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Sonntag, 6. April 2025

Hoch zu Ross, äh Fuß

Das Wetter war heute ein wenig ungnädig, aber man kann ja nicht drei Wochen lang Glück haben. Als wir bei unserem heutigen Tagesziel Kamakura angekommen sind, hat es geregnet. Wir haben uns davon natürlich nicht abhalten lassen die Gegend zu erkunden. Ich war schon zweimal in Kamakura und habe die Hauptziele erstmal ignoriert. Naja, gut, wir sind durch die Haupteinkaufsstraße voller omiyage und Essen durch gehuscht, haben uns dann aber durch nette Wohngegenden geschlagen. Da stehen so einige hübsche Häuschen und dicken Autos und die Straßen sind so eng, dass es keinen Bürgersteig gibt und theoretisch Einbahnstraßensystem bestehen müsste. Tut es aber nicht. 

Nach einigen feuchten Wanderminuten stehen wir vor dem Sasuke Inari Schrein. Der scheint weniger bekannt zu sein, ist aber niedlich. Zu Marcels Leid waren dort sehr viele Stufen die mit roten Torii geschmückt waren. Fast so wie der große Fushimi Inari Schrein in Kyoto. Wir sind natürlich hoch und haben all die kleinen Keramikfüchse bewundert. Wie beim Daruma-Schrein bei Osaka stehen hier überall kleine Keramikfiguren herum. Sie stammen von Gästen die sie gekauft haben und dort postiert haben. Kamakura liegt zwar relativ nah am Wasser, ist aber auch halb im Gebirge drin, daher sind einige Teile des Schreins höher gelegen und mit mehr Stufen erreichbar gewesen. 

Auf dem Weg zurück sind wie zu dem nächsten Schrein abgebogen. Kamakura ist eine sehr alte Stadt und diente vor Jahrhunderten als Regierungssitz der daimyos, Fürsten. Daher findet man hier sehr viele alte und kleine heilige Stätten. Zu manchen muss man jedoch ein wenig mehr Kraft aufbringen um dorthin zu gelangen. Der Berg war ziemlich steil und der Regen hat den Aufstieg nicht angenehmer gemacht. Aber dann standen wir vor einem in den Berg geschlagenen Tunnel. Keine halben Sachen, also sind wir in den kleinen Tunnel um kommen bei dem Zeniarai Benzaiten Ugafuku Schrein. Bei diesem unaussprechlichen Tempel ist die Besonderheit, dass hier das Wasser aus fünf Quellen zusammenläuft und wenn man dort sein Geld wäscht, dann vermehrt es sich. Ich habe hier vor 14 Jahren schon mal Geld gewaschen und danach tatsächlich eine unerwartete Summe erhalten. Daher sollte jeder hier mal vorbei kommen und das Portemonnaie säubern, auch wenn der Aufstieg ein wenig beschwerlich ist. 


Für uns ging es erstmal zurück Richtung Bahnhof um etwas Essbares zu finden. Also das Finden ist in der Regel nicht das Problem, sondern das darauf einigen. Es ist sehr auffällig, dass es in Kamakura sehr viele kleine süße Cafes und Ateliers gibt. Nach einem Zwischenstopp beim Chinesen - es schmeckt hier gaaaanz anders als in Deutschland - sind wir den Kirschblütenweg zum Tsurugaoka Hachimangu Schrein gegangen. DAs dürfte neben dem Riesen-Buddha die bekannteste Attraktion in Kamakura sein. Gerade jetzt im Frühling ist die Allee vor dem Schreingelände unglaublich schön. Aber auch in den Gärten dort gibt es viele Kirschbäume. Und wieder viele Treppen bis zum Hauptschrein hinauf. Aber frisch gestärkt macht uns das nichts. Der Regen hat mittlerweile auch aufgehört, also konnten wir mit Genuss die Gärten und Teiche ansehen bis wir wieder den Kirschblütenweg zurückgegangen sind. Aber bis zur Hälfte. Zum einen haben uns die Leute genervt die jede Minute stehen geblieben sind um Fotos zu schießen, zum anderen haben wir einen Sherlock Holmes Laden entdeckt. Das fanden wir so merkwürdig, dass wir uns das ansehen mussten. Es handelte sich tatsächlich sogar um ein Sherlock Holmes Museum. Wir sind aber nicht reingegangen. Tatsächlich fiel Marcel ein Rikscha-Läufer ins Auge und er wollte sowieso schon die ganze Zeit Rikscha fahren, also haben wir die Chance gleich genutzt.

Leo, der arme kleine Junge, durfte und zwei Mopskinder 45 Minuten lang durch Kamakura ziehen. Nun gut, Leo ist 19 Jahre alt, steht voll in der Blüte und trainiert Kickboxen, das Beintraining tut ihm gut. Wir haben uns für eine Kirschblüten/Naturroute im Osten entschieden und nachdem unsere beiden dicken Hintern in der Rikscha platziert wurden ging es auch los. Innerlich haben wir mitgeholfen zu ziehen. Er tat uns schon ein bisschen leid, aber er konnte parallel erzählen. Größtenteils auf Englisch, aber manchmal sind wir ins Japanische übergegangen. Es ging wieder durch enge Straßen an den schicken Wohnhäusern vorbei und direkt zum Honkakuji Ebisudo. Der Tempel ist dem Gott Ebisu gewidmet und steht an einer Ecke, die häufig von Unglücken heimgesucht wurde. Ebisu ist ein starker, muskulöser Gott und beschützt somit die Stadt. Weiter geht es zum Myohonji Tor. Da steht ohne Türen und ohne Mauer in einem Wohngebiet. Es bedeutet, dass jeder willkommen ist und jeder hier seine Heimat haben kann. Daran vorbei sind wir dann zum Chikozan Myohon Tempel. Hier sind wir abgestiegen weil es wirklich sehr steil war. Aber Leo hat uns den Tempel und die Gebräuche gezeigt. Er hat gesagt, dass es dieses Jahr ungewöhnlich ist, dass die Kirschblüte parallel zu einer anderen Blume blüht, was diesen Tempel jetzt besonders macht. An all diesen Spots sind keine ausländischen Touristen zu sehen. Es sind nicht übermäßig viele in Kamakura, aber hier waren gar keine. Zum Service gehört, dass auch Fotos gemacht werden und unser Leo hat da echt ein Händchen für. Die 45 Minuten sind schon um, also zurück zum Treffpunkt. Das hat sich gelohnt, unser Rikscha-Mann war echt super, hat unseren Humor verstanden und wir haben schöne Ecken gesehen, die wir garantiert nie nicht gesehen hätten. 

Trotz des Regens am Vormittag war es ein schöner Tag in einer süßen alten Stadt.

Montag, 6. Dezember 2010

Nature live

Lang, lang ist es her und ich habe schon einige Nachfragen bekommen was los ist.
Es tut mir Leid. Ich habe mein Ladekabel für den Laptop kaputt bekommen und konnte dadurch den Rechner nicht nutzen. Außerdem war ich am Wochenende auf weiter Tour. Das ist soweit auch das einzige Mitteilenswerte, was das breite Publikum erfahren darf^^.

Am Wochenende stand ein Bustrip nach Yokohama, Kamakura und Hakone an. Ich hatte zwar Yokohama und Kamakuraschon vorher besucht (man erinnere sich, im Frühjahr hab ich einen Monat in Yokohama gewohnt) und an sich war der Trip auch nicht in meinem Budget, aber durch die Zahlung der Versicherung hab ich es mir einfach gegönnt. Ein Glück.

Am Freitag ging es um 17 Uhr los und wir sind zu unserem Hotel in Yokohama gefahren, direkt an Minato Mirai, meinem Lieblingsort in Japan -bisher-. Dort haben wir gemischte Zimmer gehabt,also Japanisch und Ausländisch gemischt. Naja, im Endeffekt war es bei der Party im Jungenzimmer auch geschlechtergemischt. Mann, war das lustig. Unglaublich wie mich zwei japanische Drinks aus der Bahn werfen können, aber immer wieder erhellend wie flüssig das Japanisch wird, oder das Englisch der nicht-englisch-sprechenden Japanern^^. Nur kurz erwähnt: es waren fast nur japanische Mädchen dabei und ein (!) japanischer Kerl. Dafür dann Rushelle, Mark (Engländer), Yoann, David (Franzosen), Ryan (Ami), Sophia, Tabea, Nicole und ich. Ziemlich gerecht aufgeteilt^^

Naja, spät ins Bett und ein früher Weckruf um halb 7. Meines Erachtens passt das nie. Aber muss man durch. Nach einem ausgiebigen Frühstück vom Buffet wo ich mir dreimal Brot (Baguette und Croissant) nachgeholt habe, weil man hier so selten unsüßes Brot bekommt, ging es dann nach Minato Mirai.
Ich liebe diesen Stadtteil. Unser Führer, ein Alumni der Musashi, hat leider alles auf Japanisch erzählt. Wenn ich mich angestrengt hab, konnte ich es verstehen, aber ehrlich gesagt, wollte ich nicht wissen was er im Archiv von Yokohama erzählt. Das über den tollen Hafen des 21. Jahrhunderts, mit dem Riesenrad und dem höchsten Gebäude Japans wusste ich eh schon, weil ich mich in den Stadtteil verliebt habe.
Aber die Aussicht! Nach einer kleinen Wanderung bei schönstem Sonnenschein morgens um 9 haben wir dann ne Pause am Kai gemacht. Blick aufs Meer. Die Siloutte von Minato Mirai am Horizont, Blau am Himmel und ein Eis in der Hand. Glücklicher kann man nicht sein. Aber unglaublichweiser spricht mich ein Japaner an "Wo seid ihr denn her?" "Deutschland!" Aha...und dann ging es los. Der Herr ist Zeuge Jehovas, in Japan, und hat tatsächlich versucht mit mit auf Japanisch über Gott zu diskutieren. Ich hab ihn verstanden, aber diskutieren kann ich leider noch nicht auf Japanisch. Warum kommen die immer bei mir an?

Naja, danach ging es dann nach China Town in Yokohama. Bunt, laut, eng, vollgestopft. Mehr braucht man eigetnlich nicht sagen. Und weil es Mittag war sind wir dort in ein großes, edles Restaurant und haben chinesisch gegessen. Nicht schlecht. Mann kann schon sagen, dass es wie in Deutschland beim Chinesen geschmeckt hat, aber hier gab es noch das asiatische Feeling gratis dazu.

Mit dem Bus ging es dann weiter mach Kamakura. Eigentlich wollte ich dort Jumpei treffen, der lustigerweise an dem gleichen Tag auch da war, aber unser Zeitplan war so gestrafft, dass das nicht ging.
An sich kann ich nicht viel Neues über Kamakura sagen, außer dass wir alte Tempel besucht haben (was gibt es auch anderes in Kamakura?) und die Herbstfärbung echt der Hammer ist. Dadurch das Kamakura sehr wäldlich liegt ist das kombiniert mit der Sonne sehr schön gewesen.

Nach langer Wanderung ging es zum nächsten Hotel. Ganz ehrlich: ich denke, das was wir für die Tour bezahlt haben, reicht gerade für eine Nacht in dem Hotel. Edel ohne Ende.
Dort im Hotel sind wir wieder neu aufgeteilt worden und ich bin allein mit zwei Japanerinnen in einem Zimmer gewesen. Kein Ding, aber die beiden haben sich bisher voll abgekapselt und sahen nicht danach aus, als ob sie Kontakt wollten. Im Endeffekt hatte ich sehr lustige Gespräche mit ihnen, über die Angwohnheit nachts nen BH zu tragen oder Kerlen zu sagen, dass man sie mag.
Aber zurück zum Tagesprogramm: mit den Alumni haben wir noch ne "Pary" mit viel lecker Essen gehabt, wo wir uns mal wieder auf Japanisch vorstellen mussten. Diesmal aber auch die Japaner. Die sind alle so aufgeregt gewesen, udn das obwohl sie das in Japanisch machen durften.^^ Zur Belohnung gab es für uns Ausländer nen Fächer.
Und danach noch ne Teezeremonie. Aebr: die vom Wohnheim war bei Weitem besser.
Und danach war freie Zeit (um 21 Uhr endlich). Und weil es so schön war, haben die Jungs wieder zur Party geladen. Der Clou: es gab ein Biru-dô (Bier-Zeremonie). Teezeremonie heißt auf Japanisch Sa-dô (von cha für Tee, und für der Weg der Erleuchtung). Es gibt viele Dôs, z.B. Judô, Kyudô, Kendô. Die Jungs haben aber die Regeln der Teezeremonie auf das Biereinschenken umgewandelt. Perfekt!
Ich bin aber recht früh ins Zimmer zurück, weil der nächste Weckruf wieder um halb 7 kommen soll. Naja, bis um 1 hab ich mit den Mädels geklönt.

Sonntag: Was für ein Megafrühstück. Wieder gab es Brot und Croissants (auch Würstchen, aber das ess ich nicht so gerne zum Frühstück) aber es gab auch Obst und Kellogs. Ja, genau: Kellogs. Und supertollen Joghurt. Ich kam mir schon sehr unverschämt vor, aber ich musste ja nichts bezahlen^^.

Heute ging es dann nach Hakone mit Zwischenstopp in Odawara. Der Weg führte direkt am Meer entlang, so wie am Vorabend, wo wir den Sonnenuntergang mit dem Fuji erleben durften. Die Landschaft war großartig. Links vom Bus war das Meer, ich liebe das Meer, rechts vom Bus waren Berge und der Fuji. Man kann nicht beschreiben wie toll das war. Und bei der Pause auf einer Raststätte waren dort viele, viele Motorräder, und was für welche. Ich hatte so Bock mir eins zu schnappen und die Strecke zu fahren. Aber neee.
In Odawara, bei srahlender Sonne, haben wir dann das Schloß von irgendnem Shogun besucht. Hübsch sowas mal live zu sehen. Aber leider war es innen ein Museum. Ich hätte es spannend gefunden es von innen restauriert zu betrachten. Aber man kann nicht alles haben.


Mittags gab es dann japanische Fischgerichte. Ich will nicht wissen was das gekostet hat. Es gab: Reis mit Fischeiern, Tintenfisch, Fischkuchen (was auch immer), eine Seeschnecke oder Muschel und ne Krabbe in Misosuppe. Alles was das Meer so bietet. Und obwohl ich alles esse, die Schnecke war jetzt nicht mein Ding. Leider mochten mehrere aus der Gruppe keinen Fisch, für die war das dann doof.

Letzte Station: Hakone und traditionelle Holzarbeien. Ganz ehrlich: da hätte ich drauf verzichten können. Mir hat der Ausblick gereicht. Gerade mal 20 Kilometer vom Meer enfernt waren wir im Gebirge wie wir es nur in Bayern kennen. Und dann diese Laubfärbung. Boah.

Also die Bastelstunde ertragen und dann dachten wir alle, dass es noch ins Onsen, das berühmte Bad in Quellen geht, aber wir hatten wegen des Verkehrs keine Zeit mehr. Wir waren alle traurig.
Also sind wir 3 Stunden zurück gefahren. Mit nem Quiz, dass ich gewonnen hab, und viel Schlaf.

Die Fahrt war insgesamt toll, für die 150€ haben wir echt viel erlebt und unter Garantie nen Haufen gespart. Unsere Reiseführerin "Drogen-Miki" war auch toll. Zwar war ihr englisch so super japanisch freundlich, aber eigetnlich war sie cool. Wir haben neue Frende und das Sprachlevel sollte sich auch gehoben haben. (Naja, bei meinem Telefonat gerade hab ich trotzdem nichts verstanden^^)

Dienstag, 26. Oktober 2010

Kamakura

Auf ein Neues nach Kamakura.
Diesmal bin ich mit Julä und ihren Eltern mehr oder weniger spontan am Sonntag nach Kamakura, der alten geschichtsträchtigen Stadt in der Nähe von Yokohama, gefahren.
Nach einer langen Suche nach einem ATM, Bankautomaten, bei dem die Eltern Geld abheben können, ging es dann durch die Einkaufsstraße Richtung Tempel Nummer 1. Es ist echt unglaublich, wie wenig Automaten deutsche Karten akzeptieren. Zum Glück funkioniert das jetzt bei mir und das auch mit recht niedrigen Gebühren (Siehst du, du olle Sparkasse! Alles gaaanz einfach!).
Tempel Nr. 1 ist jener Tempel, dessen Namen ich mir immer noch nicht merken kann, bei dem ich mit Katha und Stephan im Frühjahr schon war. Nur ist mittlerweile der heilige 1000jährige Baum gefallen. Das ist an meinem Tag der Abreise im Frühling passiert. Zum Glück war es kein böses Omen.
Bis auf eine Hochzeit und dem immer noch andauernden Shichi-Go-san, ist da auch nichts Neues gewesen.
Weiter geht es zum Daibutsu. Dem Großen Buddha. Auch den kenne ich schon, aber trotzdem geht man da gerne hin. Es ist immer wieder imposant, wie man im 12. Jahrhundert einen so großen, hohlen Bronzebuddha bauen konnte. Da Wochenende war, war es diesmal recht voll bei dem Daibutsu und viele Schulkinder liefen herum, die Ausländer auf Englisch gefragt haben, wo sie herkommen und ob sie das mit einer Unterschrift bestätgen können. So lernt man englisch. Wenn das die Jungs im TOEFL-Vorbereitungskurs auch mal gelernt hätten...



Weiter soll es zum Geldwäsche-Schrein gehen (jaja, mein Heiligtümer-Namens-Gedächtnis). Mike, Julä Vater, hat auf seiner Karte eine Art Trampelpfad gefunden. laut Schildern ist das ein Wanderweg gewesen. Laut meines erschöpften Körpers ist das der Wehg zur Hölle gewesen, nur himmelwärs. Nein, so schlimm war es nicht. Aber wenn man nicht auf einen so steilen, unbefestigten Anstieg, mit Stufen aus Wurzeln, vorbereitet ist, dann kann das schon sehr abschreckend sein.
Aber eigentlich eine tolle Erfahrung. Man hat nicht die langweile graue Stadt gesehen, sondern Grün inmitten einer grauen Stadt. All die Wanderer hinter uns, die uns überholt haben, und die uns entgegen kamen, haben gegrüßt. Das ist auch viel freundlicher als dieser doofe unpersönliche Touristenkram. Leider, leider fing es im letzten Dritel an zu regnen. Naja gut, sieht man den Schweiß nicht, aber mit nur einem Shirt bekleidet und ohne Schirm ist das dann nicht ganz so schön. Außerdem wurde es auch schon langsam dunkel, was sich im Wald nicht so gut macht. Aber da war er dann ja schon, der Geldwäsche-Schrein.


Das Besondere hier ist, dass man sein Geld in dem Quellwasser wäscht, über Räuscherstäbchen annähernd trockent, und dann soll es sich auf wundersame Weise vermehren. Das muss dann auch gleich ausprobiert werden. Zack, 200 Euro in das Schälchen und waschi-waschi. Um euch die Spannung zu nehmen: noch ist da nicht mehr Geld im Portemonaie, aber es duftet gut durch die Räucherstäbchen.
Mike hat mir dann einen Miniregenschirm spendiert (bei ihm wirkt das Wunderquellwasser definitiv nicht^^) und dann ging es zurück nach Kamakura. Eigentlich sollte noch der hübsche Tempel am Hang besucht werden, aber aufgrund des Wetters haben wir das dann abgeblasen.
Also ab ins Restaurant und auf die schönste und komplizierteste Art und Weise bestellt. Tja, da denkt man, man versteht ansatzweise was, aber wenn die Kellnerin im halbenglsich ankommt, dann ist das kleinste bisschen Verständnis auch wieder weg. Hat aber geklappt und das Essen war topp!

Ne Stunde mit der Bahn zurück und dann Powerlernen für den Kanjitest. Aber der Sonntag war spaßig.

Mittwoch, 3. März 2010

Der Göttliche

Bevor sich hier jemand Sorgen macht, ich bin gestern erst um halb 12 zu Hause gewesen, da habe ich keinen Bock mehr auf Blog schreiben. Ich hoffe es wird mir verziehen^^.

Gestern kam der recht spontane Vorschlag nach Kamakura zu fahren. Kamakura ist eine Stadt mit historischer Bedeutung. In der damaligen Kamakurazeit hatte der Shogun, der Herrscher Japans, seinen Sitz in dieser Sadt. In diesem Zeitalter (1185-1333) ist der Aufstieg des Kriegeradels sehr dominant. Die "bushi" 武士 oder auch "samurai" 侍 entstehen. Es ist Pflicht als Japanologiestudent früher oder später mal in Kamakura zu sein. Mir hat es auch sehr gut gefallen. Für Touristen ist der Daibutsu, der große Buddha, am interessantesten. Aber der Reihe nach:
Wir haben uns in Yokohama getroffen uns sind dort mit Ruko und Mio weiter und haben in Kamakura Sonobe eingesammelt die auch gestern Geburtstag hatte. Also gab es erst einmal eine große Gschenkübergabe. Sonobe hat sich echt gefreut was von uns zu bekommen. Beim Essen hat sie ausgepackt, naja war nur eine Kette und Schoki. Katha hat auch gleich Geschenke bekommen, obwohl sie erst Montag Geburtstag hat.
Es ging erstmal durch eine Allee aus Kirschbäumen, die leider noch nicht geblüht haben. Diese Allee war damals die Verbindung zwischen Schrein und Regierungsgebäude. Wir sind zum Schrein. Er lag wunderbar vor einem malerischen Gebirge. Vorbildlich haben wir wieder gebetet und uns die Ausstellungsstücke vor dem Museum angesehen. Es wurden Feiertagsschreine ausgestellt, die zu Feiertagen von Männern durch die Stadt getragen werden. Das müssen echt starke Männer sein.

Und diesmal habe ich mir o-mamori schenken lassen. Das sind diese kleinen Talismanbeutelchen für besondere Gelegenheiten. Es ist wirksamer, wenn es geschenkt wird. Deswegen hat Katha mir "Glück für's Lernen" geschenkt und ich ich ihr "Glück im Verkehr". Die Götter werden diesen Betrug übersehen^^. Aber ich muss mich meinem Forschungsthema entsprechend (Aberglaube) den Gewohnheiten anpassen, um es besser nachvollziehen zu können. Was für ein wunderbarer ethnologischer Gedanke.
Nach dem besagtem Essen sind wir dann zum Tempel von Kamakura. Der liegt sogar richtig im und am Berghang. Man geht durch einen wunderschönen Garten und dann ein paar (viele) Stufen rauf. Dort ist der Tempel und eine super Aussicht über's Meer. Auch hier haben wir gebetet und ich muss sagen: Jesus ist ein Loser. Tut mir Leid für alle christlich Gläubige, aber ich bin nicht gläubig und wenn ich es wäre, hätte mich dieser Buddha bekehrt. In dem Tempel stand eine riesige Statue, ich schätze 4 Meter, aus Gold mit einer Goldaura hinter ihm. Das wirkte äußerst beeindruckend, da man hinaufschauen musste und der Buddha irgendwie strahlte.

Bei dem Tempel war noch eine Trommel, von der es heißt, wer sie zweimal dreht, der erhält das Wissen von 1000 Büchern. Dummerweise haben die so doof Schilder aufgestellt, dass man es noch nicht mal probieren kann. Hätte das Studium erspart.
An dem Berghang unten konnte man noch in eine Höhle gehen, in der Leute kleine Figuren für jemanden aufgestellt haben. Der Gang war recht nieddrig, sodass wir Deutschen gebückt gehen mussten.
Um dann zum großen Buddha zu kommen, sind wir durch Einkaufsstraßen gebummelt und haben jede Menge o-miyage, Mitbringsel, gekauft. An sich habe ich jetzt alles, mir fehlt nur noch so eine kleine doofe Winkekatze. Also mal wieder zuviel Geld ausgegeben. Nebenbei haben uns mal wieder Mittelschüler angesprochen, mit denen wir ein Interview auf Englisch machen sollten. Es ist schwer, wenn man Japaner vor sich hat, mit denen englisch zu sprechen, ich habe in zwei Sprachen gesprochen, weil ich immer automatisch ins Japanische gefallen bin.
Und ab zum Daibutsu mit der lustigen nostalgischen Enoshimalinie.
Ich weiß ehrlich nicht genau warum der Buddha so berühmt ist. Ja, er ist groß, aber ich habe ihn mir größer vorgestellt. Und so einschüchternd wie der Goldene ist er auch nicht. Mann kann aber lustigerweise in den Buddha hingehen und die Gußtechnik bewundern. Für uns Laien nicht so der Bringer.
Und dann ging es auch wieder nach Hause.
Abends, nach einem kurzen Stop zu Hause, haben wir Shu getroffen, meine Kommilitonin aus Halle die seit September in Tokyo studiert, und sind Karaoke singen gegangen. Und zwar in dem Leuchtreklameviertel Shibuya. Wir sind ins Karako-kan und ich muss sagen der Spaß ist ganz schön teuer. Für zwei Stunden haben wir, sogar mit 20% Rabatt durch Shu's Karte, 1600 Yen bezahlt. Also rund 15€ und das ohne was zu Trinken. Aber das Singen selber hat voll Spaß gemacht. Man hat so kleine Computer wo man seinen Interpeeten eingibt und dann spuckt er die Lieder aus.
Man sucht sich eins aus und dann geht es los. Es ist wirklich nur reiner Text und damit die Japaner das auch singen können ist das Englisch mit Katakana (Schriftsystem) "übersetzt". Zum Glück waren wir eine kleine Rockgruppe und haben Blink 182, Red Hot Chii Pepper, Slipknot (kommt fett geil) und Puddel of Mudd gesungen. Stefan hat das so ziemlich als einziger japanische Songs gesungen. Gut, wenn ich so textfest wäre, täte ich das auch, aber so kann ich nicht so schnell die Silbenschrift mitlesen. also Üben, Üben, Üben, Yvonne! Danach sind wir auch so ziemlich nach Hause, weil Shu direkt von ihrem Praktikum kam und ich durch denn Lärm auch Kopfschmerzen hatte. Am Bahnhof hat uns dann ein Japaner auf Knien und auf englisch um Geld angebettelt. Das war sehr komisch, da er meines Erachtens nicht wie ein Penner aussah.

Heute ging es dann wieder nach Akihabara. Endlich wollten wir uns die Denshi jishos kaufen, bzw. ich mir die Kanjiprogramme für den DS. Nach einem Abstecher bei Book off (brauchen wir in Deutschland!!), wo wir alle irgendwelche Bücher gekauft haben, haben Juliane und Stefan sich dann auch das Ex-word 2009er Modell für 31.000 Yen, also schlappe 300€ gekauft. Nach relativ kurzer Suche habe ich mir dann zweimal das Kanjispiel für den DS gekauft, ich sollte nämlich noch eins mitbringen. Und obwohl ich gegen gebrauchte DS war, weil die immer noch schweineteuer waren, habe ich mir dann doch einen gebrauchten für 1080 Yen gegönnt (~100€). Ich wollte an sich den schicken Bordeauxroten haben, aber jetzt habe ich einen Dunkelblauen, scheint auch ein spezieller aus Japan zu sein. Jetzt können wir alles lesen. ^^
Auf dem Weg nach Hause habe ich dann die absolute Reizüberflutung erlitten. Ich weiß nicht woran es lag, aber ich konnte auf einmal nicht mehr regulieren was auf mich einstürmt und habe übelste Kopfschmerzen bekommen. Also habe ich die Fahrt über in der Bahn gepennt und habe mich bis zum Essen ins Bett gelegt. Jetzt ist es wieder in Ordnung. Vieleicht ist es auch nur eine Verspannugn im Schulterbereich. Ich merke mittlerweile, dass mir der Sport fehlt. Zwar ist mit an unserem Wohnheim ein Sportwohnheim, aber ich kann den Fitnessraum nicht mitnutzen. Ich will trainieren!! Ein wenig Sehnsucht nach Deutschland kommt durch, obwohl es hier echt schön ist.