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Sonntag, 6. April 2025

Hoch zu Ross, äh Fuß

Das Wetter war heute ein wenig ungnädig, aber man kann ja nicht drei Wochen lang Glück haben. Als wir bei unserem heutigen Tagesziel Kamakura angekommen sind, hat es geregnet. Wir haben uns davon natürlich nicht abhalten lassen die Gegend zu erkunden. Ich war schon zweimal in Kamakura und habe die Hauptziele erstmal ignoriert. Naja, gut, wir sind durch die Haupteinkaufsstraße voller omiyage und Essen durch gehuscht, haben uns dann aber durch nette Wohngegenden geschlagen. Da stehen so einige hübsche Häuschen und dicken Autos und die Straßen sind so eng, dass es keinen Bürgersteig gibt und theoretisch Einbahnstraßensystem bestehen müsste. Tut es aber nicht. 

Nach einigen feuchten Wanderminuten stehen wir vor dem Sasuke Inari Schrein. Der scheint weniger bekannt zu sein, ist aber niedlich. Zu Marcels Leid waren dort sehr viele Stufen die mit roten Torii geschmückt waren. Fast so wie der große Fushimi Inari Schrein in Kyoto. Wir sind natürlich hoch und haben all die kleinen Keramikfüchse bewundert. Wie beim Daruma-Schrein bei Osaka stehen hier überall kleine Keramikfiguren herum. Sie stammen von Gästen die sie gekauft haben und dort postiert haben. Kamakura liegt zwar relativ nah am Wasser, ist aber auch halb im Gebirge drin, daher sind einige Teile des Schreins höher gelegen und mit mehr Stufen erreichbar gewesen. 

Auf dem Weg zurück sind wie zu dem nächsten Schrein abgebogen. Kamakura ist eine sehr alte Stadt und diente vor Jahrhunderten als Regierungssitz der daimyos, Fürsten. Daher findet man hier sehr viele alte und kleine heilige Stätten. Zu manchen muss man jedoch ein wenig mehr Kraft aufbringen um dorthin zu gelangen. Der Berg war ziemlich steil und der Regen hat den Aufstieg nicht angenehmer gemacht. Aber dann standen wir vor einem in den Berg geschlagenen Tunnel. Keine halben Sachen, also sind wir in den kleinen Tunnel um kommen bei dem Zeniarai Benzaiten Ugafuku Schrein. Bei diesem unaussprechlichen Tempel ist die Besonderheit, dass hier das Wasser aus fünf Quellen zusammenläuft und wenn man dort sein Geld wäscht, dann vermehrt es sich. Ich habe hier vor 14 Jahren schon mal Geld gewaschen und danach tatsächlich eine unerwartete Summe erhalten. Daher sollte jeder hier mal vorbei kommen und das Portemonnaie säubern, auch wenn der Aufstieg ein wenig beschwerlich ist. 


Für uns ging es erstmal zurück Richtung Bahnhof um etwas Essbares zu finden. Also das Finden ist in der Regel nicht das Problem, sondern das darauf einigen. Es ist sehr auffällig, dass es in Kamakura sehr viele kleine süße Cafes und Ateliers gibt. Nach einem Zwischenstopp beim Chinesen - es schmeckt hier gaaaanz anders als in Deutschland - sind wir den Kirschblütenweg zum Tsurugaoka Hachimangu Schrein gegangen. DAs dürfte neben dem Riesen-Buddha die bekannteste Attraktion in Kamakura sein. Gerade jetzt im Frühling ist die Allee vor dem Schreingelände unglaublich schön. Aber auch in den Gärten dort gibt es viele Kirschbäume. Und wieder viele Treppen bis zum Hauptschrein hinauf. Aber frisch gestärkt macht uns das nichts. Der Regen hat mittlerweile auch aufgehört, also konnten wir mit Genuss die Gärten und Teiche ansehen bis wir wieder den Kirschblütenweg zurückgegangen sind. Aber bis zur Hälfte. Zum einen haben uns die Leute genervt die jede Minute stehen geblieben sind um Fotos zu schießen, zum anderen haben wir einen Sherlock Holmes Laden entdeckt. Das fanden wir so merkwürdig, dass wir uns das ansehen mussten. Es handelte sich tatsächlich sogar um ein Sherlock Holmes Museum. Wir sind aber nicht reingegangen. Tatsächlich fiel Marcel ein Rikscha-Läufer ins Auge und er wollte sowieso schon die ganze Zeit Rikscha fahren, also haben wir die Chance gleich genutzt.

Leo, der arme kleine Junge, durfte und zwei Mopskinder 45 Minuten lang durch Kamakura ziehen. Nun gut, Leo ist 19 Jahre alt, steht voll in der Blüte und trainiert Kickboxen, das Beintraining tut ihm gut. Wir haben uns für eine Kirschblüten/Naturroute im Osten entschieden und nachdem unsere beiden dicken Hintern in der Rikscha platziert wurden ging es auch los. Innerlich haben wir mitgeholfen zu ziehen. Er tat uns schon ein bisschen leid, aber er konnte parallel erzählen. Größtenteils auf Englisch, aber manchmal sind wir ins Japanische übergegangen. Es ging wieder durch enge Straßen an den schicken Wohnhäusern vorbei und direkt zum Honkakuji Ebisudo. Der Tempel ist dem Gott Ebisu gewidmet und steht an einer Ecke, die häufig von Unglücken heimgesucht wurde. Ebisu ist ein starker, muskulöser Gott und beschützt somit die Stadt. Weiter geht es zum Myohonji Tor. Da steht ohne Türen und ohne Mauer in einem Wohngebiet. Es bedeutet, dass jeder willkommen ist und jeder hier seine Heimat haben kann. Daran vorbei sind wir dann zum Chikozan Myohon Tempel. Hier sind wir abgestiegen weil es wirklich sehr steil war. Aber Leo hat uns den Tempel und die Gebräuche gezeigt. Er hat gesagt, dass es dieses Jahr ungewöhnlich ist, dass die Kirschblüte parallel zu einer anderen Blume blüht, was diesen Tempel jetzt besonders macht. An all diesen Spots sind keine ausländischen Touristen zu sehen. Es sind nicht übermäßig viele in Kamakura, aber hier waren gar keine. Zum Service gehört, dass auch Fotos gemacht werden und unser Leo hat da echt ein Händchen für. Die 45 Minuten sind schon um, also zurück zum Treffpunkt. Das hat sich gelohnt, unser Rikscha-Mann war echt super, hat unseren Humor verstanden und wir haben schöne Ecken gesehen, die wir garantiert nie nicht gesehen hätten. 

Trotz des Regens am Vormittag war es ein schöner Tag in einer süßen alten Stadt.

Donnerstag, 3. April 2025

Heilige Rehe

 Nach dem Tag voller Lärm und Action wollten wir es mal wieder ruhiger angehen lassen. Ursprünglich hatten wir geplant nach Kyoto zu fahren, aber wir bekommen von so vielen Seiten die Info, dass es da total überlaufen ist, sodass wir spontan umdisponiert haben. Nara ist in der Nähe und wurde uns schon mehrmals empfohlen. Wer sich in Japan weniger gut auskennt: Nara ist ca 1,5 Stunden Bahnfahrt östlich von Osaka. Und es ist berühmt für seine Rehe. In Nara werden Rehe als göttliche Tiere verehrt. Daher gibt es hier sehr viele und sie sind extrem an Menschen gewöhnt. So ein Streichelzoo in Deutschland ist fast nichts dagegen so zutraulich sind sie. 

Wir sind nach dem Ausschlafen bequem nach Nara gefahren und haben uns zu Fuß vom Bahnhof aus zum Park gemacht. Außer den Rehen hatten wir keinen großen Plan und sind mal wieder nur der Nase gefolgt. Die hat uns an zahlreichen Mitbringselläden vorbei in den Park geführt. Dort haben wir die ersten paar Rehe gesehen. Die kamen auf einen zu, bzw. standen oder lagen einfach so rum und haben sich überhaupt nicht stören lassen. Wir haben auch einen Stand gefunden, wo wir Reh-Cracker kaufen konnten um damit die Rehe zu füttern. Man merkt eindeutig, dass sie Menschen gewöhnt sind, weil wenn sie die Cracker riechen, kennen sie keine Zurückhaltung. Mich haben sie in die Hosentaschen gebissen und Marcel am Shirt gezogen. Später haben sie auch in die Hose gebissen und einer Russin haben sie die Starbuckstüte geklaut und zerfetzt. Es wurde auch vor den männlichen Rehen gewarnt, die sind aggressiver. Ich würde sie eher als aufdringlicher beschreiben. Es kann aber kaum was passieren, da die Geweihe entfernt wurden. Bei den Tausenden von Tieren ist das auch für die Tiere besser. Zum Füttern gibt es aber noch Regeln: man verbeugt sich vor dem heiligen Tier, bevor man Futter anbietet. Mit einer Verbeugung nimmt das Reh das dann an. Ich würde sagen, dass der Pawlowsche Effekt hier mehr wirkt als die Göttlichkeit. Die Rehe haben durch Verbeugen angezeigt, dass sie Essen wollen bevor man überhaupt wahrgenommen hat, dass sie vor einem stehen. 

Wir sind den Hauptweg durch den Park immer weiter gefolgt und sind dabei auf dem Weg zum Weltkulturerbe Kasuga Taisha gewandelt ohne es zu wissen. Links und rechts war alles von alten Lampen gesäumt und dazwischen all die Rehe. Wir haben uns wegen der ganzen Touristengruppen den Haupttempel nicht angesehen, aber es lag sehr idyllisch im Wald. Wir haben den Wanderweg noch ein wenig verfolgt um die 15 Nebenschreine zu sehen und die Stille genossen. Da das Wetter aber heute ein wenig unentschlossen war und einen Regenschauer schickte, sind wir um gekehrt zu den Rehen. 

Dabei sind wir den Weg zu dem anderen großen Tempel in Nara eingeschlagen. Dieser buddhistischer Tempel steht seit rund 1500 Jahren und sieht auch sehr robust für sein Alter aus. Gerade das Tor das Zugang zu dem heiligen Ort gibt ist riesig. Und überall die Rehe zwischen den zahlreichen Touristen. 

Was sich so schnell liest war in Wirklichkeit ein Spaziergang von fünf Stunden. Wir haben die Zeit nicht bemerkt und wir haben nur gemerkt, dass die Beine von gestern noch sehr müde sind. Daher haben wir uns langsam gen Bahnhof gemacht und versucht was zu Essen zu finden. Aber wir konnten uns nicht einigen. Das lag aber eher an der Erschöpfung. Also ab nach Hause ins Hotel, das Essen haben wir hier im Bahnhof dann zu uns genommen. Da wussten wir, was wir haben. Wir sind uns auf jeden Fall einig, dass Nara ein Highlight der Reise war. 

Dienstag, 1. April 2025

Daruma, Daruma und Daruma

 Nach dem übermäßigem Touriplan gestern haben wir beschlossen heute ein wenig außerhalb von Osaka was zu unternehmen. Wir wollen zum Kazuo-ji fahren. Das ist eine Tempelanlage die dem Daruma gewidmet wurde. Ein Daruma ist eine kleine (manchmal auch große) rote Figur die ein Gesicht darstellt. Es hat am Anfang keine Augen. Man wünscht sich etwas und malt ein Auge aus. Wenn der Wunsch in Erfüllung gegangen ist, dann wird das zweite Auge ausgemalt. Kauft man sich den Daruma im Tempel so soll er dann am besten auch wieder zurückgebracht werden um Respekt zu zahlen und den Göttern Bericht zu erstatten.

Für alle Stempelfanatiker wie mich gibt es dort im Tempel eine Stempelrallye für ein mehrfarbiges Stempelbild. Der Gedanke war aber, dass wir dort etwas sehen, was nicht jeder sieht und wir vom Gewühle weg kommen. Nun ja, dieser Gedanke verflog, als wir merkten, dass bereits am Busbahnhof extra der Tempel für Touristen gekennzeichnet wurde und auch Mitarbeiter die ganzen Ausländer auf


den Bus hinwiesen. Der Bus war so gerammelt voll, dass auch einige den nächsten nehmen mussten. Die Fahrt selbst ging 20 Minuten in die Berge. Der Bus fuhr in sehr engen Serpentinen an ziemlich tiefen Schluchten entlang. Wer den Linksverkehr nicht gewohnt ist, kann sich da ordentlich Sorgen machen. Angekommen sehen wir auch, dass der Temple sich komplett auf den Touristenstrom angepasst hat. Es gibt sehr moderne Kassensysteme für den Eintritt und eine ordentliche Merchandisesammlung war zu finden. Die Anlage selber war aber recht ursprünglich gehalten. Man sieht nur an den sehr neuen Farben, dass die Anlage sehr gepflegt wird. 

Das Schlangestehen wird auch zu unserem Hobby, denn an jedem der sechs Stempelorte warten schon einige Leute um ihren Druck zu machen. Auf dem freien Gelände verläuft es sich aber schnell. Die Anlage ist sehr groß und dadurch das es im Gebirge liegt auch auf unterschiedlichen Höhen aufgeteilt. Wohin man sieht, sieht man kleine Darumas stehen. An der Mauer, in den Zäunen, im Baum, am Wasser, einfach überall. Wir dachten, dass es von den Mönchen und Angestellten postiert wurde, aber am Haupttempel stellt sich heraus, dann man Darumamikuji kaufen kann. Das sind diese kleinen Püppchen und wenn man sie kauft denkt man bei der Auswahl der Puppe an eine Frage. Im Boden der Puppe steckt dann das omikuji Zettel mit dem Horoskop. Die Puppe kann man dann irgendwo hinstellen oder mit nach Hause nehmen. Hier sind die Augen allerdings schon ausgemalt, es geht ja um das Horoskop. Spoileralarm: wir haben uns jeder einen richtigen Daruman und jeder ein Darumamikuji gekauft. Unsere Püppchen treten die Reise nach Deutschland an.

Wir haben einige Stunden auf der Anlage verbracht bevor wir dann wieder zurück gefahren sind. Wir wollten noch ein bisschen den Amazing Osaka Pass nutzen und vom Umeda Sky Buidling schauen. Leider haben wir übersehen, dass das nur bis 15 Uhr kostenlos ist. Aber die Kasse ist eine Etage unter dem Aussichtspunkt, daher haben wir nicht viel verloren. Danach sind wir eher ziellos durch den Stadtteil Umeda gesteuert. Vom Amazing Pass hatte uns nichts mehr angesprochen und das einzige Große was wir eventuell planen macht erst um 19 Uhr auf. Da wir aber morgen ins Universal Studio fahren stehen wir seeeehr früh auf und deshalb lassen wir den Plan auch fallen. Aber wir wissen ja, dass das ziellose Herumsteuern zu netten Sachen führen kann. Wir sind durch schöne und mit Kunst versehen Gartenanlagen gelaufen und haben vor dem Osaka Bahnhof eine Ausstellung großer Gundam Figuren gefunden. Gundam ist das japanische Transformer und sehr beliebt. Sieht sind vielleicht 2 Meter hoch gewesen diese Figuren, aber der "lebensgroße" Gundam mit 18 Meter steht noch auf unserer To-Do Liste in Tokyo.


Der heutige Tag hört sich sehr erlebnisarm an, aber eigentlich wollten wir da auch mit dem Tempelbesuch erreichen. Morgen wird es mit den Achterbahnen, Nintendoland und der Wizarding World aufregend genug.

Montag, 31. März 2025

One day in Osaka

 Der Touristentrip geht wieder voll weiter. Nachdem wir uns über das Wochenende mit wenigen Schritten und sehr bedächtigen aber historisch schweren Sehenswürdigkeiten beschäftigt haben, sind wir wieder in einer Großstadt voller verrückter Dinge.


Wir haben uns entschieden für zwei Tage den Amazing Osaka Pass zu kaufen. Der beinhaltet 40 Sehenswürdigkeiten die kostenlos sind, sämtliche Busse und Bahnen und ein paar Vergünstigungen. Als ich damals einen Tag hier war, hatte ich den auch. Lohnt sich komplett. Und weil man vieles umsonst nutzen kann, will man auch mehr sehen. Wir haben uns gedacht, dass wir klassisch mit der Burg von Osaka starten. Das dachten sich allerdings auch sehr viele andere Personen. Der Spaziergang durch den Burggarten war sehr schön und ruhig. Die Kirschblüte ist in Osaka noch nicht ganz da, aber fast. Aber kaum kommt man in den näheren Burgbereich, sind da unglaublich viele Menschen. Mit dem Amazing Pass hat man aber die Chance schneller rein zu kommen, weil man den Kaufprozess überspringt. Also sind wir fix rein, konnten aber den Menschen natürlich nicht entfliehen. So schön die Burg von außen ist, so langweilig ist sie von innen. Innen drinnen ist es ein Museum. Es werden allerdings größtenteils Schriftstücke ausgehängt und. Uns hätte es viel mehr interessiert, wie die Burg damals von innen aussah. Wenn man kein Japanisch kann, ist es ziemlich monoton sich alles anzuschauen. Trotzdem war der Blick von oben sehr schön.

Spot 1 war abgearbeitet. Weiter sollte es zum Tsutenkaku gehen. Einem sehr alten Fernsehturm der zur Sehenswürdigkeit umgearbeitet wurde. Er ist alt, aber passt in die Gegend Shinsekai. Mittlerweile haben sie auch noch eine Riesenrutsche und "Dive&Walk" hinzugefügt. Dazu später. Auf dem Weg dorthin sind wir erstmal fast in zwei Deutsche gerannt, die neben uns im Flugzeug saßen. Wir hatten sie auch schon auf dem SkyTree getroffen. Japan ist wirklich klein. Auf dem Rückflug werden wir sie allerdings nicht sehen, da sie Mitte der Woche zurückfliegen.

Auf dem Weg zum Tsutenkaku wollten wir den Touristenströmen noch entfliehen und sind am Shitenno-ji gelandet. Das ist ein buddhistischer Tempel mit einem großen Friedhof. Neben einer Pagode hat es noch zwei Schildkrötenteiche und weitere zahlreiche Bethäuser wo Trauernde für ihre Verstorben beten können. Leider war der Haupttempel in Restauration. Generell kann man sagen, das die shintoistischen Schreine für die Lebenden sind und die buddhistischen Tempel für die Toten. So auch der nächste Schrein, der uns auf dem Weg durch seine sehr moderne und beeindruckenden Oni am Eingangstor aufgefallen ist. Dieser Isshin-ji hat eine Buddha-Statue der zu den Knochenbuddhas gehört. Wikipedia erklärt, dass damals Ton und Knochen von Verstorbenen vermischt wurden und daraus die Statuen gefertigt wurden. Nun gut, dass hab ich jetzt erst bei der Recherche zu dem Tempel erfahren. 


Am Ende führte es zum Tsutenkaku. Wir haben erstmal wieder die Aussichtsplattform genossen. Allerdings hat es uns nach all den bisherigen Türmen nicht geflasht. Mich hat nur Chance der zahlreichen Stempel erfreut. Heute war generell ein hervorragender Stempeltag. Ich habe 12 sammeln können. Mit Glück waren es sonst vielleicht vier am Tag (das Tolle daran versteht man wahrscheinlich erst, wenn man in Japan ist). Mit dem Pass wollten wir aber noch die neuen Features am Turm ausprobieren. Die Powerslide ist eine Riesenrutsche. Allerdings war die Warteschlange da schon bei 50 Minuten und die Rutschpartie hat rund 10 Sekunden gedauert. Das haben wir lieber gelassen. Dafür haben wir "Dive&Walk" gemacht. Dazu bekommen man einen Kletteranzug und Helm, wird an ein Seil gehängt und dann darf man auf der unteren Plattform oben auf dem Dach einmal herum laufen. An drei Stellen gibt es kleine Hindernisse über die man klettern kann und Fotos von sich schießt, aber nichts Anstrengendes. Es geht eher um den Nervenkitzel, weil es nebenan rund 26m tief runter geht. Ganz ehrlich, hat uns nicht so gefetzt. 


Der nächste Teil jedoch war schon ne Herausforderung. Aus einer Höhe von 40 Meter springt man auf die 26 Meter runter. Natürlich hängt man an dem Seil, aber ein Großteil ist freier Fall, bis man vom Seil aufgefangen wird. Marcel hatte dazu zu großen Respekt. Ich habe mich getraut. Und zum Glück ist der Anweiser recht rigoros gewesen. Denn auf einer winzigen Metallbrücke durch die man durchschauen kann zu stehen ist ziemlich unangenehm. Wenn man dann noch nachdenkt, dann ist es vorbei. Also bis zum Rand laufen, auf den angezählten Countdown hören und einen Schritt nach vorne machen.... Oh man, das hat ordentlich Puls gegeben. Danach war es sehr schwer die Treppen hinunter zu steigen, weil die Knie so weich waren.

Um dem Touristentag ein würdiges Ende zu geben, sind wir nach Dotonbori. Das Highlight dort ist die belebte Stadt um den Fluss herum und der Glico-Mann ist so ziemlich das Wahrzeichen von Osaka. Glico ist eine der ältesten Schokoladenfirmen hier und der Glico-Mann ist wie der Tsutenkaku aus einer anderen alten Zeit und hat mit einigen Modernisierungen überlebt. Unser Plan war mit dem Amazing Pass eine Bootstour zu machen und die Lichter der Läden zu betrachten. Aber es hat uns dort eigentlich nicht gefallen. Natürlich viele Touristen, aber es war auch relativ ranzig da und tatsächlich gab es dort einige Jugendgruppen die uns stark an Halle Neustadt oder Silberhöhe erinnert haben, nur japanisch. Daher haben wir uns spontan entschieden das Ebisu Turm Riesenrad von Don Quijote zu nutzen. Das ist besonders, weil man gefühlt in so einer Hamsterkugel sitzt und sich seitlich außen am Rad bewegt. Es ist wirklich ein komisches Gefühl, da vor einem nur eine abgerundete Glasscheibe ist und man nach vorne weg schauen kann, nicht wie im normalen Riesenrad über die Band seitlich hinweg. Dummerweise fällt einem auf dem Weg nach oben immer ein, dass man Riesenräder doch eigentlich nicht mag. Tja, wieder ein bisschen den Puls gefordert. Aber natürlich haben wir die Umrundung ohne Probleme geschafft, sodass wir dann den heutigen Touristentrip beenden konnten.


Nach Tokyo, Yokohama und Shizuoka sind wir bisher nicht übermäßig von Osaka begeistert. Ich habe eine ganz andere Erinnerung daran. Es ist hier vergleichsweise schmutzig und es wirkt alles irgendwie alt und heruntergekommen. Die Menschen sind hier auch ganz anders drauf. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass wir erst von unserer liebevollen japanischen Familie gekommen sind.

Donnerstag, 27. März 2025

Butter bei die Fische

Mittwoch ist bisher mit 25 Grad der wärmste Tag. Und wie man es aus Japan kennt, ist die Luftfeuchtigkeit nicht gerade die angenehmste, aber noch auszuhalten. Wir haben um 11 Uhr eine Tour über den Tsukijimarkt gebucht. Tsukiji ist der größte Fischmarkt der Welt. Hier werden die großen Thunfischauktionen durchgeführt. Nun ja, korrekterweise war es Tsukiji, der Fischmarkt wurde nach Toyosu umgesiedelt, aber der sogenannte "Outer Market", also da wo gekocht und offiziell verkauft wurde, blieb noch an alter Stelle.


Ich hatte eine nette kleine Tour über den Markt mit Verkostung gefunden die wir mitmachen wollten. Dazu sind wir überpünktlichen Deutschen schon frühzeitig aufgebrochen. Da der Treffpunkt relativ nah bei uns war, sind wir gemütlich hin spaziert. Und man merkt, dass der Frühling da ist. Auf den Straßen blühen einige Bäume, die Kirschblüte aber noch nicht ganz, und die Sonne britzelt auf uns nieder. Der Treffpunkt war einfach zu finden, da es der Haupteingang zum Tempel Tsukuji Hangwanji ist. Obwohl wir sehr zeitig da waren, standen schon einige Touristenführer herum und warteten auf uns. Keiko-san war unsere Tourguide. Sie ist eine ältere Dame und hatte einige Jahre in Amerika gelebt. Mit uns startet ein amerikanisches älteres Pärchen aus Atlanta und später stößt noch ein Paar dazu, aber die haben sich nicht richtig vorgestellt und haben die ganze Zeit auch komische Sonderbefinden gehabt. Ich nehmen von Dialekt Franzosen oder Russen an. 

Zuerst stellte Keiko-san uns den Tempel Tsukiji Hingwanji vor. Er ist von seiner Architektur äußerst ungewöhnlich. Ursprünglich stand er in dem Bereich Asakusa, aber nach einem großen Feuer wurde er dann am Tsukiji neu erbaut. In Japan ist Neuerbauen nicht zwingend damit verbunden das es 1:1 identisch ist. Hier geht es um die verehrte Personen oder Götter.  Da es hier um einen buddhistischen Tempel handelt hat sich der Architekt von indischen Bauten inspirieren lassen. 

Und dann ging es direkt nach nebenan auf den Fischmarkt. Rückblickend ist der Bereich wesentlich kleiner als erwartet, aber mittwochs hatten viele Läden zu. Leider auch die alten Auktionshallen. Nichtsdestotrotz hat Keiko-san ihr Bestes getan um das zu kompensieren. Zuerst gab es eine Leckerei aus Fischkuchen. Das war ein Spieß mit drei verschiedenen Variationen: Mais, Tintenfisch und Nori (Seetang). Fischkuchen ist eine recht feste, gummiartige, aber nicht zähe weiße Masse die dann in den Variationen gewälzt wurde. Sehr lecker! Wer Ramen isst: dass ist das weiß-rosa gekringelte Zeug. In einer weiteren Station gab es einen Spieß mit Level 4 Wagyu. Wagyu bedeutet lediglich japanisches Rindfleisch. Kobe-Beef ist auch Wagyu, aber nicht jedes Wagyu ist aus Kobe. Das Level ist dennoch sehr hoch an dem Stand gewesen und das Fleisch war nur kurz gegrillt. Unglaublich samtig und weich. Es zerfloss regelrecht auf der Zunge. Diese Beschreibung habe ich schon häufiger dafür gehört, aber konnte es nie greifen. Jetzt erst verstehe ich es. Marcel war auch absolut begeistert. Und ihn haben all die Eindrücke der essbaren Dinge abgelenkt. Ganze Krabben, Muscheln, Wagyu, Nori.....  

All die interessanten Infos von Keiko-san weiterzugeben würde den Rahmen hier sprengen. Sie hat uns Pärchen allen eine Tüte mit Konbini-Produkten zusammengestellt. Als Entschuldigung, dass viele Läden geschlossen haben und Dinge reingepackt die sie selber sehr gerne mag. Einige Produkte bestehen seit ihrer Kindheit und sie ist definitiv eine Rentnerin. Nach einem kurzen Schreinbesuch wo sie uns noch erklärte wie man betet und omikuji zieht -die Amerikaner waren unglaublich wissbegierig was tägliche Rituale und Manieren angeht- sind wir dann zum Schlusspunkt gegangen: ein kleines Sushi-Menü. Deutsches Sushi ist kein Vergleich zu der Fische und der Beschaffenheit des japanischen Originals. Und schon war die Tour rum. 

Marcel war angefüttert, also mussten wir noch mal zu zweit durch die Reihen stöbern. Und nach einem gegrillten Tintenfisch (Ika) haben wir uns an der Bahnstation noch ein traditionelles Taiyaki gegönnt um uns dann zum Tokyo Tower zu machen. Zwar hat der SkyTree mittlerweile den höchsten Aussichtspunkt, aber dennoch ist der Tokyo Tower eines der Wahrzeichen von Tokyo. Und er hat sich gemacht. Er war damals schon ein wenig altbacken, aber er ist restauriert und der Besuch des Oberdecks, was tatsächlich teurer ist als beim SkyTree, hat eine wunderschöne Aussicht mit vielen Infos seit Bau des Turmes. Es ist alles aufpoliert und dem neuen Influencergeschmack angepasst worden. Marcel fand es trotzdem nicht so prickelnd. Ich mag jedoch den alten Charme.

Zum Schluss ging es abends dann nochmal nach Shinjuku. Nach dem Minibesuch ein paar Tage vorher um die Lichtshow am Metropolitan Building zu bewundern, sind wir nun ins komplette Gewusel gegangen. Und ich merke wieder: ich hasse Shinjuku. Es ist mir zu groß, laut und viel zu viele Menschen. Die Tatsache, dass diese Trilliarden Menschen in dem größten Bahnhof der Welt sind und dieser durch die Größe auch nicht gerade übersichtlich ist, kann einen nur fertig machen. Aber Instagram hat uns Dinge gezeigt, die Marcel sehen wollte. Zum einen die 3D Katze. Es gibt einen riesigen Werbebildschirm, wo man eine Katze sieht, die dort liegt, spielt, schläft. Die ist viral gegangen. An dem Platz standen auch Tausende Touristen und haben auf das Filmchen gewartet. Aber die Katze ist nur immer kurz in Form von Werbung aufgetaucht. Sehr enttäuschend. Da ist der Hachiko auf dem Bildschirm in Shibuya besser gewesen. Zum anderen: Godzilla. Im tiefsten Gewusel über einem Kino schaut ein Godzilla über das Gebäude. Und nicht dieser Winzdino wie in Ginza, sondern er schaut aus einer Höhe von 60m oder so herab. Das ist schon cool, aber dann ging das Licht des Kinos aus, und Musik wurde eingespielt. Godzillas Augen begannen zu glühen und er "spie" blaues Feuer. Das kam für uns unerwartet und hat Spaß gemacht. 

Dennoch war es komplett überlaufen und voll, also sind wir nach dem langen Tag nach Hause. Wir laufen momentan durchschnittlich 20.000 Schritte durch Tokyo. Zwar tun die Füße mittlerweile nicht mehr weh, aber man merkt, dass der Körper das auf Dauer nicht gewohnt ist und abends den Tribut fordert. Also sind wir ins Bett und statt den pünktlichen Blogeintrag zu schreiben, haben wir einfach nur Netflix geschaut.

Freitag, 21. März 2025

Alte Freunde und neue Wahrzeichen

 Der Touristentrip geht weiter.

Als absoluten Klassiker muss man neben dem berühmten Meiji Schrein auch den Senso-ji sehen. Vielmehr ist allerdings das Kaminari-mon, das Donnertor, davor bekannt. Bei der Planung für den Urlaub habe ich natürlich alte Freunde kontaktiert und gefragt, ob wer Zeit und Lust hat sich zu treffen. Und glücklicherweise hat Yoann, mein alter bester Freund aus der Japanzeit, tatsächlich Zeit für uns. Da er in der Nähe von Asakusa wohnt und er frei hat, haben wir uns direkt an dem Touristenspot getroffen.

Nach 14 Jahren sieht er noch immer so aus wie vorher und hat sich auch so nicht wirklich verändert. Selbst der französische Dialekt im Englischen ist unverändert. Naja, unsere Gespräche haben ein bisschen mehr Niveau bekommen, aber wir haben auch in den vier Stunden die letzten 14 Jahre zusammenfassen müssen. Für Marcel war es aufgrund der sprachlichen Barriere eher weniger spannend. 

Zusammen sind wir durch die kleine Verkaufsgasse zum Schrein gewandert. Links und rechts gibt es dort Souvenirs und Leckereien. Mal besserer und mal schlechterer Qualität. Aber auf jeden Fall gab es ein omamori für mich bevor wir zu dritt in ein Café gegangen sind, um den Menschenströmen dort zu entgehen. Yoann hatte da eine schöne Empfehlung mit gutem Kaffee. Und weil er sich auskannte, haben wir auch gleich zu Mittag gegessen. Sehr klassisch Japanisch mit einer Auswahl von Fisch, Hähnchen, eingelegten Gemüse und Misosuppe. 

Damit war der traditionelle Teil des Tages relativ schnell erledigt, obwohl ich ursprünglich dachte, dass wir das länger machen. Dafür sind wir aber zum Skytree gegangen. Das neue Wahrzeichen der Stadt was zu meiner Zeit damals noch im Bau war. Der Aussichtspunkt, bzw. der Turm ist 634m hoch. Die Zahl kann ich mir besonders gut merken, weil das auf Japanisch Mu-Sa-Shi heißt und ich an der Musashi studiert habe. Ich Fuchs, ich. Gemütlich sind wir am Sumidafluss entlanggeschlendert und haben uns erstmal Tickets für den Turm geholt. In unserer Reisevorbereitung haben wir viele Tickets bereits seit Wochen gebucht, aber hier dachte ich, dass wir spontan hingehen, es wird ja was frei sein. Nun ja, war es auch, aber erst in 3 Stunden. 


Wie gut, dass in dem Gebäude am Fuße des Skytree unglaublich viele Shops und Restaurants sind. Nachdem Yoann kurz mit in den Pokemon-Shop gekommen ist, hat er sich dann auch verabschiedet. Wir haben die Zeit dann beim Schaufensterbummeln verbracht. Und man kann sich da drin echt verlaufen oder in der Zeit verlieren oder in Geldnot geraten.

Wer keinen Bock auf Shopping hat, der kann in dem Gebäude auch ins Aquarium gehen. Das haben wir spontan gemacht. Es war auch wieder sehr liebevoll gestaltet und hat eine sehr große Auswahl an Quallen beherbergt. Ich habe mal gehört, dass es sehr schwer ist, Quallen zu züchten, weswegen man sie in Deutschland relativ selten in Aquarien findet. Sie sind auf jeden Fall hypnotisierend. Und es gab spannende Exemplare. Große, winzige, fast durchsichtige, welche die tatsächlich Reverse Jellyfish heißen und so aussehen, als lägen sie auf dem Kopf. Auch bei den Goldfischen gab es einige Arten die dort gezüchtet wurden. Die klassischen goldenen, weiße mit rotem Punkt auf der Stirn, mit Glubschaugen.....Wir haben die Zeit auf jeden Fall gekonnt herum bekommen.


Pünktlich zu unserer Zeit ging es dann auch direkt hoch auf 450m, die Höhe der höheren Aussichtsplattform. Da unser Zeitraum recht spät war, haben wir zwar die Sonne und Sonnenuntergang mit dem Blick auf den Fuji verpasst, aber dafür hatten wir die atemberaubende Nachtaussicht. Ich finde nachts sieht man vielmehr wie die Stadt lebt. Die Straßen sehen dann aus wie Adern und es blitzt und blinkt an vielen Ecken. Natürlich haben wir den "alten" Tokyo Tower von dort oben sehen können.

Aber auch hier an diesem sehr modernen Sightseeing Spot waren Massen an Leuten und das Warten auf den Fahrstuhl oder eine bestimmte Fotostelle oder oder oder ist doch ziemlich nervig. Ich würde es trotzdem jedem empfehlen hierzufahren, aber man muss sich wirklich auf die Warteschlangen einstellen.

Da wir dadurch doch viel Zeit in der Höhe verbracht haben, sind wir bequem zurück zur nächsten Bahnstation gewandert und sind nach Hause gefahren. Hört sich fast langweilig an, nach dem vollgepackten Tag von gestern. Aber dafür hatten wir, bzw. mehr ich, die Freude an einem Wiedersehen nach 14 Jahren.

Emotional dachte ich, dass ich mit dem Besuch in Japan viel glücklicher bin. Ich freue mich hier zu sein, dass will ich nicht bestreiten. Aber es ist ein anderes Glück als ich erwartet habe. Es ist nicht so herzüberwältigend und emotional, sondern eher ein leichtes Gefühl der Vertrautheit. Ich fühle mich hier unglaublich wohl, obwohl mir durchaus viele Probleme in Japan bewusst sind und sehe es tatsächlich ein bisschen wie ein Nachhausekommen an. Ich vermute, dass ich über die Jahre das Land für mich enorm romantisiert habe und deshalb an mich selbst diese Erwartung hatte, emotional auszuflippen (das bin ich bisher nur im Poke-Center). Da ich bisher schon ein paar Mal gefragt wurde, ob ich glücklich bin wieder hier zu sein, wollte ich dieses Gefühl mit euch teilen. Ist ja aber auch erst der zweite ganze Tag hier. 

Samstag, 19. Februar 2011

Kyoto, die Zweite

Der letzte Tag bricht an und wir wollten den Rest (ein Ding der Unmöglichkeit, aber zumindestens den letzten sehenswerten Teil) von Kyoto besuchen.


Nach dem Auschecken ging es zum Kinkaku-ji, dem Goldenen Pavillon. Zwar war es nicht sonnig und ein merkwürdiger ganz leichter Nieselregen fiel, aber man sah es nicht auf den Fotos. Dieser Pavillon ist wirklich aus Gold, das funkelt auch ohne Sonne. Schick, aber komischerweise hat dieses Gebäude, war es bewohnt?, keine Fenster.
Nach einem ausgiebigen omiyage-Kauf (Mitbringsel, hier in Form von Talismanen) wollten wir noch weiter zu dem nächsten Tempel mit Zen-Garten, da wir noch Zeit hatten, bevor wir zum kaiserlichen Palast von Kyoto mussten, da wir uns dort für eine Führung angemeldet haben. Nachdem wir den Schildern gefolgt sind, die unserer Ansicht nach falsche Entfernungen angeben, sind wir auch angekommen, waren aber definitiv nicht gewillt 800 Yen für Steine auszugeben. Also ging es gleich per Bus zum Palast.



Nach nem bisschen Rumgammeln sind wir hineingelassen worden. Mit zweifacher Kontrolle unserer Anmeldenummer und Kontrolle meines Passes durften wir im Warteraum warten. Warum nur mein Pass? Ich hab uns per Internet angemeldet, aber ich musste von jedem Adresse, Geschlecht, Alter und Grund des Auslandsaufenthaltes eingeben. Ich war nur Stellvertreterin unserer kleinen Reisegruppe. Egal.
Nach einem kurzen Film über das Anwesen hat uns eine nette und verdammt gut englischprechende Reiseleiterin mit weiteren 70 Ausländern herumgeführt. Der Palast wird gerade renoviert, die Dächer gammeln. Logisch nach ein paar Hundert Jahren. Es war interessant zu erfahren wo Boten empfangen wurden, wo die Gänge der bedeutesten waren und wie das Zimmer des Kaisers aussah. Es muss verdammt kalt gewesen sein im Winter, denn alles bestand aus Schiebetüren und Holz. Man hat an den heißen Sommer gedacht. Im Winter hat man fünfundzwanzig Schichten an Klamotten getragen und Kohlebecken benutzt. Die haben auch dafür gesorgt, dass die Holzbauten mehrmals abgebrannt sind. Passiert. Unglaublicherweise war diese Führung umsonst.



Dadurch dass es an diesem Tag recht frisch war, sind wir usn erst einmal aufwärmen gegangen und wollten dann die Nijo-Burg ansehen, die hat aber nur Einlass bis 16 Uhr. Unglaublicherweise macht alles um 17 Uhr zu, auch Tempel. Warum? Es wird noch nicht einmal dunkel und wie soll man so seine Tour schaffen? Wir sind trotzdem hin, vielleicht kann man es ja von aussen sehen. Nein. Nur die Wachtürme an den Ecken der Wälle. Also weiter im Programm. Man könnte ja vielleicht die große Pagode sehen. Also per Bus hin, aber wer hätte es gedacht? Geschlossen. Aber wir wären eh nicht bereit gewesen 800 Yen zu bezahlen. Also haben wir den Turm von außen fotografiert. Muss toll ausgesehen haben wie wir zu fünft, alle die Kamera gen Himmel gestreckt dort standen^^
Ab zum Banhof um dort den Kyoto Tower zu besteigen. Naja, wer hätte es gedacht, kostet viel Geld. Und da wir schon gestern zwei Türme bestiegen haben, haben wir es gelassen und haben eine angenehme Rast nach dem Mitbringselladen bei Starbucks gemacht. Kurz das Gepäck aus dem Hostel geholt und dann haben wir das vor uns hergeschobene Gion besucht. Dieses Viertel soll noch Geishas beherbergen und noch im alten Stil sein. Irgendwie kam es uns aber nicht so vor. Bis wir dann in die Nebengassen eingebogen sind. Nach der Entdeckung dass dies wohl die Rote Meile ist, haben wir auch in der Parallelstraße die altertümliche Gasse entdeckt. Kurz zurück zur Roten Meile: es sind sowohl ältere Damen in schicken Kimonos allein im Taxi angereist (keine Geishas), und jüngere Mädchen im eindeutigen Nuttenoutfit standen euch herum. Von den Etablissments konnte man kaum was erkennen, aber einige Türsteher sprachen für sich (die Hambuger Rote Meile Expertin spricht).
Die altertümliche Straße hat einige Restaurants von hinten gezeigt und man konnte in die Fenster sehen. Edel, sag ich nur. Alle schick gekleidet und die hatten Kohle, eindeutig. Da mal eingeladen zu werden...ein großer Traum.
Da aber die Gegend nicht mehr hergegeben hat, sind wir zum Bahnhof, haben da in der Kälte auf den Bus gewartet und sind dann um Mitternacht nach Tokyo zurückgefahren.

Der Ausflug war zwar anstrengend, drei Tage immer mindestens 10 Stunden marschiert, aber es war toll. Man kann es nur empfehlen hierher zu kommen. Mein persönlicher Favourit war Osaka. Und wenn man es richtig anstellt und nicht auf alles besteht, dann kann man auch recht günstig dabei sein.
Spaß hat es auf alle Fälle gemacht.

Kyoto, die Erste

Die Tatsache, dass es in Tokyo am Montag übelst geschneit hat (Seltenheit) und ich 2,5 Stunden im Schnee rumgetollt bin, zumal es noch Valentinstag war und ich einige Herren glücklich gemacht habe, überspringt ich jetzt, weil ich einen Rieseneintrag über meine dreitätige Reise nach Kyoto und Osaka machen will. Und weil es soviel ist, splitte ich den Eintrag in mehrere.

Am Dienstagabend kam Caro zu uns ins Wohnheim, und zusammen mit Tabea, Sophia und Nicole sind wir spät abends nach Shinjuku aufgebrochen, von wo unser Nachtbus, wohl die günstigste Möglichkeit zu reisen, startete. Wohlweislich sind wie sehr früh losgefahren, weil der Shinjukubahnhof bekanntlich riesig und unübersichtlich ist. Wir haben auch ne ganze Stunde nach der Haltestelle gesucht.
Die achtstündige Fahrt war ertragbar. Nicht gerade schlaffördernd, aber wir sind arme Studenten und hart im Nehmen.


Um 8 Uhr morgens sind wir dann in Kyoto angekommen und vom Bahnhof zu unserem Hostel gelaufen. Kein Problem und überraschenderweise durften wir unser Gepäck gleich im Zimmer lagern. Ein schnelles Frühstück vom Hostelbuffet (mit deutschen! Kartoffeln -warum auch immer-) und los ging das Abenteuer, der Zeitplan ist straff.
Es ging zum Ginkaku-ji, dem Silbernen Pavillon. Trotz seines Namens ist er nicht silbern, aber trotzdem uralt und mit einem äußerst schönen Zen-Garten versehen. Der Eintritt von 400 Yen hat sich gelohnt. Zum Glück war auch super Wetter von rund 16 Grad, sodass nicht nur der Ginkaku-ji erstrahlt ist.
Um zu den nächsten "nahegelegenen" Schreinen und Tempeln zu kommen, sind wir den "Philisophen-Weg" entlanggewandert. Bei Kirschblüte wäre er komplett mit Blüten gesäumt gewesen, aber noch ist es nicht soweit. Lediglich einige Pflaumenblüten waren sichtbar. Auf dem Weg lagen einige kleinere Schreine, die aber horrende Eintrittspreise verlangt haben, deswegen haben wir sie nur von außen bewundert. Das

Ziel des Nazen-ji haben wir trotzdem erreicht und auch kostenlos bewundert. Es handelt sich nicht nur um den Schrein, sondern auch um ein riesiges Tor. Ganz ehrlich, so hübsch und architektonisch genial es ist, ich kenn den Sinn nicht. Es hat Türen und kann geschlossen werden, aber soweit ich weiß, sind da keine Mauern. Egal, hübsch. Und faszinierend: hier gibt es ein Aquädukt. Als Anhänger der römischen Kultur bin ich fasziniert ein Aquädukt aus Backstein, für Japan ungewöhnlich, in Kyoto zu finden.
Weiter wollten wir zum Maruyama-Park, vorbei an dem Shorenin und Chionin Tempeln. Der eine war kostenpflichtig und der andere wurde restauriert, trotzdem haben wir was sichtbar war begutachtet. Das hört sich langweilig an, aber trotzdem haben wir viele alte Holzbauten gesehen.
An sich waren danach noch ein paar Tempel geplant, aber da in Japan die Sonne nen Tick schneller untergeht als in Deutschland, haben wir beschlossen zu dem Fushimi Inari Schrein zu gehen, der berühmt für seine roten Tore ist. Ja, aber dorthin zu kommen gestaltet sich doch etwas schwieriger als gedacht. Natürlich gibt es keine direkte Busverbindung, also mussten wir das Nächstmögliche nehmen. Ja, aber wo lang? Wir hatten keine Karte von Kyoto und konnten uns nur an dem Busplan orientieren. Also fragen wir Japaner. Und da die nicht erklären können, bringen sie uns den halben Weg durch die Pampa und dem Industriegebiet -wo zum Geier waren wir- in die Nähe und lassen uns erst allein laufen, als es nicht mehr zu verfehlen war. Überhaupt die fragenden Gesichter "Wie, ihr wollt da zu Fuß hin?" Ja, wir haben nur ne Karte für den Bus, Bahn kostet extra, außerdem sind wir bestimmt schon 15 Kilometer gelaufen, da stört das jetzt auch nicht mehr.
Angekommen sticht das strahlende Orange des Schreins in die Augen. Alles ist mir


Füchsen geschmückt und in Orange gehalten...aber wo sind die vielen Tore? Ein wenig bergauf des riesigen Schreingebiets hab ich sie gefunden und durch die ersten hundert gegangen. Ich dachte das wars. Ne, nach diese Hundert kam noch mal ein kleinerer Schrein und dann ging es erst richtig los. Obwohl ich kreislauftechnisch nicht mehr gut drauf war, wollte ich durch sie hindurch. Aber wer dachte denn dass es sich um Tausende handelt? Den Berg rauf, um die Kurve, weiter bergauf, Kreuzung, bergauf, aber dann auch wieder bergab, von Friedhöfen mit Fuchsstatuen geschmückt gesäumt, durch eine Wohnsiedlung zurück zum Hauptschrein. Irre. Aber auch anstrengend. Nach nun ungefähr 8 Stunden straffen Marsches und eher schlaflosen Nacht ging es dann zurück ins Hostel. Schnell was gegessen und um halb 11 war das Licht aus, wir waren ehrlich erschöpft. Tag Eins ist überstanden. Am nächsten Tag geht es nach Osaka.