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Mittwoch, 9. April 2025

Die Kirschblüten fallen

 Der letzte ganze Tag bricht an. Damit wir morgen keinen Stress haben, haben wir uns vorgenommen als erstes die Koffer zu packen. Natürlich fehlen noch zwei, drei Dinge, aber die Mitbringsel und der Großteil der Klamotten kann schon verstaut werden. Wenn alles auf den Betten verteilt ist, glaubt man nicht, dass das ansatzweise reinpasst. Und es gehört auch jede Menge Tetris-Talent dazu, aber wir haben es geschafft. Jetzt darf es nur nicht zu schwer sein, aber das werden wir mein Auschecken prüfen. Zur Not ist noch ausreichend Platz in den Rücksäcken. 


Tagesaufgabe ist erfüllt, also können wir den letzten Tag gechillt angehen. Wir haben heute keine Pläne mehr, keine Dates und unser RailPass kann auch nicht mehr genutzt werden, da 21 Tage verstrichen sind. Weniger wild, wir haben noch unsre Sucia-Card mit der wir auch Bahn fahren können, aber das kostet dann und wir wollen sie nicht mehr aufladen, das ist verschenktes Geld (Suica-Karten sind Prepaid-Karten für das Bahnfahren. Man lädt einen Betrag auf und piept sich zu jeder Fahrt ein und am Ziel wieder aus. Je nach Strecke und Bahn wird der Betrag dann abgezogen). Deshalb beschließen wir beim Frühstück nach Asakusa zu laufen. Marcel möchte nochmal Asakusa sehen, weil wir am Anfang mit Yoann da sehr durchgehechtet sind. Außerdem möchte Marcel noch folgende Dinge essen: Taiyaki, Daifuku, Katsudon, Melonpan..... Ich zweifle nicht an seinem Magen, eher an der Zeit. 

Es ist wieder bestes Wetter und wir laufen nach Asakusa, ca, 4,5 km. Der Weg führt uns an das Ufer des Sumida-Flusses wo wir einfach nur am Wasser entlang Richtung SkyTree laufen. Der ragt natürlich über allem hinaus und sieht mit den Kirschblüten am Ufer nur toll aus. Aber die Hochblüte ist vorbei, die Blütenblätter fallen bereits, was einen überromantischen Moment macht, wenn der Wind weht und man mittendrin steht. Die Sonne scheint so sehr, dass wir befürchten mit einem kleinen Sonnenbrand nach Hause zu gehen.

In Asakusa angekommen gehen wir erst einmal in das Touristenzentrum und nutzen dort die Aussichtsmöglichkeit um über die Nakamise-dori zum Schrein zu schauen. Und um uns einen Plan zu machen, wie wir dort am besten durchhuschen. Da wir all unsere Souvenirs erledigt haben, haben wir einfach nur rumgeschnöpelt. Das Geld ging tatsächlich heute für das Essen drauf. Es gab Melonpan mit Matchaeis für mich und Vanielleeis für Marcel, Taiyaki hatte er mit Cremefüllung und ich mit Süßkartoffel. Zum Mittag haben wir uns Monja und Okonomiyaki gegönnt. Das kannte Marcel nicht und ist eins der bekanntesten Gerichte hier. Daifuku haben wir auch mitgenommen und zum Abschluss nach dem Bummeln haben wir in einem anscheinend sehr bekannten Matchacafe uns noch eine richtig gute Matcha-Latte gegönnt. Ein würdiger Abschluss mit Blick auf den SkyTree.

Da es aber zum Abend hin schon sehr windig und frisch wurde sind wir mit der Bahn zurückgefahren, Soviel Geld ist noch auf der Suica drauf gewesen. Da wir wegen des RailPasses nur den Bahnhof Tokyo genutzt haben, konnten wir diesmal direkt die Haltestelle vor dem Hotel nutzen und stellen fest: da ist die ganze Zeit ein Touristencenter und eine elegante Restaurant- und Einkaufspassage vor unserer Nase gewesen. Aber selbst im Hauptbahnhof hat man immer wieder ja nach der genutzten Bahn komplett andere Wege gefunden und neue Restaurants. Ich frage mich ernsthaft, ob irgendjemand den ganzen Bahnhof kennt und weiß was wo ist. Und ob das alles wirklich damals vom Architekten geplant wurde oder ob es sich vielleicht über die Jahre entwickelt hat.

Jetzt steht nur noch das Abendessen an und der letzte Tag ist zu Ende. Morgen geht es gemütlich zum Flughafen um dann viel zu lange im engen Flugzeug zu sein. Es ist aber okay, natürlich blutet das Herz, aber die Sehnsucht nach Hause, zu den Katzen, ist schon groß. Und im Flugzeug wird dann geplant, wann es wieder hierher geht...

Sonntag, 6. April 2025

Hoch zu Ross, äh Fuß

Das Wetter war heute ein wenig ungnädig, aber man kann ja nicht drei Wochen lang Glück haben. Als wir bei unserem heutigen Tagesziel Kamakura angekommen sind, hat es geregnet. Wir haben uns davon natürlich nicht abhalten lassen die Gegend zu erkunden. Ich war schon zweimal in Kamakura und habe die Hauptziele erstmal ignoriert. Naja, gut, wir sind durch die Haupteinkaufsstraße voller omiyage und Essen durch gehuscht, haben uns dann aber durch nette Wohngegenden geschlagen. Da stehen so einige hübsche Häuschen und dicken Autos und die Straßen sind so eng, dass es keinen Bürgersteig gibt und theoretisch Einbahnstraßensystem bestehen müsste. Tut es aber nicht. 

Nach einigen feuchten Wanderminuten stehen wir vor dem Sasuke Inari Schrein. Der scheint weniger bekannt zu sein, ist aber niedlich. Zu Marcels Leid waren dort sehr viele Stufen die mit roten Torii geschmückt waren. Fast so wie der große Fushimi Inari Schrein in Kyoto. Wir sind natürlich hoch und haben all die kleinen Keramikfüchse bewundert. Wie beim Daruma-Schrein bei Osaka stehen hier überall kleine Keramikfiguren herum. Sie stammen von Gästen die sie gekauft haben und dort postiert haben. Kamakura liegt zwar relativ nah am Wasser, ist aber auch halb im Gebirge drin, daher sind einige Teile des Schreins höher gelegen und mit mehr Stufen erreichbar gewesen. 

Auf dem Weg zurück sind wie zu dem nächsten Schrein abgebogen. Kamakura ist eine sehr alte Stadt und diente vor Jahrhunderten als Regierungssitz der daimyos, Fürsten. Daher findet man hier sehr viele alte und kleine heilige Stätten. Zu manchen muss man jedoch ein wenig mehr Kraft aufbringen um dorthin zu gelangen. Der Berg war ziemlich steil und der Regen hat den Aufstieg nicht angenehmer gemacht. Aber dann standen wir vor einem in den Berg geschlagenen Tunnel. Keine halben Sachen, also sind wir in den kleinen Tunnel um kommen bei dem Zeniarai Benzaiten Ugafuku Schrein. Bei diesem unaussprechlichen Tempel ist die Besonderheit, dass hier das Wasser aus fünf Quellen zusammenläuft und wenn man dort sein Geld wäscht, dann vermehrt es sich. Ich habe hier vor 14 Jahren schon mal Geld gewaschen und danach tatsächlich eine unerwartete Summe erhalten. Daher sollte jeder hier mal vorbei kommen und das Portemonnaie säubern, auch wenn der Aufstieg ein wenig beschwerlich ist. 


Für uns ging es erstmal zurück Richtung Bahnhof um etwas Essbares zu finden. Also das Finden ist in der Regel nicht das Problem, sondern das darauf einigen. Es ist sehr auffällig, dass es in Kamakura sehr viele kleine süße Cafes und Ateliers gibt. Nach einem Zwischenstopp beim Chinesen - es schmeckt hier gaaaanz anders als in Deutschland - sind wir den Kirschblütenweg zum Tsurugaoka Hachimangu Schrein gegangen. DAs dürfte neben dem Riesen-Buddha die bekannteste Attraktion in Kamakura sein. Gerade jetzt im Frühling ist die Allee vor dem Schreingelände unglaublich schön. Aber auch in den Gärten dort gibt es viele Kirschbäume. Und wieder viele Treppen bis zum Hauptschrein hinauf. Aber frisch gestärkt macht uns das nichts. Der Regen hat mittlerweile auch aufgehört, also konnten wir mit Genuss die Gärten und Teiche ansehen bis wir wieder den Kirschblütenweg zurückgegangen sind. Aber bis zur Hälfte. Zum einen haben uns die Leute genervt die jede Minute stehen geblieben sind um Fotos zu schießen, zum anderen haben wir einen Sherlock Holmes Laden entdeckt. Das fanden wir so merkwürdig, dass wir uns das ansehen mussten. Es handelte sich tatsächlich sogar um ein Sherlock Holmes Museum. Wir sind aber nicht reingegangen. Tatsächlich fiel Marcel ein Rikscha-Läufer ins Auge und er wollte sowieso schon die ganze Zeit Rikscha fahren, also haben wir die Chance gleich genutzt.

Leo, der arme kleine Junge, durfte und zwei Mopskinder 45 Minuten lang durch Kamakura ziehen. Nun gut, Leo ist 19 Jahre alt, steht voll in der Blüte und trainiert Kickboxen, das Beintraining tut ihm gut. Wir haben uns für eine Kirschblüten/Naturroute im Osten entschieden und nachdem unsere beiden dicken Hintern in der Rikscha platziert wurden ging es auch los. Innerlich haben wir mitgeholfen zu ziehen. Er tat uns schon ein bisschen leid, aber er konnte parallel erzählen. Größtenteils auf Englisch, aber manchmal sind wir ins Japanische übergegangen. Es ging wieder durch enge Straßen an den schicken Wohnhäusern vorbei und direkt zum Honkakuji Ebisudo. Der Tempel ist dem Gott Ebisu gewidmet und steht an einer Ecke, die häufig von Unglücken heimgesucht wurde. Ebisu ist ein starker, muskulöser Gott und beschützt somit die Stadt. Weiter geht es zum Myohonji Tor. Da steht ohne Türen und ohne Mauer in einem Wohngebiet. Es bedeutet, dass jeder willkommen ist und jeder hier seine Heimat haben kann. Daran vorbei sind wir dann zum Chikozan Myohon Tempel. Hier sind wir abgestiegen weil es wirklich sehr steil war. Aber Leo hat uns den Tempel und die Gebräuche gezeigt. Er hat gesagt, dass es dieses Jahr ungewöhnlich ist, dass die Kirschblüte parallel zu einer anderen Blume blüht, was diesen Tempel jetzt besonders macht. An all diesen Spots sind keine ausländischen Touristen zu sehen. Es sind nicht übermäßig viele in Kamakura, aber hier waren gar keine. Zum Service gehört, dass auch Fotos gemacht werden und unser Leo hat da echt ein Händchen für. Die 45 Minuten sind schon um, also zurück zum Treffpunkt. Das hat sich gelohnt, unser Rikscha-Mann war echt super, hat unseren Humor verstanden und wir haben schöne Ecken gesehen, die wir garantiert nie nicht gesehen hätten. 

Trotz des Regens am Vormittag war es ein schöner Tag in einer süßen alten Stadt.

Samstag, 5. April 2025

Godzilla im Kimono

Super ausgeschlafen sind wir bequem in den Tag gestartet. Wir haben zum Abend hin einen Termin und wussten, dass es da enger wird im Zeitplan, aber morgens/mittags war alles entspannt. Da wir einen Mitbringwunsch für uns haben sind wir nach Ueno gefahren. Da waren wir ja schon im Park und Naturkundemuseum, aber diesmal sind wir da durchspaziert um zu einem Hanko-Laden zu kommen. Hanko sind Namensstempel die in Japan als Unterschriftersatz genutzt werden. Also der Stempel ist wichtiger als die Unterschrift. Dieser Hanko-Laden hat die Besonderheit, dass er Tiere, Essen oder was auch immer mit in den Namen baut. Man hat eine Auswahl von 200 Bilder, dann das Alphabet, die Schriftart, die Farbe, die Größe....Auf jeden Fall ein cooles Teil.


Wir sind eine Haltestelle früher ausgestiegen (mein Fehler) und sind dorthin spaziert. Dabei sind wir durch kleine Gassen und Hinterhöfe gegangen. Wenn man den Hauptweg verlässt, dann ist es gleich viel ruhiger und ländlicher. Es führte uns sogar durch eine wundervolle Kirschblütenallee. Hier waren zwar viele Menschen, aber kaum Ausländer. Dazu schien die Sonne und wie waren einfach glücklich hier zu sein. Als wir den Laden gefunden haben, war dieser auch in einer kleinen muckeligen Einkaufsstraße. Wir haben schnell unsere Wunschstempel bestellt und sind dann natürlich da noch rumgeschlichen bis wir die Stempel abholen konnten. Es gab unendlich viele Katzenläden. Also thematisch. Irgendwann fiel mir der Name der Straße ins Auge: Yanagata Ginza. Diese Straße kannte ich aus Social Media und hatte sie mir als Inspiration eigentlich auch bei GoogleMaps gespeichert. So einfach kann es manchmal sein. Zwischen all den Katzenläden gab es auch einige Gebrauchtwarenladen, in diesem Fall eher eine Mischung aus Trödelladen und Souvenir. Und bei einem Laden schau ich nicht richtig: da lagen Obis, Gürtel für Kimonos, für 550 Yen aus. Und einige waren extrem hochwertig. Ein guter Kimono kostet gerne 1000€ und ein Obi kann auch mehrere Hundert Euro kosten. 550 Yen sind umgerechnet knappe 3,50€. Da musste ich zuschlagen. Ich habe zwei Obi für 1550 Yen (ca. 10,50€) mitgenommen. Ich hab zwar noch keinen richtigen Kimono, aber das würde sich heute ändern, das war schon geplant. Oder ich benutze sie für das Tanzen, mal schauen. 


Nachdem wir unsere schicken Stempel abgeholt haben, sind wir Richtung unseren Termins gefahren. Auch hier hatten wir eine kleine Strecke zu Fuß zurückzulegen, da der Treffpunkt gefühlt im Nirgendwo war. Zwischen kleinen Straßen, Schulen und Tempels hat es uns dann doch zum Ziel geführt. Wir haben einen Kimono-Workshop gebucht. Für wenig Geld dürfen wir uns einen Kimono unserer Wahl aussuchen und dann wird er für uns angepasst. Marcel bügelt sich auf seinen Kimono seinen Namen in Kanji auf und meinen arbeite ich in einen Zweiteiler um, sodass er für uns Europäer leichter zu tragen ist. Dann wird er uns angezogen, mit allem Pipapo und Fotos geschossen. Wenn man will, dann kann man natürlich den ausgewählten Obi dazukaufen. Aber auch das ist für sehr wenig Geld möglich. 

Es waren mit uns zusammen eine polnische Familie dabei und wir haben uns gut unterhalten können während wir unsere Kleidung bearbeitet haben. Marcel hat sich das komplette Paket rausgesucht: Hemd, langer Kimono und Jacke. Man hatte uns vorher schon nach seinem Namen gefragt, sodass sie Kanji rausgesucht haben, die den Lauten seines Namens entsprechen. Dazu hat er sich noch die Farbe der Schrift ausgesucht und durfte es sich direkt auf die Jacke aufbügeln. Bei mir wurde Maß genommen und dann musste ich den Kimono zerschneiden. Nur in zwei Teile, aber es tat trotzdem weh den schönen Stoff zu zerstören. Es bleibt aber alles bei mir, da Schnüre zum einfachen Anziehen angebracht wurden.

Zum Ende wurden wir dann auch in allem eingepackt. Marcel hat seine drei Schichten anbekommen und durfte sich noch den passenden Obi plus Schmuckschnur aussuchen. Ich habe den Kimono anbekommen und durfte mir auch einen Obi mit Obituch und Schmuckkordel aussuchen. Es fühlte sich an wie ein Geschenk verpackt zu werden. Wir sind beide superglücklich mit unserer Wahl. Wir sind auch sehr glücklich mit dem Kurs, da die Mädels sehr lieb und nett waren. Klar, der eine oder andere fragt sich warum wir einen Kimono wollen, wir ziehen es doch wahrscheinlich nie wieder an. Tja, möglich. Aber es ist ein Stück Kultur das wir für uns mitnehmen. 

Marcel war so glück mit seinem Outfit, dass er es gleich anbehalten hat. Wir hatten noch vor nach Diver City nach Odaiba zu fahren um dort den größten Godzilla Store zu besuchen. Und die lebensgroße Gundamfigur muss natürlich auch noch besichtigt werden. Also sind wir das Stückchen Fußmarsch wieder zurück zur Station und Richtung Tokyo Bay gefahren. Marcel merkt, dass das Tragen eines Kimonos seine Herausforderungen hat und man sich anders bewegen muss. Jetzt kann er nachvollziehen, warum ich so selten Kleider anhabe. Aber die Reaktionen der anderen waren schon wohlwollend ihm gegenüber. 



Der Godzilla Laden war schnell gefunden und irgendwie nicht so groß wie erwartet. Natürlich hat uns ein riesiger Godzilla empfangen und der größten GatchaGatcha Automat war auch da, aber sonst...normal groß alles. Im Gegensatz zum Gundam. Der ist lebensgroß gewesen. Und im Falle eines Weltraumroboters bedeutet das 15 Meter. Das ist das Tolle an Japan, die machen das einfach. Die stellen eine riesige Figur irgendwo hin und alle freuen sich. Wir kamen auch gerade zu einer Lichtershow an, wo die Figur besonders beleuchtet wurde und sich auch bewegt hat. Grandios! Auch wenn ich keinen Plan von der Gundam Animeserie habe, so hat mich der Gundam Hype von Yoann damals gepackt und ich freue mich über diese großen Aktionen. So ein riesiger Bernd das Brot, das hätte für Deutschland doch auch was. 

Freitag, 4. April 2025

Japan das Serviceland

 Endlich sind wir wieder zurück nach Tokyo. Es fühlt sich wirklich wie nach Hause kommen an. Man kennt sich hier aus, die Leute sind freundlicher, es ist geordneter. Viel besser als Osaka. Wobei Shizuoka und Nara, also die eher ländlichen Gegenden auch sehr schön waren. 

Zum unserem Tag per se gibt es nicht so viel zu berichten. Wir haben ausgeschlafen, gefrühstückt, sind um 11 Uhr mit dem Shinkansen drei Stunden nach Tokyo gefahren und haben hier wieder im gleichen Hotel eingecheckt.  Wobei wir jetzt ein größeres Zimmer mit Eckfenster und zwei Betten haben. Luxus! Im Zug saßen wir neben zwei Australiern und hatten mit denen ganz nett gequatscht. Es ist immer wieder spannend andere Ausländer kennen zu lernen, sofern sie einen nicht von vornherein arrogant und abwertend beäugen. Meistens geht man sich aus dem Weg, das war schon damals so, aber jetzt ist neben den kulturinteressierten Touristen noch die Gruppe neureicher Fatzken dazu gekommen. Man sieht ihnen an, dass sie Geld haben und sich eigentlich viel zu fein sind den Berg zum Tempel zu besteigen. Im Restaurant und am Bahnhof benehmen sie sich wie Könige und verstehen nicht, dass man sich dem System ein bisschen anpassen muss. Aber nun denn. Genauso wollen wir nicht sein. 

Nachdem wir eingecheckt haben war unser erstes Ziel endlich mein Handy irgendwie ins Leben zurückzurufen. Wir wussten nicht: kann man es reparieren, wo kann man es reparieren? Liebe rein neues kaufen? Aber in Japan oder in Deutschland? Wir haben geschaut welche große Elektronikkette bei uns in der Nähe ist und sind zu Big Camera gelaufen. Reparaturen machen sie dort generell nicht, höchstens für Vertragshandys. Hab ich ja nicht. Ob ich denn ein neues wölle. Es gibt in Japan hauptsächlich vertragsgebundene Handys und nur eine kleine Auswahl an simfreien. Umgerechnet ist das günstigste Samsung, ich will durchaus bei der Marke bleiben, nicht viel günstiger als in Deutschland. Und im Vergleich ist es wertemäßig fast schlechter als mein jetziges. Dazu kommt die Frage: muss ich es beim Zoll anmelden und nochmal Zoll bezahlen? Hab ich nur bedingt Lust drauf. 

Also haben wir uns erstmal geeinigt, dass wir nach einem Reparaturservice schauen. Der Mitarbeiter hatte schon nachgesehen, aber die nächste Reparaturstelle sei in Shibuya oder Ikebukuro. Hätte ich ein iPhone, wäre es kein Problem, die sind überall. Mit ein bisschen Recherchetalent habe ich eine Kette gefunden, die auch nicht-iPhones repariert und die eine Zweigstelle im nächsten Viertel haben. Also sind wir mit Googlemaps dahin gelaufen und stehen vor einer Art Einkaufszentrum, welches schon sehr in die Jahre gekommen aussieht. Es gibt auch tatsächlich keine Karte in unserem Alphabet und beim durchlaufen hat es uns an diese asiatischen Einkaufstraßen erinnert, wo jeder eine kleine Garage hat. Die Rolltreppe ging bis in den vierten Stock, aber nach unter war sie abgebaut, da war ein Loch. Alles schon komisch. Aber der Karte haben wir dann aber die besagte Filiale gefunden, wussten aber nicht, wie wir in den 5ten Stock kommen. Bis in den vierten Stock war alles lageplanmäßig aufgezeichnet, aber laut "Zimmernummer" waren sie im 5ten. Aber es gibt nette Leute die man fragen kann und die haben uns dahin gelotst. Wobei es nicht einladend aussah. Der Großteil der Zimmer war unbelegt und im Endeffekt war es nur ein Büroraum.

Aber die zwei Jungs dort waren sehr nett und hilfsbereit. Wir haben es größtenteils auf Japanisch geklärt was das Problem war, wie die Kosten aussehen und ob es versichert sei und er sagte, dass sei kein Problem, in einer Stunde könne ich wieder kommen. Was? Wie bitte? Ich musste zum Glück nie mein Handy zur Reparatur geben, aber ich bin durchaus von ein paar Tagen Bearbeitungszeit ausgegangen. In Deutschland hätte ich es garantiert zwei Wochen abgeben müssen. Naja, sagt er, vielleicht sind es auch 1,5 Stunden. Ja bitte, wenn es denn sein muss. Ich habe auch geklärt, ob ich es zahlen müsste, wenn er es nicht repariert bekommt. Und das wäre nur ein Obolus von 20€ gewesen. Ehrlich gesagt: ich habe nicht damit gerechnet, dass es klappt, aber diese 20€ war es mir wert. Also sind wir Kaffee trinken gegangen.

Pünktlich nach einer Stunde sind wir wieder da und meine Katzen schauen mich vom Handy an. YEAH! Sie haben es tatsächlich geschafft mein Handy zu reparieren. Das einzige was nicht funktioniert ist die Fingerprintfunktion. Aber das überlebe ich. Die nutze ich eh nicht wirklich. Da ich ihm fälschlicherweise den falschen Gerätetyp gegeben hatte, wäre es 1000Yen teurer geworden, aber die hat er mir wegen des Fingerprintreaders erlassen. Ist trotzdem nicht supergünstig, aber in meinen Augen die beste Option von allen. Ich habe mein normales Handy und meine Daten, kein Stress wegen der Neuinstallation und muss mir keine Sorgen wegen des Zolls machen.

Ich habe schon zu Marcel gesagt, dass mein Japanisch echt noch gut genug ist. Das hätte ich mit nur Englisch wahrscheinlich nicht organisieren können. Und wegen eines Handy japanische Freunde oder Katja zu belästigen, das wäre es mir nicht wert gewesen. Und so haben wir diesen Tag mit alltäglichen Dingen gefüllt bevor der Touri-Wahnsinn morgen wieder startet.

Sonntag, 30. März 2025

Zuhause bei der (japanischen) Familie

 Freitag

Wie angekündigt sind wir über das Wochenende nach Shizuoka zu der Familie meiner Freundin gefahren. Ich kenne Mariko mittlerweile seit rund 17 Jahren. Ich hatte sie damals über eine Sprachlernseite angeschrieben und gefragt, ob wir schreiben wollen. Sie auf Englisch und ich auf Japanisch. Während des Studiums hat das auch so geklappt, danach bin ich auch ins Englische gefallen. 

In meinem Kurzzeitstipendium ist sie damals zu mir nach Tokyo zu Besuch gekommen und im Langzeitstipendium bin ich für eine Übernachtung zu ihr gefahren. Ich durfte bei ihr, bzw. im Haus der Eltern schlafen und hatte eine schöne Sightseeingtour mit Familienfeeling. Ich durfte noch die Schwester mit der frisch geborenen Nichte und die Cousine kennenlernen. Auch danach hat meine Mutter mit dem japanischen Dad über Facebook Kontakt aufgenommen. Sie schreiben sich jetzt auch schon seit Jahren mehr oder weniger regelmäßig, obwohl sie sich nie in echt kennengelernt haben. Mein Kontakt mit Mariko ist auch mal häufiger oder seltener, je nach dem was passiert oder wie man Lust hat zu schreiben. Als wir wussten, dass wir nach Japan fliegen, hat Mariko es als erste erfahren und wir haben um den Besuch herum die ganzen Sachen geplant.

Die Reise haben wir auf jeden Fall mit dem Shinkansen angefangen. Die Fahrt dauert eineinhalb Stunden und am Anfang der Reise ist dummerweise mein Handy runtergefallen. Diesmal muss es aber so ungünstig aufgekommen sein, dass es das Display zerstört hat. Es ist keine Spider-App, sondern nur ein Miniriss, aber es wird nichts mehr angezeigt, nur ein kleines Flackern. Grandios. Da hab ich ja voll Bock drauf. Nicht nur das einige Leute meine Bilder sehen möchten, ich habe auch das Handy zur Orientierung und Planung genommen. Marcel ist da ein wenig ausgeklammert gewesen. Aber nun ja, was soll man machen. Shou ga nai, wie der Japaner sagt. Immerhin habe ich den Laptop noch mit. Jetzt überlegen wir noch, ob wir hier ein neues Handy kaufen oder in Deutschland.

Unabhängig von diesem Missgeschick kommen wir natürlich superpünktlich in Shizuoka an und Mariko und ihr Vater Toshihide erwarten uns winkend am Bahnsteig. Das macht einen schon echt glücklich so herzlich begrüßt zu werden. Selbst Marcel haben sie herzlich wie einen alten Freund begrüßt, obwohl sie ihn ja gar nicht kannten. 

Zuerst haben wir das Gepäck nach Hause gebracht und danach sind sie mit uns nach außerhalb gefahren um den Shiraito-Taki, einen Wasserfall, zu besuchen. Wir kannten die Planung überhaupt nicht, daher saßen wir nur im Auto und haben uns über die Gegend gefreut. Shizuoka ist zwar Präfektur Hauptstadt, aber im Gegensatz zu Tokyo sehr flach und ländlich. Man hat von hier aus aber einen besonders guten Blick auf den Fuji, wenn er denn will. Vor 14 Jahren hat er sich geweigert sich zu zeigen, aber vom Shinkansen konnten wir ihn schon sehen. Der Wasserfall ist jetzt nicht so riesig wie die Niagara-Fälle, aber er war wunderschön in der Natur und mit den knospenden Kirschblüten war das Setting grandios. Das komplette Kontrastprogramm zu der digitalen modernen Welt in Tokyo. Und nach den Bahn- und Autofahrten war es schön sich wieder zu bewegen. 

Nach nem Happen zu essen ging es zu einem See, dem Tanuki See, von dem man eigentlich DEN Blick auf den Fuji hat, mit Wasser und im Idealfall noch mit Kirschblüten. Aber jetzt war Fuji ein bisschen schüchtern und hat sich hinter den Wolken versteckt. Der See war dennoch sehr idyllisch und ruhig.
 

Es ging zurück nach Hause. Mittlerweile ist auch die Mutti nach Hause gekommen, die konnten wir vorhin noch gar nicht begrüßen. Auch sie hat sich nicht wirklich verändert in den 14 Jahren. Die Eltern sind mittlerweile um die 70/75 Jahre alt. Aber das merkt man ihnen überhaupt nicht an. Und nun ging es erst einmal an den omiyage Austausch. Wir hatten aus Deutschland Haribo und Halloren mitgebracht und meine Mutter hat für alle Frauen der Familie (sieben insgesamt) kleine Kosmetiktaschen genäht, die ich dann noch mit Pröbchen von DM und kleinen Naschsachen befüllt habe. Für Toshi gab es stattdessen ein Bier. Da haben sie sich drüber gefreut. Vor allem weil es selbst genäht war. Ich war froh nun die Koffer leer bekommen zu haben aber nein, die omiyage für uns war enorm. Es lag bereits ein Haufen Naschereien bereit und in einer Tüte waren zahlreiche Pokemonsachen, kleine Tüten, Naschi, Sticker etc. vorbereitet. Dann gab es Socken und kleine Handtücher mit klassischen Japanmotiven .... Ich wusste schon länger, dass Mariko den Shizuoka Pokemon Store leer kauft. Sogar für meine Mutter ist ein kleines Geschenk dabei.

Nachdem wir uns gegenseitig beschenkt haben sind wir in ein Tonkatsu-Restaurant gefahren. Marcel hatte sich das gewünscht und ein alter Klassenkamerad von Marikos Schwester führt dieses Restaurant. Es war wieder unglaublich lecker. Das Gespräch war noch ein wenig holprig. Wir mussten und noch von meinem Sprachlevel finden und Marcel wollte auch immer mitreden, aber irgendwie hat keiner Deutsch verstanden. Das habe ich bestmöglich übersetzt und es ging ziemlich gut.


Samstag

Da Familie Kameyama viel geplant hat, sind wir früh aufgestanden. Viel früher als was man im Urlaub will. Aber die Mutti hatte für uns ein schönes Frühstück gezaubert. Ein kleiner Mix aus europäischem Frühstück mit Spiegelei und Bacon und japanischem Stil, nämlich kleine Schälchen mit beigelegten Gemüse oder Salat.

Auf dem Plan stehen heute traditionelle und historische Dinge. Zuerst ging es zur Okabe Station in Kashibaya. Das ist ein 600 Jahre altes Ryokan. Ein Ryokan ist eine Gaststätte im alten japanischem Stil mit Schiebewänden und Tatamimatten (klar, so war es damals halt). Dieses Ryokan hat man restauriert und in ein Museum umgebaut. Altes Reiseequipment wurde ausgestellt und ganz viele traditionelle Puppen. Die sind noch vom Hanamatsuri, dem Puppenfest, da gewesen. Es ist schon spannend wie klein die Menschen früher waren, aber wie weit die Kunstfertigkeiten schon waren. Generell wirkt das ganze Dorf sehr alt und es wirkt wie früher dort. So ist es auch, als wir zu einem berühmten Soba Restaurant gefahren sind. Wir mussten ein Stück laufen und die Häuser waren wirklich wunderschön alt. Es sah fast wie in Kyoto aus. Soba sind Buchweizennudeln die man gerne auch kalt isst. Sie gelten als erstes Fastfood in Japan und stammen aus der Edo-Zeit.

Gestärkt ging es dann ins Takumishuku, das Traditional Hand Craft Arts Center. Dieses Zentrum ist das was ich an Japan liebe: die Liebe zum Handwerk und der Kunst. Es ist eine sehr schöne und ästhetisch moderne Einrichtung, wo man sich in traditionellen Künsten wie Töpfern, Lackarbeiten, Färben oder Bambusarbeiten ausprobieren kann. Marcel war sehr vom Töpfern fasziniert, aber das hätten wir zeitlich und sprachlich nicht hinbekommen. Also haben wir, Marcel und ich, uns bei den Lackarbeiten ausgetobt und Stäbchen poliert. Dazu haben wir lackierte Stäbchen bekommen und mussten diese so schleifen, dass sie glatt werden. Dabei treten dann untere Lackschichten hervor und geben dann ein individuelles Muster frei, je nachdem für welche Farbe man sich entschieden hat und wie sehr man poliert. Wir saßen da ca. 40 Minuten und haben artig unsere Stäbchen poliert. Und wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Da schätzt man sämtliche Lackarbeiten mehr wert.

Die Zeit drängte langsam, denn für den Abend war noch eine Willkommens-Dinnerparty mit der gesamten Familie geplant. Ein kurzer Stopp noch bei einem Süßigkeitenverkäufer mit traditionellen Naschi wie Mochi, Daifuku oder Taiyaki ging es nach Hause. Dort wurden uns ALLE Süßigkeiten präsentiert. Wir haben uns durchaus zurückgehalten, aber der Berg war schon überwältigend.

Nun kam der Moment wo alle die ich bisher kennen gelernt habe zusammen kommen. Ich war ein bisschen aufgeregt, da auch die Nichten dabei sind, die ich noch gar nicht oder nur als Baby kenne. Marcel wusste auch noch nicht was ihn erwartet. Das Gefühl, dass die nur für uns kommen ist komisch. Es wurde Sushi für alle bestellt und Mutti hat noch Oden, Eintopf, gekocht. Zuerst kam Akiko, die Cousine. Ich mochte Akiko damals schon sehr, da sie eine sehr offene und extrovertierte Person ist. Sie wurde damals eingeladen, da sie mal in Deutschland war und Englisch kann. Wobei sie kein Wort Englisch gesprochen hatte. Es war direkt wie früher, man war sich wieder vertraut und sie ist immer noch so eine tolle Person. Auch mit Marcel hat sie sich auf Anhieb verstanden, soweit es sprachlich ging. Sie hatte ihm die alten Fotos von 1995 gezeigt und von ihren Erfahrungen berichtet. Dann kamen auch die große Schwester mit Mann und die zwei Nichten. Der Empfang war eher kühl, wie waren für die Kids weniger von Interesse und mit der Schwester hatte ich damals kaum Kontakt. Den Schwager hatte ich nicht kennen gelernt. Aber es gab eh erst einmal Essen. Da das Haus relativ klein ist, haben wir nicht alle an einem Tisch essen können. Und Essen gab es wirklich reichlich. Schon vorgesättigt von den Süßigkeiten hat das Sushi kaum Platz gefunden (jaja, wie dummer Kinder im Schlaraffenland).  Wie immer waren alle von Marcels Talent mit Stäbchen zu essen begeistert und dass er so ein netter Mann ist. Da er sprachlich ein wenig raus war, hatte er beim Tischdecken mit angefasst.

Dick und vollgefressen musste sich Akiko schon verabschieden. Da wir noch omiyage vorbereitet haben und ich dazu per Handy meine Mutter zuschalten wollte, habe ich sie per Videocall angerufen und Akiko ihr Geschenk überreicht. Danach ist alles, zumindest in meinem Kopf, laut und wild geworden. Ich habe meiner Mutter mit dem Handy alles gezeigt und allen meine Mutter gezeigt, dabei habe ich versucht bilingual alles gleichzeitig zu erzählen. Meine Mutter und Toshi haben sich so zum ersten Mal "in echt" gesehen. Und als ich der Familie, also den Teil der Schwester, erzählt habe, dass die Täschchen selbst genäht wurden, waren sie superglücklich und haben alle in die Kamera gerufen und gewunken. Wir haben dann damit Gruppenfotos gemacht und das Eis war gebrochen. Man kann aber leider nicht allen gerecht werden: der Mutter am Telefon und der Familie vor Ort die jetzt viele Fragen hat. Daher haben wir das Telefonat nach einem allgemeinem Tschüsssagen beendet. Mit den Nichten und dem Schwager haben wir uns dann noch ein bisschen unterhalten und die Nichten sind sehr neidisch, dass wir ins USJ (Universal Studio Japan) gehen. Es war ein schöner Abend und die Mädels haben uns noch Dankebilder gemalt und geschrieben. Da geht einem doch das Herz auf. Und ein bisschen stolz bin ich auch auf meine Leistung nach ca. 10 Jahren ohne Japanisch diesen Abend souverän überstanden zu haben. 

Sonntag

Der Tag ist ein bisschen später gestartet, da aufgrund unserer Abreise gen Osaka heute nicht mehr so viel auf den Plan stand. Erstmal mussten wir noch alle Katzen kennenlernen. Zwei kamen regelmäßig zum Futtern vorbei. Das waren aber Gemeindekatzen und die hat man an dem Sakura Cut am Ohr erkannt. Das sind so gesehen Streuner die aber kastriert wurden und zur Erkennung wurde das Ohr "beschnitten". Sie waren zutraulich, aber nicht kuschelig. Die Familie hat aber noch zwei Hauskatzen, wobei die nicht im Haus wohnen sondern ihr eigenen Katzenzimmer haben. Eine davon war scheu und ist gleich abgehauen, die andere ältere Katzendame war zutraulich und schmusig. Ich kann mich nicht mehr aktiv erinnern, aber ich habe sie tatsächlich schon vor 14 Jahren kennen gelernt. Ein bisschen traurig wurden wir schon, da wir schon so lange ohne unsere Babies sind. So lange waren wir noch nie getrennt. 

Zum Schluss sind wir in die Stadt. Erst ohne Gepäck, dass wollte Toshi später holen. In der Nähe des Bahnhofs ist zum einen das Präfekturgebäude, da gibt es eine kostenlose Aussichtsplattform. Und die Aussicht in Shizuoka ist eine ganz andere als in Tokyo. In Tokyo sieht man nur Häuser, Häuser und Stadt. In Shizuoka sieht man kleine Häuser, Berge, das Meer und mit Glück den Fuji. Es war nun ein wenig schüchtern hinter Nebel, aber klar zu erkennen. Zu dieser Aussicht haben wir Yasuko mitgenommen, die Freundin von Mariko. Sie war damals mit in Tokyo als Mariko mich besucht hat und war natürlich dabei, als ich in Shizuoka war. Zusammen haben wir diesmal noch die Kirschblüten bewundert. Sie ist am Sonntag in Shizuoka in voller Blüte und der Burggraben der Burgruine ist wunderschön mit den Blüten am Ufer. Ich hatte das als romantisches Märchen abgetan, aber es ist wirklich was besonderes. 

Als finalen Sightseeingspot haben wir das Museum in der restaurierten Burganlage besucht. Die Anlage selbst ist seit dem 12. Jahrhundert vorhanden und wurde damals unter Tobunaga Ieyasu richtig groß ausgebaut. In Shizuoka ist man europäische Ausländer kaum gewohnt und Toshi ist mehrmals gefragt worden wo wir her seien und ob wir Japanisch könnten. Aber man hat uns auch extra herzlich aufgenommen..

Aber alles hat ein Ende. Toshi ist nach Hause unsere Koffer holen während wir mit Mariko und Yasuko noch durch die Innenstadt geschlendert sind. Mutti kam dann auch noch mit zum Bahnhof und hat und noch für meine Mutter ein Extrageschenk mitgebracht und Getränke für die Fahrt. Zum Glück gab es für uns keine weiteren Geschenke. Wir wussten schon gar nicht wie wir die Koffer zu bekommen, obwohl wir unsere Mitbringsel losgeworden sind und erst Halbzeit haben.  Als der Shinkansen kam ging es auch schnell, sowohl die Verabschiedung als auch die Tränen die bei mir flossen. Wie letztes Mal. So schnell und so stark kann man diese Familie ins Herz schließen.

Schnell bringt uns aber der Shinkansen in nur zwei Stunden nach Shin-Osaka (Stadtteil von Osaka) um einen weiteren Teil des Abenteuers zu beginnen. Tatsächlich ist aber mein Gefühl hier anders. Osaka ist nicht mein Viertel. Ich war zwar schon (einen Tag) hier, aber die Leute sind anders. Das Hotel haben wir superschnell gefunden, da es tatsächlich eigentlich auf dem Bahnhof ist. War so nicht geplant, macht es aber auch einfacher. Da Shin-Osaka aber irgendwie nur ein Umschlagpunkt für die Zugreisenden ist und sonst irgendwie abgeschnitten ist, haben wir ausführlich bei der Essenssuche den Bahnhof erkundet und Pläne für die hiesigen Tage geschmiedet. Mal gespannt, wie es sich hier verändert hat

Sonntag, 23. März 2025

Von Tokyo-Eki nach Ueno und zurück

 Nach dem späten Abend hatten wir für Sonntag sowieso ein sehr entspanntes Programm vorgesehen. Erstmal ordentlich Ausschlafen und dann einen entspannten Tag in Ueno und seinen Museen.

Marcel hat leider am Vortag eine Problem mit der Klimaanlage bekommen. Wenn wir im Hotelzimmer oder woanders drin sind, dann muss er fürchterlich husten. Nachts ist das natürlich ganz schlimm. Wir Deutschen sind die Klimaanlagen und die dadurch sehr trockene Luft nicht gewohnt. Und als wir heute morgens geduscht haben, wurde es auch extrem warm im Zimmer. Ein Grund mehr viel Zeit unterwegs zu sein.

Ueno ist mit der Bahn nur einen Katzsprung entfernt. Und Katzensprünge kann man gut laufen. Laut GoogleMaps nur 55 Minuten. Ein Klacks bei dem Wetter. Es waren wieder 25 Grad angesagt. Die Strecke war auch einfach nur geradeaus. Und tatsächlich hat es ungefähr 4 Stunden gedauert da zu sein. Der Masterplan für den ganzen Urlaub sieht so aus, dass wir große Sachen schon gebucht haben und sonst die Tage nach Regionen und ggfs kleinen Sachen aufgeteilt haben, damit bleibt uns maximale Flexibilität. So auch heute. Der Weg führt von Tokyo-Eki nach Nihonbashi. Auch noch ein sehr edles und aufgeräumtes Viertel voller Edelboutiquen und Marken. Aber hier finden sich auch kleine Juwele wie ein künstlerischer Upcyle-Laden. Die Roboter im Schaufenster haben uns aufmerksam gemacht und drinnen haben wir tolle Sachen aus alten Maschinen, Materialien oder Stoffen gefunden. Wir sind mit einer Designerin ins Gespräch gekommen die alte Kimonos in neue Klamotten verarbeitet. Superschön, aber für das Portemmonaie ein wenig zu teuer. Zumal die Gefahr sehr groß ist, dass man es nicht wirklich anzieht.

Nach Nihonbashi sehe ich vertraute Hochhäuser und erkenne: der Weg führt uns direkt durch Akihabara. Das bekannte Elektroviertel ist immer noch DAS Viertel für Animefans oder Spielefreunde. Man findet unglaubliche viele Fanshops, GatchaGatcha und Greifautomaten oder Shops die sich auf Sammelkarten spezialisiert haben. Und Maid-Cafes.

Als erstes fiel mir jedoch ein Taiyaki-Stand auf und erkannte, dass es der Stand ist, wo es Karpador-
Taiyaki gibt. Für alle Nicht-Japan-Nerds: Karpador ist ein Pokemon in Fischform, an sich das schwächste und sinnloseste Pokemon, aber es hat Kultstatus. Taiyaki sind Waffeln in Fischform die traditionell mit der Rotenbohnenpaste (Anko) gefüllt ist. Also ist es das, was wir essen müssen. Es war auch superlecker. Marcel liebte die Cremefüllung und ich hatte Rote Bohnen mit Kastanie.

In Akihabara waren wie immer viele Maids, Mädchen in niedlichen Kostümen, die Menschen ansprechen um mit ihnen ins Maid-Cafe zu gehen. Nun ja, long story short: wir wollen ja alles machen. Also sind wir mit einem süßen kleinen Mädchen in ein Cafe. Natürlich lag die Hauptkonversation bei mir, aber Arare, so hieß die Kleine, hat es gut gemacht. Natürlich ist das ein sinnloses und teures Vergnügen, aber die Mädchen bedienen ein echtes Bedürfnis. Hört sich verbotener an, als es ist. In Maid Cafes gehen Männer um mit Mädchen zu sprechen und ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. Ja, oder auch eklige Typen die nen Fetisch haben. Aber es geht im Endeffekt darum, dass du dem Mädchen entweder einen ausgibst oder etwas zu essen bestellst, wo sie dann mit Schokosauce oder Ketchup Dinge drauf schreibt. In dieser Zeit ist sie für dich da und unterhält dich, zollt dir Aufmerksamkeit und tut so, als wärst du die interessanteste Person überhaupt. Obwohl wir sehr zurückhaltend mit dem Konsum waren, hat Arare ihren Job echt gut gemacht. Obwohl sie kein Englisch kann, hat sie das Gespräch super geleitet und uns wirklich aufmerksam zugehört, auch Marcel. Das muss man ihr lassen. Und natürlich wird die verbrachte Zeit mit Geld aufgewogen. Das Cafe selbst war...nun ja....in meinen Augen nichts wo ich meine Zeit verbringen möchte. Aber da gibt es unterschiedlichste Formen und Themen, je nach Geschmack. Es war eine Erfahrung wert und wir haben was zu erzählen. Natürlich gibt es in Japan auch das Gegenstück für Frauen: Host-Clubs.

Weiter führt uns der Weg dann nach Ueno, aber auf dem Weg haben wir noch eine kleine Rösterei entdeckt. Vorranging beruflich bedingt haben wir dort gehalten und noch einen Kaffee genossen. Der war auch wirklich gut, sodass wir gestärkt in Ueno angekommen sind. Statt aber direkt in den Park mit den Museen zu gehen, fiel der Blick in die Nebengasse und wir sind in der Ameyoko Dori, einer weiteren sehr bekannten Einkaufsstraße eingetaucht. Dort war es, wie überall, voll, aber nicht ganz so sehr voller Touristen. Hier war das Hauptaugenmerk auch nicht auf Mitbringsel, sondern auf Lebensmittel. Es gab einige Fischhändler oder Gemüsestände und man kannte superfrisches Sushi genießen. Was wir natürlich taten. Marcel ging es vorrangig um Austern und die waren unvergleichlich zu denen die wir damals in Wien gegessen haben.

Danach hatten wir auch kein Bock mehr auf das Rumgewusel und sind in den Ueno Park. Und Überraschung: hier fand ein Kirschblütenfest statt. Tatsächlich knospen erst zwei Bäume, aber auch hier wird es erst nächste Woche romantisch rosa sein. Überall waren Fressbuden aufgebaut und zahlreiche Menschen saßen bereits wie bei der Kirschblütenschau auf dem Rasen und picknickten. Wir waren begeistert, dass es mehrere Extrazelte gab, wo man seinen Müll abgeben konnte, getrennt natürlich. Deutschland schafft es gerade mal ne Extratonne hinzuklatschen.


Am Ende des Parkes angekommen sind wir in das Naturwissenschaftliche Museum gegangen. Wir wollten Dinos sehen. Tokyo hat eines der drei einzigen vollständigen T-Tex Skeletten. Es ist beeindruckend davor zu stehen und zu sehen, wie groß die Tiere damals waren. Der große Langhals-Dino (ich bin nicht sicher welcher genau) ist gerade in Osaka zur Expo unterwegs. Dennoch sind sie alle riesig. 


Man hat uns mit der Schließung mit rausgescheucht und wir sind auch direkt zurück nach Hause gelaufen. Spannenderweise war der Weg nun viel kürzer. Irgendwie kamen wir schneller voran. Dennoch hatten wir die Augen offen um noch richtig zu Abend zu essen und mir fiel ein Tempura-Restaurant ins Auge. Klein und schnuckelig. Man sitzt direkt vor dem Koch und sieht genau, wie frisch die Zutaten sind und wie er es zubereitet. Die Preise waren allerdings für Tempura recht hoch. Aber man merkte, dass wir uns was Gutes ausgesucht haben. Geschmacklich war es auch herrlich. Die Meeresfrüchte waren sehr zart und das Gemüse saftig. Es gab Gemüse, das wir noch nie gesehen haben (Pestwurz). Durch ein Gespräch mit dem Sitznachbar kam auch raus, dass es eins der besten Tempura Restaurants der Stadt ist. Satt, aber nicht vollgefressen wie die letzten Tag ist es zurück ins Hotel gegangen.

Wir haben mit dem Hotel bezüglich der Klimaanlage und dem Husten gesprochen. Nun experimentieren wir mit der Klimaanlage herum, wie es am besten ist und haben einen Luftbefeuchter bekommen. Mal schauen ob es klappt.