Am 11.März 2011, um 14:46 Uhr, hat es das große Tohoku-Erdbeben in Japan gegeben. Und nun jährt sich das Ereignis.
Ich sah dem Ganzen zwiegespalten entgegen und bin mir auch immer noch nicht so sicher was ich denken und fühlen soll. Es ist nicht, dass ich traurig bin oder melancholisch, es ist ein Tag wie jeder andere. Das Wetter hier ist wieder normal schlecht und ich habe nicht vor etwas besonderes zu machen. Außer das sich auf keinen Fall den Fernseher einschalte, damit ich mich nicht über all die Berichterstattungen aufrege. Die Normalität wieder ist schon erschreckend. Das Ereignis hat mich stark geprägt, da dachte ich, dass ich wenigstens ein wenig nostalgisch zurück an meine Freunde denke. nein, mit denen hab ich ausreichend Kontakt als dass ich nicht sehnsüchtig an sie denken muss. An den Schrecken beim Erdbebens selber kann ich mich -glücklicherweise?- auch nicht mehr deutlich erinnern. Die Bilder bekomm ich hin, aber nicht mehr das Gefühl, die Angst, aufsteigende Panik und erst recht nicht die Angst danach, als die Nachrichten Deutschland komplett verrückt gemacht haben.
Bin ich so abgebrüht? Selbstschutz? Oder einfach normal wenn man nicht mehr an dem selben Ort ist?
Ich versuche neutral auf die Situation zu schauen. Und es fällt einem echt schwer. Es ist ja nicht so, das sich mich komplett von sämtlichen Informationen abgeschottet habe. Im Gegenteil, ich habe Seminare besucht, wo wir versucht haben die Informationen zu deuten die wir bekommen, speziell was Essen nach Fukushima angeht. Ich lese Nachrichten und ich hab auch die eine oder andere Dokumentation und Berichterstattung jetzt zum Jahrestag gesehen.
Das alte Problem: Japan sagt nichts und Deutschland gerät in Panik. Über das Jahr hinweg hab ich Nachrichten verfolgt und die Berichterstattung ist aus dem Land selber eher mies bis verwirrend. So wird häufig über das Nahrungsmittelproblem gesprochen, doch in Form von "Wir heben die Maximalgrenze der zulässigen Becquerel-Aufnahme an" oder "2400 Kühe sind noch nicht auf Radioaktivität überprüft, ihr Fleisch aber schon im ganzen Land verteilt". Aha. Wenn man das auseinanderfriemelt, dann sieht man, dass unter anderem keine einheitlichen Einheiten (Becquerel oder/ oder Sievert) genutzt werden und dass die Messungen eher lückenhaft gemacht werden. Weiterhin in dem Seminar sind wir auf die Problematik von Nationalstolz gekommen, so werden noch immer Fukushima-Produkte verkauft und auch gut vekauft. Oder Messungen aus staatlicher, privater oder internationaler Hand. Alle sind sie unterschiedlich oder vor und nach der Verarbeitung der Nahrungsmittel gemacht wurden. Daraus folgt die Frage: wenn das Essen zubereitet wird, ist es weniger strahlend? Und wenn ja, wo geht die Strahlung hin (-> Kochwasser) und dann, wo geht das Kochwasser hin?
Ganz ehrlich, wenn ich die Texte lese und überlege nach Japan zurückzugehen, krieg ich schon Angst. Oder frage mich, wie schlimm habe ich in Japan gegessen?
Wenn man aber dann auch weiter liest oder an die Erfahrungen direkt nach dem Erdbeben zurückdenkt: es interessiert so gut wie niemanden! Ganz ehrlich, außer die Leute die direkt für uns zuständig waren haben uns auf zwei, drei Sachen aufmerksam gemacht. Aber außer der täglichen Radioaktivitätstabelle in der Zeitung kann ich mich an nichts erinnern.
Wie Tagesschau.de einmal treffend formuliert hat, das "vielfache Vergessen um Fukushima" hat eingesetzt. Einer der wenigen Artikel die ich für gut befinde. Nicht nur WIR und die Welt hat das Beben und Fukushima, und noch schneller die Opfer vergessen. Nein, leider auch in Japan selber wird es nicht mehr groß bedacht. So habe ich es mit den Stromsparungen miterlebt, die auf einmal aufhörten, als würde TEPCO weiter produzieren, oder mit Gemüse, dass ganz am Anfang als bedenklich eingestuft worden ist, wieder auf dem Markt kam. Da sagt aber meine Logik, dass doch jetzt erst recht die Radioaktivität mit Regen und Grundwasser sich schön verteilt hat. Aber gut, vielleicht lieg ich falsch, da ich weder Experte in Physik, Biologie, Geologie oder was auch immer bin.
Zum Jahrestag bin ich gefragt worden, ob ich ein Interview geben möchte. Ich habe zugesagt, sowas mache ich doch immer gerne. Nach einigen Telefonaten wo wir einige Vorfragen geklärt haben, bin ich dann doch nicht eingeladen worden. Mir schien es so, als habe ich nicht das erzählt, was die Presse hören wollte. Immer kamen Fragen wie "Wie ist das Atomkraft-Bewusstsein nach Fukushima?" oder "Hast du Demonstrationen erlebt?". Und jedes Mal musste ich sagen "Nein, ich habe nichts erlebt, gelesen oder einer meiner Freunde hat sich negativ zur Atomkraft geäußert." Soll ich was Falsches erzählen? Nur weil Deutschland sich die Panik zunutze gemacht hat und einen Atomausstieg plant, heißt das nicht, dass Japan das auch tut. Natürlich wurde anfangs drüber berichtet, aber seit dem Erdbeben bin ich mir sehr sicher, weil ich andere Fakten kannte, wird das berichtet was gut hierher passt.
In Japan noch habe ich einen englischsprachigen Unterricht besucht, wo wir eine Art Vorstellung von aktuellen Themen machen mussten. Eher die Japaner, damit sie Englisch und Präsentationen üben können. Da haben natürlich einige das aktuelle Thema Atomkraft gewählt. Es wurde eine kleine Historie bezüglich Fukushima Dai-ichi gegeben, und dann ging es zu der Atompolitik Deutschlands und unseren Ausstieg über. Es wurde weder reflektiert ob das schlau ist noch warum wir das auf einmal gemacht haben. Und es folgte keine Beurteilung durch die Studenten. Gut, wer mal mit japanischen Studenten gearbeitet hat, weiß, dass die eigene Meinung eher selten preisgegeben wird, aber in der anschließenden Diskussion, wo ich die Fakten aus Deutschland richtig gestellt habe, war anzusehen, dass erstens keiner der Studenten ansatzweise an dem Thema interessiert war, noch dass sie in Betracht gezogen haben, dass es anders geht und es sich ändern könnte. Gut, ist natürlich hier fraglich, ob ich eine Klasse an der Uni stellvertretend für ein Land nehmen kann.
Hier finde ich einen Artikel aus dem "Der Spiegel-Geschichte" (Ausgabe 5/2011, S. 102-107) namens "Böse Bombe, gutes Atom" nennenswert. Hier werden die Erfahrungen der Bösen Atoms -die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki- dem "Guten Atom" -der Atomkraft, geld-und prestigebringend- gegenübergestellt. Die Frage war, wie kann ein Land dass am besten um die Auswirkungen weiß, Atomkraft produzieren? Die Wirtschaft hatte die Macht. Nach dem Weltkrieg war Atomkraft (mit Wissen und ersten radioaktiven Materialien aus Amerika) eine günstige aber effektive Form der Energiegewinnung, die Japan als aufstrebende Wirtschaftsmacht bitter nötig hatte. Auch erste Ängste hat die Politik unter Premierminister Nakasone der Wirtschaft mit finanzieller Hilfe ausgeredet, wodurch nun Politik und Wirtshaft eng verbunden sind. Es hieß dass eine böse Macht auch Friedvolles vollbringen kann und "den japanischen Bürgern wurde vorgegaukelt dass die Bombe und die Energie zwei komplett verschiedene Dinge sind." (S.106). Es ging dann so weit, dass die ersten Beschwerden der Anwohner mit Geld beruhigt worden. Es heißt, dass die Gewinne der ersten 5 Jahre mit den angrenzenden Gemeinden geteilt wurden, sodass diese ebenfalls profitierten. Ein mir insgesamt realistische erscheinender Bericht. Diese Politik der unterschiedlichen Atomen erklärt schon die gewisse Neutralität der Atomkraft gegenüber.
Aber ZDFzoom berichtet in einem mir absolut merkwürdigem Film, dass es immer schon Proteste gegeben hat. In "Die Fukushima-Lüge" vom 07.03.2011 werden Ingenieure und Politiker interviewt, die schon IMMER von den Fehlern in Fukushima Dai-ichi wussten und nie erhört worden sind. Die Politik sei zu mächtig gewesen. Auch Naoto Kan, der damalige Premierminister, erklärt, er sei Atomkraftgegner, aber ihm seien die Hände gebunden gewesen. Aber auch, was ich doch für sehr glaubhaft halte, er wusste um die Situation zur Zeit des Erdbebens selber nichts. Er hat nach Eigenaussage erst aus dem Fernsehen erfahren, dass es zu Explosionen gekommen ist. Andere Ingenieure haben es herausgesehen, da Kühlgeräte verkehrt herum angebaut worden sind.
Alles Fakten die jetzt erst kommen? Warum jetzt erst? Aufgrund der Tatsache, dass der ganze Beitrag fürchterlich reißersich auf gemacht worden ist, denke ich mir, dass nur eine Hälfte wahr ist, von dem was uns erzählt wird. Es ergibt für mich keinen Sinn, warum Verantwortliche, Wissende, Mächtige ein Jahr geschwiegen haben, um auf einmal den Deutschen zu sagen "Atomkraft ist schlecht. TEPCO hat gepfuscht. Alles Korrupte. Wir haben es schon immer gewusst!" Es werden mal wieder keine knallharten und vor allem nachvollziehbaren Informationen gegeben, eine Sache, die ich schon vor einem Jahr kritisiert habe. Man beruft sich auf schwammige Interviews und Informationen von -wem?
Trotzdem gehe ich schweren Herzens davon aus, dass die andere Hälfte wahr ist. Und selbst nur eine Hälfte ist erschreckend. So habe ich zum ersten Mal in dem Beitrag gehört, dass es bereits am 11.März einen GAU gegeben hat und die Brennstäbe bereits auf dem Boden lagen. Es überrascht mich nicht, es hat mich in dem Moment nur mit Angst erfüllt. Die Erklärung warum man das erst zwei Monate später zugegeben hat (also dass es überhaupt zu einem GAU kam) wurde damit beantwortet, dass man es aufgrund der nicht vorhanden Sicht in den Reaktor nur vermuten konnte. Beruhigend.
Und da ist es wieder passiert: ich wollte Japan meine Gedanken mitgeben und rege mich wieder über Deutschland und seine Nachrichten auf. Aber mit dem heuchlerischen "Wir haben euch nach 2 Monaten vergessen, nutzen aber euer Leid um ein Jahr später was berichten zu können und tun so als ob wir an euch denken" komm ich nicht wirklich klar. Es nervt mich auch bei 9/11 jedes Jahr, aber nun hab ich persönlich damit zu tun.
Einen nennenswerten Blick auf die heutige Tageschau.de-Seite. Man sieht das Top-Thema ist nicht Japan, obwohl es die meisten Artikel hat, sondern die deutsche Reaktion im Kampf gegen die Atomkraft mit einer großen Spur von Selbstverliebtheit. Quod erat demonstrandum.
Ich will nicht sagen, dass meine Meinung die einzige ist. Ich bin wissenschaftlich garantiert nicht ausgebildet genug, als das meine Wortschwall hier stellvertretend für die Wahrheit steht, ich habe nur das Gefühl das was verkehrt ist und da wollte ich meinem Blog nicht vorenthalten.
Meine Gedanken gelten heute Japan und seinen Opfern. Des Erdbebens und des Tsunamis. Die sollte man unter dem ganzen Fukushima-Wahn in Deutschland niemals vergessen.
Das typische Studentenleben in Halle besteht leider nicht aus Party und Ausschlafen.
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Sonntag, 11. März 2012
Freitag, 25. November 2011
Gesprächsrunde mit Mitsumori-sensei
Am 23.11.2011 hat die Institutsgruppe der Hallender Japanologie eine Gesprächsrunde mit dem Professor Mitsumori von der Senshû-Uni in Tokyo organisiert. Es wurden damals aufgrund des Erdbebens und der Zerstörung des Ishinomaki-Campus' unserer Partner-Uni in Japan Spenden in Höhe von 1050€ gesammelt. Die Senshû hat uns gedankt und weil der Profeessor nun hier ist, baten wir ihn darum einen Vortrag über das Edeben und den Tsunami zu halten. Ich bin auch gebeten worden einen persönlichen Vortrag zu dem Thema zu halten.
Ich poste hier mein Skript und werde hoffentlich noch einen Mitschnitt des Vortrags bekommen, den ich versuchen werde in den Bog zu integrieren.
"Hallo, ich denke das mich die meisten hier schon kennen, aber für die anderen: Ich bin Yvonne und studiere Japanologie und Ethnologie im 5ten Fachsemester. Letzten September bin ich ein Jahr an die Musashi Universität in Tokyo gegangen. Während ich dort war hat sich das große Tohoku Erdbeben ereignet und ich möchte euch heute erzählen wie ich es erlebt habe. Ich werde ich kurz was zu den Vorbereitungen und Warnungen erzählen, wie ich selber das Erbeben erlebt habe und warum ich nach Deutschland gekommen bin, nur um wieder kurz darauf zurückzukehren um mein Studium fertig zu machen. Wie es in Tokyo dann aussah und wie die Japaner mit der Situation umgegangen sind kommt dann logischerweise zum Schluss.
Wir, also ich und 5 weiter Studentinnen hier aus Halle, sind im September angekommen. Und wir haben von vorne bis hinten alles von der Musashi organisiert bekommen. Wer an dem angegebenen Tag da war wurde vom Flughafen abgeholt und zum Wohnheim gebracht. Gut, ich war daher da, aber das hab ich auch allein geschafft.
Wir wurden von Studenten zur Universität geführt und haben mit ihnen den Formalitäten im Amt erledigt. Und auch in der Uni gab es bevor es so richtig mit dem Studium los ging, was so 5 Tage später war, viele Treffen, Besprechungen und Gruppen die uns auf alles vorbereiten sollten was kommen konnte. Also wie läuft das ab, wo ist was, was müssen wir belegen und wer ist für uns zuständig. Wir haben unzählige Merkzettel und Listen bekommen, Telefonnummern für Notfälle – es kann ja immer mal vorkommend ,dass man bei der Polizei ist oder im Krankenhaus Hilfe braucht. Gut, ich hab mir natürlich gleichem ersten Monat meinen Knöchel gebrochen, aber da hat die Uni nicht soviel geholfen.
Das uns jemand erzählt hat wie man sich speziell bei einem Erdbeben verhält, daran kann ich mich nicht erinnern. Aber gut, man weiß als Japanologe das es hier viele Erdbeben gibt und hat mal im Unterricht als Übungstext mal zwei, drei Maßnahmen durchgenommen. Das haben wir auch an der Musashi, aber es war keine direkte Anweisung für uns.
Da unser Wohnheim nicht direkt von der Musashi war, haben wir dort auch noch mal direkt ein Einweisung bekommen. Wie wird das Postfach geöffnet, wann sind die Küchenzeiten, wo ist der Sammelplatz für Notfallsituation wie ein Erdbeben AHA! Aber wie man sich verhält wenn was passiert...ne, ich kann mich nicht erinnern.
Aber kein Problem, wer rechnet denn mit so etwas.
Und auch wenn alle sagen, dass es andauernd bebt, so hab ich erst nach 2 Monaten mein erstes gespürt. Ehrlich gesagt war ich an dem Tag angetrunken und hab gedacht das ich schwanke, aber ich habe in dem Raum den Fernseher wackeln sehen, da war mir klar, das nicht ich, sondern die Erde der Übeltäter ist. Aber war nicht schlimm. Ein weiteres Mal hab ich morgens ein Beben erlebt als ich noch im Bett lag. Ich bin aufgewacht und hab gedacht „Oh, ein Erdbeben“ und es schaukelt mich wieder angenehm sanft zurück in den Schlaf. Es war nicht das was ich mir unter einem Erdbeben vorgestellt hab. Es ist mehr so gewesen, als sei ein großer LKW an einem dicht vorbeigefahren. Das was man dann auch in Deutschland spürt. Nichts hat geklirrt oder ist umgefallen.
Man hat keine Angst und auch die Nachricht, dass es gerade ein paar Tage vorher in Miyagi ein Erdbeben der Stärke 7 oder so gab, hat uns in Tokyo nicht interessiert, da wir nichts gespürt haben.
Am 11. März bin ich mit meiner deutschen Freundin zur Uni -bedenkt wir hatten Semesterferien- um im Gym dort eine Runde zu trainieren. Mein bester Kumpel war auch dabei und wir haben unser Work-out gemacht. Danach ging es unter die Dusche. Und genau dort befanden wir uns als es passierte.
Zuerst dachte ich in dieser kleinen Duschkabine das ich beim Sport nicht genügend getrunken habe, sodass mir schwindelig ist und halt mich an der Wand fest. Ich hab gemerkt, dass es nicht in meinem Kopf ist, sondern ein Erdbeben. Ein im Nachhinein böser Gedanke, aber ich dachte „Cool, man merkt ein Erdbeben sogar im 3. Obergeschoss!“ Ja, aber es hat nicht aufgehört, im Gegenteil es wurde schlimmer. Also kurz nachgedacht: was soll ich machen? „Im Fall eines Erdbebens Fenster und Türen öffnen und sich unter dem Tisch verstecken“. Äh ja. Also Duschtür auf und Raumtür auf – die Duschen hatte alle noch einen Miniraum davor- und dann standen meine Freundin und ich in einem komplett leeren Raum in Handtüchern und wussten nicht was zu tun ist? Raus? In die Tür zum Flur? Im Handtuch? Im Raum bleiben? Ihre Angst hat mich beruhigt. Ich hab uns gesagt dass die Gebäude erdbebensicher sind. Es war wie ein Mantra in meinem Kopf und hat auch erst nicht geholfen da es noch einmal richtig anfing zu wanken. Man kann es sich nicht vorstellen und ich kann es nicht beschreiben. Man sagt es ist wie Schiff fahren, aber nein, da bewegt sich das Schiff im Ganzen. Aber in einem Gebäude bewegen ich Boden und Wände getrennt.Die Türen knarren und es waren ein paar nicht identifizierbare Geräusche. Aber es ließ dann nach. Ich hab kurz das Shampoo ausgewaschen und bin nach vorne zum Trainingsraum, fragen was wir machen sollen. Keiner da! Und die Tür zum Treppenhaus ist zu! Panik! Also zurück in die Dusche und wir haben unsere Sachen gerafft und so schnell wie möglich raus. Da war der Trainer wieder da und ich schildere unsere Situation, und frag was wir hätten machen können, denn Treppe bei der Stärke wäre weniger gut und der Fahrstuhl steckte fest, wie wir gerade gemerkt haben. Er sagte war schon okay, aber in der Regel raus. In dem Moment fing es wieder leicht an und wir sind raus.
Draußen erstmal setzen und Leute anrufen. Wo ist mein Kumpel? Noch in der Dusche? Obwohl er ne habe Stunde vorher fertig war mit Sport? Kein Freizeichen. Ich versuch es bei den anderen Mädels, wir haben ein starkes Rudelgefühl gehabt. Auch kein Freizeichen. Also haben wir Mails geschrieben die auch rausgingen, aber kein Antwort kam.
Nun ja, die Situation war soweit wieder ruhig. Wir beschlossen heim zu gehen und vielleicht sind die anderen alle zu Hause. 10 Minuten später, als wir an einem Bahnübergang standen kam das oder war es eins der vielen?- Nachbeben. Die Straßenschilder und Überlandleitungen schwangen umher. Die Pachinkohalle neben uns wurde evakuiert, zumindest kamen Unmengen von Japanern heraus. Und alle komplett ruhig, keine Panik, man hat bei kaum der Menschen Angst in den Augen gesehen. Gut dachten wir uns, dann passt das.
Ab ins Yaoya (Gemüseladen) noch schnell Essen kaufen und mal nachhaken ob das ein starkes Beben war. „Naja, es war schon ein Stärkeres. Aber nichts schlimmes“ Gut die müssen es ja wissen. Vor dem Wohnheim saß unsere brasilianische Freundin und wirkte verängstigt und mein Kumpel kam heraus und sprang mir auf den Arm. Er hätte versucht uns zu erreichen. Eindeutig ist das Handynetz zusammengebrochen. Die Mal kam nämlich auch nicht durch. Erst morgens um 4.
Das Office vom Wohnheim hat gesagt wir sollen mit unserem „Erdbeben-Wasser“ uns am besten in der Küche (was auch gleich Aufenthaltsraum ist) zusammen tun, bzw. eigentlich haben wir das gleich auch automatisch gemacht. Keiner wollte im 2. Stock sein und die Nachbeben die alle Viertel-Halbe Stunde kamen allein erleben. Es wurde kontrolliert das die Gasherde wieder funktionieren und Wasser auch in Ordnung ist, aber trotzdem hatten wir an dem Tag Verbot mir Gas zu kochen und Leitungswasser zu trinken. Und dann wird es 18 Uhr. Das Office hat Feierabend und liess uns soweit allein. Und wir schalten den Fernseher ein. Und wir haben gedacht das es NUR ein Erdbeben war, aber die Bilder von dem Tsunami, wie er über den Flughafen in Sendai rollt hat uns erschreckt. Uns wurde in diesem Moment klar was das Erdbeben für Folgen hat, bzw. das es einen Tsunami gab, dass ein Leichenzähler bereits in der Ecke des Fernsehers rund 600 anzeigte. Glaubt mir, in diesem Moment stand uns allen Panik in den Augen!
Wir schauen ununterbrochen die Sendung die alle nur dieselben Bilder zeigten, als ich eine Nachricht auf mein Handy bekommen. Ich habe mich gefreut dass wir wieder Netz haben und wir endlich wissen wo die anderen sind -eine unserer Mädels war noch an einem unbekannten Ort. Aber ich hatte nicht eine Nachricht von ihr, sondern eine SMS aus Deutschland „Tochter! Alles klar bei dir? Ich kann dich nicht anrufen!“ Mein Vater. Und dann wurde uns klar, dass die ganze Welt weiß was passiert ist. Was müssen unsere Familien jetzt denken?
Da ich nicht antworten konnte bin ich ins Zimmer und habe schnell, da ich wieder zurück wollte, Mails an meine Eltern geschrieben, dass wir soweit in Ordnung sind, der Tsunami nichts mit uns zu tun hat und ich wieder in Küche bin, da ich mich dort sicherer fühle.
Aber wir waren nicht mehr solange in der Küche. Wir haben nachher schnell gekocht und dann haben wir uns getrennt. Die Beben sind seltener geworden, zwar immer noch häufig, aber es war ertragbar.
Im Zimmer hab ich dann per Internet Kontakt aufgenommen und 4 Stunden lang Mail beantwortet, bei Facebook geantwortet, per Facebook und Skype mit jedem der online war gechattet. Ich hab immer nur gesagt das es mir gut geht, das Tokyo steht und ich zig Leute habe die das noch wissen wollen und alle haben sie dann auch Ruhe gegeben. Ich habe mit meiner Mutter geskypt und die Lage erklärt, das uns in Tokyo keine Gefahr droht und es war Okay. Das Handynetz ging wieder und ich hab alle „Vermissten“ der Musashi-Leute gefunden, aber die Kurzzeitstipendiaten die in dem Moment auch in Tokyo waren, waren weg. Da sie kein Handy hatten hab ich mein Bestes versucht, da mir auch deren Familie per Skype im Nacken saß, aber ich konnte sie nur damit trösten, dass sie fest saßen und einfach nicht nach Hause kamen. Ich hatte auch Recht, denn eine halbe Stunde nachdem ich dann endlich ins Bett ging -eine Nacht mit sehr wenig Schlaf- sind sie dann in ihrem Wohnheim angekommen.
Der nächste Tag war okay. Es gab Nachbeben,man hat sich irrsinnigerweise schon daran gewöhnt.
Aber trotzdem hat uns eine der Deutschen Hals über Kopf verlassen, wir anderen wollten nicht zurück, trotz der Nachricht dass es in Fukushima zu Problemen gekommen ist und das es eine Explosion gegeben hat.
Wir waren nicht sonderlich beunruhigt, denn die Japaner wirken es auch nicht. Da war wohl was in den Nachrichten was wir nicht verstanden haben . Also sind wir los und haben die Notfallrucksäcke gepackt, so wie eine Mail der Uni es uns empfohlen hat, da Black Outs aufgrund von Fukushima erwartet wurden. Alle Geschäfte hatten auf und es war auch nicht der Teufel los. Mehr als sonst, aber keine Panik. Alle standen ruhig herum, kein Gedränge, allerdings auch kein Wasser und kaum Getränke mehr. Es wirkte unheimlich.
Wir haben vorgekocht für den Fall eines BlackOuts.
Abends habe ich noch einmal mit beiden meiner Eltern geskypt und es war nicht mehr möglich sie zu beruhigen. Es ist eine Sache Erdbeben und Tsunami zu erklären, aber ein Reaktor der kurz davor steht in die Luft zu gehen, so wie es die deutschen Nachrichten verbreiteten, das ist etwas anderes. Die Angst meiner Eltern hat mir Angst gemacht und sie haben es soweit gebracht, dass ich nervlich zusammengebrochen bin. Wie soll ich ihnen klar machen, das wir sicher sind, dass ich nicht nach Hause will? Ich habe es geschafft sie um ein paar Tag zu vertrösten, da ich mit meine Uni absprechen wollte wie ernst die Lage ist und was zu tun ist. Es war klar, dass wir verbliebenen 4 Mädels nicht nach Deutschland wollen, aber abends als mein Kumpel, der Franzose, verängstigt herein kam, dass ihn seine Botschaft angerufen hat -unsere haben wir nie erreichen können nebenbei- und er soll SOFORT Tokyo und Umland verlassen, dass ein weiteres Erdbeben der Stärke 7 angekündigt wurde. Er packt sofort seine Sachen.
Ein Blick bei uns Mädels hat gereicht: Erdbeben allein: okay. Reaktor allein: Okay. Aber Reaktor und Erdbeben: nein, wir buchen. Also haben wir die letzte Deutsch die nicht im Wohnheim wohnt angerufen und haben Bescheid gesagt. sie wollte bleiben, aber wir haben uns gesagt, alle zusammen oder keiner. Ohne große Problem haben wir Flüge für Dienstag gefunden und auch gebucht, sodass wir zeitnah und relativ günstig weg waren.
Wir haben viel geweint und ich dachte ich sehe meinen Kumpel nicht mehr wieder der sofort an dem Abend das Wohnheim verließ.
Wir haben noch mit der Uni abgeklärt das wir nach Hause gehen, es war für alle okay und verständlich, man hat uns noch geholfen wegen es re-entry Dokumentes was zu organisieren, aber da wir aufgrund der zusammengebrochenen Infrastruktur einen Tag Anreise zum Flughafen eingeplant haben (was gut war, denn wir haben den letzten Bus bekommen) nichts mehr organisieren können. Aber alles war am Flughafen möglich. 20 Stunden haben wir dort verbracht, versorgt mit Keksen und Decken, free-Internet und so gut wie keinem Schlaf. Es war voll dort, aber nicht voller als ich gewohnt bin. Keine Angst, auch nicht als nachts ein größeres Beben war.
Alles lief reibungslos: re-entry, Flug nach Malaysia und von dort nach Frankfurt. Wir haben uns immer auf dem Laufenden gehalten was passiert ist,wir haben uns dafür gehasst unsere Freunde zurück zu lassen ohne uns zu verabschieden. Wir kamen uns vor wie Verräter. Aber nach 3 Tagen fast ohne Schlaf sind wir angekommen und alle unser Eltern waren da. Wir waren soweit sicher, obwohl wir uns nie direkt bedroht gefühlt haben. Und trotzdem gaukelt uns der Körper uns auch noch weiterhin das Gefühl vor, als würde die Erde beben. ich hab auch Deutschland immer mein Erdbebenwasser dabei gehabt um zu sehen ob es ein Erdbeben ist oder nur mein Körper. Natürlich war es nur mein Körper.
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.Ich war fertig ich wusste nicht was sich tun soll. Also bin ich nach zwei Wochen nach Halle und habe meine Freunde terrorisiert. Ich habe sie belagert was sich tun soll, um weitere objektive Argumente gebeten. Ich habe auch Kontakt nach Hause gehalten aber ich wollte diesen Zwang und Druck nicht haben. und dann musste ich mich entscheiden, von Seiten der Uni her. Ich habe es mir schwer getan: der eigene Wunsch oder der Wunsch meiner Familie.
Ich hab mich vorerst für mich entschieden und nach einer Woche wieder gut schlafen können. Es stand für mich fest und erzählte es meiner Mutter: sie meinte sie wusste es und es sei von ihr aus okay, solange ich glücklich bin. Meinem Vater wollte ich es erst sagen als ich wieder im Norden war. Ich wollte es persönlich machen und ihn vor vollendete Tatsachen stellen, ich bin erwachsen, ich kann abschätzen was um mich herum passiert.
Er wusste es auch schon, er war nicht begeistert, aber ich bin erwachsen. Er hat mir keine Steine in den Weg gelegt, kein Geld oder sonstiges gestrichen, aber ich sollte nicht mehr von ihm erwarten. Es war die härteste Entscheidung die ich je hatte, es tat mir weh und erschien mir verkehrt obwohl ich sicher war dass es genau das ist was sich will.
Und dann bin ich geflogen: allein, weil keine der Mädchen mit wollte, keiner mehr aus Halle. Wir haben die Chance gehabt ein Semester zu pausieren, aber das kam nie in Frage für mich.
Jetzt war ich allein in Japan, zumindest allein aus Deutschland. Glücklicherweise war mein bester Kumpel wieder da und haben für das zweite Semester unser Bestes gegeben.
Unser Glück das wir schon dort waren. Wir wussten halbwegs was uns erwartet, aber es war hart. Zu meine alten japanischen Freunde hatte ich keinen Kontakt mehr. Ich musste neue finden. Keiner hat meine Sprache gesprochen. Ich habe erkannt was Ignoranz bedeutet und ich hab mich durchgebissen. Ich hab mich mit Unterricht überhäuft, Kontakte geknüpft und es war das Richtige zurückzugehen. Ich habe alle Chancen genutzt die ich haben konnte und konnte mich voll und ganz auf die Kultur einlassen...zumindestens soweit sie mich haben wollte.
Aber in Tokyo war es so als wäre nie was gewesen. Ja, als das zweite Semester anfing gab es eine echte Einführung für uns, wie wir uns zu verhalten haben, wie wir unseren Notrucksack zu packen haben, was wir immer mit uns tragen sollen. Danke, das kommt für uns die dabei waren ein wenig spät, aber gut zu wissen. Wichtiger war für uns die Frage was können wir essen und trinken. Die deutschen Nachrichten haben uns wahnsinnig gemacht. Wasser ist verseucht...manchmal. Spinat und Milch gar nicht mehr genießbar. Was ist okay?
Man riet uns zu gekauften Wasser, dass ist größtenteils importiert und das Essen sei unter ständiger Kontrolle, das sei weniger wild. Zumal zu dem damaligen Zeitpunkt die Radioaktivität noch nicht im Boden war und alles oberflächlich war. Ich persönlich denke jetzt werden die Studenten Probleme haben, aber es ist eine Frage der Information vom Staat. Während ich dort war habe ich kaum etwas mitbekommen. Nur über das deutsche Nachrichtensystem, dem ich aber zutiefst misstraut habe. Im Laden war meistens alles erhältlich. Mal fehlte Spinat, eine Zeit lang waren Milchprodukte rar, aber insgesamt konnte man sich nicht beklagen. Es gab ausreichend Wasser, es waren keine Regale leer gekauft und auch die wenigen ängstlichen Gesichter waren weg. Keiner hat uns mehr abgeraten das Land zu verlassen, unsere ausländischen Lehrer haben über die Panik gelacht.
Trotzdem haben wir alle manchmal gezuckt, denn wir hatten noch immer die Phantombeben in unserem Körper und befürchteten ein weiteres Nachbeben die mit der Zeit bis Juni weniger wurden, dann aber interessanterweise im Wochenrhythmus wieder stärker auftraten. Von der schreckhaften Angst hab ich mich aber zum Durchschlafen gewandelt.
Die Japaner waren froh uns Ausländer zu sehen,aber keiner hat das Erdbeben -dort wird vom Erdbeben nicht von Fukushima gesprochen- von sich aus angesprochen und wenn wir darüber gesprochen haben, dann war es nur ein kleine Anekdote. Die Uni wollte es allerdings für uns häufiger zum Thema machen, aber irgendwann haben wir geschrien: „Wir wollen nicht mehr. Es ist alle gesagt, wir wollen uns nicht mehr rechtfertigen.“ Und es wurde akzeptiert.
Von Zuhause habe ich in jeder Mail die Frage bekommen ob ich schon nachts leuchte oder einen dritten Arm habe, und ich musst bestimmt Regeln befolgen: Nicht nördlicher als Tokyo reisen oder im Meer baden. Zum Teil habe ich sie eingehalten.
Ich leuchte nicht, ich habe keinen dritten Arm. Ich habe richtige Freunde gefunden. Ich bin stolz auf meine Entscheidung, es war insgesamt das best Jahr meines Lebens.
Danke fürs Zuhören."
Ich poste hier mein Skript und werde hoffentlich noch einen Mitschnitt des Vortrags bekommen, den ich versuchen werde in den Bog zu integrieren.
"Hallo, ich denke das mich die meisten hier schon kennen, aber für die anderen: Ich bin Yvonne und studiere Japanologie und Ethnologie im 5ten Fachsemester. Letzten September bin ich ein Jahr an die Musashi Universität in Tokyo gegangen. Während ich dort war hat sich das große Tohoku Erdbeben ereignet und ich möchte euch heute erzählen wie ich es erlebt habe. Ich werde ich kurz was zu den Vorbereitungen und Warnungen erzählen, wie ich selber das Erbeben erlebt habe und warum ich nach Deutschland gekommen bin, nur um wieder kurz darauf zurückzukehren um mein Studium fertig zu machen. Wie es in Tokyo dann aussah und wie die Japaner mit der Situation umgegangen sind kommt dann logischerweise zum Schluss.
Wir, also ich und 5 weiter Studentinnen hier aus Halle, sind im September angekommen. Und wir haben von vorne bis hinten alles von der Musashi organisiert bekommen. Wer an dem angegebenen Tag da war wurde vom Flughafen abgeholt und zum Wohnheim gebracht. Gut, ich war daher da, aber das hab ich auch allein geschafft.
Wir wurden von Studenten zur Universität geführt und haben mit ihnen den Formalitäten im Amt erledigt. Und auch in der Uni gab es bevor es so richtig mit dem Studium los ging, was so 5 Tage später war, viele Treffen, Besprechungen und Gruppen die uns auf alles vorbereiten sollten was kommen konnte. Also wie läuft das ab, wo ist was, was müssen wir belegen und wer ist für uns zuständig. Wir haben unzählige Merkzettel und Listen bekommen, Telefonnummern für Notfälle – es kann ja immer mal vorkommend ,dass man bei der Polizei ist oder im Krankenhaus Hilfe braucht. Gut, ich hab mir natürlich gleichem ersten Monat meinen Knöchel gebrochen, aber da hat die Uni nicht soviel geholfen.
Das uns jemand erzählt hat wie man sich speziell bei einem Erdbeben verhält, daran kann ich mich nicht erinnern. Aber gut, man weiß als Japanologe das es hier viele Erdbeben gibt und hat mal im Unterricht als Übungstext mal zwei, drei Maßnahmen durchgenommen. Das haben wir auch an der Musashi, aber es war keine direkte Anweisung für uns.
Da unser Wohnheim nicht direkt von der Musashi war, haben wir dort auch noch mal direkt ein Einweisung bekommen. Wie wird das Postfach geöffnet, wann sind die Küchenzeiten, wo ist der Sammelplatz für Notfallsituation wie ein Erdbeben AHA! Aber wie man sich verhält wenn was passiert...ne, ich kann mich nicht erinnern.
Aber kein Problem, wer rechnet denn mit so etwas.
Und auch wenn alle sagen, dass es andauernd bebt, so hab ich erst nach 2 Monaten mein erstes gespürt. Ehrlich gesagt war ich an dem Tag angetrunken und hab gedacht das ich schwanke, aber ich habe in dem Raum den Fernseher wackeln sehen, da war mir klar, das nicht ich, sondern die Erde der Übeltäter ist. Aber war nicht schlimm. Ein weiteres Mal hab ich morgens ein Beben erlebt als ich noch im Bett lag. Ich bin aufgewacht und hab gedacht „Oh, ein Erdbeben“ und es schaukelt mich wieder angenehm sanft zurück in den Schlaf. Es war nicht das was ich mir unter einem Erdbeben vorgestellt hab. Es ist mehr so gewesen, als sei ein großer LKW an einem dicht vorbeigefahren. Das was man dann auch in Deutschland spürt. Nichts hat geklirrt oder ist umgefallen.
Man hat keine Angst und auch die Nachricht, dass es gerade ein paar Tage vorher in Miyagi ein Erdbeben der Stärke 7 oder so gab, hat uns in Tokyo nicht interessiert, da wir nichts gespürt haben.
Am 11. März bin ich mit meiner deutschen Freundin zur Uni -bedenkt wir hatten Semesterferien- um im Gym dort eine Runde zu trainieren. Mein bester Kumpel war auch dabei und wir haben unser Work-out gemacht. Danach ging es unter die Dusche. Und genau dort befanden wir uns als es passierte.
Zuerst dachte ich in dieser kleinen Duschkabine das ich beim Sport nicht genügend getrunken habe, sodass mir schwindelig ist und halt mich an der Wand fest. Ich hab gemerkt, dass es nicht in meinem Kopf ist, sondern ein Erdbeben. Ein im Nachhinein böser Gedanke, aber ich dachte „Cool, man merkt ein Erdbeben sogar im 3. Obergeschoss!“ Ja, aber es hat nicht aufgehört, im Gegenteil es wurde schlimmer. Also kurz nachgedacht: was soll ich machen? „Im Fall eines Erdbebens Fenster und Türen öffnen und sich unter dem Tisch verstecken“. Äh ja. Also Duschtür auf und Raumtür auf – die Duschen hatte alle noch einen Miniraum davor- und dann standen meine Freundin und ich in einem komplett leeren Raum in Handtüchern und wussten nicht was zu tun ist? Raus? In die Tür zum Flur? Im Handtuch? Im Raum bleiben? Ihre Angst hat mich beruhigt. Ich hab uns gesagt dass die Gebäude erdbebensicher sind. Es war wie ein Mantra in meinem Kopf und hat auch erst nicht geholfen da es noch einmal richtig anfing zu wanken. Man kann es sich nicht vorstellen und ich kann es nicht beschreiben. Man sagt es ist wie Schiff fahren, aber nein, da bewegt sich das Schiff im Ganzen. Aber in einem Gebäude bewegen ich Boden und Wände getrennt.Die Türen knarren und es waren ein paar nicht identifizierbare Geräusche. Aber es ließ dann nach. Ich hab kurz das Shampoo ausgewaschen und bin nach vorne zum Trainingsraum, fragen was wir machen sollen. Keiner da! Und die Tür zum Treppenhaus ist zu! Panik! Also zurück in die Dusche und wir haben unsere Sachen gerafft und so schnell wie möglich raus. Da war der Trainer wieder da und ich schildere unsere Situation, und frag was wir hätten machen können, denn Treppe bei der Stärke wäre weniger gut und der Fahrstuhl steckte fest, wie wir gerade gemerkt haben. Er sagte war schon okay, aber in der Regel raus. In dem Moment fing es wieder leicht an und wir sind raus.
Draußen erstmal setzen und Leute anrufen. Wo ist mein Kumpel? Noch in der Dusche? Obwohl er ne habe Stunde vorher fertig war mit Sport? Kein Freizeichen. Ich versuch es bei den anderen Mädels, wir haben ein starkes Rudelgefühl gehabt. Auch kein Freizeichen. Also haben wir Mails geschrieben die auch rausgingen, aber kein Antwort kam.
Nun ja, die Situation war soweit wieder ruhig. Wir beschlossen heim zu gehen und vielleicht sind die anderen alle zu Hause. 10 Minuten später, als wir an einem Bahnübergang standen kam das oder war es eins der vielen?- Nachbeben. Die Straßenschilder und Überlandleitungen schwangen umher. Die Pachinkohalle neben uns wurde evakuiert, zumindest kamen Unmengen von Japanern heraus. Und alle komplett ruhig, keine Panik, man hat bei kaum der Menschen Angst in den Augen gesehen. Gut dachten wir uns, dann passt das.
Ab ins Yaoya (Gemüseladen) noch schnell Essen kaufen und mal nachhaken ob das ein starkes Beben war. „Naja, es war schon ein Stärkeres. Aber nichts schlimmes“ Gut die müssen es ja wissen. Vor dem Wohnheim saß unsere brasilianische Freundin und wirkte verängstigt und mein Kumpel kam heraus und sprang mir auf den Arm. Er hätte versucht uns zu erreichen. Eindeutig ist das Handynetz zusammengebrochen. Die Mal kam nämlich auch nicht durch. Erst morgens um 4.
Das Office vom Wohnheim hat gesagt wir sollen mit unserem „Erdbeben-Wasser“ uns am besten in der Küche (was auch gleich Aufenthaltsraum ist) zusammen tun, bzw. eigentlich haben wir das gleich auch automatisch gemacht. Keiner wollte im 2. Stock sein und die Nachbeben die alle Viertel-Halbe Stunde kamen allein erleben. Es wurde kontrolliert das die Gasherde wieder funktionieren und Wasser auch in Ordnung ist, aber trotzdem hatten wir an dem Tag Verbot mir Gas zu kochen und Leitungswasser zu trinken. Und dann wird es 18 Uhr. Das Office hat Feierabend und liess uns soweit allein. Und wir schalten den Fernseher ein. Und wir haben gedacht das es NUR ein Erdbeben war, aber die Bilder von dem Tsunami, wie er über den Flughafen in Sendai rollt hat uns erschreckt. Uns wurde in diesem Moment klar was das Erdbeben für Folgen hat, bzw. das es einen Tsunami gab, dass ein Leichenzähler bereits in der Ecke des Fernsehers rund 600 anzeigte. Glaubt mir, in diesem Moment stand uns allen Panik in den Augen!
Wir schauen ununterbrochen die Sendung die alle nur dieselben Bilder zeigten, als ich eine Nachricht auf mein Handy bekommen. Ich habe mich gefreut dass wir wieder Netz haben und wir endlich wissen wo die anderen sind -eine unserer Mädels war noch an einem unbekannten Ort. Aber ich hatte nicht eine Nachricht von ihr, sondern eine SMS aus Deutschland „Tochter! Alles klar bei dir? Ich kann dich nicht anrufen!“ Mein Vater. Und dann wurde uns klar, dass die ganze Welt weiß was passiert ist. Was müssen unsere Familien jetzt denken?
Da ich nicht antworten konnte bin ich ins Zimmer und habe schnell, da ich wieder zurück wollte, Mails an meine Eltern geschrieben, dass wir soweit in Ordnung sind, der Tsunami nichts mit uns zu tun hat und ich wieder in Küche bin, da ich mich dort sicherer fühle.
Aber wir waren nicht mehr solange in der Küche. Wir haben nachher schnell gekocht und dann haben wir uns getrennt. Die Beben sind seltener geworden, zwar immer noch häufig, aber es war ertragbar.
Im Zimmer hab ich dann per Internet Kontakt aufgenommen und 4 Stunden lang Mail beantwortet, bei Facebook geantwortet, per Facebook und Skype mit jedem der online war gechattet. Ich hab immer nur gesagt das es mir gut geht, das Tokyo steht und ich zig Leute habe die das noch wissen wollen und alle haben sie dann auch Ruhe gegeben. Ich habe mit meiner Mutter geskypt und die Lage erklärt, das uns in Tokyo keine Gefahr droht und es war Okay. Das Handynetz ging wieder und ich hab alle „Vermissten“ der Musashi-Leute gefunden, aber die Kurzzeitstipendiaten die in dem Moment auch in Tokyo waren, waren weg. Da sie kein Handy hatten hab ich mein Bestes versucht, da mir auch deren Familie per Skype im Nacken saß, aber ich konnte sie nur damit trösten, dass sie fest saßen und einfach nicht nach Hause kamen. Ich hatte auch Recht, denn eine halbe Stunde nachdem ich dann endlich ins Bett ging -eine Nacht mit sehr wenig Schlaf- sind sie dann in ihrem Wohnheim angekommen.
Der nächste Tag war okay. Es gab Nachbeben,man hat sich irrsinnigerweise schon daran gewöhnt.
Aber trotzdem hat uns eine der Deutschen Hals über Kopf verlassen, wir anderen wollten nicht zurück, trotz der Nachricht dass es in Fukushima zu Problemen gekommen ist und das es eine Explosion gegeben hat.
Wir waren nicht sonderlich beunruhigt, denn die Japaner wirken es auch nicht. Da war wohl was in den Nachrichten was wir nicht verstanden haben . Also sind wir los und haben die Notfallrucksäcke gepackt, so wie eine Mail der Uni es uns empfohlen hat, da Black Outs aufgrund von Fukushima erwartet wurden. Alle Geschäfte hatten auf und es war auch nicht der Teufel los. Mehr als sonst, aber keine Panik. Alle standen ruhig herum, kein Gedränge, allerdings auch kein Wasser und kaum Getränke mehr. Es wirkte unheimlich.
Wir haben vorgekocht für den Fall eines BlackOuts.
Abends habe ich noch einmal mit beiden meiner Eltern geskypt und es war nicht mehr möglich sie zu beruhigen. Es ist eine Sache Erdbeben und Tsunami zu erklären, aber ein Reaktor der kurz davor steht in die Luft zu gehen, so wie es die deutschen Nachrichten verbreiteten, das ist etwas anderes. Die Angst meiner Eltern hat mir Angst gemacht und sie haben es soweit gebracht, dass ich nervlich zusammengebrochen bin. Wie soll ich ihnen klar machen, das wir sicher sind, dass ich nicht nach Hause will? Ich habe es geschafft sie um ein paar Tag zu vertrösten, da ich mit meine Uni absprechen wollte wie ernst die Lage ist und was zu tun ist. Es war klar, dass wir verbliebenen 4 Mädels nicht nach Deutschland wollen, aber abends als mein Kumpel, der Franzose, verängstigt herein kam, dass ihn seine Botschaft angerufen hat -unsere haben wir nie erreichen können nebenbei- und er soll SOFORT Tokyo und Umland verlassen, dass ein weiteres Erdbeben der Stärke 7 angekündigt wurde. Er packt sofort seine Sachen.
Ein Blick bei uns Mädels hat gereicht: Erdbeben allein: okay. Reaktor allein: Okay. Aber Reaktor und Erdbeben: nein, wir buchen. Also haben wir die letzte Deutsch die nicht im Wohnheim wohnt angerufen und haben Bescheid gesagt. sie wollte bleiben, aber wir haben uns gesagt, alle zusammen oder keiner. Ohne große Problem haben wir Flüge für Dienstag gefunden und auch gebucht, sodass wir zeitnah und relativ günstig weg waren.
Wir haben viel geweint und ich dachte ich sehe meinen Kumpel nicht mehr wieder der sofort an dem Abend das Wohnheim verließ.
Wir haben noch mit der Uni abgeklärt das wir nach Hause gehen, es war für alle okay und verständlich, man hat uns noch geholfen wegen es re-entry Dokumentes was zu organisieren, aber da wir aufgrund der zusammengebrochenen Infrastruktur einen Tag Anreise zum Flughafen eingeplant haben (was gut war, denn wir haben den letzten Bus bekommen) nichts mehr organisieren können. Aber alles war am Flughafen möglich. 20 Stunden haben wir dort verbracht, versorgt mit Keksen und Decken, free-Internet und so gut wie keinem Schlaf. Es war voll dort, aber nicht voller als ich gewohnt bin. Keine Angst, auch nicht als nachts ein größeres Beben war.
Alles lief reibungslos: re-entry, Flug nach Malaysia und von dort nach Frankfurt. Wir haben uns immer auf dem Laufenden gehalten was passiert ist,wir haben uns dafür gehasst unsere Freunde zurück zu lassen ohne uns zu verabschieden. Wir kamen uns vor wie Verräter. Aber nach 3 Tagen fast ohne Schlaf sind wir angekommen und alle unser Eltern waren da. Wir waren soweit sicher, obwohl wir uns nie direkt bedroht gefühlt haben. Und trotzdem gaukelt uns der Körper uns auch noch weiterhin das Gefühl vor, als würde die Erde beben. ich hab auch Deutschland immer mein Erdbebenwasser dabei gehabt um zu sehen ob es ein Erdbeben ist oder nur mein Körper. Natürlich war es nur mein Körper.
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.Ich war fertig ich wusste nicht was sich tun soll. Also bin ich nach zwei Wochen nach Halle und habe meine Freunde terrorisiert. Ich habe sie belagert was sich tun soll, um weitere objektive Argumente gebeten. Ich habe auch Kontakt nach Hause gehalten aber ich wollte diesen Zwang und Druck nicht haben. und dann musste ich mich entscheiden, von Seiten der Uni her. Ich habe es mir schwer getan: der eigene Wunsch oder der Wunsch meiner Familie.
Ich hab mich vorerst für mich entschieden und nach einer Woche wieder gut schlafen können. Es stand für mich fest und erzählte es meiner Mutter: sie meinte sie wusste es und es sei von ihr aus okay, solange ich glücklich bin. Meinem Vater wollte ich es erst sagen als ich wieder im Norden war. Ich wollte es persönlich machen und ihn vor vollendete Tatsachen stellen, ich bin erwachsen, ich kann abschätzen was um mich herum passiert.
Er wusste es auch schon, er war nicht begeistert, aber ich bin erwachsen. Er hat mir keine Steine in den Weg gelegt, kein Geld oder sonstiges gestrichen, aber ich sollte nicht mehr von ihm erwarten. Es war die härteste Entscheidung die ich je hatte, es tat mir weh und erschien mir verkehrt obwohl ich sicher war dass es genau das ist was sich will.
Und dann bin ich geflogen: allein, weil keine der Mädchen mit wollte, keiner mehr aus Halle. Wir haben die Chance gehabt ein Semester zu pausieren, aber das kam nie in Frage für mich.
Jetzt war ich allein in Japan, zumindest allein aus Deutschland. Glücklicherweise war mein bester Kumpel wieder da und haben für das zweite Semester unser Bestes gegeben.
Unser Glück das wir schon dort waren. Wir wussten halbwegs was uns erwartet, aber es war hart. Zu meine alten japanischen Freunde hatte ich keinen Kontakt mehr. Ich musste neue finden. Keiner hat meine Sprache gesprochen. Ich habe erkannt was Ignoranz bedeutet und ich hab mich durchgebissen. Ich hab mich mit Unterricht überhäuft, Kontakte geknüpft und es war das Richtige zurückzugehen. Ich habe alle Chancen genutzt die ich haben konnte und konnte mich voll und ganz auf die Kultur einlassen...zumindestens soweit sie mich haben wollte.
Aber in Tokyo war es so als wäre nie was gewesen. Ja, als das zweite Semester anfing gab es eine echte Einführung für uns, wie wir uns zu verhalten haben, wie wir unseren Notrucksack zu packen haben, was wir immer mit uns tragen sollen. Danke, das kommt für uns die dabei waren ein wenig spät, aber gut zu wissen. Wichtiger war für uns die Frage was können wir essen und trinken. Die deutschen Nachrichten haben uns wahnsinnig gemacht. Wasser ist verseucht...manchmal. Spinat und Milch gar nicht mehr genießbar. Was ist okay?
Man riet uns zu gekauften Wasser, dass ist größtenteils importiert und das Essen sei unter ständiger Kontrolle, das sei weniger wild. Zumal zu dem damaligen Zeitpunkt die Radioaktivität noch nicht im Boden war und alles oberflächlich war. Ich persönlich denke jetzt werden die Studenten Probleme haben, aber es ist eine Frage der Information vom Staat. Während ich dort war habe ich kaum etwas mitbekommen. Nur über das deutsche Nachrichtensystem, dem ich aber zutiefst misstraut habe. Im Laden war meistens alles erhältlich. Mal fehlte Spinat, eine Zeit lang waren Milchprodukte rar, aber insgesamt konnte man sich nicht beklagen. Es gab ausreichend Wasser, es waren keine Regale leer gekauft und auch die wenigen ängstlichen Gesichter waren weg. Keiner hat uns mehr abgeraten das Land zu verlassen, unsere ausländischen Lehrer haben über die Panik gelacht.
Trotzdem haben wir alle manchmal gezuckt, denn wir hatten noch immer die Phantombeben in unserem Körper und befürchteten ein weiteres Nachbeben die mit der Zeit bis Juni weniger wurden, dann aber interessanterweise im Wochenrhythmus wieder stärker auftraten. Von der schreckhaften Angst hab ich mich aber zum Durchschlafen gewandelt.
Die Japaner waren froh uns Ausländer zu sehen,aber keiner hat das Erdbeben -dort wird vom Erdbeben nicht von Fukushima gesprochen- von sich aus angesprochen und wenn wir darüber gesprochen haben, dann war es nur ein kleine Anekdote. Die Uni wollte es allerdings für uns häufiger zum Thema machen, aber irgendwann haben wir geschrien: „Wir wollen nicht mehr. Es ist alle gesagt, wir wollen uns nicht mehr rechtfertigen.“ Und es wurde akzeptiert.
Von Zuhause habe ich in jeder Mail die Frage bekommen ob ich schon nachts leuchte oder einen dritten Arm habe, und ich musst bestimmt Regeln befolgen: Nicht nördlicher als Tokyo reisen oder im Meer baden. Zum Teil habe ich sie eingehalten.
Ich leuchte nicht, ich habe keinen dritten Arm. Ich habe richtige Freunde gefunden. Ich bin stolz auf meine Entscheidung, es war insgesamt das best Jahr meines Lebens.
Danke fürs Zuhören."
Sonntag, 24. April 2011
Kirschblüten im Regen
Die erste Unterrichtswoche mit ganzen zwei Tagen ist zu Ende. Am Freitag hatte ich noch "East Asia Economy" und ich saß echt nur mit Chris, dem Amerikaner drin. Economy ist echt nicht mein Hauptinteressengebiet, aber ich denke, dass die kleine Anzahl von Studenten das gut kompensiert. War auch echt ne nette Runde, man redet einfach dem Prof rein wenn man was zu sagen hat.
Danach noch ne Runde Sport und ich war glücklich. Endlich ist die erste Runde Muskelkater seit heute vorbei, dafür Schmerzen die nächsten Muskeln aus der zweiten Runde. Schlimm, wieviel man an Muskeln abbaut wenn man mal pausiert. ja, ich weiß: Selbst Schuld!
In der Nacht hat es auf einmal fürchterlich zu regnen angefangen. Richtig Platzregen, als wären wir in der Monsunzeit. Passend dazu schüttelte es auf einmal wieder das ganze Haus. Wär ich nicht so müde gewesen, hätte es mich mehr gekratzt. So hab ich nur gedacht: Hehe, wie ein Weltuntergang.
Samstag hatten wir dann eine ne Orientation für uns Ausländer. Naja, wir anwesenden vier Europäer brauchten sie an sich nicht, aber die drei Chinesinnen, die dazugestossen sind. Aber was wir gelernt haben: Wie benimmt man sich im Falle eine Erdbebens. Danke, das wollte ich unbedingt wissen. Naja, gut ich weiß jetzt wie ich meinen Notfallrucksack packen muss und was ich am besten täglich bei mir tragen sollte. Ist auch nicht zu unterschätzen. Er hat uns auch erklärt, dass Nahrungsmittel und Wasser unter stetiger Kontrolle stehen. Man ist darauf bedacht die Metropole zu schützen. Auch was radioaktiven Regen angeht, brauchen wir uns momentan nicht fürchten. Selbst im Falle der Explosion, welche absolut unwahrscheinlich ist, besteht eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit, dass die megabösen Plutoniumpartikel nach Tokyo gelangen. Natürlich sollen wir aufmerksam alles verfolgen, da die Nachrichtenerstattung immer noch gering ist, aber beim Wetter ist mittlerweile auch ein Radioaktivitätszähler für die jeweiligen Regionen zu sehen. Brian unterstützt uns auch, sofern wir helfen wollen, rät uns aber dringend davon ab, in Sendai helfen zu wollen oder anderen nördlichen Gegenden. Die Uni sorgt wirklich um uns, und freundlicherweise haben sie uns die Miete für April erstattet. Wenn man bedenkt, dass ich von meiner deutschen Uni rein garnichts höre, ist das unglaublich.
Nachdem wir dann für Brian noch einen seiner geliebten Aufsätze geschrieben haben (Wie war das Erdbeben, was für Erfahrungen haben wir gemacht, wie hat sich die Uni verhalten und was wir noch dazu sagen wollen), hab ich schnell meine Kurse angemeldet und dann ging es indisch Essen.
Das hatte ich noch nicht in Tokyo und war auch sehr lecker. Zwar mir mein Schärfegrad nicht scharf genug, aber für's nächste Mal. Man hat sich mit den Chinesinnen unterhalten, Fotos gemacht und dann bin ich nach Haue hausaufgabenmchen, schließlich ist Montag noch ein Vokabeltest.
Nach Hause ging es doch nicht so leicht wie gedacht, weil es echt schüttete. Wozu hab ich nen Schirm, wenn ich eh zur Hälfte nass bin. Meine Hose hat sich bis zu den Knien vollgesogen. Und der Wind ist fies und will einem den Schirm klauen.
Glücklicherweise wohn ich nicht so weit weg und hab dann halbtrocken mit dem Office über die Zimmer der deutschen Mädels geredet. Viel ist nicht bei rausgekommen, aber ich hab Montag noch nen Termin mit der Chefin aus der Uni, die soll da mehr wissen.
Und dann: Yo kam in mein Zimmer vorbei (uh, wie ungezogen) und dann haben wir wieder gekocht. "Yvonne, it's a pleasure to cook with you again." Oh, ja, das ist es. Das hab ich echt vermisst. Leider ist die Küche sehr ruhig geworden, aber wir haben die kranke Midori dazu geholt damit sie was isst und es war wie vorher. Danach ging es auch wieder ins Studierzimmer. Japanisch erfordert dieses Semester mehr Disziplin, also haben wir Vokabeln und Grammatik bearbeitet und sind danach in eine unseren wunderbaren Diskussionen abgedriftet. Mit Yo macht das echt Spaß. Er meint er hat keine Ahnung von Ethnologie, aber sein ganzer Blick auf Japan ist ethnologisch. Kombiniert mit einigen Elementen aus Politik, Wirtschaft oder Geschichte und wir können uns stundenlang unterhalten. Vergleichen Japan mit Deutschland und Frankreich oder einfach nur unserer Länder. Ja, ich bin wieder zu Hause.
Sonntag ging es dann ganz spontan nach Shinjikugyoen. Ich wollte mit Midori, die nur einen Tag vor mir wieder hierher gekommen ist, noch ein Hanami (Kirschblütenfest) machen. Wir haben ja die Hauptblüte verpasst. Aber leider ist sie krank und hat abgesagt, da bin ich los und hab Yo mitgenommen.
Shinjukugyoen liegt in Shinjuku. Ich wusste nicht, dass es an dem größten Bahnhof direkt ein großer Park liegt. Er kostet auch Eintritt, aber der war es wert. Es blüten an allen Ecken Kirschbäume. Weil es hier verschiedene gibt, blühen sie länger als an anderen Orten. Aber auch anderen Blüten und extrem kreischig pinken Büsche
waren in voller Blütenpracht. Zwei angelegte Seen und ein französischer Garten sorgen für Abwechslung. In den Seen sind Schildkröten und Fische (Überraschung) und eine Familie hat Flusskrebse gefangen. Das zeigt das die Qualität des Wasser sehr gut ist. Auf den freien Plätzen zwischen den Kirschbäumen haben Familien gespielt, unter den Bäumen lagen die
Japaner und haben sich ausgeruht. Man sah viele Paare -ja, neben dem Umeda Sky Building würde ich Shinjukugyoen im Frühjahr als Dating-Spot für gut befinden- aber trotzdem war es trotz der Fülle an Menschen friedlich und beruhigend. Nebenbei, es ist Ostern, aber das bekommt man hier nicht im Geringsten mit.
Es war ein schöner Tag. Yo meinte ich sei zwar sehr ruhig, aber was soll man sagen wenn man das Gesicht der Sonne entgegenstreckt, Blüten bewundert und einfach glücklich ist? Ich denke wie bei ihm, das sich mich selber noch ein wenig innerlich sortieren muss, obwohl ich mich wieder zu Hause fühle und alles so ist und besser wie ich es kenne.

Danach noch ne Runde Sport und ich war glücklich. Endlich ist die erste Runde Muskelkater seit heute vorbei, dafür Schmerzen die nächsten Muskeln aus der zweiten Runde. Schlimm, wieviel man an Muskeln abbaut wenn man mal pausiert. ja, ich weiß: Selbst Schuld!
In der Nacht hat es auf einmal fürchterlich zu regnen angefangen. Richtig Platzregen, als wären wir in der Monsunzeit. Passend dazu schüttelte es auf einmal wieder das ganze Haus. Wär ich nicht so müde gewesen, hätte es mich mehr gekratzt. So hab ich nur gedacht: Hehe, wie ein Weltuntergang.
Samstag hatten wir dann eine ne Orientation für uns Ausländer. Naja, wir anwesenden vier Europäer brauchten sie an sich nicht, aber die drei Chinesinnen, die dazugestossen sind. Aber was wir gelernt haben: Wie benimmt man sich im Falle eine Erdbebens. Danke, das wollte ich unbedingt wissen. Naja, gut ich weiß jetzt wie ich meinen Notfallrucksack packen muss und was ich am besten täglich bei mir tragen sollte. Ist auch nicht zu unterschätzen. Er hat uns auch erklärt, dass Nahrungsmittel und Wasser unter stetiger Kontrolle stehen. Man ist darauf bedacht die Metropole zu schützen. Auch was radioaktiven Regen angeht, brauchen wir uns momentan nicht fürchten. Selbst im Falle der Explosion, welche absolut unwahrscheinlich ist, besteht eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit, dass die megabösen Plutoniumpartikel nach Tokyo gelangen. Natürlich sollen wir aufmerksam alles verfolgen, da die Nachrichtenerstattung immer noch gering ist, aber beim Wetter ist mittlerweile auch ein Radioaktivitätszähler für die jeweiligen Regionen zu sehen. Brian unterstützt uns auch, sofern wir helfen wollen, rät uns aber dringend davon ab, in Sendai helfen zu wollen oder anderen nördlichen Gegenden. Die Uni sorgt wirklich um uns, und freundlicherweise haben sie uns die Miete für April erstattet. Wenn man bedenkt, dass ich von meiner deutschen Uni rein garnichts höre, ist das unglaublich.
Nachdem wir dann für Brian noch einen seiner geliebten Aufsätze geschrieben haben (Wie war das Erdbeben, was für Erfahrungen haben wir gemacht, wie hat sich die Uni verhalten und was wir noch dazu sagen wollen), hab ich schnell meine Kurse angemeldet und dann ging es indisch Essen.
Das hatte ich noch nicht in Tokyo und war auch sehr lecker. Zwar mir mein Schärfegrad nicht scharf genug, aber für's nächste Mal. Man hat sich mit den Chinesinnen unterhalten, Fotos gemacht und dann bin ich nach Haue hausaufgabenmchen, schließlich ist Montag noch ein Vokabeltest.
Nach Hause ging es doch nicht so leicht wie gedacht, weil es echt schüttete. Wozu hab ich nen Schirm, wenn ich eh zur Hälfte nass bin. Meine Hose hat sich bis zu den Knien vollgesogen. Und der Wind ist fies und will einem den Schirm klauen.
Und dann: Yo kam in mein Zimmer vorbei (uh, wie ungezogen) und dann haben wir wieder gekocht. "Yvonne, it's a pleasure to cook with you again." Oh, ja, das ist es. Das hab ich echt vermisst. Leider ist die Küche sehr ruhig geworden, aber wir haben die kranke Midori dazu geholt damit sie was isst und es war wie vorher. Danach ging es auch wieder ins Studierzimmer. Japanisch erfordert dieses Semester mehr Disziplin, also haben wir Vokabeln und Grammatik bearbeitet und sind danach in eine unseren wunderbaren Diskussionen abgedriftet. Mit Yo macht das echt Spaß. Er meint er hat keine Ahnung von Ethnologie, aber sein ganzer Blick auf Japan ist ethnologisch. Kombiniert mit einigen Elementen aus Politik, Wirtschaft oder Geschichte und wir können uns stundenlang unterhalten. Vergleichen Japan mit Deutschland und Frankreich oder einfach nur unserer Länder. Ja, ich bin wieder zu Hause.
Sonntag ging es dann ganz spontan nach Shinjikugyoen. Ich wollte mit Midori, die nur einen Tag vor mir wieder hierher gekommen ist, noch ein Hanami (Kirschblütenfest) machen. Wir haben ja die Hauptblüte verpasst. Aber leider ist sie krank und hat abgesagt, da bin ich los und hab Yo mitgenommen.
Shinjukugyoen liegt in Shinjuku. Ich wusste nicht, dass es an dem größten Bahnhof direkt ein großer Park liegt. Er kostet auch Eintritt, aber der war es wert. Es blüten an allen Ecken Kirschbäume. Weil es hier verschiedene gibt, blühen sie länger als an anderen Orten. Aber auch anderen Blüten und extrem kreischig pinken Büsche
Es war ein schöner Tag. Yo meinte ich sei zwar sehr ruhig, aber was soll man sagen wenn man das Gesicht der Sonne entgegenstreckt, Blüten bewundert und einfach glücklich ist? Ich denke wie bei ihm, das sich mich selber noch ein wenig innerlich sortieren muss, obwohl ich mich wieder zu Hause fühle und alles so ist und besser wie ich es kenne.
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Donnerstag, 21. April 2011
Neue Gesichter und alte die auf einmal sprechen
Heute war der richtige Unitag. Nachdem ich gestern grob einen Plan zusammengeschustert habe, bin ich dann heute zu Japanisch gegangen. Ja, also, offiziell sind wir zu dritt im Mittelkurs, aber weil wir nur zu dritt sind, sind wir mit den Fortgeschrittenen zusammengewürfelt worden. Das heißt...weiß ich nicht genau. Auf alle Fälle werden wir ein höheres Level haben als geplant, sollte gut sein. Wäre es auch auf alle Fälle wenn ich nicht die Unbegabteste wäre. Aber ich versuch die Chance zu nutzen, bei nur zweimal die Woch eUnterricht. Das heißt jedes Mal Vokabeltest mit Vokabel aus dem JLPT (internationaler Japanischtest) 2. Den strebe ich auch selbstverliebt an. Also ist das schon mal praktisch. Die Grammatik wird auch Level 2 entsprechen. Die müssen wir uns allerdings anscheinend selber beibringen. Hm...prima.
Naja, inhaltlich gibt es jetzt nicht soviel spannendes zu erzählen, außer das wir die erste Hälfte nur über Fukushima gesprochen haben. Jetzt weiß ich auch die Vokabeln für Radioaktivität, Atombombe und Reaktor, wer hat je gedacht, dass ich die brauche? Senseis Meinung zu dem Status in Tokyo ist: Daijôbu! Alles prima. Das Essen unterliegt strengen Kontrollen, die Radioaktivität kommt auf keinen Fall hierher und die Sonne scheint. Kam mir ein wenig arg blauäugig vor und ich denke mir mal, dass sie es uns Ausländern schön reden will.
Zweite Stunde. Es schimpft sich "Contemporary Identity" -> Zeitgemäße Identität oder so. Der Prof ist Ethnologe, was mich freuen lässt, da ich endlich mal einen ethnologischen Blick mit ethnologischer Methodik beigebracht bekomme. Sofern er heute seinen Monolog geführt hat, wird das auch sehr spannend. Wir sitzen mit grandiosen vier Mann in dem Kurs. Ein Amerikaner, ein Franzose, ne Deutsche (meine Eine) und ein Japaner. Das ist eine wunderbare Mischung. Die Semesterarbeit wird dann eine Buchrezension über ein Buch unserer Wahl mit schriftlicher Ausarbeitung. Find ich gut. Laut seiner Liste sind auch tolle Titel dabei. Die Klassiker "Chrysantheme und Schwert" (Ruth Benedict) und "Strukturen der japanischen Gesellschaft" (Chie Nakane) fehlen natürlich nicht. Ja, da freu ich ich echt drauf.
Dritter Unterricht: Der sterbenslangweilige Titel "Sino-Japanese Relationship" -> Chinesisch-Japanische Beziehung lässt vermuten, dass es langweilig wird. Ich hab das Thema letztes Semester häufig besprochen und eigentlich bin ich nur rein um mir ne Meinung zu bilden, ob ich es belegen will. Der Prof ist Japaner und hat seinen Text zuerst nur abgelesen. Wohooo. Er sei gebeten worden auf English zu lehren, er beherrsche es aber nicht so wirklich. Ich bin da anderer Meinung, aber naja. Aber mit der Selbstvorstellung und einigen Anekdoten haben wir viel gelacht. Er war sehr interessiert an den europäischen Reaktionen zu Fukushima (natürlich) und auch an der französischen Kultur. Sprich er hat sich fast nur mit Yoann unterhalten. Soll mich ja nicht stören solange es unterhaltsam ist. Der Rest hat sich immer nur fragend angesehen, wenn sie auf französisch gewechselt sind. Der Rest ist eigentlich die Gruppe aus dem Unterricht davor und ein weitere Japaner. Ganze fünf Mann! Ich schau mir das Ganze an und richte mein Urteil über das Fach später^^.
Dann hab ich Schluß, und weil ich es versprochen habe, bzw. echt schon Sehnsucht nach Bewegung hab, bin ich Sporten. Wie erwartet war ich die Einzige. Da alle die Neulinge da sind, kümmern sich alle um ihre eigenen Klubs und nicht um Fitness. ich hab es dann doch echt geschafft mich mit dem Trainer ne Stunde zu unterhalten. Bisher hat es nur zu "Hallo" und "O tsukaresama deshita" (Da gibt es nix schönes Deutsches, vielleicht: Danke für die gemeinsame Arbeit oder so)gereicht. Einige Gesprächsversuche von mir sind kläglich gescheitert, weil ich immer nach dem Sport wenn der Kopf schön leer ist, versucht habe zu kommunizieren. Naja, aber diesmal hat es geklappt. Und dann kam noch ein weiterer Sportler, den ich vom Sehen kannte und dessen Trainigsmethode ich für dämlich erachte, aber das nur am Rande, mit dem hab ich dann auch noch geredet. Man hat sich bisher noch nicht mal gegrüßt. Woah!
Ich denke, dass mag daran liegen, dass ich nun hier allein bin. Zum einen muss ich mit den Leuten auf Japanisch/Englisch reden um überhaupt zu reden und zum anderen denke ich, dass ein Haufen deutscher Girlies auch abschreckt, da geht man nicht so schnell in ein Gespräch rein.
In dem Sinne, und das ist nicht böse gemeint, sondern nur situationsdankbar: Danke, das sich hier alleine bin! Natürlich will ich all meine Erlebnisse sofort mit jemanden teilen, aber da muss ich mich gedulden. Yo hat den Kopf gerade voll, weil es bei ihm noch einige Probleme gibt, aber wozu gibt es das Internet? Mails, Blog, Facebook...ich werde meinen tollen Nachrichten schon noch los.
Was die weitere Situation hier betrifft: gegen 22:30 Uhr hatten wir gerade ein Nachbeben. Nicht stärker als das was man bisher kannte, aber einen Tick länger, was dann den Puls ein wenig beschleunigen lässt. Aber kein Problem. Das Stromsparen wird recht gut durchgesetzt. In der Küche ist nun regulär das Licht aus, nur wenn jemand da ist, ist es an. In der Uni brennt auch nur jedes zweite Licht und an einigen Bahnhöfen funktionieren die Rolltreppen nicht. Alles im allem gut.
Die Leute mit denen ich heute gesprochen habe, sind alle der Meinung, dass Tokyo sicher ist. Und das auch nie was passieren wird. Gut, ersteres begrüße ich, zweiteres.....ich will nichts heraufbeschwören. Es ist auch anzumerken, dass die japanischen Nachrichten nicht mehr über Fukushima berichten dürfen. Hab ich noch nicht selber überprüft, ist mir aber von einigen Seiten berichtet worden. Den Grund dafür kenn ich noch nicht, hab Vermutungen, aber das wird erstmal überprüft.
Naja, inhaltlich gibt es jetzt nicht soviel spannendes zu erzählen, außer das wir die erste Hälfte nur über Fukushima gesprochen haben. Jetzt weiß ich auch die Vokabeln für Radioaktivität, Atombombe und Reaktor, wer hat je gedacht, dass ich die brauche? Senseis Meinung zu dem Status in Tokyo ist: Daijôbu! Alles prima. Das Essen unterliegt strengen Kontrollen, die Radioaktivität kommt auf keinen Fall hierher und die Sonne scheint. Kam mir ein wenig arg blauäugig vor und ich denke mir mal, dass sie es uns Ausländern schön reden will.
Zweite Stunde. Es schimpft sich "Contemporary Identity" -> Zeitgemäße Identität oder so. Der Prof ist Ethnologe, was mich freuen lässt, da ich endlich mal einen ethnologischen Blick mit ethnologischer Methodik beigebracht bekomme. Sofern er heute seinen Monolog geführt hat, wird das auch sehr spannend. Wir sitzen mit grandiosen vier Mann in dem Kurs. Ein Amerikaner, ein Franzose, ne Deutsche (meine Eine) und ein Japaner. Das ist eine wunderbare Mischung. Die Semesterarbeit wird dann eine Buchrezension über ein Buch unserer Wahl mit schriftlicher Ausarbeitung. Find ich gut. Laut seiner Liste sind auch tolle Titel dabei. Die Klassiker "Chrysantheme und Schwert" (Ruth Benedict) und "Strukturen der japanischen Gesellschaft" (Chie Nakane) fehlen natürlich nicht. Ja, da freu ich ich echt drauf.
Dritter Unterricht: Der sterbenslangweilige Titel "Sino-Japanese Relationship" -> Chinesisch-Japanische Beziehung lässt vermuten, dass es langweilig wird. Ich hab das Thema letztes Semester häufig besprochen und eigentlich bin ich nur rein um mir ne Meinung zu bilden, ob ich es belegen will. Der Prof ist Japaner und hat seinen Text zuerst nur abgelesen. Wohooo. Er sei gebeten worden auf English zu lehren, er beherrsche es aber nicht so wirklich. Ich bin da anderer Meinung, aber naja. Aber mit der Selbstvorstellung und einigen Anekdoten haben wir viel gelacht. Er war sehr interessiert an den europäischen Reaktionen zu Fukushima (natürlich) und auch an der französischen Kultur. Sprich er hat sich fast nur mit Yoann unterhalten. Soll mich ja nicht stören solange es unterhaltsam ist. Der Rest hat sich immer nur fragend angesehen, wenn sie auf französisch gewechselt sind. Der Rest ist eigentlich die Gruppe aus dem Unterricht davor und ein weitere Japaner. Ganze fünf Mann! Ich schau mir das Ganze an und richte mein Urteil über das Fach später^^.
Dann hab ich Schluß, und weil ich es versprochen habe, bzw. echt schon Sehnsucht nach Bewegung hab, bin ich Sporten. Wie erwartet war ich die Einzige. Da alle die Neulinge da sind, kümmern sich alle um ihre eigenen Klubs und nicht um Fitness. ich hab es dann doch echt geschafft mich mit dem Trainer ne Stunde zu unterhalten. Bisher hat es nur zu "Hallo" und "O tsukaresama deshita" (Da gibt es nix schönes Deutsches, vielleicht: Danke für die gemeinsame Arbeit oder so)gereicht. Einige Gesprächsversuche von mir sind kläglich gescheitert, weil ich immer nach dem Sport wenn der Kopf schön leer ist, versucht habe zu kommunizieren. Naja, aber diesmal hat es geklappt. Und dann kam noch ein weiterer Sportler, den ich vom Sehen kannte und dessen Trainigsmethode ich für dämlich erachte, aber das nur am Rande, mit dem hab ich dann auch noch geredet. Man hat sich bisher noch nicht mal gegrüßt. Woah!
Ich denke, dass mag daran liegen, dass ich nun hier allein bin. Zum einen muss ich mit den Leuten auf Japanisch/Englisch reden um überhaupt zu reden und zum anderen denke ich, dass ein Haufen deutscher Girlies auch abschreckt, da geht man nicht so schnell in ein Gespräch rein.
In dem Sinne, und das ist nicht böse gemeint, sondern nur situationsdankbar: Danke, das sich hier alleine bin! Natürlich will ich all meine Erlebnisse sofort mit jemanden teilen, aber da muss ich mich gedulden. Yo hat den Kopf gerade voll, weil es bei ihm noch einige Probleme gibt, aber wozu gibt es das Internet? Mails, Blog, Facebook...ich werde meinen tollen Nachrichten schon noch los.
Was die weitere Situation hier betrifft: gegen 22:30 Uhr hatten wir gerade ein Nachbeben. Nicht stärker als das was man bisher kannte, aber einen Tick länger, was dann den Puls ein wenig beschleunigen lässt. Aber kein Problem. Das Stromsparen wird recht gut durchgesetzt. In der Küche ist nun regulär das Licht aus, nur wenn jemand da ist, ist es an. In der Uni brennt auch nur jedes zweite Licht und an einigen Bahnhöfen funktionieren die Rolltreppen nicht. Alles im allem gut.
Die Leute mit denen ich heute gesprochen habe, sind alle der Meinung, dass Tokyo sicher ist. Und das auch nie was passieren wird. Gut, ersteres begrüße ich, zweiteres.....ich will nichts heraufbeschwören. Es ist auch anzumerken, dass die japanischen Nachrichten nicht mehr über Fukushima berichten dürfen. Hab ich noch nicht selber überprüft, ist mir aber von einigen Seiten berichtet worden. Den Grund dafür kenn ich noch nicht, hab Vermutungen, aber das wird erstmal überprüft.
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Samstag, 9. April 2011
4 Wochen später: die Entscheidung
Es war hart die Entscheidung zu treffen wie ich die nähere Zukunft gestalten will. Ich hab mit Freunden diskutiert, das Internet ausgequetscht und ein schlechtes Gewissen gehabt.
Es mag für viele unglaublich erscheinen, aber ich habe mich FÜR Japan entschieden. Schweren Herzens habe ich mich gegen meine Familie entschieden und ziehe mein Studium vor. Ein Aufschub und alles andere erschien mir nicht richtig. Ich werde jetzt auch nicht schreiben was das Ausschlaggebende war, den Hauptpunkt Gesundheit, kann ich mit keinem meiner Argumente wiederlegen.
Wie läuft es jetzt ab? Ich kann es nicht mit Gewissheit sagen. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich auch noch nicht zu wann meine Anwesenheit erwünscht ist, wie lang das Studium dann noch geht, weil der Beginn ja verlegt wurde.
Fest steht: von den 6 deutschen Mädels und den beiden die dieses Semester noch dazu kommen sollte, bin ich die einzige die geht. Soweit ich weiß werden insgesamt von allen Hallensern die in Japan studieren nur noch 2 weitere gehen. Und wenn man noch meine Ausländerfreunde betrachtet, dann haben sich die Reihen gelichtet. Die Passauer sind eh nicht mehr dabei, aber auch die beiden nächsten werde nicht nach Tokyo gehen. Die beiden Briten dürfen nicht von der Uni aus, und Yo hat sich nach 4 Wochen durchgesetzt und darf an der Musashi bleiben. Was die andere Lyonerin macht, weiß ich noch nicht. Die Pariser dürfen bleiben, ein Amerikaner wird nicht zurückkommen. Grob überschlagen, da ich nicht weiß was mit all den neuen Asiaten ist, sind wir dann zu neunt. Maximal.
Für mich heißt das: Sprachlevel up. Mit wem soll ich Deutsch sprechen? Da bleibt nur Englisch und Japanisch übrig. Im Wohnheim ist auch kaum wer, also muss ich mir nen Japaner schnappen und becircen, dass er sich mit mir unterhält.
Insgesamt bin ich seit ich mich entschieden hab, meiner Sache sehr sicher. Natürlich ist unterschwellig eine Angst vorhanden, aber: ohne Angst kein Mut. Und ehrlich gesagt, für mich persönlich sehe ich auch keine andere Möglichkeit, so fremd ich mich in diesem paar Wochen gefühlt habe.
Jetzt versuche ich die Chance zu nutzen und alle positiven Aspekte herauszuholen.
Es mag für viele unglaublich erscheinen, aber ich habe mich FÜR Japan entschieden. Schweren Herzens habe ich mich gegen meine Familie entschieden und ziehe mein Studium vor. Ein Aufschub und alles andere erschien mir nicht richtig. Ich werde jetzt auch nicht schreiben was das Ausschlaggebende war, den Hauptpunkt Gesundheit, kann ich mit keinem meiner Argumente wiederlegen.
Wie läuft es jetzt ab? Ich kann es nicht mit Gewissheit sagen. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich auch noch nicht zu wann meine Anwesenheit erwünscht ist, wie lang das Studium dann noch geht, weil der Beginn ja verlegt wurde.
Fest steht: von den 6 deutschen Mädels und den beiden die dieses Semester noch dazu kommen sollte, bin ich die einzige die geht. Soweit ich weiß werden insgesamt von allen Hallensern die in Japan studieren nur noch 2 weitere gehen. Und wenn man noch meine Ausländerfreunde betrachtet, dann haben sich die Reihen gelichtet. Die Passauer sind eh nicht mehr dabei, aber auch die beiden nächsten werde nicht nach Tokyo gehen. Die beiden Briten dürfen nicht von der Uni aus, und Yo hat sich nach 4 Wochen durchgesetzt und darf an der Musashi bleiben. Was die andere Lyonerin macht, weiß ich noch nicht. Die Pariser dürfen bleiben, ein Amerikaner wird nicht zurückkommen. Grob überschlagen, da ich nicht weiß was mit all den neuen Asiaten ist, sind wir dann zu neunt. Maximal.
Für mich heißt das: Sprachlevel up. Mit wem soll ich Deutsch sprechen? Da bleibt nur Englisch und Japanisch übrig. Im Wohnheim ist auch kaum wer, also muss ich mir nen Japaner schnappen und becircen, dass er sich mit mir unterhält.
Insgesamt bin ich seit ich mich entschieden hab, meiner Sache sehr sicher. Natürlich ist unterschwellig eine Angst vorhanden, aber: ohne Angst kein Mut. Und ehrlich gesagt, für mich persönlich sehe ich auch keine andere Möglichkeit, so fremd ich mich in diesem paar Wochen gefühlt habe.
Jetzt versuche ich die Chance zu nutzen und alle positiven Aspekte herauszuholen.
Samstag, 2. April 2011
Back to Tokyo? 3 Wochen danach
Nun ist es schon unglaublich lange 3 Wochen her, dass es in Japan das Erdbeben, Seebeben, dadurch Tsunami war und nun die atomare Gefahr gibt. Mich hat es sicher nach Deutschland verschlagen, aber trotzdem stellt sichjetzt langsam die Frage: Soll es wieder zurück gehen?
Die erste Antwort auf die Frage ist von dem meisten mit einem klaren "NEIN!" beantwortet. Aber diejenigen haben dort nicht gelebt, bzw. haben ihr Jahr nicht einfach unterrochen. Das zweite Semester beginnt und die Zeit der Entscheidung drängt. Ich will es für mich mal sortiert aufschreiben, was dafür und was dagegen steht.
Was spricht GEGEN eine Rückkehr:
- die atomare Bedrohung
- damit verbundne evetuelle Gesundheitsrisiken
- extra Fugkosten
- viele Freunde die nicht mehr mit zurückkehren
- das Leben hat hier in D-Land bereits schon wieder alltägliche Formen angenommen
Was spricht FÜR eine Rückkehr:
- Ausbildung weiter durchziehen
- grobe Einschätzung der Kosten meines Plan Bs (s.u.), welcher im Falle eines Hierbleibens eintritt, sind höher als die Kosten eines extra Fluges
- Freunde die man unverabschiedet zurückgelassen hat
- Sachn die zurückgealssen wurden
- die einfache Sehnsucht zurückzugehen, weil man glücklich war
- atomare Bedrohung: im Falle eines Falles sind die Risiken für Toyko nicht abschätzbar, und können dementsprechend auch gering ausfallen und man ärgert sich "umsonst" in D-Land geblieben zu sein
- aufgrund der Tatsache das einige Kommilitoninnen nicht zurückgehen die Möglichkkeit als einzige Deutsche mit allen zu reden -> Sprachlevel up
Als Hauptpunkte muss man natürlich zum einen die atomare Bedrohung, aber auch zum anderen die Liebe zum Land und die Ausbildung gegenüberstellen. Beides erscheint mir als gleichwertig und somit ist theoretisch die Entscheidung anhand der Quantität an Argumenten gefallen.
Es ist aber jedoch nicht so, dass dies allein wichtig ist. Es besteht einerseits die Möglichkeit des Schiebens. Sprich: uns Rückkehrern ist es erlaubt ein Semester Pause zu machen und im Sommer zu gehen. In meinem Fall sehe ich das als unsinnig an, da ich mit dem Studium nahezu fertig bin und damit unnötig am Ende aufschiebe. Zudem sehe ich da auch weitere Kosten die nicht abgeschätzt werden können und das Problem in Fukushima muss auch nicht beseitigt sein. Ehrlich gesagt, sehe ich bis zu dem Zeitpunkt in einem halben Jahr eine gleichbleibende Situation. Zudem wäre ein erneuter Einstieg nach einem halben Jahr ein komplett neuer Startpunkt. Das Sprachlevel wird sinken. Ich persönlich habe genau jetzt in den Semesterferien losgelegt, habe nur noch geredet, Mut gefasst, Aktionen mitgemacht... Das alles müsste fast nochmal erarbeitet werden. Zudem werden auch nahezu gleiche Fächer in der Uni angeboten.
Anderseits besteht für mich der Plan B, sofern ich nicht jetzt zurückgehe. Dadurch dass ich alle geforderten Module bereits absolviert habe, würde ich mich in diesem beurlaubten Semester auf Praktikasuche begeben und auch machen. Damit schließe ich mein Studium weiter ab und beende es mit der Bachelorarbeit. ABER: ich müsste mindestens einen Monat Auslands-Bafög ad hoc zurückzahlen, aber auch noch ungefähr zwei Mieten in Japan zahlen, damit sind die Spontankosten sehr hoch. Ob mir im beurlaubten Semester Bafög zusteht ist ungewiss, müsste beantragt werden und bis das durch ist vergeht auch viel Zeit. Zudem ist die Wohnungsfrage ungeklärt. Wo kann ich spontan wohnen? Wenn ich Praktika mache, wo und wo wohne ich dann? Lohnt sich eine eigene Wohnung/WG? Grob übeschlagen -ohne Kalkulierung von Versicherungen und anderen Kosten wie Handy etc- ist Plan B zwar eine Option, aber im finanziellen Sinne die schlechtere.
Weiterhin sind die emotionalen Faktoren wichtig. Auf Seiten die Freunde in Japan. Aber viel wichtiger, die Familie und Freunde in Deutschland die sich Sorgen machen. Wie ich den meisten von ihnen schon erzählt habe, istd er Druck und die Sorge aus D-Land das Schlimmste gewesen was in den entscheidenen Tagen passiert ist. Die Sorge der Eltern, die unzähligen Anfragen bei Facebok oder StudiVZ oder einfach per Mail oder Skype.
Spontan gefragt würde die eine Hälfte sagen: du wirst die richtige Entscheidung treffen, die andere Hälfte sagt: ich kann nicht verstehen warum du zurückwillst. Und da ist das Problem, keiner setzt sich mit dem Dilemma näher auseinander. Gut, diese Situation ist bisher nicht gewesen und wünscht man auch keinem, aber man wünscht sich schon eine Empfehlung. Die Uni erteilt keine. Was an sich auch verständlich ist: würde man sie annehmen und dann würde etwas passieren, könnte man die Schuld auf diese schieben. Diese Verantwortung liegt allein bei mir und meinen Mädels die auch hapern. Aber trotzdem erhofft man sich jemand Objektiven der weitere Sichtweisen aufzeigt, weil, und das ist mir auch absolut bewusst, wir können nicht objektiv sein.
Dazu dufte ich mir den Satz anhören "Wie kannst du nur so dumm sein und mit offenen Augen in ein offenes Messer laufen wollen. Es dir dann auch in die Niere hauen und schön langsam daran zu Grunde gehen wollen." Der Satz saß, und auch gerade weil in meinen Augen NULL Verständnis für meine Situation darin war. Kombiniert wurde das Ganze mit dem Vorwurf -so ist meine Auffassung des Gespräches gewesen- dass ich mir alles schön rede und unrealistisch an die Sache rangehe. Jein, zur Hälfte widerspreche ich. Natürlich will ich es mir schön reden, bei mir hängt auch an dem Untergang Japans mehr dran als bei anderen, aber man hat mir in der Universität beigebracht, und das tue ich schon unbewusst, Nachrichten und Texte kritisch zu betrachten. Und deshalb nutze ich meine Möglichkeiten weitesgehend und benutze Deutsche, Japanische und Amerikanische/ Englische Quellen. Und von daher ist eine Schlussfolgerung eindeutig: Japanische Nachrichten sind zu infomationsarm und beruhigend und Deutsche sind zu reißerisch. Die deutsche Politik nennt zwar Tatsachen, aber gerade was Messwerte oder Behauptungen wie "Radioaktive Strahlung steigt" oder "Radioaktivität in Nahrungsmitteln gefunden" sind nicht haltbar. Es wird lediglich von Erhöhung gesprochen, jedoch keinerlei Vergleichswerte angegeben. In den meisten Fällen, zumindesten ist mir kein anderer Fall bekannt, handelt es sich alles um Erhöhungen im nicht gesundheitsschädlichen Bereich, sprich, der Verzehr des Spinates würde erst nach 30 Jahre gefährlich werden oder die Werte steigen in einem Bereich 8 Stellen hinter dem Komma. Kurz, realitätsfern bin ich durchaus nicht und kann mir das von Deutschen, welche nur deutsche Nachrichten verfolgen, nichts vorwerfen lassen.
Natürlich sollten radioaktiven Atoma nicht "in freier Natur" vorhanden sein, aber es ist an sich nicht schlimm. Wiederum anders betrachten ist Tepco mit ihren Messfehlern auch keine Hilfe im Bereich zuverlässiger Daten. Man kann nur raten wo der wahre Mittelweg ist. Andererseits: dadurch dass kaum negative Meldungen kommen, ist es gut. Ich denke jeder kann zustimmen, dass neue Nachrichten in D-Land nicht annähernd so schnell verbreitet werden wie schlechte.
Dazu kommen dann auch noch Mails von Freunden und der Uni in Tokyo. Von professorischer Seite dort, heißt es, dass man sich sicher fühlt und auch das Leben, inklusive irgendwelcher Strahlenwerte, wie bisher ist.
Alles zusammengefasst zeigt die offensichtlichen Vor-und Nachteile, Optionen und Wertungen die in die ganze Situation hineingehen. Von den Fakten ist die Lage sicher einfacher zu entscheiden, aber die emotionale Werte erschweren die Entscheidungen um ein Mehrfaches.
Ich möchte nicht direkt um Meinungen fragen, aber Anregungen, Kritik, Hinweise auf Denkfehler, Datenfehler oder neue stark zu beachtenden Neuigkeiten wären schön. Ich denke es ist offensichtlich das ich mich mit meiner Entscheidung schwer tue, aber allein das Aufschreiben hat mir ein klareres Bild über die Situation gegeben und gezeigt wo meine Prioritäten liegen....
Trotzdem weiß ich noch nicht weiter.
Die erste Antwort auf die Frage ist von dem meisten mit einem klaren "NEIN!" beantwortet. Aber diejenigen haben dort nicht gelebt, bzw. haben ihr Jahr nicht einfach unterrochen. Das zweite Semester beginnt und die Zeit der Entscheidung drängt. Ich will es für mich mal sortiert aufschreiben, was dafür und was dagegen steht.
Was spricht GEGEN eine Rückkehr:
- die atomare Bedrohung
- damit verbundne evetuelle Gesundheitsrisiken
- extra Fugkosten
- viele Freunde die nicht mehr mit zurückkehren
- das Leben hat hier in D-Land bereits schon wieder alltägliche Formen angenommen
Was spricht FÜR eine Rückkehr:
- Ausbildung weiter durchziehen
- grobe Einschätzung der Kosten meines Plan Bs (s.u.), welcher im Falle eines Hierbleibens eintritt, sind höher als die Kosten eines extra Fluges
- Freunde die man unverabschiedet zurückgelassen hat
- Sachn die zurückgealssen wurden
- die einfache Sehnsucht zurückzugehen, weil man glücklich war
- atomare Bedrohung: im Falle eines Falles sind die Risiken für Toyko nicht abschätzbar, und können dementsprechend auch gering ausfallen und man ärgert sich "umsonst" in D-Land geblieben zu sein
- aufgrund der Tatsache das einige Kommilitoninnen nicht zurückgehen die Möglichkkeit als einzige Deutsche mit allen zu reden -> Sprachlevel up
Als Hauptpunkte muss man natürlich zum einen die atomare Bedrohung, aber auch zum anderen die Liebe zum Land und die Ausbildung gegenüberstellen. Beides erscheint mir als gleichwertig und somit ist theoretisch die Entscheidung anhand der Quantität an Argumenten gefallen.
Es ist aber jedoch nicht so, dass dies allein wichtig ist. Es besteht einerseits die Möglichkeit des Schiebens. Sprich: uns Rückkehrern ist es erlaubt ein Semester Pause zu machen und im Sommer zu gehen. In meinem Fall sehe ich das als unsinnig an, da ich mit dem Studium nahezu fertig bin und damit unnötig am Ende aufschiebe. Zudem sehe ich da auch weitere Kosten die nicht abgeschätzt werden können und das Problem in Fukushima muss auch nicht beseitigt sein. Ehrlich gesagt, sehe ich bis zu dem Zeitpunkt in einem halben Jahr eine gleichbleibende Situation. Zudem wäre ein erneuter Einstieg nach einem halben Jahr ein komplett neuer Startpunkt. Das Sprachlevel wird sinken. Ich persönlich habe genau jetzt in den Semesterferien losgelegt, habe nur noch geredet, Mut gefasst, Aktionen mitgemacht... Das alles müsste fast nochmal erarbeitet werden. Zudem werden auch nahezu gleiche Fächer in der Uni angeboten.
Anderseits besteht für mich der Plan B, sofern ich nicht jetzt zurückgehe. Dadurch dass ich alle geforderten Module bereits absolviert habe, würde ich mich in diesem beurlaubten Semester auf Praktikasuche begeben und auch machen. Damit schließe ich mein Studium weiter ab und beende es mit der Bachelorarbeit. ABER: ich müsste mindestens einen Monat Auslands-Bafög ad hoc zurückzahlen, aber auch noch ungefähr zwei Mieten in Japan zahlen, damit sind die Spontankosten sehr hoch. Ob mir im beurlaubten Semester Bafög zusteht ist ungewiss, müsste beantragt werden und bis das durch ist vergeht auch viel Zeit. Zudem ist die Wohnungsfrage ungeklärt. Wo kann ich spontan wohnen? Wenn ich Praktika mache, wo und wo wohne ich dann? Lohnt sich eine eigene Wohnung/WG? Grob übeschlagen -ohne Kalkulierung von Versicherungen und anderen Kosten wie Handy etc- ist Plan B zwar eine Option, aber im finanziellen Sinne die schlechtere.
Weiterhin sind die emotionalen Faktoren wichtig. Auf Seiten die Freunde in Japan. Aber viel wichtiger, die Familie und Freunde in Deutschland die sich Sorgen machen. Wie ich den meisten von ihnen schon erzählt habe, istd er Druck und die Sorge aus D-Land das Schlimmste gewesen was in den entscheidenen Tagen passiert ist. Die Sorge der Eltern, die unzähligen Anfragen bei Facebok oder StudiVZ oder einfach per Mail oder Skype.
Spontan gefragt würde die eine Hälfte sagen: du wirst die richtige Entscheidung treffen, die andere Hälfte sagt: ich kann nicht verstehen warum du zurückwillst. Und da ist das Problem, keiner setzt sich mit dem Dilemma näher auseinander. Gut, diese Situation ist bisher nicht gewesen und wünscht man auch keinem, aber man wünscht sich schon eine Empfehlung. Die Uni erteilt keine. Was an sich auch verständlich ist: würde man sie annehmen und dann würde etwas passieren, könnte man die Schuld auf diese schieben. Diese Verantwortung liegt allein bei mir und meinen Mädels die auch hapern. Aber trotzdem erhofft man sich jemand Objektiven der weitere Sichtweisen aufzeigt, weil, und das ist mir auch absolut bewusst, wir können nicht objektiv sein.
Dazu dufte ich mir den Satz anhören "Wie kannst du nur so dumm sein und mit offenen Augen in ein offenes Messer laufen wollen. Es dir dann auch in die Niere hauen und schön langsam daran zu Grunde gehen wollen." Der Satz saß, und auch gerade weil in meinen Augen NULL Verständnis für meine Situation darin war. Kombiniert wurde das Ganze mit dem Vorwurf -so ist meine Auffassung des Gespräches gewesen- dass ich mir alles schön rede und unrealistisch an die Sache rangehe. Jein, zur Hälfte widerspreche ich. Natürlich will ich es mir schön reden, bei mir hängt auch an dem Untergang Japans mehr dran als bei anderen, aber man hat mir in der Universität beigebracht, und das tue ich schon unbewusst, Nachrichten und Texte kritisch zu betrachten. Und deshalb nutze ich meine Möglichkeiten weitesgehend und benutze Deutsche, Japanische und Amerikanische/ Englische Quellen. Und von daher ist eine Schlussfolgerung eindeutig: Japanische Nachrichten sind zu infomationsarm und beruhigend und Deutsche sind zu reißerisch. Die deutsche Politik nennt zwar Tatsachen, aber gerade was Messwerte oder Behauptungen wie "Radioaktive Strahlung steigt" oder "Radioaktivität in Nahrungsmitteln gefunden" sind nicht haltbar. Es wird lediglich von Erhöhung gesprochen, jedoch keinerlei Vergleichswerte angegeben. In den meisten Fällen, zumindesten ist mir kein anderer Fall bekannt, handelt es sich alles um Erhöhungen im nicht gesundheitsschädlichen Bereich, sprich, der Verzehr des Spinates würde erst nach 30 Jahre gefährlich werden oder die Werte steigen in einem Bereich 8 Stellen hinter dem Komma. Kurz, realitätsfern bin ich durchaus nicht und kann mir das von Deutschen, welche nur deutsche Nachrichten verfolgen, nichts vorwerfen lassen.
Natürlich sollten radioaktiven Atoma nicht "in freier Natur" vorhanden sein, aber es ist an sich nicht schlimm. Wiederum anders betrachten ist Tepco mit ihren Messfehlern auch keine Hilfe im Bereich zuverlässiger Daten. Man kann nur raten wo der wahre Mittelweg ist. Andererseits: dadurch dass kaum negative Meldungen kommen, ist es gut. Ich denke jeder kann zustimmen, dass neue Nachrichten in D-Land nicht annähernd so schnell verbreitet werden wie schlechte.
Dazu kommen dann auch noch Mails von Freunden und der Uni in Tokyo. Von professorischer Seite dort, heißt es, dass man sich sicher fühlt und auch das Leben, inklusive irgendwelcher Strahlenwerte, wie bisher ist.
Alles zusammengefasst zeigt die offensichtlichen Vor-und Nachteile, Optionen und Wertungen die in die ganze Situation hineingehen. Von den Fakten ist die Lage sicher einfacher zu entscheiden, aber die emotionale Werte erschweren die Entscheidungen um ein Mehrfaches.
Ich möchte nicht direkt um Meinungen fragen, aber Anregungen, Kritik, Hinweise auf Denkfehler, Datenfehler oder neue stark zu beachtenden Neuigkeiten wären schön. Ich denke es ist offensichtlich das ich mich mit meiner Entscheidung schwer tue, aber allein das Aufschreiben hat mir ein klareres Bild über die Situation gegeben und gezeigt wo meine Prioritäten liegen....
Trotzdem weiß ich noch nicht weiter.
Samstag, 26. März 2011
2 Wochen nach dem Erdbeben
Ich bin nun schon seit gut eineinhalb Wochen in Deutschland. Hänge im Haus meines aters alleine rum, lass mich täglich von meinen Pateneltern versorgen. Also, ich habe darüber kein Mitspracherecht, ich werde einfach erbarmungslos gemästet. Das ist ohne Sport natürlich nicht so schön, aber wenn man alles in Tokyo zurücklässt was man zum Sporten braucht, ist das doof. Und den würd ich gern betreiben, da ich beim Ausdauer meine Gedanken und Probleme ordnen und lösen kann.
Aber das kann ich nicht,also dröbbel ich vor mich hin. Gönne mir zweimal täglich eine tödliche Dosis Nachrichten in den meines Erachtens entweder nichts Neues bezüglich Japan kommt, oder neue Horronachrichten, die, es gibt viele Gegenmeinungen, übetrieben dargestellt werden.
Ich will nicht bestreiten das die Lage dort drüben gefährlich ist, aber die deutsche Nachrichten berichten ohne Vergleichswerte bezüglich erhöhter Strahlung o.ä. Da reisst das Ganze natürlich ins Grausame.
Die Tatsache, das sich mein Leben dort noch immer halbgelebt zurückgelassen habe, hebt meine Stimmung auch nicht. Und Argumente, dass ich das überwinden werde und meine Gesundheit vorgeht, verstehe ich auch.
Der Gedanke, warum die Arbeiter dort so langsam sind ist immer in meinem Kopf. Und die Antwort, das sie doch ihr Bestes tun auch. Trotzdem passt beides nicht zusammen. Das Wissen wie japanisches Arbeiten funktioniert blockt die Hoffnung, dass die mal fertig werden. Und ich habe auch kein Verständnis dafür, dass die Arbeiter mit den schweren Verbrennungen getadelt werde. Grundsätzlich versteh ich die Idee hinter dem Tadel, aber menschlich gesehen..nein, geht nicht.
Dazu kommt die Sorge, was meine Freunde machen, sowohl japanische als auch die französischen, englischen...einfach alle. Gerade heute habe ich eine Mail bekommen, aus Shizoka, südlich von Tokyo, das noch immer Nachbeben sind, aber die Angst vor der Radiokativität größer ist. Und sie gehört nicht zu den Japanern, die auf englische Nachrichten zurückgreift.
Wiederum hab ich eine Mail von jemanden bekommen, der Amerikaner ist, und dementsprechend alles mitbekommt. Das die Lage in Toyko noch immer okay sei und auch nicht schlechter zu werden scheine, schreibt er.
Dieser Blogeintrag ist absolut wirr, das merke ich auch, aber mein Kopf lässt sich gerade nicht ordnen, da sind soviele Sachen die ich sagen möchte. Hätte ich für die Radiointerviews tun können, aber es gehört nicht öffentlich. Ich möchte nicht rumheulen wie schlecht es mir geht, den Japanern geht es bei weitem schlechter, aber es gibt zuviele Institutionen von denen ich eine Empfehlung erwarte, oder Leute von den ich ein gewissen Mass an Akzeptanz oder Verständnis möchte. Krieg ich aber nicht, also muss ich selber Plan A in Plan B umwandeln. Aber immer mit dem Gedanken (und der Hoffnung) der Rückkehr im Hinterkopf.
Es geht mir gut, falls das jetzt einige bezweifeln. Körperlich -trotz Mästung- definitiv, psychisch, naja sollte in diesem Fall auch durchaus normal sein. Die Japaner werden das packen. Und hier scheint die Sonne, das muss doch auch zu was zu gebrauchen sein.
Aber das kann ich nicht,also dröbbel ich vor mich hin. Gönne mir zweimal täglich eine tödliche Dosis Nachrichten in den meines Erachtens entweder nichts Neues bezüglich Japan kommt, oder neue Horronachrichten, die, es gibt viele Gegenmeinungen, übetrieben dargestellt werden.
Ich will nicht bestreiten das die Lage dort drüben gefährlich ist, aber die deutsche Nachrichten berichten ohne Vergleichswerte bezüglich erhöhter Strahlung o.ä. Da reisst das Ganze natürlich ins Grausame.
Die Tatsache, das sich mein Leben dort noch immer halbgelebt zurückgelassen habe, hebt meine Stimmung auch nicht. Und Argumente, dass ich das überwinden werde und meine Gesundheit vorgeht, verstehe ich auch.
Der Gedanke, warum die Arbeiter dort so langsam sind ist immer in meinem Kopf. Und die Antwort, das sie doch ihr Bestes tun auch. Trotzdem passt beides nicht zusammen. Das Wissen wie japanisches Arbeiten funktioniert blockt die Hoffnung, dass die mal fertig werden. Und ich habe auch kein Verständnis dafür, dass die Arbeiter mit den schweren Verbrennungen getadelt werde. Grundsätzlich versteh ich die Idee hinter dem Tadel, aber menschlich gesehen..nein, geht nicht.
Dazu kommt die Sorge, was meine Freunde machen, sowohl japanische als auch die französischen, englischen...einfach alle. Gerade heute habe ich eine Mail bekommen, aus Shizoka, südlich von Tokyo, das noch immer Nachbeben sind, aber die Angst vor der Radiokativität größer ist. Und sie gehört nicht zu den Japanern, die auf englische Nachrichten zurückgreift.
Wiederum hab ich eine Mail von jemanden bekommen, der Amerikaner ist, und dementsprechend alles mitbekommt. Das die Lage in Toyko noch immer okay sei und auch nicht schlechter zu werden scheine, schreibt er.
Dieser Blogeintrag ist absolut wirr, das merke ich auch, aber mein Kopf lässt sich gerade nicht ordnen, da sind soviele Sachen die ich sagen möchte. Hätte ich für die Radiointerviews tun können, aber es gehört nicht öffentlich. Ich möchte nicht rumheulen wie schlecht es mir geht, den Japanern geht es bei weitem schlechter, aber es gibt zuviele Institutionen von denen ich eine Empfehlung erwarte, oder Leute von den ich ein gewissen Mass an Akzeptanz oder Verständnis möchte. Krieg ich aber nicht, also muss ich selber Plan A in Plan B umwandeln. Aber immer mit dem Gedanken (und der Hoffnung) der Rückkehr im Hinterkopf.
Es geht mir gut, falls das jetzt einige bezweifeln. Körperlich -trotz Mästung- definitiv, psychisch, naja sollte in diesem Fall auch durchaus normal sein. Die Japaner werden das packen. Und hier scheint die Sonne, das muss doch auch zu was zu gebrauchen sein.
Freitag, 18. März 2011
Shô ga nai – Eine Woche nach dem Beben in Sicherheit
Es ist jetzt eine Woche her, dass wir in Tokyo das Erdbeben mitbekommen haben. Ich denke ich brauche die Tatsachen, das Fukushima mit seinen vier Reaktoren kurz vor dem GAU steht nicht unbedingt weiter vertiefen.
Ich will nur unsere „Flucht“ unsere Erlebnisse beschreiben.
Das Beben am Freitag und der Tsunami waren in keinster Weise gefährlich für uns, meines Erachtens ist Tokyo nicht irgendwo wirklich beschädigt und auch das Wasser ist weit genug entfernt. Das Telefonat mit meiner Mutter hat auch mein Eltern beruhigt, aber am Samstag kam dann die Neuigkeit das es arge Probleme in Fukushima, Werk I., gibt. Tabea hat mir ihrer Freundin entschlossen schnell zu fliehen und ist am Sonntag aufgebrochen. Wir verbliebenen vier Mädels, Nicole, Sophia und ich im Wohnheim und Caroline bei ihrem Freund, wollten ausharren. Es erschien uns in keinster Weise bedrohlich. Auch die Franzosen sind soweit angehalten worden in Japan zu bleiben.
Abends hatte ich noch ein Gespräch mit beiden meiner Eltern per Skype, und das war einer der Momente, dich mich gebrochen haben. Beide meiner Elternteile war in Panik, hätte ich es gesehen, hätten sie mich bekniet zurückzukehren, aber ich hat sich in mir gesperrt. Ich wollte nicht. Ich kann das alles doch nicht zurücklassen, was ich hier aufgebaut habe, auch wenn es vergleichsweise wenig ist. Die Tränen meiner Eltern haben mich gebrochen, ich habe angefangen zu weinen und ja, ich wäre bereit gewesen in ein Flugzeug zu springen. Aber das Herz hat NEIN! geschrien.
Ich habe um eine Pause gebeten um mit den Mädels zu diskutieren, wir bewegen uns nur in der geschlossenen Gruppe. An sich waren sie auch der Meinung, dass wir bleiben, aber wir haben uns auf eine Diskussion nächsten Tag geeinigt, so schnell kommen wir eh nicht aus dem Land. Ich habe Yo weinend angerufen er möge bitte zu mir kommen und kurz zur Seite stehen. Er kam sofort. Und er ist bisher (neben meiner Familie) der Einzige dem ich es soweit erlaubt habe mich wirklich am Boden zerstört zu sehen und mich auch trösten zu dürfen, ich war fertig.
Ich habe ihn gebeten mir beim Skyperückruf an meine Eltern nur Seite zu sitzen und er hat es für mich getan. Damit konnte ich meinen Eltern sagen, dass wir am nächsten Tag, Sonntag, nochmals eingehend darüber sprechen werden und einen Entschluss fassen werden. Momentan, so konnte ich es ihnen versichern, war ich ja in Sicherheit.
Mit den Phantomnachbeben im Körper haben wir die Nacht überstanden und auf Anraten des Professors sind wir Vorräte einkaufen gegangen, weil ein nächtlicher Stromausfall gemeldet wurde. Wir haben gekocht, Nachrichten verfolgt und besprochen was nun zu tun ist. Wir haben uns geeinigt, festen Herzens, zu bleiben. Allerdings haben wir uns noch einräumt, das wir am nächsten Tag in der Uni ein Gespräch suchen um einen Rat der „offiziellen“ Seite einzuholen.
Es ist ja nicht nur das Herz das in Tokyo ist, auch die Kosten des Fluges sind nicht so unbedingt tragbar, man hört von Flugpreisen in Höhe von 2000€.
Ich habe schweren Herzens und weinend meinen Eltern meinen Entschluss gemailt: ich will bleiben, ABER wir warten das Uni-Gespräch ab.
Natürlich musste meine Mutter anrufen, da ich die ganze Zeit bei Skype online war um alle Deutschen zu beruhigen (ich danke wirklich allen, dass ihr euch Sorgen gemacht habt) und das Gespräch eskalierte. Wir haben uns beide weinend angeschrien und haben es unausgesprochen beendet.
Da wir die Mädchen im Wohnheim alle fertig waren aufgrund der Gespräch mit den Eltern, sind wir in das Studierzimmer rum uns abzulenken. Auch Yo sollte dazu kommen. Da hat auch alle soweit funktioniert, bis er dann rein stürmte und sagte, das ihn seine Botschaft angerufen hat, er soll jetzt sofort Tokyo verlassen. Es sei nicht mehr sicher. Yo's Panik in den Augen und die Tatsache das Frankreich, der Staat der seine Landsleute in Japan haben will, ihn aus der Stadt ruft, hat uns Angst gemacht. Auch die Mail von Caro, als ich ihr das erzählt hab, dass ein neues Erdbeben in Tokyo mit einer Stärke von 7 angekündigt worden ist, hat uns dann zu dem Entschluss gebracht Flüge zu buchen.
Erdbeben allein: kein Problem, aber Erdbeben und Reaktoren die nicht kontrolliert werden können: ungut.
Sofort haben wir Flüge heraus gesucht und auch Caro Bescheid gedacht das wir abhauen. Da ihr Freund keinen Pass hat, war ihr Plan in den Süden zu gehen. Als wir dann einen guten Flug (den Luxus uns 1000€ zu sparen haben wir uns gegönnt) gefunden haben, kam ein Anruf und Caro sagte unter Tränen, dass sie mitkommt. Kein Ding, wird mit gebucht. Sophia konnte es glücklicherweise per Kreditkarte bezahlen...
Ich bin schnell raus und wollte zu Yo um zu erzählen, dass wir einen Flug haben, da steht er bereits mit gepackten Koffern im Innenhof. Seine Familie hat ihre Macht genutzt und er soll SOFORT ein Taxi nehmen und abhauen. Das hat mich getroffen. Mein bester Kumpel ist so gut wie weg. Natürlich hab ich ihn zum Taxi geholfen, kein Ding. Aber es war hart wie schnell es doch jetzt alle geht.
Die Nacht hab ich bis auf drei Stunden genutzt, die habe ich mit Schlaf gefüllt um die „offiziellen“ Gänge des nächsten Tages (Montag) machen zu können, damit wir (Dienstag) vorbereitet fliegen können.
Ich habe im Wohnheim Bescheid gesagt und man konnte unsere „Panik“ nicht verstehen. Aber man hat uns geholfen mit Taxi rufen und allem Drum und Dran. In der Uni haben wir Bescheid gesagt und man hat es akzeptiert. Uns Deutschen war es wichtig eine Re-Entry-Erlaubnis zu haben, damit wir, wenn es sicher ist, wieder als Student zurückkommen können. Aber was uns die Chefin dort rausgesucht hat, hätte uns mindestens 4 Stunden Zeit gekostet, die Zeit hatten wir nicht, wenn wir abends noch den Bus zum Flughafen nehmen wollten. Der hat sich dann aber auch auf um 15 Uhr verschoben, sonst käme kein anderer. Soweit ich weiß, soll es auch der Letzte gewesen sein. Also hastig alle gepackt.. Und das war schwer. Was lässt man zurück? Was braucht man? Kommt man zurück? Was wenn nicht?
Ich hab eigentlich nur Unterlagen, Winterklamotten eingepackt, der Rest ist mit mir wichtigen Dingen gefüllt worden. Keine Zeit um Pakete zu packen.
Um 15 Uhr nehmen wir auch den Bus, ohne Caros Freud, der aber einen Flug in den Süden genommen hat und im Bus war auch einer von der Uni, der für uns sorgt. Er hat seine polnische Frau und Kind zum Flughafen gebracht, bleibt aber selber im Land.
Damit waren die brenzligen Sache geklärt und wir waren am Flughagen und hatten noch 15 Stunden zu überbrücken. Das hat man mit WiFi-Internet und aktuellen News gemacht, Gespräche mit Chinesinnen, das deutsche Radio hat mich angerufen uns interviewt und man hat versucht zu schlafen. Aber selbst das hat kaum funktioniert, weil es noch Problem mit den Tickets gab. Es wurde nicht abgebucht und wir haben den Eltern in D-Land gesagt sie mögen da mal Druck machen. Angeblich hätte Sophia die falschen Kreditkartendaten eingegeben, wodurch nichts abgebucht werden konnte. Lüge, da sie alle zweimal kontrolliert hat und ich auch, zudem sollten wir ne Kopie ihrer Karte einschicken, wo alle Zahlen korrekt drauf stehen. Zudem hieß es, dass der Wert nicht von der Kreditkarte angezogen werden konnte, zu hoch. Dann hat man es von Caros Mutter angezogen und wir waren offiziell im Kartenbesitz. Allerdings für den zweiten Flug drei Stunden später war.
Dann mit zwei härteren Nachbeben in der Nacht am Flughafen -Tokyo macht echt um 22 Uhr dicht und erst um 8 auf, uns wurden aber Schlafsäcke und Decken gegeben- haben wir alles überstanden und mussten uns nun um die Re-Entry kümmern, aber im Endeffekt war ach das kein Problem und um 13.10 am 15.03 sind wir geflogen und somit der radioaktiven Wolke genau entkommen.
In Kuala Lumpur mussten wir umsteigen und wir haben die News gecheckt. Es war grausam. Zwar sind wir in Sicherheit, aber was ist mit unseren Leuten. Über Facebook erfährt man einiges, aber nicht alle sind dort.
Von dort ging es dann mit weiteren 13 Stunden nach Frankfurt unsere Eltern waren alle da und ich konnte die Tränen, die ich seit dem Landeanflug hatte echt nicht mehr zurückhalten. Ich war sicher, aber mein Herz ist zurückgeblieben. Ich wollte sofort zurück ins Flugzeug. 6 Stunden Autofahrt in den Norden und nun sitze ich hier, ohne Internet, vor der Glotze, und mein Kopf bestätigt mir das es gut war zu fliehen. Aber mein Herz schreit noch immer. Wenn ich beim Nachbar ins Internet gehe, dann schau ich wer was in Japan macht, ob alle sicher sind. Man hat das Gefühl jemanden verraten zu haben. Erschreckend ist auch mein Gefühl, das es nun alle soweit weg ist, es berührt mich nicht mehr. Aber ich weiß genau, das sich nun in diesem Moment eine Sperre errichtet habe und mein Gefühlsausbruch noch bevor steht. Ich habe Angst um Japan, um meine Freunde um meine „Familie“ dort. Ich weiß nicht, wie meine Zukunft, das nächste Semester aussieht, ich weiß gar nichts. Ich kann nur das Beste hoffen, und selbst das scheint im Moment eher schlecht zu sein. Und ich kann nichts tun, ich kann nicht für meine Leute da sein.
Nachtbemerkung: Shô ga nai, heißt übersetzt soviel wie „Da kann man nichts machen“ „Passiert halt“. Mit diesem Spruch habe ich mich über Wasser gehalten uns die recht verschlossene Mentalität der Japaner übernommen. Es ist auch vorher schon zu meinem Lebensmotto dort geworden, und so bitter es ist, ich weiß, bzw. gehe stark davon aus, dass Japan so denkt und sollte es, was keiner hofft, zum GAU kommen, die Japaner es als Schicksalsschlag akzeptieren und wieder aus ihrer Asche neu und stark entstehen. „Man kann nichts machen, wir müssen damit leben und machen es jetzt wieder besser.“
Ich will nur unsere „Flucht“ unsere Erlebnisse beschreiben.
Das Beben am Freitag und der Tsunami waren in keinster Weise gefährlich für uns, meines Erachtens ist Tokyo nicht irgendwo wirklich beschädigt und auch das Wasser ist weit genug entfernt. Das Telefonat mit meiner Mutter hat auch mein Eltern beruhigt, aber am Samstag kam dann die Neuigkeit das es arge Probleme in Fukushima, Werk I., gibt. Tabea hat mir ihrer Freundin entschlossen schnell zu fliehen und ist am Sonntag aufgebrochen. Wir verbliebenen vier Mädels, Nicole, Sophia und ich im Wohnheim und Caroline bei ihrem Freund, wollten ausharren. Es erschien uns in keinster Weise bedrohlich. Auch die Franzosen sind soweit angehalten worden in Japan zu bleiben.
Abends hatte ich noch ein Gespräch mit beiden meiner Eltern per Skype, und das war einer der Momente, dich mich gebrochen haben. Beide meiner Elternteile war in Panik, hätte ich es gesehen, hätten sie mich bekniet zurückzukehren, aber ich hat sich in mir gesperrt. Ich wollte nicht. Ich kann das alles doch nicht zurücklassen, was ich hier aufgebaut habe, auch wenn es vergleichsweise wenig ist. Die Tränen meiner Eltern haben mich gebrochen, ich habe angefangen zu weinen und ja, ich wäre bereit gewesen in ein Flugzeug zu springen. Aber das Herz hat NEIN! geschrien.
Ich habe um eine Pause gebeten um mit den Mädels zu diskutieren, wir bewegen uns nur in der geschlossenen Gruppe. An sich waren sie auch der Meinung, dass wir bleiben, aber wir haben uns auf eine Diskussion nächsten Tag geeinigt, so schnell kommen wir eh nicht aus dem Land. Ich habe Yo weinend angerufen er möge bitte zu mir kommen und kurz zur Seite stehen. Er kam sofort. Und er ist bisher (neben meiner Familie) der Einzige dem ich es soweit erlaubt habe mich wirklich am Boden zerstört zu sehen und mich auch trösten zu dürfen, ich war fertig.
Ich habe ihn gebeten mir beim Skyperückruf an meine Eltern nur Seite zu sitzen und er hat es für mich getan. Damit konnte ich meinen Eltern sagen, dass wir am nächsten Tag, Sonntag, nochmals eingehend darüber sprechen werden und einen Entschluss fassen werden. Momentan, so konnte ich es ihnen versichern, war ich ja in Sicherheit.
Mit den Phantomnachbeben im Körper haben wir die Nacht überstanden und auf Anraten des Professors sind wir Vorräte einkaufen gegangen, weil ein nächtlicher Stromausfall gemeldet wurde. Wir haben gekocht, Nachrichten verfolgt und besprochen was nun zu tun ist. Wir haben uns geeinigt, festen Herzens, zu bleiben. Allerdings haben wir uns noch einräumt, das wir am nächsten Tag in der Uni ein Gespräch suchen um einen Rat der „offiziellen“ Seite einzuholen.
Es ist ja nicht nur das Herz das in Tokyo ist, auch die Kosten des Fluges sind nicht so unbedingt tragbar, man hört von Flugpreisen in Höhe von 2000€.
Ich habe schweren Herzens und weinend meinen Eltern meinen Entschluss gemailt: ich will bleiben, ABER wir warten das Uni-Gespräch ab.
Natürlich musste meine Mutter anrufen, da ich die ganze Zeit bei Skype online war um alle Deutschen zu beruhigen (ich danke wirklich allen, dass ihr euch Sorgen gemacht habt) und das Gespräch eskalierte. Wir haben uns beide weinend angeschrien und haben es unausgesprochen beendet.
Da wir die Mädchen im Wohnheim alle fertig waren aufgrund der Gespräch mit den Eltern, sind wir in das Studierzimmer rum uns abzulenken. Auch Yo sollte dazu kommen. Da hat auch alle soweit funktioniert, bis er dann rein stürmte und sagte, das ihn seine Botschaft angerufen hat, er soll jetzt sofort Tokyo verlassen. Es sei nicht mehr sicher. Yo's Panik in den Augen und die Tatsache das Frankreich, der Staat der seine Landsleute in Japan haben will, ihn aus der Stadt ruft, hat uns Angst gemacht. Auch die Mail von Caro, als ich ihr das erzählt hab, dass ein neues Erdbeben in Tokyo mit einer Stärke von 7 angekündigt worden ist, hat uns dann zu dem Entschluss gebracht Flüge zu buchen.
Erdbeben allein: kein Problem, aber Erdbeben und Reaktoren die nicht kontrolliert werden können: ungut.
Sofort haben wir Flüge heraus gesucht und auch Caro Bescheid gedacht das wir abhauen. Da ihr Freund keinen Pass hat, war ihr Plan in den Süden zu gehen. Als wir dann einen guten Flug (den Luxus uns 1000€ zu sparen haben wir uns gegönnt) gefunden haben, kam ein Anruf und Caro sagte unter Tränen, dass sie mitkommt. Kein Ding, wird mit gebucht. Sophia konnte es glücklicherweise per Kreditkarte bezahlen...
Ich bin schnell raus und wollte zu Yo um zu erzählen, dass wir einen Flug haben, da steht er bereits mit gepackten Koffern im Innenhof. Seine Familie hat ihre Macht genutzt und er soll SOFORT ein Taxi nehmen und abhauen. Das hat mich getroffen. Mein bester Kumpel ist so gut wie weg. Natürlich hab ich ihn zum Taxi geholfen, kein Ding. Aber es war hart wie schnell es doch jetzt alle geht.
Die Nacht hab ich bis auf drei Stunden genutzt, die habe ich mit Schlaf gefüllt um die „offiziellen“ Gänge des nächsten Tages (Montag) machen zu können, damit wir (Dienstag) vorbereitet fliegen können.
Ich habe im Wohnheim Bescheid gesagt und man konnte unsere „Panik“ nicht verstehen. Aber man hat uns geholfen mit Taxi rufen und allem Drum und Dran. In der Uni haben wir Bescheid gesagt und man hat es akzeptiert. Uns Deutschen war es wichtig eine Re-Entry-Erlaubnis zu haben, damit wir, wenn es sicher ist, wieder als Student zurückkommen können. Aber was uns die Chefin dort rausgesucht hat, hätte uns mindestens 4 Stunden Zeit gekostet, die Zeit hatten wir nicht, wenn wir abends noch den Bus zum Flughafen nehmen wollten. Der hat sich dann aber auch auf um 15 Uhr verschoben, sonst käme kein anderer. Soweit ich weiß, soll es auch der Letzte gewesen sein. Also hastig alle gepackt.. Und das war schwer. Was lässt man zurück? Was braucht man? Kommt man zurück? Was wenn nicht?
Ich hab eigentlich nur Unterlagen, Winterklamotten eingepackt, der Rest ist mit mir wichtigen Dingen gefüllt worden. Keine Zeit um Pakete zu packen.
Um 15 Uhr nehmen wir auch den Bus, ohne Caros Freud, der aber einen Flug in den Süden genommen hat und im Bus war auch einer von der Uni, der für uns sorgt. Er hat seine polnische Frau und Kind zum Flughafen gebracht, bleibt aber selber im Land.
Damit waren die brenzligen Sache geklärt und wir waren am Flughagen und hatten noch 15 Stunden zu überbrücken. Das hat man mit WiFi-Internet und aktuellen News gemacht, Gespräche mit Chinesinnen, das deutsche Radio hat mich angerufen uns interviewt und man hat versucht zu schlafen. Aber selbst das hat kaum funktioniert, weil es noch Problem mit den Tickets gab. Es wurde nicht abgebucht und wir haben den Eltern in D-Land gesagt sie mögen da mal Druck machen. Angeblich hätte Sophia die falschen Kreditkartendaten eingegeben, wodurch nichts abgebucht werden konnte. Lüge, da sie alle zweimal kontrolliert hat und ich auch, zudem sollten wir ne Kopie ihrer Karte einschicken, wo alle Zahlen korrekt drauf stehen. Zudem hieß es, dass der Wert nicht von der Kreditkarte angezogen werden konnte, zu hoch. Dann hat man es von Caros Mutter angezogen und wir waren offiziell im Kartenbesitz. Allerdings für den zweiten Flug drei Stunden später war.
Dann mit zwei härteren Nachbeben in der Nacht am Flughafen -Tokyo macht echt um 22 Uhr dicht und erst um 8 auf, uns wurden aber Schlafsäcke und Decken gegeben- haben wir alles überstanden und mussten uns nun um die Re-Entry kümmern, aber im Endeffekt war ach das kein Problem und um 13.10 am 15.03 sind wir geflogen und somit der radioaktiven Wolke genau entkommen.
In Kuala Lumpur mussten wir umsteigen und wir haben die News gecheckt. Es war grausam. Zwar sind wir in Sicherheit, aber was ist mit unseren Leuten. Über Facebook erfährt man einiges, aber nicht alle sind dort.
Von dort ging es dann mit weiteren 13 Stunden nach Frankfurt unsere Eltern waren alle da und ich konnte die Tränen, die ich seit dem Landeanflug hatte echt nicht mehr zurückhalten. Ich war sicher, aber mein Herz ist zurückgeblieben. Ich wollte sofort zurück ins Flugzeug. 6 Stunden Autofahrt in den Norden und nun sitze ich hier, ohne Internet, vor der Glotze, und mein Kopf bestätigt mir das es gut war zu fliehen. Aber mein Herz schreit noch immer. Wenn ich beim Nachbar ins Internet gehe, dann schau ich wer was in Japan macht, ob alle sicher sind. Man hat das Gefühl jemanden verraten zu haben. Erschreckend ist auch mein Gefühl, das es nun alle soweit weg ist, es berührt mich nicht mehr. Aber ich weiß genau, das sich nun in diesem Moment eine Sperre errichtet habe und mein Gefühlsausbruch noch bevor steht. Ich habe Angst um Japan, um meine Freunde um meine „Familie“ dort. Ich weiß nicht, wie meine Zukunft, das nächste Semester aussieht, ich weiß gar nichts. Ich kann nur das Beste hoffen, und selbst das scheint im Moment eher schlecht zu sein. Und ich kann nichts tun, ich kann nicht für meine Leute da sein.
Nachtbemerkung: Shô ga nai, heißt übersetzt soviel wie „Da kann man nichts machen“ „Passiert halt“. Mit diesem Spruch habe ich mich über Wasser gehalten uns die recht verschlossene Mentalität der Japaner übernommen. Es ist auch vorher schon zu meinem Lebensmotto dort geworden, und so bitter es ist, ich weiß, bzw. gehe stark davon aus, dass Japan so denkt und sollte es, was keiner hofft, zum GAU kommen, die Japaner es als Schicksalsschlag akzeptieren und wieder aus ihrer Asche neu und stark entstehen. „Man kann nichts machen, wir müssen damit leben und machen es jetzt wieder besser.“
Freitag, 11. März 2011
Und es tat sich die Erde auf
Weil es, böse Worte, in Deutschland hohe Wellen schlägt: ich schreib mal eben auf wie ich PERSÖNLICH das Erdbeben erlebt habe.
Ich war mal wieder mit Yo und Nicole sporten und weil uns das anstrengt, geniessen wir die kostenlose Dusche. Mittendrin, fast fertig denke ich "Uah, wir mir gerade schwindelig? Hab ich gesoffen?" Oh, nö, och Mensch cool man kann ein Erdbeben auch im 3 Stock merken. Ist ja lustig.
Ja, ne, es hat nur leicht angefangen und wurde immer stärker. Ich dachte, ich sollte aus der kleinen Duschkabine raus. Mit Handtuch bekleidet standen Nicole und ich im Vorraum und es wurde immer noch doller. Es schwankte das Gebäude und ich hatte Angst, ja. Aber als ich Nicoles Angst sah, ging es. Ich hab behauptet, und ich glaube auch fest daran, dass Japans Gebäude dafür gebaut wurden und das aushalten. Aber trotzdem, es ist nicht richtig, dass es sich so bewegt. Wie haben uns gedacht, naja, es schwächt ab, so nach ein paar Minuten, duschen wir weiter. Naja, da ich fertig war und es noch nicht nachgebebt, hab ich gedacht, zieh ich schnell meine Sachen an und geh nach vorne zum Trainingsraum um mal nachzuhaken. Gesagt, getan. Aber, es war keiner im Raum und die Tür zum Treppenhaus geschlossen. Scheiße.
Hab ich Nicole gesagt, also haben wir uns beide schnell angezogen und die Sachen geschnappt. Es war wieder ruhg. Und der Trainer war wieder da. Ich hab gefragt was wir hätten machen sollen, was zu machen ist und ob er weiß wie schlimm es war. Während er sprach bebte es wieder leicht und er sagte, es wäre auf alle Fälle gut, raus zu gehen. Also raus.
Es war kalt. Wo ist Yo? Er war schon vorher fertg, aber ich wusste nicht wo er ist, was er macht. Und was ist mit den Mädels? Ich konnte niemanden erreichen, kein Handynetz.
Also sind wir nach Hause, kurz Gemüse gekauft und ein heftigeres Nachbeben abgewartet. Bei dem Nachbeben standen wir vor einem Gamecenter und die Leute kamen ruhig und geordnet heraus. Keine Panik. Ich bin verwundert, aber so manche Gesichter voller Angst haben mir auch Angst gemacht. Wenn japaner, die doch Erdbeben kennen, Angst haben, dann war das heftig.
Im Wohnheim haben wir dann erfahren wo wir uns zu sammeln haben, wenn es schlimmer wird. Yo war glücklicherweise schon da. Er konnte mich auch nicht erreichen und meine Mail kam erst Stunden später an. Ich war erleichtert.
Weil wir alle nicht wirklich allein sein wollten, haben wir uns in der Küche gesammelt. Erst ohne Heater, weil der bei den Schwankungen nicht lief. Und kochen durften wir erst auch nicht. Gas ist nicht gerade gut.
Aber im Endeffekt haben wir zusammemn gekocht und dabei die Nachrichten gesehen. Wir dachten es ist ein Nachbeben von dem am Dienstag in Miyaki. Aber nein, See-und Erdbeben. Sendai ist von einem Tsunami verschluckt. Tokyo gehört zu dem roten Bereich was Tsunami angeht. Wir sehen Bilder von zusammengestürzten Häusern nicht allzuweit weg...die Fluten...und die ersten Mails kommen rein. Unter anderem eine SMS aus D-Land, das mein Vater mich nicht erreichen kann.
Und nun kommt das Erdbeben bei mir richtig an. Der Schock oder so. Mir wird bewusst, dass es in D-land in den Nachrichten ist, dass sich Leute Sorgen machen. Ich bin ins Zimmer und hab Mails gecheckt, zumal ich eigentlich ne Handymail losgeschickt hab, aber wer weiß wann die ankommt. Kaum Reaktion aus D-Land im Mailfach, ist ja noch früh dort.
Aber alsich nachher ins Zimmer gegangen bin war eien Flut im Mailfach. Und nicht nur von meinen Eltern, auch von meinenHandballleuten, die meine Mum im radio gehört haben, dass e smir gut geht. Auf facebook haben alle meine Freunde das schlimmsteefürchtet, auch leute, mit denen ich nur einmal oder so gesprochen habe, haben nachgefragt. danke!
Die japanische Nachrichtenerstattung ist hart, aber die Deutsche ist zu heftig. Es wird meines Erachtens nicht abgegrenzt wo wie was ist. Es erscheint noch heftiger.
Was ich an Daten zusammenfassen kann: Japan liegt auf drei Erdplatten. Es gibt zur Zeit rund 300 Tote, man hat gerade viele Leichen im überschwämmten Sendai gefunden. Sendai ist weg. Eine Raffinerie im Norden von Tokyo (Odaiba) ist explodiert udn brennt seit Stunden. Zwei Atomkraftwerke sind aus. In Tokyo ist soweit ich weiß nicht passiert. Man hört Daten von 5 bis 8 was die Stärke des Erdbeben angeht. 5-6 waren es in Tokyo. Man hört von dem schlimmsten Erdbeben aller Zeiten, aber es scheint mir als wahrscheinlicher das es, wie anderweitig gehört, zu den 5 schlimmsten zählt. Bedenkt man das und sieht die Zahl der Toten, die hauptsächlich wegen des Tsunamis gestorben sind, dann halte ich die Zahl für äußerst gering.
Ich danke für eure Sorgen. Ich hoffe, dass ich hier weiterhin sicher bin.
Ich war mal wieder mit Yo und Nicole sporten und weil uns das anstrengt, geniessen wir die kostenlose Dusche. Mittendrin, fast fertig denke ich "Uah, wir mir gerade schwindelig? Hab ich gesoffen?" Oh, nö, och Mensch cool man kann ein Erdbeben auch im 3 Stock merken. Ist ja lustig.
Ja, ne, es hat nur leicht angefangen und wurde immer stärker. Ich dachte, ich sollte aus der kleinen Duschkabine raus. Mit Handtuch bekleidet standen Nicole und ich im Vorraum und es wurde immer noch doller. Es schwankte das Gebäude und ich hatte Angst, ja. Aber als ich Nicoles Angst sah, ging es. Ich hab behauptet, und ich glaube auch fest daran, dass Japans Gebäude dafür gebaut wurden und das aushalten. Aber trotzdem, es ist nicht richtig, dass es sich so bewegt. Wie haben uns gedacht, naja, es schwächt ab, so nach ein paar Minuten, duschen wir weiter. Naja, da ich fertig war und es noch nicht nachgebebt, hab ich gedacht, zieh ich schnell meine Sachen an und geh nach vorne zum Trainingsraum um mal nachzuhaken. Gesagt, getan. Aber, es war keiner im Raum und die Tür zum Treppenhaus geschlossen. Scheiße.
Hab ich Nicole gesagt, also haben wir uns beide schnell angezogen und die Sachen geschnappt. Es war wieder ruhg. Und der Trainer war wieder da. Ich hab gefragt was wir hätten machen sollen, was zu machen ist und ob er weiß wie schlimm es war. Während er sprach bebte es wieder leicht und er sagte, es wäre auf alle Fälle gut, raus zu gehen. Also raus.
Es war kalt. Wo ist Yo? Er war schon vorher fertg, aber ich wusste nicht wo er ist, was er macht. Und was ist mit den Mädels? Ich konnte niemanden erreichen, kein Handynetz.
Also sind wir nach Hause, kurz Gemüse gekauft und ein heftigeres Nachbeben abgewartet. Bei dem Nachbeben standen wir vor einem Gamecenter und die Leute kamen ruhig und geordnet heraus. Keine Panik. Ich bin verwundert, aber so manche Gesichter voller Angst haben mir auch Angst gemacht. Wenn japaner, die doch Erdbeben kennen, Angst haben, dann war das heftig.
Im Wohnheim haben wir dann erfahren wo wir uns zu sammeln haben, wenn es schlimmer wird. Yo war glücklicherweise schon da. Er konnte mich auch nicht erreichen und meine Mail kam erst Stunden später an. Ich war erleichtert.
Weil wir alle nicht wirklich allein sein wollten, haben wir uns in der Küche gesammelt. Erst ohne Heater, weil der bei den Schwankungen nicht lief. Und kochen durften wir erst auch nicht. Gas ist nicht gerade gut.
Aber im Endeffekt haben wir zusammemn gekocht und dabei die Nachrichten gesehen. Wir dachten es ist ein Nachbeben von dem am Dienstag in Miyaki. Aber nein, See-und Erdbeben. Sendai ist von einem Tsunami verschluckt. Tokyo gehört zu dem roten Bereich was Tsunami angeht. Wir sehen Bilder von zusammengestürzten Häusern nicht allzuweit weg...die Fluten...und die ersten Mails kommen rein. Unter anderem eine SMS aus D-Land, das mein Vater mich nicht erreichen kann.
Und nun kommt das Erdbeben bei mir richtig an. Der Schock oder so. Mir wird bewusst, dass es in D-land in den Nachrichten ist, dass sich Leute Sorgen machen. Ich bin ins Zimmer und hab Mails gecheckt, zumal ich eigentlich ne Handymail losgeschickt hab, aber wer weiß wann die ankommt. Kaum Reaktion aus D-Land im Mailfach, ist ja noch früh dort.
Aber alsich nachher ins Zimmer gegangen bin war eien Flut im Mailfach. Und nicht nur von meinen Eltern, auch von meinenHandballleuten, die meine Mum im radio gehört haben, dass e smir gut geht. Auf facebook haben alle meine Freunde das schlimmsteefürchtet, auch leute, mit denen ich nur einmal oder so gesprochen habe, haben nachgefragt. danke!
Die japanische Nachrichtenerstattung ist hart, aber die Deutsche ist zu heftig. Es wird meines Erachtens nicht abgegrenzt wo wie was ist. Es erscheint noch heftiger.
Was ich an Daten zusammenfassen kann: Japan liegt auf drei Erdplatten. Es gibt zur Zeit rund 300 Tote, man hat gerade viele Leichen im überschwämmten Sendai gefunden. Sendai ist weg. Eine Raffinerie im Norden von Tokyo (Odaiba) ist explodiert udn brennt seit Stunden. Zwei Atomkraftwerke sind aus. In Tokyo ist soweit ich weiß nicht passiert. Man hört Daten von 5 bis 8 was die Stärke des Erdbeben angeht. 5-6 waren es in Tokyo. Man hört von dem schlimmsten Erdbeben aller Zeiten, aber es scheint mir als wahrscheinlicher das es, wie anderweitig gehört, zu den 5 schlimmsten zählt. Bedenkt man das und sieht die Zahl der Toten, die hauptsächlich wegen des Tsunamis gestorben sind, dann halte ich die Zahl für äußerst gering.
Ich danke für eure Sorgen. Ich hoffe, dass ich hier weiterhin sicher bin.
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