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Donnerstag, 27. März 2025

Butter bei die Fische

Mittwoch ist bisher mit 25 Grad der wärmste Tag. Und wie man es aus Japan kennt, ist die Luftfeuchtigkeit nicht gerade die angenehmste, aber noch auszuhalten. Wir haben um 11 Uhr eine Tour über den Tsukijimarkt gebucht. Tsukiji ist der größte Fischmarkt der Welt. Hier werden die großen Thunfischauktionen durchgeführt. Nun ja, korrekterweise war es Tsukiji, der Fischmarkt wurde nach Toyosu umgesiedelt, aber der sogenannte "Outer Market", also da wo gekocht und offiziell verkauft wurde, blieb noch an alter Stelle.


Ich hatte eine nette kleine Tour über den Markt mit Verkostung gefunden die wir mitmachen wollten. Dazu sind wir überpünktlichen Deutschen schon frühzeitig aufgebrochen. Da der Treffpunkt relativ nah bei uns war, sind wir gemütlich hin spaziert. Und man merkt, dass der Frühling da ist. Auf den Straßen blühen einige Bäume, die Kirschblüte aber noch nicht ganz, und die Sonne britzelt auf uns nieder. Der Treffpunkt war einfach zu finden, da es der Haupteingang zum Tempel Tsukuji Hangwanji ist. Obwohl wir sehr zeitig da waren, standen schon einige Touristenführer herum und warteten auf uns. Keiko-san war unsere Tourguide. Sie ist eine ältere Dame und hatte einige Jahre in Amerika gelebt. Mit uns startet ein amerikanisches älteres Pärchen aus Atlanta und später stößt noch ein Paar dazu, aber die haben sich nicht richtig vorgestellt und haben die ganze Zeit auch komische Sonderbefinden gehabt. Ich nehmen von Dialekt Franzosen oder Russen an. 

Zuerst stellte Keiko-san uns den Tempel Tsukiji Hingwanji vor. Er ist von seiner Architektur äußerst ungewöhnlich. Ursprünglich stand er in dem Bereich Asakusa, aber nach einem großen Feuer wurde er dann am Tsukiji neu erbaut. In Japan ist Neuerbauen nicht zwingend damit verbunden das es 1:1 identisch ist. Hier geht es um die verehrte Personen oder Götter.  Da es hier um einen buddhistischen Tempel handelt hat sich der Architekt von indischen Bauten inspirieren lassen. 

Und dann ging es direkt nach nebenan auf den Fischmarkt. Rückblickend ist der Bereich wesentlich kleiner als erwartet, aber mittwochs hatten viele Läden zu. Leider auch die alten Auktionshallen. Nichtsdestotrotz hat Keiko-san ihr Bestes getan um das zu kompensieren. Zuerst gab es eine Leckerei aus Fischkuchen. Das war ein Spieß mit drei verschiedenen Variationen: Mais, Tintenfisch und Nori (Seetang). Fischkuchen ist eine recht feste, gummiartige, aber nicht zähe weiße Masse die dann in den Variationen gewälzt wurde. Sehr lecker! Wer Ramen isst: dass ist das weiß-rosa gekringelte Zeug. In einer weiteren Station gab es einen Spieß mit Level 4 Wagyu. Wagyu bedeutet lediglich japanisches Rindfleisch. Kobe-Beef ist auch Wagyu, aber nicht jedes Wagyu ist aus Kobe. Das Level ist dennoch sehr hoch an dem Stand gewesen und das Fleisch war nur kurz gegrillt. Unglaublich samtig und weich. Es zerfloss regelrecht auf der Zunge. Diese Beschreibung habe ich schon häufiger dafür gehört, aber konnte es nie greifen. Jetzt erst verstehe ich es. Marcel war auch absolut begeistert. Und ihn haben all die Eindrücke der essbaren Dinge abgelenkt. Ganze Krabben, Muscheln, Wagyu, Nori.....  

All die interessanten Infos von Keiko-san weiterzugeben würde den Rahmen hier sprengen. Sie hat uns Pärchen allen eine Tüte mit Konbini-Produkten zusammengestellt. Als Entschuldigung, dass viele Läden geschlossen haben und Dinge reingepackt die sie selber sehr gerne mag. Einige Produkte bestehen seit ihrer Kindheit und sie ist definitiv eine Rentnerin. Nach einem kurzen Schreinbesuch wo sie uns noch erklärte wie man betet und omikuji zieht -die Amerikaner waren unglaublich wissbegierig was tägliche Rituale und Manieren angeht- sind wir dann zum Schlusspunkt gegangen: ein kleines Sushi-Menü. Deutsches Sushi ist kein Vergleich zu der Fische und der Beschaffenheit des japanischen Originals. Und schon war die Tour rum. 

Marcel war angefüttert, also mussten wir noch mal zu zweit durch die Reihen stöbern. Und nach einem gegrillten Tintenfisch (Ika) haben wir uns an der Bahnstation noch ein traditionelles Taiyaki gegönnt um uns dann zum Tokyo Tower zu machen. Zwar hat der SkyTree mittlerweile den höchsten Aussichtspunkt, aber dennoch ist der Tokyo Tower eines der Wahrzeichen von Tokyo. Und er hat sich gemacht. Er war damals schon ein wenig altbacken, aber er ist restauriert und der Besuch des Oberdecks, was tatsächlich teurer ist als beim SkyTree, hat eine wunderschöne Aussicht mit vielen Infos seit Bau des Turmes. Es ist alles aufpoliert und dem neuen Influencergeschmack angepasst worden. Marcel fand es trotzdem nicht so prickelnd. Ich mag jedoch den alten Charme.

Zum Schluss ging es abends dann nochmal nach Shinjuku. Nach dem Minibesuch ein paar Tage vorher um die Lichtshow am Metropolitan Building zu bewundern, sind wir nun ins komplette Gewusel gegangen. Und ich merke wieder: ich hasse Shinjuku. Es ist mir zu groß, laut und viel zu viele Menschen. Die Tatsache, dass diese Trilliarden Menschen in dem größten Bahnhof der Welt sind und dieser durch die Größe auch nicht gerade übersichtlich ist, kann einen nur fertig machen. Aber Instagram hat uns Dinge gezeigt, die Marcel sehen wollte. Zum einen die 3D Katze. Es gibt einen riesigen Werbebildschirm, wo man eine Katze sieht, die dort liegt, spielt, schläft. Die ist viral gegangen. An dem Platz standen auch Tausende Touristen und haben auf das Filmchen gewartet. Aber die Katze ist nur immer kurz in Form von Werbung aufgetaucht. Sehr enttäuschend. Da ist der Hachiko auf dem Bildschirm in Shibuya besser gewesen. Zum anderen: Godzilla. Im tiefsten Gewusel über einem Kino schaut ein Godzilla über das Gebäude. Und nicht dieser Winzdino wie in Ginza, sondern er schaut aus einer Höhe von 60m oder so herab. Das ist schon cool, aber dann ging das Licht des Kinos aus, und Musik wurde eingespielt. Godzillas Augen begannen zu glühen und er "spie" blaues Feuer. Das kam für uns unerwartet und hat Spaß gemacht. 

Dennoch war es komplett überlaufen und voll, also sind wir nach dem langen Tag nach Hause. Wir laufen momentan durchschnittlich 20.000 Schritte durch Tokyo. Zwar tun die Füße mittlerweile nicht mehr weh, aber man merkt, dass der Körper das auf Dauer nicht gewohnt ist und abends den Tribut fordert. Also sind wir ins Bett und statt den pünktlichen Blogeintrag zu schreiben, haben wir einfach nur Netflix geschaut.

Mittwoch, 27. Juli 2011

Sightseeing mit Yvonne

Nach einem 4 stündigem Volleyball-Match am Sonntag auf Portugiesisch (nein, ich hab nichts verstanden!), was mir einen höllischen Ganzkörpermuskelkater auf den alten beschert hat, hab ich Montag zwei eher lächerliche Vorträge gehalten. Meine geliebte Gruppe war grausam, aber ich denke insgesamt waren wir im Mittelbereich.
Dienstag kam Maria nach Tokyo. Sie studiert mit mir in Halle und ehrlich gesagt kennt man sich, aber hat an sich nicht sooo viel miteinander zu tun gehabt. Egal. Weil sie mir was für Nicole geben wollte, hab ich mich spontan in ihre Sightseeing-Tour eingehängt. Allein in Tokyo ist doof, da zeig ich doch gerne was.
Und es fing an, dass wir uns im Tokyo Bahnhof treffen wollten. Der ist neben Shinjuku grausam. Man weiß nicht wo was ist, aber der Zufall hat uns zueinandergeführt. Aber dann mussten wir den richtigen Ausgang finden..gut, Faustregel in japanischen Bahnhöfen: aufhören zu denken und blind den Schildern folgen. Hat funktioniert. Glücklicherweise konnte ich mich ausserhalb des Bahnhofes wieder orienteren und wir haben dann den Kaiserpalast aufgesucht. Für mich weniger interssant, allerdings mag ich die Umgebung und das Schicksal hat uns echt gern: der Prinz ist an dem Tag nach Tohoku gereist und wir konnten ihn an uns vorbeifahren sehen. Damit hab ich dann die ganze kaiserliche Familie live erlebt. Yes! Das können nicht so viele Japaner von sich behaupten. Quer durch den benachbarten kaiserlichen Garten sind wir dann zum Yasukuni-Schrein getappert. Wenn man schon auf der Ecke ist, muss man alles Historische zeigen. Und was ich für tolle Geschichten parat hatte. Uni bringt doch etwas!
Nach ner kurzen Rast sind wir dann quer vom Norden in den Süden durch Tokyo zum Tokyo Tower. An sich war der Plan hochzufahren, aber die haben ordentlich die Preise angzogen, sodas wir dann einfach in die Mitbringselecke wollten. Aber dann: Pokemon! Wie ungünstig, nicht nur das ich bescheuerte Fotos mit den Maskottchen des Towers machen musste, nein, ich musste auch noch ne dämliche PokemonMütze aufsetzen und vor riesigen Pokemon posen. Ja, da haben die Kinder gestaunt^^. Ich denke Maria hat auch ne Seite von mir entdeckt die sie nich nicht kannte.
Nachdem wir nun nicht die Aussicht geniessen konnten, hab ich ihr die Aussicht auf Tokyo Bay gezeigt. Ich rühme mich mal damit, dass dieser Spot nicht allzu bekannt ist.
Weiter gng es dann wieder Richtung Norden nach Asakusa. Dort ist auch Marias Hotel und nach nem Abstecher durch die Nakamise-Straße und einigen klugscheißerischen Bemerkungen zu dem Tempel, haben wir es auch gesucht. Und wider Erwarten auch recht schnell gefunden. Es ist klein, aber für das Geld absolut ausreichend.
Und dann haben wir noch ne Runde Monja gegessen. Maria kannte es nicht und wir haben über so manchem Kanji gegrübelt, aber es war lecker und spaßig. Ich bin eingeladen worden. Was mir bei den Preisen fast leid tat, aber die Rechnung war dann die Hälfte von dem Erwartetem. Wir beide haben gestaunt, aber ganz ehrlich, wer fragt in dem Moment nach warum man so sopttgünstig gegessen hat?


Es war ein langer, spaziergangreicher Tag und es war schön mal wieder komplett auf Deutsch zu reden. Wir haben die Unterschiede zwischen Deutschland und Japan verglichen und kaum Unterschiede zwischen Nagoya und Tokyo festgestellt.
Donnerstag geht es weiter....

Montag, 13. Juni 2011

Brasilien schleicht sich in mein Leben

Und wieder ist eine wunderbare Woche zuende die sterbenslangweilig war, aber das Wochenende kann es zum Glück immer retten.
Samstag sind Midori und ich von den Freunden meiner chinesischen Freundin zum Sukiyaki eingeladen worden. Frage 1: Von wem? Frage 2: Was ist Sukiyaki? Bis Samstag wusste ich beides selber nicht.
Zu Frage 1: Ich bin nur gefragt worden: "Yvonne, meine Freunde würden dich gerne zum Sukiyaki einladen. Du kennst sie nicht, aber sie hätten gerne mehr Nicht-Japanische Freunde." Ja, das ist genau der eine Grund der mich immer NÖ! sagen lässt, aber in der Situation erschien mir das als gemein. Ich kenn die ja nicht, vielleicht hat sie sich doof ausgedrückt und Sukiyaki soll lecker sein. Also hab ich zugesagt, bin aber mit relativ wenig Erwartung an die Sache rangegangen. Midori hingegen, meine brasilianische Nachbarin, hat sich aufgebretzelt und hat sich nen Keks gefreut.
Nach einigen Missverständnissen haben Midori und ich Li, die Chinesin, und A-chan, der Kerl in der Runde, in Ikebukuro getroffen. Zusammen haben wir Essen gekauft und Midori und A-chan haben sich sofort gut verstanden. In Okikubo sind wir dann auf Mai-Mai und Minami gestossen, somit war die Gruppe komplett. Noch schnell, oder eher langsam, haben wir Getränke und Naschkram besorgt. Ich kam mir ein wenig abseits vor, Midori war sofort integriert, ihr japanisches Gesicht macht garantiert einiges leichter, nur Li hat sich mit mir unterhalten. Aber meine anfängliche Befürchtung hat sich dann in Mai-Mais Wohnung zerschlagen. Nun saßen wir uns alle gegenüber und haben zusammen das Essen zubereitet, da hat man sich unterhalten und ich scheine auch nen recht guten Japanischen Tag gehabt zu haben, ich kam mir selber flüssig vor.


Nun zu Frage 2: Sukiyaki ist eine Art Eintopf-Fondue. Allen denen ich erzählt habe das sich gehe, haben gefragt ob sie mitkönnen, weil sie es lieben. Hm...
Man kippt Sukiyaki-Soyasauce in einen Topf lässt es anköcheln und gibt dann alles dazu was man essen möchte. In unserem Fall Rindfleisch, Tofu, Spinatzeugs, Glasnudeln, Brotstückchen. Dann lässt man alles hübsch köcheln. Wenn alles durch ist -wunderbar an dem Fleisch zu erkennen- schlägt sich jeder ein Ei in einer Schale und sucht sich das was er essen will aus dem Eintropf, tunkt es in das rohe Ei und isst es. Ja, liebe Deutsche, man tunkt es ins rohe Ei. Ich selber war nie ein Freund davon und in D-Land kam mir bei wabbeligem Weißem bei dem Frühstücksei fasst das Frühstück hoch, aber hier wird viel mit rohem Ei gemischt und es ist echt lecker.
Wir haben zwei Runden zubereitet und uns gut unterhalten. Da Deutschland in der Runde nicht so bekannt war, musste ich mit einigen Klischees aufräumen und habe doch tatsächlich festgestellt, dass wir Deutschen ganz schöne Säufer sind, zumindestens die Studenten.^^ Immer wenn man sich trifft hat man sein "Konversations-Bierchen". Naja, solange man noch ohne leben kann.....
Und dann ging es los mit mir: zur dritten Runde ist mir nicht mehr wohl gewesen...der Kopf meinte zu spinnen und realtiv rapide ging es dann auch bergab. Ich habe nach Schmerztabletten gefragt und der Schmerz ging auch wieder weg, allerdings sind die, was wesentlich schlimmer ist, Nebenerscheinung geblieben. Während die anderen weitergegessen haben, musste ich wegsehen, weil ich den Anblick von Essen auf einmal nicht mehr ertragen konnte und das rohe Ei in mir Hallo sagen wollte. Das Gespräch, was ich super gut verstanden hab, zum Teil besser als Midori, war auf einmal unverständlich. Wie es für nicht Muttersprachler ist, baut man die Sprache im Kopf um, aber ich war auf einmal nicht mehr in der Lage, es hat zuviel Zeit gekostet und ich war raus.
So leid es mir tat, ich habe die lustige Runde verlassen, mit dem ersten Migräneanfall seit ich in Japan bin. Alle haben sich gesorgt, aber ich konnte alleine nach Hause. Ich war lediglich nur nicht in der Lage Informationen zu verarbeiten. Nach Hause finden ist da kein Problem, auch wenn man schläfrig wird. Aber einmal umsteigen und ich konnte durchfahren. In Ikebukuro, ich döse vor mich hin, stellt sich auf einmal jemand vor mich und ruft "RU RU RU". Oh man, ohne die Augen aufzumachen hab ich gesagt "Ima dame!" (Jetzt ist schlecht). Yo hat Feierabend und ich hab ihn in der Bahn getroffen. Er hat sofort gesehen, dass ich nicht auf dem Damm bin und wir sind zusammen nach Hause. Ich will die Leute aber gerne nochmal treffen.
Nebenfrage: Warum Migräne? Ich schätze das Wetter. Es war nicht übermässig warm, aber die Schwüle in Japan ist grausam, ohne sich zu bewegen tropft man und ich hab die ganze Zeit feuchte Haare. Da macht der Körper irgendwann nicht mehr mit.

Sonntag, nach ausreichend Schlaf, hab ich Bruno zugesagt zu der Dinosaurier-Ausstellung im Tokyo Tower zu gehen. Bruno ist der Brasilianer, den wir letzten Sonntag im strömenden Regen getroffen hatten. Zusammen sind wir aufgebrochen und wie sich während der Fahrt herausgestellt hat, haben alle anderen abgesagt. Aber was soll's, verbring ich den Tag mit einem mir bis dahin absolut unbekannten Kerl (Insider -> "最初皆での方がいい"/ Zuerst mit allen zusammen). Er wusste, dass ich Pokemon mag, weil wir letze Woche ja in Yokohama welche gesucht haben, also sind wir

ins Tokyoter Pokemon-Center gegangen. Wow, der Großteil er Besucher ging mir bis zur Hüfte und ich will garnicht zählen wieviele Kinder vor dem Geschäft mit einem DS in der Hand saßen und gezockt haben. Und wieder stelle ich fest: ich kenne keins der neuen Pokemon. Hat sich innerhalb einer Woche nicht geändert, aber ich befürchte, ich hab ein neues Pokemon gefunden, das Potenzial zum Lieblingspokemon hat: Schnodder-Bär. Ich hab keine Ahnung wie es heißt, aber es hat Schnodder an der Nase. Herrlich.


Nach dem Kampf ums Überleben im Pokemon-Center sind wir dann zum Toko Tower und haben uns Dinoskelette angeschaut. Neben T-Rex gab es die Klassiker Stegosaurus und Tryceratops....den Rest kannte ich dann namentlich nicht mehr, aber überraschenderweise waren wir Deutsche mit 4 Skeletten vertreten *stolz* Brasilianische Dinos gab es nicht, nur einen Argentinier...lassen wir einfach mal durchgehen. Was soll ich euch groß zu Dinos-Knochen sagen? Sie sind groß, echt beeindruckend und Kindermassen waren in der Ausstellung. Ich sag einfach mal: wenn ihr die Chance habt echte Dinos anzuschauen, tut es.
So, Hauptziel des Tages erreicht: und nun? Wir wollten die Lumination des Towers sehen, aber es war erst halb 4, was macht man solange? Wir haben uns die Miniparks in der Umgebung angesehen, aber die schließen auch alle um 5 und haben auf dem Kinderspielplaztz gespielt^^ Dann ab zu Starbucks. Dort haben wir rumgegammelt, aber weil genau an dem Tag die Sonne länger scheinen wollte (hinter Massen von Wolken) sind wir nochmal ins Poke-Center. Und dann dämmerte es langsam, nur damit wir feststellen konnten das Japaner endlich sowas wir Elektrizitäts-Sparmaßnahmen durchziehen: der Toko Tower war nicht beleuchtet. Nun gut, passiert.
Also ab nach Hause. Bruno kannte lustigerweise kaum Mädels aus dem Wohnheim und auch die Kerle machen sich rar, also haben wir beschlossen zu kochen und wie es das Schicksal so will waren alle Brasilianer in der Küche versammelt...und ich. Es wurde in Portugiesisch gesprochen und es war irgendwie wie früher: lustig, laut und voll. Es war schön in der Küche zu sitzen, kaputt vom Tag, irgendwelche Reste die wir zusammengekramt haben, essend und auch wenn ich sprachlich nicht mitkam, es war eine Einheit und ich war Teil davon.
Es ist ja wohl klar, dass ich eines Tages nach Brasiien gehe und dort ne Rundreise mach um alle mal zu besuchen^^. So wie es hoffentlich klar ist, dass mich alle Brasilianer mal besuchen kommen.

Montag, 13. Dezember 2010

Walking Tour I

Unsere Abschußpräsentation für das Seminar "Culture and Society" besteht aus einer selbstkreierten Walking Tour durch Bereiche Tokyos. Gemeinschaftlich habt unsere Gruppe, bestehend aus Yoann, mir und drei eher ruhigen Japanern die nicht reden, es sei denn sie werden angesprochen, beschlossen Tradition und Modernität gegenüber zu stellen.
Was bietet sich an Modernität mehr an als der Bezirk Akihabara, das Eletronikparadies. Und gleich nebenan finden sich die Bezirke Ueno und Asakusa, die wegen ihrer Museen und Tempel bekannt sind. Nach einiger Recherchearbeit haben wir einige Spots lokalisiert und versucht eine Tour von einer maximalen Länge von 10km zu bauen. Der Rahmen, die Idee, der grobe Zeit- und Geldplan steht.
Doch für die Präsentation ist auch wichtig Fotos zu zeigen, die Tour selber gemacht zu haben und auch Hintergrundinformationen zu haben. Also, nichts wie ab..

Wie erwartet sind Yoann und ich am WE allein losgezogen, da die Japaner keine Zeit haben, bzw. sich auch nicht darum scheren, zumindstens erscheint es mir so, aber ich will hier nicht über die Studiermoral der Japaner schreiben, dass wird ein ander Mal passieren.

Bei sonnigem Wetter zieht also das "Henrai"-Duo los und macht sich auf dm Weg nach Akihabara, mal wieder. Dort gehen wir aber nicht Gundams shoppen oder Hentaimanga stöbern, sondern wir schlagen den Weg zum Kanda-Schrein ein. Ein kleine religiöse Oase in dem leuchtenden Viertel der Elektronik. Aber trotzdem kommt die Modernität nicht zu kurz: man kann die o-mikuji, die Horoskope, an einem Automaten ziehen, wo ein chinesischer Drache zu tanzt. Oder wenn man o-mamori, Talismane, kauft,so sind sie hier besonders bunt und mit den beliebten Comicfiguren Rilakkuma und Hello Kitty versehen. Trotzdem ist das Schreingebiet sehr schön angelegt mit einem Quellbrunnen und Statuen.


Von dort aus ziehen wir weiter zu dem Yushima-Tempel. Durch eine kleien Straße, wo kaum jemand war, links und rechts mit abfallenden Straßen, gesäumt von alten und neuen Häusern haben wir den Weg leicht gefunden und einen Tempel, umringt von kleinen Buden, gefunden. Es herrscht großer Andrang, aber ich komme mal wieder nicht umher, mir ein o-mikuji zu kaufen. Hier gibt es eine kleine spezielle Puppe dazu.


Da uns der Aufenthalt an den heiligen Orten schon sehr aufhalten hat und wir in dem Bezirk Ueno nicht genau wissen wonach wir schauen sollen, die Ideen stammt hier tatsächlich von einer Japanerin, beschlossen wir zu dem Touristenpunkt Asakusa zu fahren. Ueno sollte noch mal in der Gruppe besprochen werden, bzw. gemeinschaftlich besucht werden.
In Asakusa steigen wir aus der Bahn und finden und in einer belebten Straße wieder. An den Frühling erinnert führe ich uns zu dem großen berühmten Tempel mit seiner kleinen Nippes-Einkausstraße. Links und rechts gibt es nur das Herrlichste zu kaufen: Kimonos in allen Preiklassen, o-miyage (mitbringsel), Postkarten, Süßigkeiten, Spielzeug. In diesen Gassen, umringt von Tausenden von Besuchern treffen wir dann doch tatsächlich eine der Koreanerinnen der Kunsthochschule in Ekoda. Man unhält sich kurz udn geht seine Wege.
Unserer führt uns kurz an das berühmte Donnertor und lässt uns an der dortigen Hauptstraße einen Blick auf das moderne Asahi-Bier-Gebäude mit seiner goldenen "Schaumkrone" werfen. Zurück geht es zu dem Tempel und seinen wunderschönen Parkanlagen. Betäubt von Räucherstäbchenduft und von der Beleuchtung der fünfstöckigen Pagode bezaubert, entdecken wir im Schatten der Pagode das Profil des Sunshine-Towers, dem neuen Tokyo Towers. Noch nicht vollendet ragt das Gebäude schon 500m weit hinauf.
Zurück spazieren wir in der Dämmerung durch die Gassen Asakusas und freuen uns hier zu sein, da sich die Atmoshäre jetzt ändert. Es wird ruhiger, bequemer, man könnte meinen romantisch. Es sind viele Pärchen unterwegs.




Das verlockt uns zu einem leckeren Crepes, und es wären nicht wir, wenn und nicht die Lust auf einen Kaffee packen würde und wir beschließen einen Abstecher in das Starbucks im weit entfernten Shibuya zu machen. Yoann möchte mit seiner neuen Kamera die Kreuzung fotografieren, während wir unseren Kaffee geniessen. Das dieser Plan nicht ganz aufgeht versaut uns den Tag nicht ins Geringste.
Wir sind mit unserer Walking Tour soweit sehr glücklich und hoffen, sobald sie ganz fertig gestellt ist, dass mehr Leute die Schönheit einiger Ecken Tokyos entdecken möchten. Dazu wird es wohl einen eigenen Blog geben.

Mittwoch, 17. Februar 2010

In luftiger Höhe, real und spirituell

Und wieder begann ein neuer Tag in Japan und er endete mit wunden und geschwollenen Füßen.
Heute trafen wir uns in Shibuya. Das ist das erste Mal, dass wir so richtig in Tokyo waren und das Stadtfeeling ist gleich ganz anders. Hochhäuser, viele Autos und noch mehr Menschen. Wir standen ungefähr eine halbe Stunde am Bahnhof Shibuya und waren immer wieder erstaunt wo die ganzen Japaner herkommen. Insgesamt sind in den Schwärmen NUR zwei Gaijin (Ausländer) an uns vorbei gekommen. Es ist schon ein komisches Gefühl die einzigen Ausländer in der Nähe zu sein, aber trotzdem habe ich mich nicht beobachtet oder ignoriert gefühlt. Liegt vielleicht daran, dass ich nicht blond bin ^^.
Heute wurde uns der zweite Campus gezeigt. Er liegt mitten in der Stadt und ist sehr schön. Das Gebäude wirkt sehr traditionell. Es gibt sogar ein Tor mit einem lateinischen Spruch. Wäre mein Latein nicht so eingerostet, hätte ich das spontan übersetzt. Als wir dort waren war gerade die Einschreibungsprüfung für die zukünftigen Studenten.

In Japan ist es genau anders herum als in Deutschland. Hier, also Japan, schreibt man Prüfungen um an die Uni zu kommen, während wir in Deutschland Abschlußprüfungen schreiben. Man kann jetz darüber diskutieren was der sinnvollere Weg ist.
Auf dem Dach der Uni hatten wir einen wunderschönen Ausblick und da wir uns sehr gut mit unseren beiden Führer verstanden haben, haben wir auch viel herumgealbert. Leider habe ich meine eigene Kamera vergessen, sodass ich auf die Bilder der anderen beiden zurückgreifen muss.


Als Höhepunkt wurde wir heute zum Tokyo Tower geführt. Er stellt das Sinnbild für Tokyo dar und ist im Grunde genommen eine kleine und buntere Version des Eifelturms. Natürlich sind wir bis ganz nach oben gefahren und haben den besten Blick über Tokyo gehabt. Das Wetter war zwar trocken, aber trotzdem diesig, deswegen konnten wir nicht besonders weit sehen. Aber was wir gesehen haben war nur Stadt. Egal zu welcher Seite wie hinaus gesehen haben, es war immer bis zum Horizont Stadt. Irre.
Eine besondere Mutprobe war das Fenster nach unten in einer Höhe von 150 m. Ich muss sagen, dass ich nicht genau verstehe, warum die anderen so eine Angst hatten sich darauf zu stellen. Als ich dann nach Gequieke gebeten wurde auch darauf zu gehen habe ich das gemacht und bin....gehüpft. Die Aufregeung der anderen war klasse. Shinobu war so mutig und hat sich mit mir darauf gestellt und wir sind zusammen kurz gehüpft. Was soll da auch passieren? Das ist fettes Panzerglas, mit Stahldraht gesichert und garantiert 25 Sicherheitschecks unterzogen worden.


Von oben aus konnte ich viele Friedhöfe sehen und weil sie für mein Projekt halbwegs interessant sind und ich mich grundsätzlich dafür interessiert habe, sind wir dorthin gegangen. Die Friedhöfe in Japan sind in der Regel buddhistisch. Direkt davor stand also auch ein buddhistischer Tempel in den wir hineingegangen sind und nach japanischen Brauch Budha begrüßt haben. Dazu haben wir dreimal eine Prise Kräuter an die Stirn geführt und in einem Topf mit Kohle verbrannt. Danach haben wir und mit aneinenander gelegten Händen verbeugt. Leider haben wir keine Fotos, weil wir nicht unhöflich sein wollten. Es war irre. Die katholische Kirche ist langweilig dagegen. Ein riesiger goldener Buddha saß mittig im Tempel umgeben von Schmuck. An einer Seite stand ein Gong mit einer Halterung aus Holz, an der wunderschöne Drachen und Wolken hineingeschnitzt wurden.
Der Fridhof selber hatte kleine "Steinpuppen" mit roten Kappen. Sie stehen für gestorbene Kinder und werden von ihren Eltern noch häufig besucht und beschenkt. Da frage ich mich, ob da auch die abgetriebenen Kinder sind. Denn laut einem Artikel werden gerade für die besondere Statuen verkauft und betreut, um das schlechte Gewissen über die Abtreibung zu mildern.

Die Gräber der "normal" Verstorbenen sind wesentlich pompöser als in Deutschland. Zwar sind meines Erachtens die Verstorbenen auch in einer Urne, jedoch ist das Grab wie ein großer Altar aufgebaut. Viel hatten schöne frische Blumen in integrierten Vasen stehen und es gibt eine Vorrichtung zum Verbrennen von Räucherstäbchen. Auf Holzlatten hinter dem Grab steht der Todeszeitpunkt des Verstorbenen. Meistens sidn mehrere Latten hinter einem Grab gesteckt-
Das war für mich persönlich das HIghlight des Tages.
Schon auf dem Weg zum Tower hatten wir einen Schreib besucht (Vorsicht: Tempel= Buddhismus, Schrein= Shintoismus). Dort haben wir nach traditionller Form die Hände und den Mund gereinigt und Geld in den Geldkasten geworfen um die Glocke läuten zu dürfen. Hier im Schrein verbeugt man sich zweimal, klatscht zweimal in die Hände und verbeugt sich noch einmal. Shinobu meinte, dass mittlerweile viele Japaner die buddhistischen und shintoistischen Bräuche vermischen und im Tempel klatschen. Das ist ein gutes Beispiel für die Religionen in Japan, wo an sich die Religion genutzt wird, die momentan günstiger ist (Shintoismus für die Lebenden und Buddhismus für die Toten heißt es).

Natürlich sollte man, wenn man an einem Schrein ist, sich ein o-mikuji kaufen. Das sind Glückszettel. Man bezahlt 100 Yen und zieht ein Zettelchen. Ich habe kleines Glück. Lustigerweise wird mir davon abgeraten zu reisen, aber eine Geburt wäre unproblematisch. Dann weiß ich jetzt, was ich zu tun habe. ^^

An sich war nach dem Friedhof Schluss, aber Katha hat noch eine Freundin getroffen und Stefan und ich waren dabei. Wir sind in einen Mega-Media Markt gegangen. Whoa, da bekomme ich Angst. Sowieso ist Technik nicht so ganz meine Welt und dann ist hier in Japan überall bunte Werbung und viele Verkäufer, die einen ansprechen. Mal nebenbei, Japan hat die besten Arbeitbeschaffungsmaßnahmen der Welt. Überall sind Verkäufer, Informanten, Aufräumer, Schilderhalter usw. Es gibt im Tokyo Tower Frauen die uns nur darauf hinweisen, dass wir an den Fahrstuhl treten sollen, während die nächste uns hinauffährt. Und alle superfreundlich.
Im Shop, bzw. Technikuniversum, haben wir uns wieder über elektonische Wörterbücher informiert und sind in die Spielabteilung gegangen. Es ist unglaublich was es hier für einen Scheiß gibt. Jede Menge Manga-und Animemerchandise. Und: Gacha Gacha. Das sind "Kaugummiautomaten" für Spielzeug. Meistens sind es Anhänger oder kleine Sammelfiguren zu Serien, Manga oder Markenteilen wie Hello Kitty. Je nachdem was man haben will steckt man 100 bis 400€ hinein, dreht an nem Ding und man bekommt eine Plastikkugel mit lustigen Inhalt (natürlich ohne vorher zu wissen, was genau man bekommt, wie im Kaugummiautomaten halt). Ich schätze die Gach Gacha-Automaten dort auf 1000 Stück. Und jetzt denkt nicht, dass das nur Kinder machen. Ich habe da mehr Erwachsenen gesehen.

Naja gut, diesen Tag haben wir gut 11 Stunden auf den Beinen verbracht und wir sind halbkriechend zu Hause angekommen.
Auf in einen neuen Tag...