Dienstag, 25. März 2025

Auf nach Hogwarts

 Eins der Sachen die wir unbedingt in Tokyo machen wollten ist: Hogwarts besuchen.

Wir lieben Harry Potter und in Nerima, meinem alten Viertel, ist eine dauerhafte Studio Tour von Harry Potter. Also haben wir natürlich schon vor Monaten Tickets gekauft und sind heute frühzeitig nach Nerima gefahren. Lustige Geschichte: An dem Bahnhof Toshimaen, da wo wir heute auch hin mussten, ist ein großes Kino in dem ich damals einige Filme geschaut habe. Unter anderem: Harry Potter 7 Teil 1. 


Die Studio Tour zu finden ist supereinfach. Und schon auf der Außenanlage sind einige themeninspirierte Kunstobjekte zu finden. Es sind auch schon einige Menschen da, aber tatsächlich nicht so viele wie ich erwartet habe. Obwohl wir superüberpünktlich sind, hat man uns auch direkt reingelassen. Wir haben ein normales Ticket und ein Special mit Audioguide und Buch. Da der Audioguide nur auf Japanisch oder Englisch ist, habe ich ihn genommen und nebenbei einige nette Infos mitgehört. 

Nach einer kleinen Filmansage was uns erwartet etc ging es auch direkt in die Große Halle. Da mag der kleine Nerd in mir sprechen, aber ich hatte Gänsehaut, als sich das Goldene Tor öffnete und auch später, als wir ins Zaubereiministerium gekommen sind. All die Räume sind unglaublich detailliert dargestellt. Und es gibt viele kleine Ecken wo man mit Fotos und Filmchen experimentieren kann (kostenlos). Die Aussage im Begrüßungsfilm, dass es sich hierbei um einen Liebesbrief an die Filmmacher handelt, ist absolut wahr. Der Andrang an Menschen ist gut reguliert, sodass man kein Gedränge hat und sich auch nicht gehetzt fühlt. 

Ich möchte gar nicht in die Details gehen. Zum einen langweilt es hier in dem Japanblog Harry Potter Sachen zu lesen, zum anderen muss man das einfach selbst erleben. Die Tour hat rund vier Stunden gedauert, ohne Essenspause. Das hat man von außen gar nicht gedacht. Und natürlich kann man der Geldmaschine der Wizarding World Unmengen an Geld zuwerfen an den zahlreichen Souvenirständen bzw. an der großen Fotostelle. Aber in unseren Augen war es das wert.


Eine eher weniger lustige Geschichte nebenbei: Wir hatten eine kleine Essenspause gemacht und auch die Toilette aufgesucht. Danach waren wir dann auch einige Zeit schon wieder auf der Tour, bis Marcel auffiel, dass er seine kleine Bauchtasche nach dem Essen vergessen hat.  Na toll. Aber ich war ziemlich ruhig. Überall wäre ich ausgerastet, aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Tasche in Japan weg kommt ist NULL. Natürlich war der Reisepass drin und das (leere) Portemonaie. Klar ist Marcel da unruhig, aber wir waren schon fast durch. Ich habe auf dem Weg eine Mitarbeiterin gefragt und sie bestätigte mir, dass gefundene Sachen am Anfang bei der Information abgegeben werden. Da sind wir dann auch nach der Tour hin bevor wir die Souvenirs durchforstet haben. Und sie da, die Tasche wurde artig abgegeben und alles war noch drin. 







Nach dem langen Ausflug in die Zauberwelt sind wir nochmal in Ruhe in Ikebukuro rumgestromert. Hoshino ist am Vortag zu durchgerannt, dass wir keinen Blick nach links oder rechts werfen konnten. Daher gab es heute eine Runde in Don Quichote und Book Off. Leider ohne wirkliche Kauferlebnisse. Genauso im Poke-Center, wo ich gestern nicht nochmal rein bin. Trotzdem haben wir für Freunde einige bestellte Mitbringsel ergattern können.


Montag, 24. März 2025

My Hood

 Laut der offiziellen Planung hatten wir heute nichts vor. Aber auch nur, weil wir das tatsächlich am ersten Tag schon mit erledigt hatten. Allerdings hat sich gestern noch ein Freund gemeldet, dass er heute spontan Zeit hätte. Perfekt!

Ausreichend ausgeschlafen, Marcels Husten wird wieder besser, sind wir entspannt gegen 10 Uhr morgens los. Da ich die ganze Zeit heiß drauf war, musste ich in das Poke-Center hier im Viertel gehen. Der ein oder andere mag jetzt genervt die Augen verdrehen, aber jedes Poke-Center hat tatsächlich seine eigenen Plüschis oder anderen besonderen Merchandise. Außerdem ist das Hauptpokemon ein anderes. Die wissen definitiv wie sie Geld machen.


Also sind wir rein und ich suche natürlich mein Lieblingspokemon, Onix. Ich finde einige Sachen mit der Weiterentwicklung Stahlos, aber tatsächlich wird mein Pokemon anscheinend diskriminiert. Es gibt nur einen Sticker und einen kleinen Anhänger. Fertig! Aber dafür gibt es 20 verschiedenen Pikachus und Evolis. Naja, ich mag halt Dinge die anders sind. Und dafür bin ich dann auch schneller durch. Ich halte mich mit den Einkäufen auch noch ziemlich zurück, da ich mir immer denke, dass ich es nur süß finde, aber nicht wirklich gebrauchen kann. Mal schauen, wie lange diese Einstellung noch hält.

Direkt danach sind wir nach Ekoda gefahren. Mein altes Viertel in dem ich damals wohnte und zur Uni gegangen bin. Alleine schon beim Umsteigen in Ikebukuro war ich schon sehr emotional. Und als wir dann in Ekoda ausgestiegen bin, hatte ich feuchte Augen. Es ist alles so gleich, aber auch so anders gewesen. Da wir bis zur Verabredung noch Zeit hatten, sind wir zum Wohnheim gegangen. Auf dem Weg konnte ich tatsächlich ziemlich genau sagen, welches Haus noch nicht stand oder welches ersetzt wurde. Der Gemüsehändler war auf der andern Straßenseite, aber der Verkäufer war noch immer derselbe. Das Wohnheim selbst, das alte Gebäude in dem ich wohnte, steht noch und ist unverändert. Dafür hat aber der Kindergarten der mit integriert ist, ein neues Tor und mehr Platz zum draußen Spielen. Wir standen vor dem Tor und ich habe Marcel erklärt wo mein Zimmer war, die Küche, wo Yoann damals lebte und dann sind wir zusammen den alten Weg zur Universität gegangen.

Auf dem Weg sind wir nochmal an dem Yaoya, dem Gemüsehändler, vorbei gekommen und ich habe den Händler gefragt, ob ich mich recht entsinne, dass es vorher gegenüber war. Ich hatte Recht. Er schaute mich an, weil ich sagte, dass ich vor 14 Jahren hier gelebt habe, aber ich befürchte, er hat mich nicht erkannt. Schade. Schließlich bin ich damals jeden Morgen an ihm zweimal vorbei gelaufen und wir haben uns immer gegrüßt. Nun ja, ich war halt nur eine Kundin von vielen.

Die Musashi University hat sich seit meinem Studium tatsächlich verändert. Ein Gebäude wurde während meines Aufenthaltes abgerissen und noch nicht gang fertig gebaut. Und in diesem Moment war ein weiteres Gebäude in Arbeit. Trotzdem musste ich eine Träne verdrücken als ich vor dem Campus stand. So viele Erinnerungen und alle sind tatsächlich gut. Dadurch, dass ich allerdings nicht mehr studiere und mein Professor erst in zwei Wochen da ist, bin ich nicht auf den Campus gegangen. Das machen wir, wenn wir mit Brian verabredet sind. Zu viele Emotionen würden mich heute fertig machen.


Also zurück zum Bahnhof und dort haben wir auf Hoshino gewartet. Er war kein Student, aber wir hatten uns auf dem Tag der offenen Tür der Uni damals kennen gelernt. sind über Freunde dann zusammen ins Kino und hatten eine schöne Zeit. Dadurch, dass er keine große Erfahrung mit Ausländern hatte, war es für mich immer schwer mit ihm zu reden, da er sehr umgangssprachlich spricht. Und vom Schreiben will ich gar nicht erst reden. In den letzten 14 Jahren gab es eher nur Glückwünsche zum Geburtstag und sehr selten mal ein "Wie geht`s?". Ich gestehe, ich habe nicht viel von dem Treffen erwartet und war schon überrascht, dass er es überhaupt wollte. Zumal er auch wusste, dass Marcel dabei ist. Für Marcel wiederum war es klar, dass es eher langweilig wird, sprachlich bedingt.

Aber es war tatsächlich wesentlich entspannter und auch vom Verständnis sehr gut. Ich muss mich selbst loben, dass ich anscheinend doch wieder gut in die Sprache reingefunden habe. Für SmallTalk reicht es lockerflockig. Und es war lustig wie unterschiedlich die Zeitwahrnehmung ist. Er dachte, es sei erst 10 Jahre her und ich sei 3 Jahre in Tokyo gewesen. Schön wär es. Dafür erinnerte er sich an meine Präsentation die ich auf dem Unifest halten musste. Das hatte ich total verdrängt. Und er hatte tatsächlich noch von damals Fotos von dem Unifest auf dem Handy. Verrückt!

Die beiden Jungs haben sich tatsächlich trotz Sprachbarriere gut verstanden. Sie haben beide Tattoos und rauchen, damit ist das Wichtigste geklärt. Und ich denke, das sich auch ausreichend übersetzen konnte, damit das läuft. Sogar so gut, dass wir nach einem guten Kaffee noch zusammen nach Ikebukuro gefahren sind. Dort habe ich damals auch viel Zeit im Book Off und anderen Geschäften verbracht. Mittlerweile hat sich das Viertel zum Anime-Mekka entwickelt. Selbst Akihabara soll nicht mehr mithalten können. Die vertrauten Ecken waren aber noch alle da. Sunshine City, das größte Einkaufszentrum, hat sich aber gemacht. Mittlerweile ist ein Aquarium drin (nein, diesmal waren wir nicht drin), ein Kulturzentrum mit Ausstellungen (aber leider nicht für uns) und....Überraschung....ein Poke-Center. Mit dem Jungs im Gepäck bin ich aber nicht rein und habe mich mit Fotos begnügt. 

Nachdem wir zusammen ein Purikura gemacht haben, Fotos in einem Foto-Automaten, ist Hoshino dann nach Hause. Wir sind noch weiter nach Shinjuku. An dem Metropolitan Building werden derzeit Filmchen auf das Gebäude gestrahlt. Über das Handy kann man die passende Musik abspielen. Das wollten wir uns anschauen. Aber schon auf dem Weg dorthin hat uns die Müdigkeit eingeholt. Marcel wahrscheinlich wegen Schlafmangels wegen des Hustens und ich, weil mein Kopf heute sehr viel arbeiten musste. Oder ich brüte was aus. Wer weiß. 


Die Lichtshow haben wir trotzdem gesehen. Und leider was es nicht so spektakulär wie wir dachten. Die besonderen Nummern mit Godzilla zeigen sie nur am Wochenende. Schade. Also ab nach Hause und nun sind wir früh heim. Gehen aber auch früh schlafen, da wir morgen einen relativ zeitig gebuchten Termin haben. Das wird toll!



Sonntag, 23. März 2025

Von Tokyo-Eki nach Ueno und zurück

 Nach dem späten Abend hatten wir für Sonntag sowieso ein sehr entspanntes Programm vorgesehen. Erstmal ordentlich Ausschlafen und dann einen entspannten Tag in Ueno und seinen Museen.

Marcel hat leider am Vortag eine Problem mit der Klimaanlage bekommen. Wenn wir im Hotelzimmer oder woanders drin sind, dann muss er fürchterlich husten. Nachts ist das natürlich ganz schlimm. Wir Deutschen sind die Klimaanlagen und die dadurch sehr trockene Luft nicht gewohnt. Und als wir heute morgens geduscht haben, wurde es auch extrem warm im Zimmer. Ein Grund mehr viel Zeit unterwegs zu sein.

Ueno ist mit der Bahn nur einen Katzsprung entfernt. Und Katzensprünge kann man gut laufen. Laut GoogleMaps nur 55 Minuten. Ein Klacks bei dem Wetter. Es waren wieder 25 Grad angesagt. Die Strecke war auch einfach nur geradeaus. Und tatsächlich hat es ungefähr 4 Stunden gedauert da zu sein. Der Masterplan für den ganzen Urlaub sieht so aus, dass wir große Sachen schon gebucht haben und sonst die Tage nach Regionen und ggfs kleinen Sachen aufgeteilt haben, damit bleibt uns maximale Flexibilität. So auch heute. Der Weg führt von Tokyo-Eki nach Nihonbashi. Auch noch ein sehr edles und aufgeräumtes Viertel voller Edelboutiquen und Marken. Aber hier finden sich auch kleine Juwele wie ein künstlerischer Upcyle-Laden. Die Roboter im Schaufenster haben uns aufmerksam gemacht und drinnen haben wir tolle Sachen aus alten Maschinen, Materialien oder Stoffen gefunden. Wir sind mit einer Designerin ins Gespräch gekommen die alte Kimonos in neue Klamotten verarbeitet. Superschön, aber für das Portemmonaie ein wenig zu teuer. Zumal die Gefahr sehr groß ist, dass man es nicht wirklich anzieht.

Nach Nihonbashi sehe ich vertraute Hochhäuser und erkenne: der Weg führt uns direkt durch Akihabara. Das bekannte Elektroviertel ist immer noch DAS Viertel für Animefans oder Spielefreunde. Man findet unglaubliche viele Fanshops, GatchaGatcha und Greifautomaten oder Shops die sich auf Sammelkarten spezialisiert haben. Und Maid-Cafes.

Als erstes fiel mir jedoch ein Taiyaki-Stand auf und erkannte, dass es der Stand ist, wo es Karpador-
Taiyaki gibt. Für alle Nicht-Japan-Nerds: Karpador ist ein Pokemon in Fischform, an sich das schwächste und sinnloseste Pokemon, aber es hat Kultstatus. Taiyaki sind Waffeln in Fischform die traditionell mit der Rotenbohnenpaste (Anko) gefüllt ist. Also ist es das, was wir essen müssen. Es war auch superlecker. Marcel liebte die Cremefüllung und ich hatte Rote Bohnen mit Kastanie.

In Akihabara waren wie immer viele Maids, Mädchen in niedlichen Kostümen, die Menschen ansprechen um mit ihnen ins Maid-Cafe zu gehen. Nun ja, long story short: wir wollen ja alles machen. Also sind wir mit einem süßen kleinen Mädchen in ein Cafe. Natürlich lag die Hauptkonversation bei mir, aber Arare, so hieß die Kleine, hat es gut gemacht. Natürlich ist das ein sinnloses und teures Vergnügen, aber die Mädchen bedienen ein echtes Bedürfnis. Hört sich verbotener an, als es ist. In Maid Cafes gehen Männer um mit Mädchen zu sprechen und ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. Ja, oder auch eklige Typen die nen Fetisch haben. Aber es geht im Endeffekt darum, dass du dem Mädchen entweder einen ausgibst oder etwas zu essen bestellst, wo sie dann mit Schokosauce oder Ketchup Dinge drauf schreibt. In dieser Zeit ist sie für dich da und unterhält dich, zollt dir Aufmerksamkeit und tut so, als wärst du die interessanteste Person überhaupt. Obwohl wir sehr zurückhaltend mit dem Konsum waren, hat Arare ihren Job echt gut gemacht. Obwohl sie kein Englisch kann, hat sie das Gespräch super geleitet und uns wirklich aufmerksam zugehört, auch Marcel. Das muss man ihr lassen. Und natürlich wird die verbrachte Zeit mit Geld aufgewogen. Das Cafe selbst war...nun ja....in meinen Augen nichts wo ich meine Zeit verbringen möchte. Aber da gibt es unterschiedlichste Formen und Themen, je nach Geschmack. Es war eine Erfahrung wert und wir haben was zu erzählen. Natürlich gibt es in Japan auch das Gegenstück für Frauen: Host-Clubs.

Weiter führt uns der Weg dann nach Ueno, aber auf dem Weg haben wir noch eine kleine Rösterei entdeckt. Vorranging beruflich bedingt haben wir dort gehalten und noch einen Kaffee genossen. Der war auch wirklich gut, sodass wir gestärkt in Ueno angekommen sind. Statt aber direkt in den Park mit den Museen zu gehen, fiel der Blick in die Nebengasse und wir sind in der Ameyoko Dori, einer weiteren sehr bekannten Einkaufsstraße eingetaucht. Dort war es, wie überall, voll, aber nicht ganz so sehr voller Touristen. Hier war das Hauptaugenmerk auch nicht auf Mitbringsel, sondern auf Lebensmittel. Es gab einige Fischhändler oder Gemüsestände und man kannte superfrisches Sushi genießen. Was wir natürlich taten. Marcel ging es vorrangig um Austern und die waren unvergleichlich zu denen die wir damals in Wien gegessen haben.

Danach hatten wir auch kein Bock mehr auf das Rumgewusel und sind in den Ueno Park. Und Überraschung: hier fand ein Kirschblütenfest statt. Tatsächlich knospen erst zwei Bäume, aber auch hier wird es erst nächste Woche romantisch rosa sein. Überall waren Fressbuden aufgebaut und zahlreiche Menschen saßen bereits wie bei der Kirschblütenschau auf dem Rasen und picknickten. Wir waren begeistert, dass es mehrere Extrazelte gab, wo man seinen Müll abgeben konnte, getrennt natürlich. Deutschland schafft es gerade mal ne Extratonne hinzuklatschen.


Am Ende des Parkes angekommen sind wir in das Naturwissenschaftliche Museum gegangen. Wir wollten Dinos sehen. Tokyo hat eines der drei einzigen vollständigen T-Tex Skeletten. Es ist beeindruckend davor zu stehen und zu sehen, wie groß die Tiere damals waren. Der große Langhals-Dino (ich bin nicht sicher welcher genau) ist gerade in Osaka zur Expo unterwegs. Dennoch sind sie alle riesig. 


Man hat uns mit der Schließung mit rausgescheucht und wir sind auch direkt zurück nach Hause gelaufen. Spannenderweise war der Weg nun viel kürzer. Irgendwie kamen wir schneller voran. Dennoch hatten wir die Augen offen um noch richtig zu Abend zu essen und mir fiel ein Tempura-Restaurant ins Auge. Klein und schnuckelig. Man sitzt direkt vor dem Koch und sieht genau, wie frisch die Zutaten sind und wie er es zubereitet. Die Preise waren allerdings für Tempura recht hoch. Aber man merkte, dass wir uns was Gutes ausgesucht haben. Geschmacklich war es auch herrlich. Die Meeresfrüchte waren sehr zart und das Gemüse saftig. Es gab Gemüse, das wir noch nie gesehen haben (Pestwurz). Durch ein Gespräch mit dem Sitznachbar kam auch raus, dass es eins der besten Tempura Restaurants der Stadt ist. Satt, aber nicht vollgefressen wie die letzten Tag ist es zurück ins Hotel gegangen.

Wir haben mit dem Hotel bezüglich der Klimaanlage und dem Husten gesprochen. Nun experimentieren wir mit der Klimaanlage herum, wie es am besten ist und haben einen Luftbefeuchter bekommen. Mal schauen ob es klappt.

Im Hafen der Zukuft

Wir haben am Samstag die Hochburg Tokyo verlassen und sind zu meinem Lieblingsort in Yokohama gefahren: Minato Mirai.

Als Touristen fahren wir nicht zwingend bis zur letzten Haltestelle, bzw, dadurch, dass wir mit dem RailPass nur die JR (Japanese Railway) kostenlos nutzen dürfen, fahren wir nicht zwingend an jede Station, weil wir dann bezahlen müssten. Aber so läuft man durch die Straßen und bekommt mehr mit.

Daher sind wir am Hauptbahnhof Yokohama ausgestiegen und zum Hafen gelaufen. Auf dem Weg lag das Pokemon Center und ich dachte, dass kann man doch gleich mitnehmen. Für unsere Verhältnisse waren wir recht spät unterwegs, aber viele Geschäfte machen erst um 11 Uhr auf. Das Poke-Center schon um 10:30 Uhr, aber da standen einige Menschen artig in Reih und Glied vor dem Einkaufszentrum. Wer weiß, da macht bestimmt ein neuer Laden auf und wir haben uns dazu gestellt, waren ja nur noch 10 Minuten oder so. Da kam ein netter Mittarbeiter und fragte ob wir ins Poke-Center wollen. Ja. Dann wollte er uns ein Kärtchen mit dem Zeitfenster 12:30 Uhr geben. Das fand ich sehr verwunderlich und fragte ob es denn heute ein spezielles Event gibt, weswegen der Andrang anscheinend so hoch ist. Das sei es nicht direkt, sagte er, sondern es wurden an dem Tag neue Produkte geliefert. Selbst das feiern die Japaner anscheinend so sehr, dass sie Schlange stehen. Wir haben das  Kärtchen dankend abgelehnt. Sooooo verrückt nach Pokemon bin ich auch nicht.

Also sind wir weiter marschiert und wundern uns warum so viele Menschen unterwegs sind. Als wir um die Ecke kamen, sahen wir dann das Anpan-Man-Museum. Anpan-Man ist eine sehr beliebte Comicfigur bei Kinder. Anpan ist ein Brot, also ist der Anpan-Man ein Brot-Superheld...fragt nicht. Bernd das Brot ist ja auch sehr bleibt :)  Aber das erklärte die vielen Kinder auf der Straße. Und kurz hinter dem Museum haben wir eine Riesenschlange an Menschen gesehen, wohlbemerkt immer noch gegen 10:30Uhr morgens. Google hat mir verraten, dass das eine Konzerthalle war und um 17 Uhr (Einlass 14:30 Uhr) eine Band spielt. Warten und Schlangestehen sind eindeutig die Lieblingsbeschäftigungen hier. 

Aber nicht für uns. Wir haben uns erstmal ein feines Frühstück mit French Toast gegönnt bevor wir dann in das Minato Mirai Gebiet gegangen sind. Minato Mirai bedeutet Hafen der Zukunft und ich habe schon damals im ersten Stipendium hier gerne meine Freizeit verbracht. Ich liebe die Skyline. Marcel schien erstmal nicht so begeistert.

Als wir näher zu dem Gebiet kamen fiel uns natürlich schon der Freizeitpark mit Riesenrad auf und das auch hier einige Menschen unterwegs waren. Wir haben auch noch eine hübsche Tanzeinlage einiger älteren Ladies gesehen. Wir haben dann herausgefunden, dass wir auf der Kirschblütenstraße waren und heute das Kirschblütenfest war. Da haben wir ja wieder ein Glück mit solchen Events. Nur fehlten noch die Kirschblüten. Die Bäume waren komplett kahl. Aber es ist für nächste Woche angekündigt.

Wir liefen weiter Richtung Landmark-Tower, da ich wusste, dass es dort oben eine schöne Aussichtsplattform gibt. Und wir stolpern direkt in die nächste Aufführung einer, ich schätze, Schulband. Während wir dort stehen und lauschen schau ich umher und finde tatsächlich einen Harry Potter Store. Das Nerd-Herz schlug schneller und wir mussten da rein. Nicht nur dass Hogwarts uns in den nächsten Tagen noch mehrmals geplant über den Weg läuft, spontan ist es doch immer am besten. Also sind wir durch einen süßen schrulligen Harry Potter Laden geschlendert und haben uns an all dem Merchandise erfreut.  Man kann sich echt dumm und dusslig kaufen an sowas und zum Glück bin ich sehr beherrscht, aber eine Todesser-Kette hat es mir angetan. Die gibt es auch NUR dort. Hab extra nachgefragt. Tja, dann bin ich anscheinend doch nicht nur Slytherin, sondern auch noch ein Todesser. Ups.

Genug vom Nerd-Sein. Wir haben die Aussichtsplattform gefunden und die Aussicht auf den Hafen ist wunderschön. Klar, Skytree ist viel höher, aber der Hafen direkt unter einem hat einen besonderen Flair. Momentan gibt es sogar eine Kollaboration zwischen dem Landmark-Tower und Doraemon (eine anderes beliebte Anime-Figur), sodass es für Stempelfans eine extra Stempelkarte gab, wo man an verschiedenen Stationen unterschiedliche Farben stempeln muss um ein Gesamtbild zu bekommen. Yeah!

Wieder unten haben wir uns dann entschieden über den Mini-Freizeitpark zu den Sky Cabins zu laufen. Das sind kleine Kabinen die quer über den Hafen schweben, sodass man nochmal eine ganz andere Aussicht auf die Skyline hat. Also voll der Touristenkram, aber genau das wollen wir auch. Die Fahrt war nicht wirklich lang. Wir bereuen es nicht, aber es war jetzt auch nicht supertoll. 

Der Plan sah vor, dass wir dann an den Red Brick Area vorbei zu einem Riesensteg laufen. Dort ist die Osanbashi Hall versteckt. wobei uns nur das Deck mit der Aussicht interessiert hat. Aber auf dem Weg dorthin sind uns immer mehr Leute mit Hunden über den Weg gelaufen. Das fiel uns schon beim French Toast morgens auf. Entweder hatte der Hund eine Klamotte an, fuhr im Kinderwagen oder wurde getragen. Aber einen unbekleideten Hund der normal an der Leine lief, den sahen wir nicht. Und wir sahen nicht nur kleine Fußhupen sondern auch große Golden Retriever und sogar einen Dobermann. Zwischen den Roten Backsteinhäusern der Red Brick Area fand eine Art Hundemesse statt und die Auswahl an süßen Accessoires war riesig und verrückt. Sonnenbrillen und Käppis. Haarschmuck und Kleidchen. Alles was das Hundeherz begehrt.


Da sind wie lieber zu Osanbashi gegangen und haben bei langsam sinkender Sonne, es waren nebenbei rund 24 Grad, den Ausblick auf die Skyline genossen. Aber leider nicht lange, da wir noch eine Verabredung hatten. Damit wir die rechtzeitig schaffen sind wir dann durch Chinatown zur Bahnstation gelaufen. Chinatown war früher auch ein schönes Viertel, aber wie so ziemlich jede Attraktion absolut überlaufen. Da wir nur durchgehuscht sind, war es okay. Hier kann ich erwähnen: Marcel mag Yokohama nicht. Den Hafen schon, aber sonst ist es nichts für ihn. 

Pünktlich haben wir es zu Kyohei und Ryosuke geschafft. Die Jungs kenne ich noch aus alten Studienzeiten. Sie haben an der Keio in Tokyo studiert und waren noch vor meinem Auslandsjahr in Halle, bzw. Leipzig. Ich gestehe, ich hab keinen Plan mehr was wir damals getrieben haben, ich hatte auch all die Jahre keinen Kontakt mehr, aber es gibt alte Fotos und unsere Freundin Katha bat mich für Kyohei Parfum mitzubringen. Das kann man nämlich nicht mehr in Japan (für wenig Geld) kaufen und erst recht nicht mit der Post senden. Aber gegen einen schönen Abend voller Erinnerungen hat doch keiner etwas. Für Marcel war es auch gut, denn die beiden können Deutsch. Es war lustig. Erst sind wir ins Izakaya, eine Kneipe. Marcel hat dort die Freuden der kleinen Snacks entdeckt. Obwohl ich im Japanischen gerne gestolpert bin und die Jungs im Deutschen, war es trotzdem eine gute Unterhaltung. Und so feuchtfröhlich, dass es zu einer Stunde Karaoke geführt hat. Ich hätte nicht gedacht, dass Marcel sich dafür begeistert kann, aber er hat gut mitgesungen. Natürlich gab es den Einstieg mit Nena, aber mit Slipknot und Electric Callboy wurde das Metal-Level gut gehalten. 


Der Abend wurde länger und nach einem zweiten Izakaya-Stopp sind wir dann zusammen nach Hause gefahren. Ryosuke wohnt nur zwei Stationen weiter als unser Hotel ist, sodass keine allein fahren musste. Wir kamen echt kaputt von der Sonne, dem Fußmarsch und dem geselligen Abend nach Hause und sind direkt ins Bett. 

Freitag, 21. März 2025

Alte Freunde und neue Wahrzeichen

 Der Touristentrip geht weiter.

Als absoluten Klassiker muss man neben dem berühmten Meiji Schrein auch den Senso-ji sehen. Vielmehr ist allerdings das Kaminari-mon, das Donnertor, davor bekannt. Bei der Planung für den Urlaub habe ich natürlich alte Freunde kontaktiert und gefragt, ob wer Zeit und Lust hat sich zu treffen. Und glücklicherweise hat Yoann, mein alter bester Freund aus der Japanzeit, tatsächlich Zeit für uns. Da er in der Nähe von Asakusa wohnt und er frei hat, haben wir uns direkt an dem Touristenspot getroffen.

Nach 14 Jahren sieht er noch immer so aus wie vorher und hat sich auch so nicht wirklich verändert. Selbst der französische Dialekt im Englischen ist unverändert. Naja, unsere Gespräche haben ein bisschen mehr Niveau bekommen, aber wir haben auch in den vier Stunden die letzten 14 Jahre zusammenfassen müssen. Für Marcel war es aufgrund der sprachlichen Barriere eher weniger spannend. 

Zusammen sind wir durch die kleine Verkaufsgasse zum Schrein gewandert. Links und rechts gibt es dort Souvenirs und Leckereien. Mal besserer und mal schlechterer Qualität. Aber auf jeden Fall gab es ein omamori für mich bevor wir zu dritt in ein Café gegangen sind, um den Menschenströmen dort zu entgehen. Yoann hatte da eine schöne Empfehlung mit gutem Kaffee. Und weil er sich auskannte, haben wir auch gleich zu Mittag gegessen. Sehr klassisch Japanisch mit einer Auswahl von Fisch, Hähnchen, eingelegten Gemüse und Misosuppe. 

Damit war der traditionelle Teil des Tages relativ schnell erledigt, obwohl ich ursprünglich dachte, dass wir das länger machen. Dafür sind wir aber zum Skytree gegangen. Das neue Wahrzeichen der Stadt was zu meiner Zeit damals noch im Bau war. Der Aussichtspunkt, bzw. der Turm ist 634m hoch. Die Zahl kann ich mir besonders gut merken, weil das auf Japanisch Mu-Sa-Shi heißt und ich an der Musashi studiert habe. Ich Fuchs, ich. Gemütlich sind wir am Sumidafluss entlanggeschlendert und haben uns erstmal Tickets für den Turm geholt. In unserer Reisevorbereitung haben wir viele Tickets bereits seit Wochen gebucht, aber hier dachte ich, dass wir spontan hingehen, es wird ja was frei sein. Nun ja, war es auch, aber erst in 3 Stunden. 


Wie gut, dass in dem Gebäude am Fuße des Skytree unglaublich viele Shops und Restaurants sind. Nachdem Yoann kurz mit in den Pokemon-Shop gekommen ist, hat er sich dann auch verabschiedet. Wir haben die Zeit dann beim Schaufensterbummeln verbracht. Und man kann sich da drin echt verlaufen oder in der Zeit verlieren oder in Geldnot geraten.

Wer keinen Bock auf Shopping hat, der kann in dem Gebäude auch ins Aquarium gehen. Das haben wir spontan gemacht. Es war auch wieder sehr liebevoll gestaltet und hat eine sehr große Auswahl an Quallen beherbergt. Ich habe mal gehört, dass es sehr schwer ist, Quallen zu züchten, weswegen man sie in Deutschland relativ selten in Aquarien findet. Sie sind auf jeden Fall hypnotisierend. Und es gab spannende Exemplare. Große, winzige, fast durchsichtige, welche die tatsächlich Reverse Jellyfish heißen und so aussehen, als lägen sie auf dem Kopf. Auch bei den Goldfischen gab es einige Arten die dort gezüchtet wurden. Die klassischen goldenen, weiße mit rotem Punkt auf der Stirn, mit Glubschaugen.....Wir haben die Zeit auf jeden Fall gekonnt herum bekommen.


Pünktlich zu unserer Zeit ging es dann auch direkt hoch auf 450m, die Höhe der höheren Aussichtsplattform. Da unser Zeitraum recht spät war, haben wir zwar die Sonne und Sonnenuntergang mit dem Blick auf den Fuji verpasst, aber dafür hatten wir die atemberaubende Nachtaussicht. Ich finde nachts sieht man vielmehr wie die Stadt lebt. Die Straßen sehen dann aus wie Adern und es blitzt und blinkt an vielen Ecken. Natürlich haben wir den "alten" Tokyo Tower von dort oben sehen können.

Aber auch hier an diesem sehr modernen Sightseeing Spot waren Massen an Leuten und das Warten auf den Fahrstuhl oder eine bestimmte Fotostelle oder oder oder ist doch ziemlich nervig. Ich würde es trotzdem jedem empfehlen hierzufahren, aber man muss sich wirklich auf die Warteschlangen einstellen.

Da wir dadurch doch viel Zeit in der Höhe verbracht haben, sind wir bequem zurück zur nächsten Bahnstation gewandert und sind nach Hause gefahren. Hört sich fast langweilig an, nach dem vollgepackten Tag von gestern. Aber dafür hatten wir, bzw. mehr ich, die Freude an einem Wiedersehen nach 14 Jahren.

Emotional dachte ich, dass ich mit dem Besuch in Japan viel glücklicher bin. Ich freue mich hier zu sein, dass will ich nicht bestreiten. Aber es ist ein anderes Glück als ich erwartet habe. Es ist nicht so herzüberwältigend und emotional, sondern eher ein leichtes Gefühl der Vertrautheit. Ich fühle mich hier unglaublich wohl, obwohl mir durchaus viele Probleme in Japan bewusst sind und sehe es tatsächlich ein bisschen wie ein Nachhausekommen an. Ich vermute, dass ich über die Jahre das Land für mich enorm romantisiert habe und deshalb an mich selbst diese Erwartung hatte, emotional auszuflippen (das bin ich bisher nur im Poke-Center). Da ich bisher schon ein paar Mal gefragt wurde, ob ich glücklich bin wieder hier zu sein, wollte ich dieses Gefühl mit euch teilen. Ist ja aber auch erst der zweite ganze Tag hier. 

Donnerstag, 20. März 2025

Alte und neue Erinnerungen

 Der erste ganze Tag in Japan.

Marcel hat es gestern Abend schon gegen 22 Uhr komplett ausgeknockt und ich bin auch kurz danach ins Traumland gefolgt. Beide hatten wir die Erwartung, dass wir wunderbar durchschlafen und nach ca. 8 Stunden wieder fit sind. Naja, der Plan ging leider nicht so auf. Um 3 Uhr morgens waren wir wach. Zum einen waren wir ausgeschlafen (Hallo Jetlag!) und zum anderen stelle ich mal wieder fest: Klimaanlagen sind fürchterlich. Wir können das Fenster nicht öffnen und hatten eine sehr trockene Luft im winzigen Zimmer und generell war auch die Temperatur nicht so unsere. Die kann man allerdings schnell ändern. Die Luftfeuchtigkeit eher wenig. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau, dafür haben wir eine Regendusche und einen Massagestuhl, in dem ich mir während des Schreibens die Waden massieren lasse. 

Was macht man also wenn man nicht schlafen kann? Man holt sich erstmal gemütlich gegen halb 5 morgens das Frühstück aus dem Konbini (24h Conveniencestore). Natürlich gab es für mich Onigiri und Marcel musste sich erst einmal rantasten, aber auch er feiert die Produkte die man da immer für relativ wenig Geld erstehen kann. 

Gemütlich haben wir uns dann fertig gemacht und sind um 7 Uhr morgens losgestiefelt. Da wir gestern vor lauter Müdigkeit nicht wie angedacht zum benachbarten Kaiserpalast gegangen sind, haben wir das erstmal nachgeholt. Über einen kleinen Umweg durch den hübsch angelegten Hibiya-Park ging es dann direkt zum Kaiserpalast. Der darf man leider nur aus der Ferne bewundern, ist aber trotzdem eines der Touristenpunkte die ich schon fünf Mal oder so besucht habe. Also eine alte Erinnerung für mich und eine neue für Marcel. Es ist spannend zu sehen wie jemand der das alles so gar nicht kennt das Ganze betrachtet. Zumal er auch sehr wenig Vorkenntnisse von der japanischen Kultur hat. 

Der Kaisergarten hatte leider erst um 9 Uhr geöffnet, aber unser Morgenspaziergang war schon so früh, dass wir darauf nicht warten wollten. Es ist mehr oder weniger neben dem Hotel, daher können wir das jederzeit bei Bedarf nachholen. Dafür gab es dann den Touristenklassiker Nummer 2 für Marcel. Wir sind nach Harajuku gefahren und haben dort den Meiji-Schrein besucht. Ich möchte meinen, dass ist der wichtigste und bekannteste Schrein in Tokyo. Er ist auch superschön in einer sehr belebten Gegend gelegen, strahlt aber durch den dazugehörigen Wald sehr viel Ruhe aus. Es war auch nicht wirklich was los, so um 9 Uhr morgens. Wir hatten auf dem Spaziergang zum Schrein selbst noch eine kleine


Prozession Mönche sehen können. Und obwohl es noch ruhig war, fallen einem die ganzen Touristen auf. Generell ist der Anteil an europäisch wirkenden Menschen in Tokyo enorm angestiegen, aber an den Spots trifft man dann auch gerne auf diese ignoranten Touris die nur wegen des Beweisfotos da sind. Marcel hat auch sehr viel fotografiert, aber es war nie aufdringlich und hat jedes Verbotsschild respektiert. Aber nicht selten sind andere direkt an den Schrein, trotz Verbotsschildes und einem Wachmann mit Schild in der Hand, gegangen und haben fotografiert. Spannend war auch, dass die großen Torii (Tore) neu gemacht wurden. Das neue Holz ist sehr hell und tatsächlich bis zu einer Höhe von ca. 1,70 mit einer durchsichtigen Plastikfolie ummantelt. Ich behaupte einfach, dass das ist, weil so viele Ignoranten aus der ganzen Welt sich dort nämlich einritzen und die japanischen Heiligtümer beschädigen.

Wir, vorbildlich natürlich, haben uns mit Wasser vor dem Betreten gereinigt und am Schrein gebetet ohne Fotos. Damit alles auch traditionell klassisch abläuft, haben wir auch ein omikuji gezogen, ein Horoskop. Leider sagt unseres nichts über unser Glück aus, sondern enthält ein Gedicht des Meiji-Kaisers. Und Marcel hat von mir ein omamori geschenkt bekommen. Ein Talisman. Ich habe ihm eins gegen dunkle Einflüsse ausgesucht. Für eine gute Geburt fand ich nicht so passend :)

Nach diesem eher traditionellen Start in die Touristenspots sind wir in Harajuku gleich in die Takeshitadori gegangen. Also wollten wir. Marcel hat ein Katzen Cafe entdeckt und wollte da erst rein. Nach zwei Tagen war schon zu viel Kuschelentzug vorhanden. Man sitzt dort in einem Cafe (wobei Kaffee hier gar keine Rolle spielt) und kann die herumlaufenden Tiere bespielen und streicheln. Das bietet vielen Japanern die Möglichkeit mit Katzen zusammen zu sein, da häufig Haustiere verboten sind oder man sie aufgrund der Arbeitszeiten nicht halten kann. Es war auch eine katzengerechte Einrichtung und alle Katzen wirklich ziemlich gelassen, allerdings war keine wirklich verschmust. Als dann auch immer mehr Leute reingelassen wurden, sind wir gegangen, dass wurde uns zu viel und wir wollten es den Katzen nicht antun. Bevor hier aufgeschrien wird: die Katzen hatten einen Rückzugsort wo keiner hinkam. Es war alles schon okay und tiergerecht. 

Anders als in weiteren Tier-Cafes die wir in der Takeshitadori gesehen haben: Hunde-Cafe, ja okay, ein Mini-Schweinchen-Cafe und tatsächlich haben wir das Otter-Cafe gefunden, wo eine Mitarbeiterin mit einem Otter auf der Schulter draußen stand und die Kundschaft reingelockt hat. Das war uns zu hart. Katzen und Hunde sind domestizierte Haustiere, ja, aber Mini-Schweini und Otter nicht.

Aber das ist die Tokyo und die Takeshitadori. Die bekannteste Shoppingmeile mit manchen ausgefallenen Geschäften. Und nun ja, da ist er der Übertourismus. Die Straße war gerammelt voll. Und die Hälfte der Geschäfte waren Imbisse und Naschbuden die aber irgendwie alle das gleiche angeboten haben: Käsetaler und kandierte Erdbeeren. Auch gab es mittlerweile sehr viele Gachapon-Läden. Gachapon, bzw. GachaGacha, sie solche Automaten wie früher die Kaugummiautomaten waren. Du wirfst Geld rein, drehst, und bekommst nen Kaugummi oder nen Plastikring oder oder oder. Und GachGacha haben verschiedenste Inhalte. Das können berühme Animefiguren sein, Marvel, Schlüsselanhänger in Essensform, Mininotizbücher....Ich habe eine Serie gefunden, wo Katzen in Boxen oder Fischgläsern schlafen. Da bin ich schwach geworden und habe aber tatsächlich genau die Figur gezogen, die ich favorisiert habe (sieht aus wie unsere Carie). Für Marcel war das zu bunt und freakig, außerdem wurde er langsam schon hangry.

Deshalb haben wir uns ein Katsudon gegönnt. Ein Schnitzel auf Reis. Und weil wir nicht voll genug
waren, haben wir noch einen Matcha-Crepe-Stand gefunden und da noch einen superleckeren Crepe gegessen. Wir rollten danach dann Richtung Shibuya um den vorerst letzten geplanten Touristenspot für heute aufzusuchen: die Riesenkreuzung und Hachiko. Und auf dem Weg haben wie noch ein oder zwei Zwischenhalte gemacht, weil uns was ins Auge gefallen ist. Zum Beispiel das Tokyu Plaza. Es ist ein sehr bemerkenswertes Gebäude, also eigentlich zwei. Die Dachterrasse und der Rolltreppenaufgang sind mir schon einige Male bei Influencern auf Instagram gezeigt worden. Zack, mussten wir dann auch anschauen und uns wie Influencer fühlen. Und einen Nerd-Laden mit unglaublich sexy und realistischen Sammelfiguren von Marcel, DC, Alien etc haben wir gefunden. Marcel wollte einen lebensgroßen Gremlin mitnehmen. Aber A) wie soll der transportiert werden B) den kriegen wir nicht zollfrei ins Land. Gut, C) Platz haben wir nicht, war da nicht ganz so ausschlaggebend.

Also doch ohne Gremlin weiter zu Hachiko. Und bevor den erreichen, mussten wir über die berühmteste Kreuzung. Ich möchte meinen, dass jede zweite Hand ein Handy nach oben gehalten hat und das Kreuzen gefilmt hat. Auf sämtlichen Aussichtsplattformen hat man auch jede Menge Hobbyfilmer gesehen und Marcel wollte auf das höchste Hochhaus und von da schauen. Allerdings hat er sich Shibuya Sky rausgesucht. Auch unter Influencern sehr beliebt und der Spaß ist auch nicht supergünstig. Zum Glück (oder Pech?) waren alle Tickets für den Tag schon verkauft. Ich sag ja, man muss als Tourist in Japan wissen was man machen will, weil sonst alles weg ist. 

Aber die Hauptattraktion Hachiko war natürlich noch da. Überraschend artig standen die Touristen in Schlange vor der Statue und haben ihre Fotos gemacht. Ich hab jetzt mein viertes oder so, Marcel sein erstes. Dafür habe ich dann den neuen Hachiko-Stempel ergattert. So ziemlich jeder Japanreisender kennt die Stempel. Ich liebe es. An großen Sightseeingspots und den meisten (JR) Bahnhöfen gibt es Stempel die man suchen und in einem eigenen Buch oder in besonderen Stempelpässen sammeln kann. Ich finde das ist eine einfache Idee einige Spots attraktiver zu gestalten und das kostet noch nicht mal viel Geld oder menschlichen Einsatz. Manche Schreine oder Städte bieten sogar gewisse Ralleys an, wo man mehrere Stempel suchen und übereinander stempeln muss, um dann ein mehrfarbiges Bild zu haben (neu in einem Kaff ist jetzt der Gundam-Stempel, ich habe tatsächlich überlegt deswegen hinzufahren, ist aber doch zu weit weg). 


Nun haben wir den heutigen Tagesplan erfüllt und den gestrigen nachgeholt und trotzdem war es erst 16 Uhr. Spontan haben wir dann entschieden, mit einem noch spontaneren Besuch an einer Gozilla-Statue,  in Ginza, eigentlich auch fast neben dem Hotel, eine Ausstellung zu besuchen. Instagram sei Dank, habe ich mich ein bisschen inspirieren lassen und die Art Aquarium Exhibition gefunden. Dort sich Aquarien mit Lichtspielen versehen und wirkungsvoll in Szene gesetzt. Laut Veranstalter für die Fische alles okay. Ich bin kein Experte dafür, aber die Fische wirkten gesund und nicht gestresst auf mich. Da muss man in Japan echt aufpassen. Ich meide hier Zoos, die sind echt eine Qual und nach der heutigen Erfahrung auch alles an Tier-Cafes. Ästhetisch war die Ausstellung auf jeden Fall.



Nach so viel Erlebnissen sind wir nur noch was Kleines essen gegangen und wir planen den nächsten Tag. Möge der Jetlag uns nun endlich mehr Schlaf gönnen.


Mittwoch, 19. März 2025

Lang, lang....

 ... ist's her. Nämlich so ziemlich genau 13 Jahre, 7 Monate und 2 Tage, dass ich Japan verlassen habe.


Und der Weg wieder zurück hat einen Zeitaufwand von nur 27 Stunden gekostet.


Tag 1 ist eigentlich nicht viel mehr als eine Fahrtbeschreibung. Um 4 Uhr morgens, Dienstag wohlgemerkt, sind wir mit dem Auto losgefahren. Die Nacht hat also nicht sehr viel Schlaf gehabt. Aber immerhin sind wir so pünktlich wie gehofft in Frankfurt am Flughafen angekommen und konnten auch in den geplanten zwei Stunden Puffer gleich das Gepäck wegschaffen.

Es ist 14 Jahre her, dass ich geflogen bin und das ganze Self-Service-Gedöns überfordert einen, wenn man nicht vorbereitet ist. Da frage ich mich immer wieder, was tun Menschen, die gar kein Internet oder kein Smartphone haben.

Nun denn, Boarding war auch wunderbar und wir hatten im Flugzeug nach Taipeh drei Sitze für uns. Marcel saß am Fenster und ich wanderte auf den anderen beiden Sitzen umher um irgendwie ne angenehme Schlafposition zu bekommen. Es kann einen definitiv schlechter für einen 12 eineinhalb Stunden lagen Flug treffen. Generell hat China Airlines eine super Filmauswahl und auch sehr gutes Essen. Aber schlafen ging trotzdem nicht wirklich bei uns. Das hat man uns auch sehr bei den drei Wartestunden in Taipeh angesehen. 

Und genau diese drei Stunden sind wir dann auch nochmal von Taipeh nach Tokyo geflogen. Hier war die Sitzauswahl weniger elegant und wir waren in der Mitte reingequetscht worden. Die drei Stunden haben wir das verkraftet, aber für den langen Flug wären wir gestorben. 

Aber damit waren wir dann endlich in Japan. Sogar schon in Tokyo. Marcel hat sich schon auf ein Ende der langen Reise gefreut, aber nein. Natürlich nicht.

Erstmal kommt die Bürokratie. Wir müssen Einreisedokumente ausfüllen und Fingerabdrücke abgeben. Aber da sind wir gut vorbereitet gewesen, dass konnten wir wunderbar zu Hause schon vorbereiten und den Papierkram mit nur einem QR Code erledigen. Trotzdem war es ne lange Schlange, weil viele nach Japan wollen. Zwischendurch haben wir dann auch andere Deutsche informiert, dass sie das noch schnell digital erledigen können. Genauso mit dem Zoll. Damit waren wir im Land, aber noch nicht "zu Hause".

Wir haben das JR (Japanese Railway) Büro aufgesucht um unsere Rail Tickets einzutauschen. Damit können wir in ganz Japan mit der Bahn umsonst fahren können. Auch den Shinkansen. Dazu gab es die klassische Suica-Card. Schließlich kommt man mit der staatlichen Bahn nicht überall hin, also muss die Metro auch abgedeckt sein. Dabei ist die Suica-Card wie eine Prepaidkarte die man mit Geld auflädt und wie in London legt man seine Karte zu Fahrtbeginn und -ende auf, und der Ticketpreis wird abgebucht. Marcel war in dem Moment total überfordert warum wir zwei Tickets haben und was es in noch alles für Papierbelege dazu gab. Aber er ist ganz pragmatisch mir einfach nur willenlos hinterhergelaufen als es dann zur Bahn ging, die uns (nach einer Stunde warten) endlich zum "Heimatbahnhof" brachte.

Nur ist Tokyo Station so gar nicht meine Heimat. Ich glaube ich war hier nur ein einziges Mal. Also irrten wir dann doch relativ lange in dem Bahnhof umher, bis wir den richtigen Ausgang fanden. Ist ja nicht so, dass es wie in Deutschland so ca. 13 Bahnsteige gibt. Man hat mehrere Züge die dort fahren, -JR und Metro und die Shinkansen- die alle in einem eigenen Bereich abfahren und doch irgendwie alle verbunden sind. Und damit hat der Bahnhof dann auch ca. 10 Ausgänge. Ich bin immer wieder begeistert was so etwas mal geplant hat.

Zum Hotel ging es dann auch ganz easy und das Einchecken war eigentlich auch nur digitaler Selfservice. Aber egal, ziemlich kaputt sind wir ins Zimmer, haben uns nur kurz frisch gemacht und sind auf die Suche nach Essen gegangen. Da haben wir auch was hübsches kleines gefunden, dass ganz urig klassisch aufgebaut ist. Die Japankenner würden es mit einem Izakaya vergleichen. Man bestellt viele kleine Sachen, alle essen alles und man könnte noch viel nebenbei trinken. Aber das taten wir nicht, schließlich waren wir kaputt genug.


Also ab nach Hause, duschen und ins Bett.

Ab morgen will ich mich wieder wie zu Hause fühlen.