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Samstag, 5. April 2025

Godzilla im Kimono

Super ausgeschlafen sind wir bequem in den Tag gestartet. Wir haben zum Abend hin einen Termin und wussten, dass es da enger wird im Zeitplan, aber morgens/mittags war alles entspannt. Da wir einen Mitbringwunsch für uns haben sind wir nach Ueno gefahren. Da waren wir ja schon im Park und Naturkundemuseum, aber diesmal sind wir da durchspaziert um zu einem Hanko-Laden zu kommen. Hanko sind Namensstempel die in Japan als Unterschriftersatz genutzt werden. Also der Stempel ist wichtiger als die Unterschrift. Dieser Hanko-Laden hat die Besonderheit, dass er Tiere, Essen oder was auch immer mit in den Namen baut. Man hat eine Auswahl von 200 Bilder, dann das Alphabet, die Schriftart, die Farbe, die Größe....Auf jeden Fall ein cooles Teil.


Wir sind eine Haltestelle früher ausgestiegen (mein Fehler) und sind dorthin spaziert. Dabei sind wir durch kleine Gassen und Hinterhöfe gegangen. Wenn man den Hauptweg verlässt, dann ist es gleich viel ruhiger und ländlicher. Es führte uns sogar durch eine wundervolle Kirschblütenallee. Hier waren zwar viele Menschen, aber kaum Ausländer. Dazu schien die Sonne und wie waren einfach glücklich hier zu sein. Als wir den Laden gefunden haben, war dieser auch in einer kleinen muckeligen Einkaufsstraße. Wir haben schnell unsere Wunschstempel bestellt und sind dann natürlich da noch rumgeschlichen bis wir die Stempel abholen konnten. Es gab unendlich viele Katzenläden. Also thematisch. Irgendwann fiel mir der Name der Straße ins Auge: Yanagata Ginza. Diese Straße kannte ich aus Social Media und hatte sie mir als Inspiration eigentlich auch bei GoogleMaps gespeichert. So einfach kann es manchmal sein. Zwischen all den Katzenläden gab es auch einige Gebrauchtwarenladen, in diesem Fall eher eine Mischung aus Trödelladen und Souvenir. Und bei einem Laden schau ich nicht richtig: da lagen Obis, Gürtel für Kimonos, für 550 Yen aus. Und einige waren extrem hochwertig. Ein guter Kimono kostet gerne 1000€ und ein Obi kann auch mehrere Hundert Euro kosten. 550 Yen sind umgerechnet knappe 3,50€. Da musste ich zuschlagen. Ich habe zwei Obi für 1550 Yen (ca. 10,50€) mitgenommen. Ich hab zwar noch keinen richtigen Kimono, aber das würde sich heute ändern, das war schon geplant. Oder ich benutze sie für das Tanzen, mal schauen. 


Nachdem wir unsere schicken Stempel abgeholt haben, sind wir Richtung unseren Termins gefahren. Auch hier hatten wir eine kleine Strecke zu Fuß zurückzulegen, da der Treffpunkt gefühlt im Nirgendwo war. Zwischen kleinen Straßen, Schulen und Tempels hat es uns dann doch zum Ziel geführt. Wir haben einen Kimono-Workshop gebucht. Für wenig Geld dürfen wir uns einen Kimono unserer Wahl aussuchen und dann wird er für uns angepasst. Marcel bügelt sich auf seinen Kimono seinen Namen in Kanji auf und meinen arbeite ich in einen Zweiteiler um, sodass er für uns Europäer leichter zu tragen ist. Dann wird er uns angezogen, mit allem Pipapo und Fotos geschossen. Wenn man will, dann kann man natürlich den ausgewählten Obi dazukaufen. Aber auch das ist für sehr wenig Geld möglich. 

Es waren mit uns zusammen eine polnische Familie dabei und wir haben uns gut unterhalten können während wir unsere Kleidung bearbeitet haben. Marcel hat sich das komplette Paket rausgesucht: Hemd, langer Kimono und Jacke. Man hatte uns vorher schon nach seinem Namen gefragt, sodass sie Kanji rausgesucht haben, die den Lauten seines Namens entsprechen. Dazu hat er sich noch die Farbe der Schrift ausgesucht und durfte es sich direkt auf die Jacke aufbügeln. Bei mir wurde Maß genommen und dann musste ich den Kimono zerschneiden. Nur in zwei Teile, aber es tat trotzdem weh den schönen Stoff zu zerstören. Es bleibt aber alles bei mir, da Schnüre zum einfachen Anziehen angebracht wurden.

Zum Ende wurden wir dann auch in allem eingepackt. Marcel hat seine drei Schichten anbekommen und durfte sich noch den passenden Obi plus Schmuckschnur aussuchen. Ich habe den Kimono anbekommen und durfte mir auch einen Obi mit Obituch und Schmuckkordel aussuchen. Es fühlte sich an wie ein Geschenk verpackt zu werden. Wir sind beide superglücklich mit unserer Wahl. Wir sind auch sehr glücklich mit dem Kurs, da die Mädels sehr lieb und nett waren. Klar, der eine oder andere fragt sich warum wir einen Kimono wollen, wir ziehen es doch wahrscheinlich nie wieder an. Tja, möglich. Aber es ist ein Stück Kultur das wir für uns mitnehmen. 

Marcel war so glück mit seinem Outfit, dass er es gleich anbehalten hat. Wir hatten noch vor nach Diver City nach Odaiba zu fahren um dort den größten Godzilla Store zu besuchen. Und die lebensgroße Gundamfigur muss natürlich auch noch besichtigt werden. Also sind wir das Stückchen Fußmarsch wieder zurück zur Station und Richtung Tokyo Bay gefahren. Marcel merkt, dass das Tragen eines Kimonos seine Herausforderungen hat und man sich anders bewegen muss. Jetzt kann er nachvollziehen, warum ich so selten Kleider anhabe. Aber die Reaktionen der anderen waren schon wohlwollend ihm gegenüber. 



Der Godzilla Laden war schnell gefunden und irgendwie nicht so groß wie erwartet. Natürlich hat uns ein riesiger Godzilla empfangen und der größten GatchaGatcha Automat war auch da, aber sonst...normal groß alles. Im Gegensatz zum Gundam. Der ist lebensgroß gewesen. Und im Falle eines Weltraumroboters bedeutet das 15 Meter. Das ist das Tolle an Japan, die machen das einfach. Die stellen eine riesige Figur irgendwo hin und alle freuen sich. Wir kamen auch gerade zu einer Lichtershow an, wo die Figur besonders beleuchtet wurde und sich auch bewegt hat. Grandios! Auch wenn ich keinen Plan von der Gundam Animeserie habe, so hat mich der Gundam Hype von Yoann damals gepackt und ich freue mich über diese großen Aktionen. So ein riesiger Bernd das Brot, das hätte für Deutschland doch auch was. 

Samstag, 9. Juli 2011

Samba in Odaiba

Wer denkt denn bei 33 Grad ans Lernen? Ich. Aber daran denken hat zum Glück ja nichts mit damit zu tun es auch wirklich zu machen. Zu meiner Verteidigung, in der Bahn habe ich versucht meine Präsentation zu lernen, aber was soll man machen, wenn die brasilianischen Freunde ununterbrochen reden... Bruno hatte zum Odaiba-Besuch eingeladen. Da wollte ich eh schon mal hin und hatte zufälligerweise geplant dieses Wochenende dorthin zu gehen. Zusammen mit den Brasilianern Sayuri und Carolina sind wir auch los. Ich wusste, dass noch weitere Brasilianer dazu stossen werden und dachte: "Argh, das wird anstrengend, die reden nur auf Portugiesisch. Möp." Aber Pustekuchen. Wir haben erst ein wenig auf Taichi gewartet und sind dann zusammen an den Strand in Odaiba. In der Tat gibt es dort einen kleinen Sandstrand mit Blick auf Toko Bay und die Rainbow-Bridge, was das ganze bei Nacht zu einem beliebten Pärchensammelplatz macht. Es ist cool am Strand zu sein und Blick auf Hochhäuser zu haben. Es war tierisch warm, die Sonne bratzte und Taichi hatte die grandiose Idee eiskaltes Bier zu trinken "Yvonne, du bist doch Deutsche, du trinkst das Zeug wie Wasser". Klar, also Bier geholt und dann mit den Füßenins Wasser. Oh Mann, was für ein geiles Feeling: Sonne im Nacken, Bier in der Hand und Füße im Meer. Und die richtigen Leute um einen herum. Ich konnte endlich wieder meinem normalen Humor freien Lauf lassen und haben dreckiges Gelächter geerntet. So muss das sein. Um vier weitere Brasilianer bereichert sind wir dann auch Richtung Rainbow-Bridge marschiert. Ich wollte sie eigentlich überqueren und ein 1A Bild von der Tokyoter Skyline machen, aber irgendwie sind wir dann doch nicht darauf und haben dafür noch einen Brasilianer aufgesammelt. Soll mich nicht stören, denn trotz meiner Befürchtungen haben alle ein super Englisch gesprochen und wir haben uns alle super verstanden. Zurück zum Strand, mit einem Umweg zu Baskin Robbins, einem Eisladen. Oh Mann, was kann man nicht für einen Spaß mit rosa Löffeln und eisgierigen Kerlen haben. Wie sie betteln können, die Herren, wenn sie Süßes wollen. Und dann haben wir, eine Truppe lustig lauter Leute, zwischen den ganzen Pärchen gesessen und auf die abendliche Lumination der Rainbow-Bridge gewartet. Boote sind vor der Brücke aufgetaucht udn haben geleuchtet....aber die Brücke nicht. da haben sie dann mal gespart, die werten Energieverschwende. Naja, es war trotzdem ein sehenswerter Sonnenuntergang und trotz allgemeiner Partnerlosigkeit in der Gruppe, ein herrliches Erlebnis. Ich hab es doch tatsächlich zu 4 (!) Umarmungen von männlicher Seite geschafft, und nicht diesen japanisch Ich-tu-mal-so-Kram, sondern eine echte Umarmung. Das erwähne ich jetzt nicht, weil ich erzählen will, dass mich ein Kerl in irgendeiner Weise berührt hat, sondern weil das etwas ist, was man hier in Japan nicht bekommt. Ich bin kein Freund des Körperkontaktes, aber ich vermisse diese aufrichtige Geste manchmal. Nach einige Verabschiedung, Sayuri und Co. sind auf zu ner Party, sind wir dann mexikanisch Essen gegangen. Oder was auch immer Japaner für mexikanisches Essen halten. Wir haben definitiv das Geld für das all-you-can-eat herausgeholt und haben uns auch noch das Riesenrad in Odaiba angesehen. Allerdings sind wir nicht damit gefahren und haben uns entschlossen, weil wir dann die letzte Bahn auf keinen Fall verpassen wollten, noch ne Runde zu klönen und dann nach Hause zu gehen. Das war ein herrlicher Tag mit tollen Leuten. Die angeblich Sambatanzenden Brasilianer haben keinen Samba getanzt "Ne, Yvonne, das ist nur ein Klischee, das fragt mich jeder." Ach, mit mir und Bier ist es anders? - aber das wird beim nächsten Treffen - BBQ mit Samba- nachgeholt. Ganz sicher.