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Samstag, 12. April 2025

Eine Reise in Zahlen

 Der Tag des Abfluges ist nicht schön. Es war wolkig, beim direkten Abflug regnete es. Ich habe viel geweint und Marcels Stimmung war auch auf dem Nullpunkt. Der Abflug in Tokyo hat sich um eine Stunde verschoben und der in Taipeh um 1,5 Stunden. Alles nicht wirklich schön und nichts wert um darüber zu schreiben. Deshalb habe ich mit einigen Zahlen gespielt um die Reise mal plakativ darzustellen.

Geflogene Entfernung (über Taipeh)

11.516 km


Dauer des Hinfluges von Haustür bis Hotel:

27 Stunden


Dauer des Rückfluges von Hotel bis Haustür:

35 Stunden


Dauer des Aufenthaltes in Japan

22 Tage


Insgesamt zu Fuß hinterlegte Strecke

429.132 Schritte / 296,63km


Durchschnittlich pro Tag

18.657 Schritte / 12,9km


Längste Entfernung innerhalb Japans mit der Bahn

520km


Besuchte Orte in Japan

9


Tage mit gutem Wetter

19


Zugelegtes (Körper-) Gewicht

ca. 3kg


Gesamte Kosten

noch nicht ermittelt und werde ich wahrscheinlich auch nicht hier verraten 😋

Alles in allem wollen wir natürlich wieder nach Japan. Am besten jetzt sofort, ob wohl wir gemerkt haben, dass drei Wochen unser Maximum ist. Am Ende ist man sich mehr angegangen und die Sehnsucht zu den Katzen ist sehr groß gewesen. Nicht aber die Sehnsucht nach Deutschland. Die Konfrontation am Flughafen mit der deutschen Kultur wollte uns schon direkt wieder umkehren lassen. Also müssen wir jetzt erstmal alle mit unseren Erlebnissen nerven und wenigstens gedanklich noch in Japan zu bleiben.

行ってきます!

Donnerstag, 1. September 2011

Hamburg, meine Perle

Viel zu spät schreib, ich hatte kein Internet, ich jetzt über meine zweite Woche im Norden. Und die hab ich in Krempermoor im Haus meines Vaters verbracht. Da er aber am Bodensee war, hatte ich es wieder für mich allein. Bis zum zweiten Tag, wo Franzi mit Anhang zu Besuch kam. Aber die Finka Richter hat für jeden Platz und es war schön sie da zu haben. Wir haben stundenlange Diskussionen über Literatur und McFit gehabt, was zwar uns Mädels sehr gefallen hat, aber der Mann im Bunde kam da nicht mit.
Um auch noch richtig Ferien zu sein, sind wir zu dritt nach Hamburg rein und haben uns die Hafengegend angeshen. ich bin zwar in der Nähe von Hamburg geboren, aber ich kenn die Stadt kaum, nur ein paar Konzerthallen, Einkaufsmeile und das wars dann auch schon. Ich mag die Stadt auch nicht wirklich. Aber wir haben nun ein sehr schönes Gebiet gesehen.
Viele architektonisch moderne Gebäude standen dort. Wir nannten sie Legohäuser, weil sie aus einzelnen kubischen Elementen bestanden die irgendwie "nicht richtig" zusammengesetzt waren. Also leicht versetzt. Mit dem Hintergrund der Speicherstadt war es auch sehr schön anzusehen. Auch die neuen Philharmonie die noch im Bau ist, verspricht ein absoluter Hingucker zu werden.
Direkt am Hafen wurden schöne Sitzgelegenheiten und Grünanlagen gesetzt und mit dem Blick auf das Musicalgebäude von "König der Löwen" hat alles einen gehobenen Flair. Wir spazieren dort entlang, haben noch die zerbombte Nikolaikirche begutachtet, Postkarten gekauft und sind über die Landungdsbrücken wieder zurück, wobei wir an dem Sommerdom vorbei kamen. Dabei handelt es sich um einen Jahrmarkt oder Kirmes, je nachdem in
welcher Region man ist. Der Dom ist, soweit ich es beurteilen kann, besonders groß und seit einigen Jahren befindet sich im Kern noch ein Mittelaltermarkt oder Hexendorf. Es ändert sich jedes Mal, diesmal war es Cowboy-City.
Es ist schön Hamburg mal von einer anderen Seite zu sehen und langsam kann ich auch sagen, dass ich die Stadt mag.
Franzi war auch dann bald weg und ich hab meine Zeit mit ausgiebigen Lesen gekillt und war auch häufiger bei meiner "Rentnergang" nebenan. Und mein Vater kam aus dem Urlaub zurück, sodass wir uns noch sehen konnten, bis ich dann Sonntag auf meine Odyssee gen Halle aufgebrochen bin.

Von Hamburg aus habe ich eine Mitfahrgelegenheit gefunden und es versprach nett zu werden. Der Kontakt war gut und man hatte mich noch über nen Umweg über Berlin unterrichtet. War mir soweit egal, hauptsache ich komm an. Die Leute waren auch alle sehr nett und wie ich es mir angewöhnt habe: kaum sitz ich in einem fahrenden Objekt, nick ich weg. Dann ging es aber an eine Raststätte, der Keilriemen ist gerissen. Glücklicherweise hatte der Fahrer noch einen Ersatz mit und es wurde kurzerhand gewechselt. Weiter geht die Fahrt bis es auf einmal knallt und wir über etwas fahren. Zack, rechts auf den Standstreifen der Autobahn und Warnblink. Tja, es hat die Dingswelle, das Teil worüber der Keilriemen läuft -keine Ahnung von Autos-, zerledert und ist abgesprungen.
Ich schätze wir haben eine Stunde auf den ADAC gewartet und haben auch schon diskutiert wie es weiter Richtung Halle geht, da wir kurz vor Berlin standen. Ob mit der Bahn, irgendwo pennen oder ob man vielleichte in Auto gestellt bekommt. Nach Hause fahren war nicht über ADAC möglich, aber der Beifahrer hat Familie in Berlin, wo wir das Auto haben hinschleppen lassen. Dort sollte es bis Dienstag stehen und solange würde dem Fahrer, anscheinend bester Kumpel des Beifahrers, das Auto der Familie dort geliehen werden. Nicht schlecht.
Man hatte uns gewarnt, dass wir noch 5 Minuten Konversation machen sollen, Höflichkeit und so. Aber das war total freaky. Wir sind willkommen geheißen worden "Und wer seid ihr? Die Mitfahrer? Und wo habt ihr euch kennengelernt?" Uns wurde Kaffee geboten, auch Wein war im Angebot, wovon das frsich verheiratete Paar, aber schon 50+, ordentlich getrunken hatte. Die beiden haben mich stark an Hippies erinnert und ich fragte mich, wann auch ein Joint angeboten wurde.Was Gastfreundlichkeit anging konnten wir uns nicht beschweren. Man hat uns auch ein Bett angeboten, Essen, alles. Aber noch ungefähr einer halben Stunde Konversation sind wir dann gen Halle weiter. Um Mitternacht, mit einem neuen Rekord von 8 Stunden, war ich dann in Halle. Und, ich musste nichts zahlen. Nicht das es mich gestört hätte, war schon so unschlagbar günstig. Aber da sag ich nicht Nein.

Montag, 22. August 2011

Norddeutschland~

Nun bin ich schon fast eine Woche zu Hause, bzw. auf Zwischenstation bei meinen Eltern und versuche nicht allzu sehr Japan hinterher zu trauern.
Überraschenderweise ist es doch recht leicht, wenn man erst wieder im eigenen Land ist. Es ist vertraut, man kennt die Leute, die Wohnung, das Leben. Gut, es handelt sich hier in der ersten Woche um die Wohnung meiner Mutter, aber trotzdem ist es vertraut. Ich habe nicht geweint und ich vermisse aktiv niemanden, was so gesagt er hart ist. Aber es gibt viele kleine Sachen die anders sind.
Ich will was unternehmen. In den letzten Tagen in Japan konnte ich nicht allein herum sitzen, ich MUSSTE raus gehen und was sehen. Und nun hab ich das hier auch, Klar der erste Tag wir entspannt, aber danach hat es mich gedrängt raus zu gehen, und wenn es nicht „shoppen“ ist. Es ist kalt in Deutschland, rund die Hälfte von dem was ich zuletzt in Japan hatte und ich hab so gut wie nichts langes mehr. Also muss ich das aufgestockt werden. Aber der Gang in die Innenstadt lässt einige Unterschiede deutlich machen: die Buspreis sind unmenschlich teuer, da ist sogar die JR günstig und die Verkäufer sind dermaßen kackenunfreundlich. Tschuldigung das ich einkaufen war. Und wo sind all die Farben? Nicht nur, dass es grau in grau und regnerisch ist, irgendwie fehlen allgemein die bunten Farben. Ohm und ja, ich entschuldige mich bei Fremden für jeden Kram, mit angedeuteter Verbeugung oder erhobener Hand..naja, solange ich nicht auf Japanisch anfange.

Es ist irgendwie ein Gefühl von Eingesperrtsein in Lübeck in der Wohnung. Obwohl ich frei bin zu gehen, aber gaaaanz ehrlich, das hab ich da immer, ich hab „allein“ gewohnt, da ist das bei den Eltern immer anders.
Das hat sich dann aber geändert als mein Bruder kam. Er war übers Wocheneden zu Hause und hatte keinen Dienst beim Bund und er hat sich gefreut und ich hab mich gefreut. Und nun war ich an der Reihe seine Leute kennenzulernen. Wir sind so ziemlich sofort zu einem Konzert einer befreundet Band von ihm aufgebrochen und dort haben sich auch all seine anderen Freunde getroffen. Manche kannte ich und manche habe ich kennen gelernt. Ich dachte ich kriege den Kontakt vielleicht nicht hin, aber da brauch ich mir anscheinend auch keine Sorgen machen. Und als das Konzert los ging, Metal vom feinsten: Laut, grunzig, Gitarre, Bass und Drums, da war ich zu Hause. Etwas was ich schon lange nicht mehr erlebt hab, ich hab mich so lebendig und glücklich gefühlt, auch wenn ich die Band nicht kannte, aber das war super. In der Pause bin ich zu Marc, meinem Bruder, und hab einfach nur gegrinst. „Ich hab mich so auf dieses Wochenende gefreut“ sagt er „Du bist ja meine Schwester!“ Ja, das bin ich und er ist mein Bruder. Ich weiß, dass dieses Verhältnis nicht wie jedes Geschwisterverhältnis ist und das ist auch gut so, denn obwohl wir uns vielleicht alle halbe Jahr sehen und kaum schreiben oder telefonieren, ist es sehr eng.
Danach noch schnell in die Rockkneipe in Lübeck aber da mich der Jet lag nun endlich hat, bin ich schnell müde geworden und wir sind nach Hause.
Samstag war dann endlich das Wetter mal hervorragend und wir mussten raus. Es ging gar nicht anders. Mama wollte Rad fahren und ich bin da nun nicht so begeistert, aber okay, ich hab mich breitschlagen lassen und bin mit ihr los geradelt. Marc hat Erledigungen in er Stadt gemacht. Auf dem Top Fahrrad meines Bruders bin ich meiner Mom hinterher am Kanal in Lübeck entlang und zu einer Badestelle gefahren. Das war echt schön. Die Aussicht war herrlich und man vergisst in der Stadt zu sein. Mit den sieben Kirchtürmen, dem blauen Himmel und dem Wasser gibt es ein anders Flair und wir saßen in der Sonne und haben es einfach genossen. Das mir der Hintern dermaßen wehtut erwähne ich am besten nicht, ich bin schließlich seit mindestens 3 Jahren nicht mehr gefahren.
Da aber noch Hanse Week, oder ehemals Harley Days, waren, sind wir noch in die Media Docks, haben ne Wurst (CURRYWURST!!!) gegessen und so einige schicke Motorräder begutachtet. Ach ja, das wär schön, mal wieder selbst zu fahren.
Ab nach Hause, der Hintern tat weh und Marc und ich wollten noch ins Kino. Super 8. Nachdem wir uns nochmal inhaltlich vorbereitet haben, wussten wir, dass es nicht um 8 Kinder mit Superkräften geht, sondern um einen Super-8-Film-Format. Egal. Ich mochte den Film, es war alles drin: Drama, Liebe, Witz, Action, Zombies, Aliens. Es war mal was anderes, nicht so ein abgeschmacktes Thema.
Und dann war auch schon wieder Sonntag. Das heißt Flohmarkt, aber für niemanden war es erfolgreich. Und dann hat Mama mich nach Itzehoe gebracht. Dort wohne ich jetzt erstmal ne Woche mehr oder weniger allein in dem Haus von meinem Vater, weil er im Urlaub ist. Gefüttert werde ich wieder, oder soll ich es mästen nennen?, von meinen Patenteltern.
Zusammen mit Mama hab ich aber noch meine Familie besucht und sie grausam mit 518 Fotos aus Japan gequält. Ich sollte die Show kürzen...aber was ich nie dachte: es ist schon schön mit der Familie zusammen zu sein. Auch meinen Onkel haben wir danach besucht. Ihn habe ich seit 3,5 Jahren nicht mehr gesehen. Er hat sich verändert, was krankheitlich bedingt ist, aber es ist eine positive Entwicklung.
Jetzt frag ich mich gerade, warum genieße ich es auf einmal mit der Familie zusammen zu sein? Werde dich erwachsen? War es die Sorge von jedem während des Erdbebens? Habe ich im Ausland gelernt was wichtig ist?

Egal, das Wetter ist jetzt schön, der Grill wartet (oh ja, das hab ich echt vermisst) und ich will raus.

Mittwoch, 17. August 2011

Und dann ging es ganz schnell...

Ja, unglaublich schnell. Sonntag noch mal eben zwei Freunde getroffen und mit Darts und ner Menge Alkohol verabschiedet, Montag Pakete weggebracht und eine letzte kleine Kochsession veranstaltet und dann flossen die Tränen. Alles was so unreal erschien, nämlich das ich bald im Flieger sitzen werde und das selbstverständliche japanische Leben aufhört ist aufeinmal greifbar. Ein letztes Mal zu dem einen Bahnhof gehen, ein letztes Mal die Freunde sehen, dass ist doch härter als ich dachte. Vor allem, ich weiß nicht ob und wann ich sie jemals wieder sehen werde. Und das ist das Schlimmste. Klar, Internet und Facebook sei Dank, ist Kontakt halten nicht mehr so schwierig, aber es ist einfach nicht Dasselbe.

Dienstagmorgen, Yoann ist so untypisch Yoann und bringt mich, inklusive Koffertragen helfen, zum Kotake-Bahnhof, von wo ich dann mit zweimal umsteigen auf kostengünstigste Art und Weise zum Flughafen bin. Es flossen keine Tränen. Ist aber auch okay. Ich bin mir bei Yo extrem sicher, dass wir uns wiedersehen. Er soll lieber seine letzten beiden Tage geniessen.
Ab geht die Post mit den Bahnen, ganze eineinhalb Stunden gondel ich durch Tokyo bis ich in Narita ankomm und so genau in der Zeit, dass mein Schalter in genau dem Moment aufmacht und ich gleich meinen Koffer abgeben kann. Wunderbar, und nun? Was mach ich nun die letzten drei Stunden am Flughafen? Allein?
Ich hab mir nen Kaffee gegönnt, die letzten Mails geschrieben, ach, was werd ich mein geliebtes Handy vermissen, Tränen zurückgehalten und ne Stunde vor Boarding hab ich mich durchleuchten und kontrollieren lassen. Kein Bombenalarm, wie langweilig. Und natürlich hab ich ne sehr penible Kontrolleurin abbekommen, die meine Gaijin-Card, meinen Personalausweis für Japan, eingesackt hat. Mist.
Ich hab immer noch Zeit, also geb ich mein letztes Geld für Mitbringsel, die ich behalten werde^^, aus. Ich wollte meine Zeitschrift kaufen, aber die hatten sie nicht am Flughafen, sowas.
Und dann ab an Board, Wunderbarerweise saß ich in der Mittelreihe in der Mitte. Ganz grandios, schlafen erschien mir nicht möglich. auch funktionierte das Unterhaltungsprogramm an meinem Sitz nicht. Weder Musik noch Filme. Aber zum Glück hatte ich endlich mal nen netten Sitznachbarn. Ganz schnell haben wir uns unterhalten und noch schneller dann herausgefunden, dass wir beide Deutsche sind. Das hat uns beide über den Flug gerettet. Noch nicht mal essen konnte ich. Mir war schlecht, nicht weil ich flog, ich liebe fliegen, eher lag mit der letzte Onigiri im Magen, bzw. die Trauer? Ich musste unglaublicherweise das Essen unangerührt zurückgeben lassen. Das "Frühstück", was nach deutscher Zeit eher ein Abendessen war, ging dann nachher.
In Kopenhagen noch einmal Kontrolle ob wir uns nicht an Board eine Bombe zusammengebastelt haben und ne Stunde gewartet, dann ging es mit dem nächsten Fliege in einer flotten Stunde nach Hamburg. So flott, ich hab nicht mitbekommen dass wir wieder landen, dass mich das Aufsetzen vom Dösen aufschrecken liess.
Der Koffer kam nach bangen auch an -das ist echt immer der spannendste Punkt der Reise- aber, man glaubt es nicht, nach jeder Reise ist er noch kaputter. Letztes Jahr haben sie komplett die innere Verschalung zertrümmert bekommen, dann vom neuen Koffer das Rad und nun auch noch den Griff zum Ziehen, der ist nämlich weg. Gut, wozu mach ich Krafttraining, wennich nicht mal eben den unhandlichen 21kg Koffer durch den ganzen Flughafen schleppen kann. Hurtig vom öffentlichen Telefon Mutti angerufen, das sich da bin und den nächsten Bus nehme und dann auch ab zur Bushaltestelle, die erstmal gesucht werden muss. Ging aber flott, Hamburg ist nicht der größte Flughafen.
Ich war die einzige die herumchauffiert werden wollte und so hab ich anstatt zu schlafen, mich mit dem Busfahrer unterhalten. War echt nett und die Zeit verging wie im Flug (was für ein doofes Wortspiel, im -während des- Flug(es) vergeht sie nämlich garnicht schnell).
Und dann war ich in Lübeck, abgeholt von Mutti, begrüßt von der fetten Katze. Es ist kalt, nur 17 Grad. Wo sind die Menschenmasse? Die frühe Dämmerung? Das Geschrei vom Kindergarten? Warum sind hier soviele Ausländer?
Ich in gespannt wie der Reverse Culture Shock sich zeigen wird.

Samstag, 13. August 2011

Feier-Marathon

Und weiter geht es mit dem Verabschieden:
Alex, mein brasilianischer Kumpel, hat mir ja einst, was maximal 2 Monate her ist, weil solange kennt man sich ja nicht, versprochen mir brasilianisches Essen zu zeigen. Also sind wir mit einigen Leuten im Schlepptau, unter anderem Franzi und Nancy aus Halle, Raffael und Ryan, sowie Bruno und Jackson, zum Brasilianer. Der Tabehodai-Spaß (All-you-can-eat) hat locker schlappe 50€ gekostet, aber das war es wert.
Wir saßen in einem gemütlichem Restaurant mit Live Musik und großem Buffett. Dort gab es allerlei Gemüse und Suppenarten brasilianischer Art. Allerdings kein Fleisch. Denn die Kellner sind mit Fleischspießen zu uns an den Tisch gekommen und haben uns gefragt ob wir denn dieses Fleisch essen möchten. Dann hat man "Ja" gesagt und ein Stück bekommen oder "Nein" und keins bekommen. Und was für Fleisch.....*sabber* Ich gebe zu, ich in begeisterte Fleischesserin und ich liebe Fleisch, allerdings nicht das japanische und bin von daher seit 4 Monaten auf Entzug. Dieses Fleisch war unglaublich. Es reichte von Hühnerherzen zu Roastbeef. Mein Highlight war Lamm, Medium Steak und keine Ahnung was es war, auf alle Fälle Rind. So zart und weich, aber saftig,. Man glaubt es nicht, ich habe ne Gänsehaut beim Essen bekommen. Zweimal, weil es zweimal angeboten wurde. Göttlich.
Dann noch reichhaltig am Obst-und Dessertbüffett gütlich getan und mit zwei wunderbaren richtigen echten brasilianischen Kaffee es beendet. Das Essen das ich bei meinen brasilianischen Freunden bekommenh abe, war schon gut, allerdings haben die natürlich Hausmannskost serviert und nicht 5 Sterne-Fleisch. Ich war glücklich, voll und aufgdreht von dem Kaffee.
Allerdings hat noch ein weiterer Brasilianer auf mich gewartet, da er nicht am Essen teilnahm ich ihn aber trotzdem treffen wollte. Zusammen haben wir ein Drink genossen und es geschafft, das sich die letzte Bahn verpasst hab. Ja, die Weltmetropole Japan hat nicht durchgängigen Bahnverkehr, auch nicht am Wochenende. Ich bin dann mit ihm nach Yokohama und hab dort genächtigt, nachdem wir drei Stunden lang am Fluss saßen, Bier tranken und geredet haben.

Am nachmittag um drei war ich dann am nächsten Tag zu Hause um dann aber auch keine 2 Stunden später meine chinesische Freundin am Bahnhof zu treffen und nen Haufen unbekannter Leute. Ich war ein wenig pissig, weil an sich wollten wir uns zusammen im Wohnheim treffen, da wir ja mal zusammen mit Midori Sukuyaki gegesse hatten, und gesagt haben, dass sie beim nächsten Mal ins Wohnheim kommen sollen, weil wir viel Platz haben. Allerdinsg wusste ich weder wer kommt, Li-chan hat einfach JEDEN eingeladen, und was wir kochen. Wenn ich den Platz anbiete will ich auch wissen was abgeht.
Naja, es kamen Li- und Cho-chan, beide Chinesinnen von der Muashi, a-chan, der Kumpel von Li-chan und drei Japaner die ich nie im Leben gesehen hab. Da war es am Anfang auch so, dass es die Chinesen-Gruppe, die Japaner-Gruppe und mich gab. Toll! Naja, Alex kam dann noch und er hat ein Talent Mittelpunkt einer Gruppe zu werden (flüssig in Japanisch, Englisch und Portugisiesch und Deutsch versteht er auch ein wenig), alleridngs konzentriert er es nicht auf sich, sondern verteilt die Aufmerksamkeit und lenkt Gespräche. Für diese Talent bin ich dankbar. So wurde es ein spaßiger Abend und wir endetetn im Bowling Center,
Der werter Herr Alex bowlte zuerst wie ein Mädchen, während die Mädchen die Kugel einfach fallen liessen aber abgeräumt haben wie die Großen. Die Kerle haben um die Wette "geschossen". In der zweiten Runde haben sich zwischen den beiden Teams dann irgednwie immer zwei gefunden die sich gebattlet haben. Unter anderem Alex und ich. 5 Runden lang haben wir exakt genau gebowlt. Zum Beispiel erst Nix und dann 9. Oder 8 und 1. Das war gruselig. Dann hab ich aber nachher mit 4 Punkten gewonnen :P.

Es ging dann Richtung Mitternacht und wir sind alle zu den letzten Zügen gesprintet. Es war schön nochmal ein paar leute zu sehen und kennenzulernen. Und weniger schön sie zu verabschieden, denn es steht die Frage im Raum: Sieht man sie jemals wieder?

Samstag, 30. April 2011

Neue Berufung? Internationale Auszugshilfe

Aufgrund der Bitten meiner Freundinnen, bin ich heute nach Yokohama ins Shimoda Wohnheim, Hiyoshi, gefahren. Ach war das schön dort wieder hinzugehen. Ich habe dort einen Monat lang gewohnt als ich das erste Mal in Japan war.
Allerdings habe ich nicht die herrliche Aussicht auf den Sportplatz genossen, sondern die beiden Zimmer besagter Frendinnen geleert. Im Grunde genommen sollte ich nur ein paar Sachen nach D-Land schicken, weil sie nicht mehr zurückkommen werden. Tja, erstmal wusste der Herr Yoshida, den ich nicht kannte -wo war Herr Ikeda?- nicht, dass ich gleich zwei Räume komplett säubern darf. aber wer sperrt sich schon dagegen?
Also ins erste Zimmer. Und ein Schock. Alles ziemlich vollgemüllt. Ich weiß jetzt nicht ob es an einer hektischen Flucht oder an einem Ausflug vor der Flucht lag. Aber naja, ich kämpfe mich durch. Aber wie geht man vor? Hangelt man sich durch die Liste die gegeben wurde oder räumt man einfach alles weg udn hofft alles zu finden? Ich habe zweiteres gemacht. Da ich di eListe im Kopf hatte, ging das sehr gut.
Schnell stellt sich raus, dass es Unmengen an Bücher sind -ich darf nicht an meine denken- und auch der Klamottenhaufen am Ende der in den Müll wanderte war riesig. Ich war selber überrascht wie rigoros ich die Dinge wegschmeissen kann. Im Grunde genommen war ich für die 16m² schnell durch: nur 2 Stunden, inklusive Bad und Pakete beschriften.
Auf ins zweite Zimmer. Das war gegen das erste leer und extrems ordentlich, aber das macht es einem irgendwie nicht einfacher Sachen zu suchen und zu sortieren. Auch hier hab ich 2 Stunden gebraucht.
Mit insgesamt 8 Paketen unterschiedlichster Größe, 10 Bibliotheksbüchern und zwei riesigen Taschen in denen ich all den deutschen Futterkram für mich verstaut habe, bin ich dann wieder zur Rezeption wo wir den Kampf um ein Postauto aufgenommen haben. Da heute Freitag ist, oder was für ein Grund auch immer herrschte, hatte das nächste Postamt geschlossen und würde die Pakete nicht abholen. Auch der sogenannte "Kuro Neko Yamato" holt es nicht, da die Pakete ins Ausland gehen. Aber Yoshida-san hat im größeren Postamt um die Ecke angerufen und die würden die Sachen gleich holen.
Ich hab dementsprechend brav gewartet, habee Konversation mit einem äußerst ansprechenden Japaner geführt und dann kam die Posttante.
Schnell stellte sich heraus, dass meine 50.000 Yen mitgebrachten Yen nicht reichen. Wer rechnet denn damit das Pakete sooo verdammt teuer sind. Man nannte mir mit dem schnellsten Versand einen Preis von 100.000 Yen (bei dem Kurs gerade rund 830€). Woah! Naja, gut ist ja nicht mein Geld, aber ich hätte es eh nicht parat. Wir haben den Preis mit einer etwas langsameren Versandart auf umgerechnet 680€ gedrückt. Aber wie komm ich spontan an das Geld ohne das die Dame warten muss?
Da ich eh bei der Post Geld ziehen muss, hat sie mich bis zur Post mitgenommen, dort habe ich abgehoben, die Formulare ausgefüllt (olle Zollbestimmungen) und geich auch bezahlt. Es ist ein zwiespältiges Gefühl 10.000 Yen-Scheine auf den Tisch zu zählen. Für mich sind es 100€-Scheine. 79.700 Yen bin ich auf einen Schlag losgeworden. Das tut weh.
Aber wie komm ich zurück? Das Postoffice ist weiter weg als ich dachte, aber die Dame hat nich zurück zum Wohnheim gefahren. Wie nett ist das denn? Nicht nur das sie mich mit zum Office nimmt, nein, auch zurückfährt. Ich war echt dankbar. Wenn ich meine Süßigkeitenbeutel nicht im Wohnheim gelassen hätte, hätte sie was bekommen.

Nun, es gab noch weiter Probleme zu lösen: in dem einen Zimmer stand ne Gitarre. Aber ich habe keinerlei Anweisungen erhalten. Was soll ich tun? In den Common Room stellen, damit sich jemand sie nehmen kann? Zurückschicken? Verkaufen? Ich habe soweit mit dem Studentenaufpasser der noch dazu kam, als ich mit Yoshida-san diskutiert hab, ausgemacht, dass ich nachhake und mich über Facebook melde.
Außerdem waren da noch die 10 Bibliotheksbücher. An sich -ich kann es auch falsch verstanden haben- kommen nächste Woche die nächsten Hallenser, mit denen ich soweit abgemacht hab, dass sie die Bücher in die Bibo bringen. Ich kenne weder den Ort noch hätte ich Zeit zu den Öffnungszeiten. Aber im Office war nicht bekannt, dass nächste Woche jemand kommt. ementsprechend konnte ich die Bücher in keinen Raum packen und ins Office ging auch nicht. Der Studentenhelfer hat angeboten, dass er das macht, da aber wahrscheinich ist, dass eine Überziehungsgebühr anfällt, ist es ungünstig, da er die Mädels nicht kennt. Ergebnis: ich bin mit zwei riesen Taschen voll mit Süßigkeiten, deutschem Tütenfutter und Büchern nach Hause getrabt.

Und ich war fertig. Weniger das Packen und Aufräumen war anstregend, eher der Streß wegen des Geldes, der Bücher und das Ganze auf Japanisch. LEVEL UP!
Zur Belohnung hab ich mir dann eine erbeutete Tütensuppe gemacht. Da kommt Yo in die Küche und feiert übelst ab, weil er sie so liebt. Das hätte ich nie erwartet. Und er hat vorgeschlagen: sein halbes Fleisch gegen meine halbe Suppe. Da kann ich nicht nein sagen. Sein wunderbar blutig gebratenes Fleisch mit leichter Weißweinsauce. So lieb ich das japanische Leben.
Wer will noch seinen Kram wiederhaben?^^

Mittwoch, 20. April 2011

ただいま!Bin wieder da!

Nun ist es soweit: nachdem ich mich einschieden hatte nach Japan zurückzukehren, trotz einiger Vorbehalte einiger leute udn sämtlichen Versprechungen, wie "Nicht einen tagestrip nach Fukushima machen", "Nicht nördlicher als Tokyo" oder "Nicht wie blöde nur rohen Fisch in mich reinstopfen". Aber kein Ding: versprochen! Auch ein versprochener Arschvoll bei Verstrahlheit ist verstanden und von mir unterschrieben worden.
Also ab ins Flugzeug der Swiss Air und nach Zürich. Von dort dann weiter nach Tokyo. Hat jetzt insgesamt nicht so lange gedauert und man kann auch zufrieden sein. Gut, das Unterhaltungsprogramm war nicht so dolle, aber weil es nur halb belegt war, hatte man dafür Platz zum Schlafen. Und lustigerweise kennt die eine japanische Stewardess meine Uni. Ich hab ihr immer auf Japanisch geantwortet. Man kann ja schon mal üben. Mein Japanisch sei ja sooo gut. Ja klar. Ich hab dann erklärt, dass ich in Japan studiere und wo. Die Musashi kennt sie, weil sie gerne an der Hauptstraße davor langgeht, gerade bei der Kirschblüte. Die Welt ist so klein.
Ohne Probleme lief der Flug ab, weder Bombenalarm, noch Fummeleien, keine Turbulenzen und keine nennenswerte Verspätung.
Und weil es so schön passt hab ich sofort meinen Bus ohne Sprachprobleme und Zeitverlust bekommen. So muss das laufen. Manche Japaner müssen dann im Bus gedacht haben, dass die olle Ausländerin spinnt, so wie die grinst.
Es ist unbeschreiblich wie glücklich ich bin. Nicht nur das alles geklappt hat, anscheinend ist mein Sprachlevel nicht so extrem gesunken wie gedacht, dazu hat die Sonne geschienen und es einfach nur natürlich das ich hier bin. Die Minik, das Verhalten der Japaner ist so vertraut, die Architektur...einfach alles.
Vom Bus in die Bahn und von der unter Ächzen und Stöhnen weil der Koffer eine Rolle locker hat ins Wohnheim. Sofort kamen die Officeleute, naja nur Masuda-san war da, heraus und haben mich begrüßt. Und Zack, stand Tanaka-san auch da. Wie schön es ist "Tadaima" zu rufen (ich bin wieder zu Hause!). Man hat mir dann schon gleich erkärt, dass nur Midori, eine Brasilianerin, da ist. Das ließ mich schlucken. Aber zum Glück haben die nicht mal ne Ahnung wer hier wohnt. Im Mädchentrakt sind wir schon 5 und nen neuen Kerl hab ich auch schon gesehen.
Als ich ins Zimmer bin, kam ein wunderbares nostalgisches Gefühl auf. Es roch nach Wohnheim. Und in meinem Zimmer nach meinem Zimmer. Mir ist der Geruch nie bewusst gewesen. Und auch nicht, dass ich es so aufgeräumt zurückgelassen hab. Aber darüber will ich mich nicht beschweren.
Kurz den Koffer aufs Bett geschmissen, Oberteil gewechselt, da bin ich schon zum Miete zahlen runter und weiter zu Yo. Udn weil er zur Uni wollte hab ich mich einfach mal angeschlossen weil ich auch hinwollte.
Und alles was vertraut war ist auf einmal anders. Hier steht ein Haus, da ist eins weg, oder wird gebaut, dort fehlt Gebüsch. Unglaublich was Japaner in 5 Wochen anstellen können. Auch das eine Unigebäude ist nun fast ganz weg, ich dachte, dass sie das in den Ferien schaffen sollten, aber nö. Sieht lustig aus hinter den letzten blühenden Kirschbäumen die den Weg säumen. Und auch der Campus ist anders in seiner Vertrautheit.
Zuletzt war ich nur noch zum Sporten in den Semesterferein dort und nun ist alles voller Studenten. Die Ersties sind zur Orientierung dort. Ich ja auch, also zumindestens was meinen Stundneplan angeht. Sieht jetzt ziemlich voll aus, aber ich bin ja zum studieren hier. Ich trau mich sogar an ein ganz japanisches Seminar. Es ist einfach perfekt "Japanische Ethnologie", leider ist der interessantere Teil im zweiten Semester, aber ich nehm es auch so, sofern mich der Prof zulässt. Man muss so als Vollpfosten der Sprache, sprich als Sprachtrottel Yvonne, vorsichtshalber anfragen.
Und dann kam David dazu. Ich hab ihn nicht gesehen und auf einmal springt mich was an, drückt mich, lässt mich nicht los und dann bekomm ich auch noch nen Kuss auf die Wange. Woah! Überrumpelt. Aber ja, ich hab sie vermisst, die beiden Franzmänner.
Und weil der Tag eigentlich nicht schönner werden kann, geh ich schnell die Zeiten für den Trainigsraum checken, und da steht Kazuki, mein favourisierster Trainer allein drin, sieht mich und winkt. Da muss ich doch den Kopf zur Tür reinstecken und mal "久しぶり" (Lange nicht gesehen) reinrufen -nur den Kopf, weil ich zum betreten des Trainigsraums die Schuhe ausziehen muss und da hatte ich keinen Bock zu-. Tja, ich sag es mit einem Grinsen: ich bin anscheinend im Trainigsraum vermisst worden. Sehr schön, ratet mal was ich morgen nach dem Unterricht mache...

Wir haben dann in der Mensa gegessen und uns die Neulinge angeschaut. Da es eh so schön in der Sonne war, haben wir uns auch Zeit gelassen. Ich bin echt der Mienung am Ende des letzten Semesters 70% aller Studenten vom Gesicht her zu kennen, aber jetzt, nicht mal 20%. Yo musste dann zur Arbeit und ich bin einkaufen, bzw. noch die zweite Miete bezahlen. Mit Glück, ich hoffe es wirklich, wird die mir aber noch zurückgezahlt. Ken Wunder das Tanaka-san mich mag, wenn ich jedes mal 500€ auf den Tisch lege^^.

Während des Zimmereinräumens klingelt das Telefon und Alice ist dran. Die Malaysierin ist momentan nur da um ihren Kram abzuholen. Schade, ich hab sie echt lieb gewonnen, aber Yan Fei, eine Indonesierin, ist auch noch da. Und dann saßen wir in fast alter Manier in der Küche und haben gekocht. Als wäre man nie weg gewesen und das Leben schon immer so gewesen wär. Hätte ich spontan nichts dagegen.

Soweit zu meinem strahlenden Tag. Was Strahlen angeht: ich sehe nichts und merke nichts. Und auch überhaupt nicht im Verhalten der Japaner. Sie geniessen die Sonne, der Supermarkt ist sogar recht menschenleer gewesen, alles zu haben (außer meinen Joghurt und Kaffee, aber das ist meistens so). Der Kindergarten nebenan kommt mir auch voller vor. Hier geht das leben weiter. Knallhart. Mal schauen was man noch so beobachten kann.

Samstag, 9. April 2011

4 Wochen später: die Entscheidung

Es war hart die Entscheidung zu treffen wie ich die nähere Zukunft gestalten will. Ich hab mit Freunden diskutiert, das Internet ausgequetscht und ein schlechtes Gewissen gehabt.
Es mag für viele unglaublich erscheinen, aber ich habe mich FÜR Japan entschieden. Schweren Herzens habe ich mich gegen meine Familie entschieden und ziehe mein Studium vor. Ein Aufschub und alles andere erschien mir nicht richtig. Ich werde jetzt auch nicht schreiben was das Ausschlaggebende war, den Hauptpunkt Gesundheit, kann ich mit keinem meiner Argumente wiederlegen.

Wie läuft es jetzt ab? Ich kann es nicht mit Gewissheit sagen. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich auch noch nicht zu wann meine Anwesenheit erwünscht ist, wie lang das Studium dann noch geht, weil der Beginn ja verlegt wurde.
Fest steht: von den 6 deutschen Mädels und den beiden die dieses Semester noch dazu kommen sollte, bin ich die einzige die geht. Soweit ich weiß werden insgesamt von allen Hallensern die in Japan studieren nur noch 2 weitere gehen. Und wenn man noch meine Ausländerfreunde betrachtet, dann haben sich die Reihen gelichtet. Die Passauer sind eh nicht mehr dabei, aber auch die beiden nächsten werde nicht nach Tokyo gehen. Die beiden Briten dürfen nicht von der Uni aus, und Yo hat sich nach 4 Wochen durchgesetzt und darf an der Musashi bleiben. Was die andere Lyonerin macht, weiß ich noch nicht. Die Pariser dürfen bleiben, ein Amerikaner wird nicht zurückkommen. Grob überschlagen, da ich nicht weiß was mit all den neuen Asiaten ist, sind wir dann zu neunt. Maximal.
Für mich heißt das: Sprachlevel up. Mit wem soll ich Deutsch sprechen? Da bleibt nur Englisch und Japanisch übrig. Im Wohnheim ist auch kaum wer, also muss ich mir nen Japaner schnappen und becircen, dass er sich mit mir unterhält.

Insgesamt bin ich seit ich mich entschieden hab, meiner Sache sehr sicher. Natürlich ist unterschwellig eine Angst vorhanden, aber: ohne Angst kein Mut. Und ehrlich gesagt, für mich persönlich sehe ich auch keine andere Möglichkeit, so fremd ich mich in diesem paar Wochen gefühlt habe.
Jetzt versuche ich die Chance zu nutzen und alle positiven Aspekte herauszuholen.

Freitag, 12. März 2010

Sehnsüchte

Tadaima!!!
Ich bin wieder im Lande. Und ich dachte eigentlich, dass ich das auch wollte, aber jetz will ich doch wieder in Japan sein.
Am Mittwoch Abend sind Stefan und Katha schon gefogen und ich habe sie zusammen mit ein paar Japanern zum Bus gebracht. Es flossen Tränen und letzte Geschenke wurden verteilt. Wir haben von unseren Gastgebern Fotoalben bekommen, wo die ganzen Gruppenfotos drin sind und von unseren Freunden kleine Briefe. Das hat uns allen gefallen.

Der Mittwoch ist sonst nicht weiter eewähnenswert. Ich habe nur meinen Kofer gepackt. Oh, doch. Morgens um 9, ich konnte an dem Tag ausschlafen, ging auf einmal meine Tür auf und jemand wollte in mein Zimmer. Die Tür ging wieder zu und wieder auf. Ein zaghaftes "Ohayo" (Morgen!) wurde gesagt und die Tür wieder geschlossen. Und dann klopfte es. Ich habe mich dann aufgerappelt und bin verschlafen an die Tür getorkelt. Das war Herr Ikeda, unser House Manager. Er dachte, dass niemand in dem Zimmer ist, da kein Name an der Tür klebte. Tja, den hat man mir am dritten Tag schon geklaut. Er hat sich tausendmal entschuldigt und ich habe gesagt, dass es okay ist. Abends bei der Zimmerabnahme hat er sich nochmal entschuldigt.
Am Donnerstag ging es dann um halb 7 aus den Federn. Ich habe mein Zimmer leer geräumt und bin nach Hiyoshi. Ich hatte schon Befürchtungen, dass ich mit dem Koffer in die Rushhour komme, aber das ging gut. In Yokohama habe ich dann meine Fahrkarte für den Bus gekauft und auf Rio gewartet, da ich es so verstanden hatte, dass sie mich noch verabschiedet. Wenn nicht, wäre das nicht so schlimm gewesen, ich bin schon ein großes Mädchen, dass alleine Bus fahren kann. Da sie 10 Minuten vor Abfahrt noch nicht da war, bin ich dann zum Bus. Da kam sie angerannt. Wir haben noch zwei, drei Worte gewechselt. Unter anderem hat sie erzählt, dass der 1.000 jährige heilige Baum in Kamakura gestürzt ist. Kein gutes Omen, habe ich gedacht. Und dann bin ich in den Bus gestiegen. Und da kamen sie, diese kleinen Mistviecher die ich hasse: Tränen.
Ich habe bestimmt die erste Viertelstunde geweint. Ich wollte Japan nicht verlassen, obwohl ich wusste, dass ich in einem halben Jahr wieder da bin.
Es war schönstes Wetter und der Bus fuhr über die Rainbow-Bridge von wo aus man einen Superblick auf mein geliebtes Minato Mirai hatte. Ich hätte fast übersehen, dass der Himmel so klar war, dass man hinter den Hochhäusern den Fuji-san gesehen hat. Er hat sich die ganzen 3 Wochen nicht geziegt, aber jetzt zum Abschied: ein gutes Omen.

Am Fughafen lief auch alles, noch nicht mal Sprengstoffalarm.
Im Flugzeug hatte ich eine 19jährige Japanerin neben mir. Wir sind aber erst am Ende warm miteinander geworden und haben und die letzten Stundne unterhalten. Sie flog nach München. Also konnte sie auch tatsächlich zwei, drei Wort deutsch, aber wir haben uns auf Japanisch unterhalten.
Das Fernsehprogramm war eher mau. Es sollte "New Moon" laufen oder "Hachiko". Toll, dachte ich, leckere Vampire und eine klassische Hundestory aus Japan, von der ich immer geredet habe und jetz kann ich es endlich sehen. Ne, lief nicht in unserem Flugzeug. Dafür habe ich den Kinderfilm "Where the wild things are" gesehen. (dt: "Wo die wilden Kerle wohnen"). Den wollte ich sowieso sehen, der sah knuffig aus. Dafür das das eine Kinderbuchverfilmung ist, finde ich die Story ziemlich heftig. Aber er war gut.
Essen war auch super, es gab diesmal mehr japanische Sachen wie O-Nigiri und O-Soba. Lecker!
In Kopenhagen lief auch alles (auch kein Sprengstoffalarm) und der kurze Flug nach Deutschland rüber war dunkel und ruhig. Es ist erschreckend zu sehen wie immer mehr Schnee auftaucht. Warum ist das in Deutschland noch so? Obwhol es wärmer ist als ich erwaret habe.
Tja, und meine Mutter war auch schon da um mich abzuholen. Zusammen mit meinem Koffer, der tatsächlich ein Kilo leichter geworden ist in Japan (bei mir weiß ich es noch nicht, ich gehe gleich zum Training und wiege mich dort) sind wir dann nach Lübeck.
Ich war langsam echt fertig. Insgesamt war ich 25 Stunden wach und unterwegs. Aber trotzdem habe ich nicht lange geschlafen. Naja, was soll`s.
Mit der Mitfahrgelegenhet ging es auch gleich schon mittags zurück nach Halle und jetzt sitze ich hier und schreibe meinen letzten offiziellen Japaneintrag. Alles ist ausgepackt, die ersten Mitbringsel verteilt und ich überlege, wie ich meine Stimmung beschreiben soll:
Ich bin schon froh in Halle zu sein, ich habe mich gefreut meine Jungs zu sehen und den Geruch meiner Wohnung zu riechen, aber ich möchte auch gerne nach Japan, wo ich neue Freunde gefunden habe und wo mich das Land fesselt.
Und das werde ich dieses Jahr auch wiedersehen. Garatiert!