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Donnerstag, 20. März 2025

Alte und neue Erinnerungen

 Der erste ganze Tag in Japan.

Marcel hat es gestern Abend schon gegen 22 Uhr komplett ausgeknockt und ich bin auch kurz danach ins Traumland gefolgt. Beide hatten wir die Erwartung, dass wir wunderbar durchschlafen und nach ca. 8 Stunden wieder fit sind. Naja, der Plan ging leider nicht so auf. Um 3 Uhr morgens waren wir wach. Zum einen waren wir ausgeschlafen (Hallo Jetlag!) und zum anderen stelle ich mal wieder fest: Klimaanlagen sind fürchterlich. Wir können das Fenster nicht öffnen und hatten eine sehr trockene Luft im winzigen Zimmer und generell war auch die Temperatur nicht so unsere. Die kann man allerdings schnell ändern. Die Luftfeuchtigkeit eher wenig. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau, dafür haben wir eine Regendusche und einen Massagestuhl, in dem ich mir während des Schreibens die Waden massieren lasse. 

Was macht man also wenn man nicht schlafen kann? Man holt sich erstmal gemütlich gegen halb 5 morgens das Frühstück aus dem Konbini (24h Conveniencestore). Natürlich gab es für mich Onigiri und Marcel musste sich erst einmal rantasten, aber auch er feiert die Produkte die man da immer für relativ wenig Geld erstehen kann. 

Gemütlich haben wir uns dann fertig gemacht und sind um 7 Uhr morgens losgestiefelt. Da wir gestern vor lauter Müdigkeit nicht wie angedacht zum benachbarten Kaiserpalast gegangen sind, haben wir das erstmal nachgeholt. Über einen kleinen Umweg durch den hübsch angelegten Hibiya-Park ging es dann direkt zum Kaiserpalast. Der darf man leider nur aus der Ferne bewundern, ist aber trotzdem eines der Touristenpunkte die ich schon fünf Mal oder so besucht habe. Also eine alte Erinnerung für mich und eine neue für Marcel. Es ist spannend zu sehen wie jemand der das alles so gar nicht kennt das Ganze betrachtet. Zumal er auch sehr wenig Vorkenntnisse von der japanischen Kultur hat. 

Der Kaisergarten hatte leider erst um 9 Uhr geöffnet, aber unser Morgenspaziergang war schon so früh, dass wir darauf nicht warten wollten. Es ist mehr oder weniger neben dem Hotel, daher können wir das jederzeit bei Bedarf nachholen. Dafür gab es dann den Touristenklassiker Nummer 2 für Marcel. Wir sind nach Harajuku gefahren und haben dort den Meiji-Schrein besucht. Ich möchte meinen, dass ist der wichtigste und bekannteste Schrein in Tokyo. Er ist auch superschön in einer sehr belebten Gegend gelegen, strahlt aber durch den dazugehörigen Wald sehr viel Ruhe aus. Es war auch nicht wirklich was los, so um 9 Uhr morgens. Wir hatten auf dem Spaziergang zum Schrein selbst noch eine kleine


Prozession Mönche sehen können. Und obwohl es noch ruhig war, fallen einem die ganzen Touristen auf. Generell ist der Anteil an europäisch wirkenden Menschen in Tokyo enorm angestiegen, aber an den Spots trifft man dann auch gerne auf diese ignoranten Touris die nur wegen des Beweisfotos da sind. Marcel hat auch sehr viel fotografiert, aber es war nie aufdringlich und hat jedes Verbotsschild respektiert. Aber nicht selten sind andere direkt an den Schrein, trotz Verbotsschildes und einem Wachmann mit Schild in der Hand, gegangen und haben fotografiert. Spannend war auch, dass die großen Torii (Tore) neu gemacht wurden. Das neue Holz ist sehr hell und tatsächlich bis zu einer Höhe von ca. 1,70 mit einer durchsichtigen Plastikfolie ummantelt. Ich behaupte einfach, dass das ist, weil so viele Ignoranten aus der ganzen Welt sich dort nämlich einritzen und die japanischen Heiligtümer beschädigen.

Wir, vorbildlich natürlich, haben uns mit Wasser vor dem Betreten gereinigt und am Schrein gebetet ohne Fotos. Damit alles auch traditionell klassisch abläuft, haben wir auch ein omikuji gezogen, ein Horoskop. Leider sagt unseres nichts über unser Glück aus, sondern enthält ein Gedicht des Meiji-Kaisers. Und Marcel hat von mir ein omamori geschenkt bekommen. Ein Talisman. Ich habe ihm eins gegen dunkle Einflüsse ausgesucht. Für eine gute Geburt fand ich nicht so passend :)

Nach diesem eher traditionellen Start in die Touristenspots sind wir in Harajuku gleich in die Takeshitadori gegangen. Also wollten wir. Marcel hat ein Katzen Cafe entdeckt und wollte da erst rein. Nach zwei Tagen war schon zu viel Kuschelentzug vorhanden. Man sitzt dort in einem Cafe (wobei Kaffee hier gar keine Rolle spielt) und kann die herumlaufenden Tiere bespielen und streicheln. Das bietet vielen Japanern die Möglichkeit mit Katzen zusammen zu sein, da häufig Haustiere verboten sind oder man sie aufgrund der Arbeitszeiten nicht halten kann. Es war auch eine katzengerechte Einrichtung und alle Katzen wirklich ziemlich gelassen, allerdings war keine wirklich verschmust. Als dann auch immer mehr Leute reingelassen wurden, sind wir gegangen, dass wurde uns zu viel und wir wollten es den Katzen nicht antun. Bevor hier aufgeschrien wird: die Katzen hatten einen Rückzugsort wo keiner hinkam. Es war alles schon okay und tiergerecht. 

Anders als in weiteren Tier-Cafes die wir in der Takeshitadori gesehen haben: Hunde-Cafe, ja okay, ein Mini-Schweinchen-Cafe und tatsächlich haben wir das Otter-Cafe gefunden, wo eine Mitarbeiterin mit einem Otter auf der Schulter draußen stand und die Kundschaft reingelockt hat. Das war uns zu hart. Katzen und Hunde sind domestizierte Haustiere, ja, aber Mini-Schweini und Otter nicht.

Aber das ist die Tokyo und die Takeshitadori. Die bekannteste Shoppingmeile mit manchen ausgefallenen Geschäften. Und nun ja, da ist er der Übertourismus. Die Straße war gerammelt voll. Und die Hälfte der Geschäfte waren Imbisse und Naschbuden die aber irgendwie alle das gleiche angeboten haben: Käsetaler und kandierte Erdbeeren. Auch gab es mittlerweile sehr viele Gachapon-Läden. Gachapon, bzw. GachaGacha, sie solche Automaten wie früher die Kaugummiautomaten waren. Du wirfst Geld rein, drehst, und bekommst nen Kaugummi oder nen Plastikring oder oder oder. Und GachGacha haben verschiedenste Inhalte. Das können berühme Animefiguren sein, Marvel, Schlüsselanhänger in Essensform, Mininotizbücher....Ich habe eine Serie gefunden, wo Katzen in Boxen oder Fischgläsern schlafen. Da bin ich schwach geworden und habe aber tatsächlich genau die Figur gezogen, die ich favorisiert habe (sieht aus wie unsere Carie). Für Marcel war das zu bunt und freakig, außerdem wurde er langsam schon hangry.

Deshalb haben wir uns ein Katsudon gegönnt. Ein Schnitzel auf Reis. Und weil wir nicht voll genug
waren, haben wir noch einen Matcha-Crepe-Stand gefunden und da noch einen superleckeren Crepe gegessen. Wir rollten danach dann Richtung Shibuya um den vorerst letzten geplanten Touristenspot für heute aufzusuchen: die Riesenkreuzung und Hachiko. Und auf dem Weg haben wie noch ein oder zwei Zwischenhalte gemacht, weil uns was ins Auge gefallen ist. Zum Beispiel das Tokyu Plaza. Es ist ein sehr bemerkenswertes Gebäude, also eigentlich zwei. Die Dachterrasse und der Rolltreppenaufgang sind mir schon einige Male bei Influencern auf Instagram gezeigt worden. Zack, mussten wir dann auch anschauen und uns wie Influencer fühlen. Und einen Nerd-Laden mit unglaublich sexy und realistischen Sammelfiguren von Marcel, DC, Alien etc haben wir gefunden. Marcel wollte einen lebensgroßen Gremlin mitnehmen. Aber A) wie soll der transportiert werden B) den kriegen wir nicht zollfrei ins Land. Gut, C) Platz haben wir nicht, war da nicht ganz so ausschlaggebend.

Also doch ohne Gremlin weiter zu Hachiko. Und bevor den erreichen, mussten wir über die berühmteste Kreuzung. Ich möchte meinen, dass jede zweite Hand ein Handy nach oben gehalten hat und das Kreuzen gefilmt hat. Auf sämtlichen Aussichtsplattformen hat man auch jede Menge Hobbyfilmer gesehen und Marcel wollte auf das höchste Hochhaus und von da schauen. Allerdings hat er sich Shibuya Sky rausgesucht. Auch unter Influencern sehr beliebt und der Spaß ist auch nicht supergünstig. Zum Glück (oder Pech?) waren alle Tickets für den Tag schon verkauft. Ich sag ja, man muss als Tourist in Japan wissen was man machen will, weil sonst alles weg ist. 

Aber die Hauptattraktion Hachiko war natürlich noch da. Überraschend artig standen die Touristen in Schlange vor der Statue und haben ihre Fotos gemacht. Ich hab jetzt mein viertes oder so, Marcel sein erstes. Dafür habe ich dann den neuen Hachiko-Stempel ergattert. So ziemlich jeder Japanreisender kennt die Stempel. Ich liebe es. An großen Sightseeingspots und den meisten (JR) Bahnhöfen gibt es Stempel die man suchen und in einem eigenen Buch oder in besonderen Stempelpässen sammeln kann. Ich finde das ist eine einfache Idee einige Spots attraktiver zu gestalten und das kostet noch nicht mal viel Geld oder menschlichen Einsatz. Manche Schreine oder Städte bieten sogar gewisse Ralleys an, wo man mehrere Stempel suchen und übereinander stempeln muss, um dann ein mehrfarbiges Bild zu haben (neu in einem Kaff ist jetzt der Gundam-Stempel, ich habe tatsächlich überlegt deswegen hinzufahren, ist aber doch zu weit weg). 


Nun haben wir den heutigen Tagesplan erfüllt und den gestrigen nachgeholt und trotzdem war es erst 16 Uhr. Spontan haben wir dann entschieden, mit einem noch spontaneren Besuch an einer Gozilla-Statue,  in Ginza, eigentlich auch fast neben dem Hotel, eine Ausstellung zu besuchen. Instagram sei Dank, habe ich mich ein bisschen inspirieren lassen und die Art Aquarium Exhibition gefunden. Dort sich Aquarien mit Lichtspielen versehen und wirkungsvoll in Szene gesetzt. Laut Veranstalter für die Fische alles okay. Ich bin kein Experte dafür, aber die Fische wirkten gesund und nicht gestresst auf mich. Da muss man in Japan echt aufpassen. Ich meide hier Zoos, die sind echt eine Qual und nach der heutigen Erfahrung auch alles an Tier-Cafes. Ästhetisch war die Ausstellung auf jeden Fall.



Nach so viel Erlebnissen sind wir nur noch was Kleines essen gegangen und wir planen den nächsten Tag. Möge der Jetlag uns nun endlich mehr Schlaf gönnen.


Mittwoch, 27. Juli 2011

Sightseeing mit Yvonne

Nach einem 4 stündigem Volleyball-Match am Sonntag auf Portugiesisch (nein, ich hab nichts verstanden!), was mir einen höllischen Ganzkörpermuskelkater auf den alten beschert hat, hab ich Montag zwei eher lächerliche Vorträge gehalten. Meine geliebte Gruppe war grausam, aber ich denke insgesamt waren wir im Mittelbereich.
Dienstag kam Maria nach Tokyo. Sie studiert mit mir in Halle und ehrlich gesagt kennt man sich, aber hat an sich nicht sooo viel miteinander zu tun gehabt. Egal. Weil sie mir was für Nicole geben wollte, hab ich mich spontan in ihre Sightseeing-Tour eingehängt. Allein in Tokyo ist doof, da zeig ich doch gerne was.
Und es fing an, dass wir uns im Tokyo Bahnhof treffen wollten. Der ist neben Shinjuku grausam. Man weiß nicht wo was ist, aber der Zufall hat uns zueinandergeführt. Aber dann mussten wir den richtigen Ausgang finden..gut, Faustregel in japanischen Bahnhöfen: aufhören zu denken und blind den Schildern folgen. Hat funktioniert. Glücklicherweise konnte ich mich ausserhalb des Bahnhofes wieder orienteren und wir haben dann den Kaiserpalast aufgesucht. Für mich weniger interssant, allerdings mag ich die Umgebung und das Schicksal hat uns echt gern: der Prinz ist an dem Tag nach Tohoku gereist und wir konnten ihn an uns vorbeifahren sehen. Damit hab ich dann die ganze kaiserliche Familie live erlebt. Yes! Das können nicht so viele Japaner von sich behaupten. Quer durch den benachbarten kaiserlichen Garten sind wir dann zum Yasukuni-Schrein getappert. Wenn man schon auf der Ecke ist, muss man alles Historische zeigen. Und was ich für tolle Geschichten parat hatte. Uni bringt doch etwas!
Nach ner kurzen Rast sind wir dann quer vom Norden in den Süden durch Tokyo zum Tokyo Tower. An sich war der Plan hochzufahren, aber die haben ordentlich die Preise angzogen, sodas wir dann einfach in die Mitbringselecke wollten. Aber dann: Pokemon! Wie ungünstig, nicht nur das ich bescheuerte Fotos mit den Maskottchen des Towers machen musste, nein, ich musste auch noch ne dämliche PokemonMütze aufsetzen und vor riesigen Pokemon posen. Ja, da haben die Kinder gestaunt^^. Ich denke Maria hat auch ne Seite von mir entdeckt die sie nich nicht kannte.
Nachdem wir nun nicht die Aussicht geniessen konnten, hab ich ihr die Aussicht auf Tokyo Bay gezeigt. Ich rühme mich mal damit, dass dieser Spot nicht allzu bekannt ist.
Weiter gng es dann wieder Richtung Norden nach Asakusa. Dort ist auch Marias Hotel und nach nem Abstecher durch die Nakamise-Straße und einigen klugscheißerischen Bemerkungen zu dem Tempel, haben wir es auch gesucht. Und wider Erwarten auch recht schnell gefunden. Es ist klein, aber für das Geld absolut ausreichend.
Und dann haben wir noch ne Runde Monja gegessen. Maria kannte es nicht und wir haben über so manchem Kanji gegrübelt, aber es war lecker und spaßig. Ich bin eingeladen worden. Was mir bei den Preisen fast leid tat, aber die Rechnung war dann die Hälfte von dem Erwartetem. Wir beide haben gestaunt, aber ganz ehrlich, wer fragt in dem Moment nach warum man so sopttgünstig gegessen hat?


Es war ein langer, spaziergangreicher Tag und es war schön mal wieder komplett auf Deutsch zu reden. Wir haben die Unterschiede zwischen Deutschland und Japan verglichen und kaum Unterschiede zwischen Nagoya und Tokyo festgestellt.
Donnerstag geht es weiter....

Dienstag, 4. Januar 2011

und da sagte der Tenno...

Hm, Neujahr und alle Geschäfte, also die die man braucht, sind dicht. Und das in Japan. Was macht man also?
Man geht zum Kaiserpalast. Und das am 2.Januar um den Kaiser höchstpersönlich, mit Gattin, Tochter, Thronprinz und Gattin und was weiß ich nicht zu sehen und zu lauschen. Wir haben uns, Katja, Tabea mit Mutti, Yo und ich, Richtung Kaiserpalast aufgemacht um das Symbol des Staates zu begrüßen. Schon auf dem großen Vorplatz wird alles geregelt, damit der Ansturm nicht irgendwie unkoodiniert Blödsinn macht.
Am Anfang werden billige Japanflaggen verteilt, wir haben natürlich auch eine bekommen ("Wo kommt ihr her? Aha, Japaner respektieren Deutsche!" Ohoh, an wen sind wir da geraten?). Und dann dürfen wir uns für die Taschenkontrolle anstellen. Naja, meine geliebte Kampftsche birgt nicht soviele Gefahren. Gegen Sicherheitsnadeln hat bisher noch keiner was gesagt und da ich, sie vertraute auf mein Wort, keine Videokamera dabei hatte, ist alles in Ordnung. Das zeigt doch stark die japanische Art und Weise miteinander umzugehen. "Du sagst das? Okay, dann ist es so." Es ist zwar Trinkverbot (kein Essensverbot?), aber wenn die Flasche in der Tache bleibt geht das schon. Gut, Säure hätte ich also schhmuggeln können.
Weiter zum Körperabtasten. Im Gegensatz zu den Herren am Copenhagener Flughafen haben die hier wohl mit reiner Willenskraft abgetastet. Schnappmesser und am Gürtel befestigte Bomben wären auch drin.
Aber wer würde das schon machen? Der Kaiser hat NULL politische Funktion. Würde man ihn allerdings umbringen, und das auch noch öffentlich, ich könnte mir vorstellend dass der Staat komplett im Chaos ausbricht.


Aber das ist ja nicht meine Absicht. Weiterhin folgen wir den Absperrungen und dürfen auch endlich das geheiligte Gebiet des Kaiserpalastes, also eher seiner Auffahrt, betreten. Brav folgen wir dem Strom und versammeln uns auf dem großen Platz vor dem Balkon, von dem der Kaiser sprechen wird.
Er erscheint immer am 2. Februar fünfmal. Dafür das wir uns das vierte Mal herausgepickt haben, sind noch verdammt viele Japaner da.
Wir stehenda, wedeln probeweise mit den Flaggen. Stören uns an den megagroßen Amerikanern vor uns, die sind bestimmt 2,10m groß gewesen. Lächeln dem putzigen Mädchen neben uns zu und dann....
...dann kam er. Seine Heiligkeit in Person mit seiner Familie. Ein Flaggenmeer erhob sich, Gegröhle und Schreie ertönten. Sogar "Banzai!"-Rufe waren zu hören. Und er hat uns gewunken, wohoooooo. Das geht einem irgendwie nahe, ich war versucht auch "Banzai!" zu rufen, aber aus Pietätgründen hab ich mir das mal verkniffen.
Und dann sprach er zu uns. Seine Stimme ist höher als erwartet, man erwartet irgendwie mehr Kraft und Macht, aber egal, ich habe ihn komplett verstanden. "Liebe für jeden und die Welt, Friede und Glück im Neuen Jahr!" Das ist meine kurze Zusammenfassung. Die Rede hat auch nur drei Minuten oder so gedauert.
Und dann erhob sich das Flaggenmeer wieder. Er winkte uns zum Abschied und verschwand wieder.

Da hab ich sie komplett erlebt, die kaiserliche Familie. Super!
Zurück haben wir uns mit dem Strom der Tausenden von Japanern bewegt und uns auch Richtung Bahn bewegt. Tabea und Mutti sind noch zum Meiji-Schrein, während Yo, Katja und ich in Ikebukuro was Essbares gesucht haben.
Da heißt es, dass Toko zu Neujahr der ruhigste Ort überhaupt sein soll, weil alle zu ihrer Familie aufs Land fahren, aber am 2ten ist es gerammelt voll, weil die großen Läden Neujahrangebote haben und die Leute wie blöde shoppen gehen. Normalität ist wieder da^^

Donnerstag, 25. Februar 2010

Kaiser der Kirschblüten

Heute war wieder ein wunderschöner Tag. Die Sonne schien und es war sogar fast zu warm für den Pullover. Gut, dass "Böse" habe ich schon erzählt, jetzt geht es mit den Interessanten Dingen los: Heute ging es zum Kaiserpalast und Yasukunischrein. Alle die jetzt auf Pokémon gehofft haben, muss ich erstmal enttäuschen, die kommen ein ander Mal. Der Kaiserpalast war natürlich nicht zugänglich für uns, aber man konnte von dem Burggraben aus sehen wie er an einem Berghang liegt. Schon schick. Leider haben wir den Kaiser nicht gesehen, aber er wohnt dort auch nicht ständig und hat auch hoffentlich Besseres zu tun, als sich Touristen zu zeigen. Weil es an sich nicht spannendes zu knipsen gab, haben wir lustige Bilder von uns gemacht. Wir sind eindeutig der Meinung, sollten sie neue Power Ranger scouten, dann bekommen wir die Rollen^^ Man merkt, dass Juliane bei uns ist.

Weiter geht die Tour durch den kaiserlichen Garten. Der ist öffentlich und kostenlos zugänglich. Leider ist noch Frühling und wenig Grün vorhanden, aber es ist schon zu sehen, wie er im Somer aussieht. Gleich zu Anfang gab es eine Ausstellung von Staatsgeschenken, die Japan mal bekommen hat. Sa sind tolle Sachen bei gewesen, Kristallvasen aus Schweden, Schatullen aus Kenia etc. Von Deutschland gab es ein grottenhässliches Bild. Es sieht aus wie ein Linolschnitt den man in der vierten Klasse macht, nur mit roter Tusche. Hässlich. So macht sich Deutschland nicht gerade beliebt. Im Garten ist der Rasen lustigerweise überall verbrannt oder sie haben einen genmanipulierten Rasen, der beige aussieht, man weiß es nicht genau. Unser Theorie: der Rasen ist nicht grün, damit man sich beim Hinsetzen keine Grasflecken holt. Logisch, oder?

Das Beste ist: Wir haben doch noch einen Kirschbaum in Blüte gesehen. Er blühte noch nicht ganz, ABER wir haben Fotos die rosarot und blumig sind. Perfekt mit blauen Hintergrund. Shinobu war schon ganz gelangweilt, weil wir solange fotografiert haben.

Mittagspause: Diesmal gab es für mich Rndfelisch und Curry auf Reis. Ich wollte eigentlich nicht unbedingt Fleisch in Japan essen, weil das übelst fettig ist, aber diese Rindfleischstreifen waren sehr lecker. Und das Curry sowieso. Danach gab es noch ein Eis aus dem Conbini. Es war wie unser Sandwicheis in einer Waffel, aber die Waffel ging ganz herum, sodass man nicht kleckern kann und keine gefrorenen Finger bekommt. Ab zum Yasukuni-Schrein. Ich bin der Meinung ich habe ihn schon irgendwo mal erwähnt...Egal, der Yasukuni-Schrein kann einmal im Jahr vom Premierminister besucht werden. Wenn er besucht wird, dann gibt es jedesmal großes politisches Trara darum, weil im Yasukuni-Schrein alle Kriegsgefallenen verehrt werden, also auch die Kriegsverbrechen. Ich in der Meinung die Orthodoxen sind gegen den Besuch, auf alle Fälle China und Korea. Wir haben auch am Schrein gebetet. Sind wir jetzt Kriegsverbrechersymphatisanten? Interessant an diesem Schrein ist, dass das Haupt-tori (Tor) nicht aus Holz ist, sondern aus Stahl. Es ist auch besonders riesig. Wieder eine Thorie von uns: Es steht für den Stahl im Krieg. Wer weiß?

Danach sind wir in den nahegelegenen Park gegangen, vorbei an dem Budôkan, einem der größten Konzerthallen in Tokyo. Lustigerweise hat mein Vater einen Tag vor meinen Flug mir eine Live-CD vorgespielt, die im Budôkan aufgenommen worden ist. Die Halle wurde damals für die olympischen Spiele gebaut. Im Park haben wir uns in die Sonne gesetzt und uns unterhalten. Unter anderem über die Studiengebühren. Die Keio-Uni verlangt pro Semester (Festhalten!) 15.000 Euro. Sie soll die größte private Uni in Japan sein, deswegen auch so teuer. Aber wie die meisten hoffentlich wissen, haben Besucher von angesehenen Universitäten nahezu 100%ige Chancen auf dem Arbeitsmarkt, weil große Firmen an der Uni sich die Studenten rekrutieren. Shinobu hat nicht schlecht gestaunt, als wir von unseren 65€ Studiengebühren erzählt haben. Aber ganz ehrlich: Nicht das Halle schlecht ist, aber veglichen mit dem was wir dort in Japan an der Uni schon gesehen haben, haben die ein wesentlich besseres Lernangebot. Da hoffe ich doch stark, dass ich irgendwie mal an die Keio, oder meinetwegen irgendeine andere japanische Uni komme^^. Shinobu musste uns um 15 Uhr verlassen und wir sind am Shibuya-Bahnhof zur Hachikô-Statue gegangen. Hachikô ist in Japan und zum Teil auch in Deutschland, ein berühmter Hund. Es soll eine wahre Begebenheit sein, dass Hachikô eine sehr enge Beziehung zu seinem Herrchen hatte, dass er ihn jeden Tag vom Bahnhof angeholt hat. Eines Tages ist das Herrchen aber gestorben und der Hund ist trotzdem täglich zum Bahnhof gegangen. Solange bis er getorben ist. Weil die Menschen den Hund so sehr mochten, haben sie ihm zu Ehre dann die Statue aufgestellt. Wie schon erwähnt, wurde der Film gerade erst von Amerika verfilmt. Und nebenbei, die überall bekannte Kreuzung aus Japan, die man immer im Fernsehen sieht, oder bei Fast and Furious-Tokyo Drift, die scheint direkt in Shibuya zu sein. Es sind aber auch echt Massen, die da umherwandern.
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Juliane wollte noch ein wenig durch Shibuya nach Harakuju wandern, aber ich habe dann gemerkt, dass ich langsam Probleme bekomme und bin dann ab Harajuku alleine nach Hause. Es wunderte mich schon stark, das sich eineinhalb Wochen mit ein und denselben Menschen ausgehalten habe ohne aggressiv zu werden. Jetzt ist der Punkt erreicht gewesen, wo ich lieber weggegangen bin, anstatt pissig zu werden. Ich kriege mich noch ein und ich denke die anderen werden früher oder später auch diese Probleme haben, dass sie keinen Bock auf den Rest haben. Zum Abschluss noch eine weitere Theorie: In Hiyoshi gibt es auf der Straße, bei Kreuzungen, kleine rot blinkende Einlassungen in der Straße. Wir nennen sie liebevoll "Tore zur Hölle". Wir wissen aber nicht genau warum es sie gibt. Theorie 1: Sie kennzeichen im Dunkeln Kreuzungen. Abgelehnt, weil wir in derselben Straße auch Kreuzungen ohne Höllentore haben. Theorie 2: Sie sind nur an Kreuzungen an denen es besonders gefährlich ist. Noch nicht bestätigt, wäre aber bedenklich, weil wir genau vor dem Wohnheim eine Hölle haben. Schönes Schlusswort ^^