne nach Japan, wo ich neue Freunde gefunden habe und wo mich das Land fesselt.
Und das werde ich dieses Jahr auch wiedersehen. Garatiert!